Schutz für Esel in Ostafrika

Die Bedeutung von Traditioneller Chinesischer Medizin und somit auch die Nachfrage nach Produkten tierischen Ursprungs nehmen weltweit in rasantem Tempo zu. Insbesondere der Handel mit verarbeiteter Eselhaut floriert. Gleichzeitig sinkt die Eselpopulation weltweit, denn auch die Zucht kann den Bedarf nicht decken. So sind die Tiere zu einem raren Gut geworden – mit besorgniserregenden Folgen auch in Ostafrika.

Auswirkungen von Ejiao auf die Eselpopulation weltweit

Ejiao nennt sich ein Produkt, das seit Jahrhunderten im asiatischen Raum und in der traditionellen chinesischen Medizin aus Eselhaut gewonnen und als Gelee oder Pulver in Gerichten und Getränken sowie in Pflegeprodukten wie Cremes verarbeitet wird. Einst war das vermeintliche Heilmittel als Prestigeprodukt nur wenigen hochrangigen Chinesen vorbehalten. Mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung und der allgemeinen Expansion traditioneller chinesischer Medizin auch in Europa wuchs das Interesse über alle Gesellschaftsschichten hinweg: Bereits heute lassen sich Produkte mit Ejiao über den Onlineversandhandel auch in Deutschland erwerben. Die Eselpopulation in China hat sich seitdem fast halbiert: von schätzungsweise 11 Millionen in 19901 auf weniger als sechs Millionen in 20152. Auch global betrachtet sind die Zahlen besorgniserregend: Einer Nachfrage von vier bis 10 Millionen Eseln pro Jahr steht eine weltweite Esel-Population von 44 Millionen gegenüber3

Die Zucht bietet keine Chance, der hohen Nachfrage gerecht zu werden: Esel tragen im Schnitt 12 bis 13 Monate und bringen meist nur ein Fohlen zur Welt. Um den Bedarf decken zu können, müssten riesige Herden gehalten werden, die einen immensen Einsatz von zahlreichen Ressourcen wie Wasser und Futter bedürfen würden.

1 Starkey P, Starkey M. Regional and world trends in donkey populations. Starkey P, Fielding D, editors. Donkeys, People and Development. ATNESA; 2000. 10 – 21 p.
https://www.voanews.com/a/donkeys-africa-chinese-demand/4440167.html
https://conference.ava.com.au

Beschaffung von Eseln in Ostafrika

Um der Nachfrage nach Eselhaut für Ejiao gerecht zu werden, wurden die ärmsten Regionen der Welt, wo Esel als Lasttiere für die Bevölkerung unersetzlich sind, als neue Märkte erschlossen. 13 afrikanische Länder gingen dagegen an und verboten den Export von Eseln oder den Bau von Esel-Schlachthäusern, um so den (oft auch illegalen) Handel mit Eseln zu unterbinden:

Nigeria, Burkina Faso, Mali, Senegal in 2016 sowie Botswana, Uganda, Äthiopien und Ghana 2017. Auch die Elfenbeinküste und Südafrika haben den Export nach China verboten.

In Tansania...

… eröffneten 2014 in Dodoma und Shinyanga zwei Esel-Schlachthäuser, die bis heute agieren. Nur kurzzeitig wurden im Juni 2017 die Exporte von Eselprodukten aus Tansania verboten, im Januar 2018 dann aber wieder erlaubt. Seit Anfang 2017 beobachten wir von der Welttierschutzgesellschaft eine sich häufende Zahl von Eseldiebstählen insbesondere in den abgelegenen Dörfern, wo die Menschen mit Eseln zur Selbstversorgung leben und somit drei bis vier Tiere pro Familie halten. Diebe fallen nachts in die Dörfer ein. Die Esel, dann meist ungeschützt auf den Weiden, werden an Ort und Stelle gehäutet oder gänzlich gestohlen und in die Schlachthäuser transportiert. Wir engagieren uns in Tansania für den Schutz der Esel und bauten seit 2017 in den besonders betroffenen Dörfern im Norden des Landes 160 Gehege, wo nun über 4000 Esel vor Diebstählen geschützt sind. Mit Öffentlichkeits- und Informationsarbeit, zum Beispiel über Radiospots und Treffen mit lokalen Autoritäten, betreiben wir wichtige Vorsorge und stellen sicher, dass Familien über die Situation und die ausgehenden Gefahren informiert wurden. In den bisher erreichten Dörfern wurde seit Bau der Gehege kein Esel mehr gestohlen! Mehr dazu lesen Sie hier: https://welttierschutz.org/soforthilfe/esel-diebstahl-in-tansania/

Weiter sind wir mit einem zweiten Partner quer über das Land verteilt auf Tiermärkten und in den Schlachthäusern aktiv. In Gesprächen mit den Verantwortlichen wirken unserer Partner auf eine verbindliche Einführung der Betäubung vor der Schlachtung hin. Zusätzlich ausgehängtes Informationsmaterial in den Schlachthäusern erreicht auch die Mitarbeiter, die mit den Tieren arbeiten und es damit auch in der Hand haben, die Bedingungen zum Wohl der Esel zu verbessern. und sind im Rahmen von Kontrollen auf Tiermärkten und in Schlachthäusern aktiv, um einen tiergerechten Umgang mit den Eseln sicherzustellen. Mehr dazu lesen Sie hier: https://welttierschutz.org/projekte/nutztiere/tiermaerkte-in-tansania/

In Kenia…

… ist die Lage noch verheerender. Das Land gilt heute als das Zentrum der Exporte von Eseln aus Ostafrika nach China. Doch der Tierschutz spielt keine Rolle.

Im Nachbarland von Tansania wurden in den letzten Jahren Millionensummen in den Bau von vier Esel-Schlachthäusern investiert, in denen heute zusammengerechnet 800 Esel am Tag – 300.000 Tiere im Jahr geschlachtet und verarbeitet werden können – ohne Rücksicht auf geltende Tierschutzgesetze.

Mithilfe unseres lokalen Partners Dr. Solomon Onyango konnten wir die Situation in den Esel-Schlachthäusern Kenias dokumentieren– mit schockierenden Ergebnissen. In allen vier Schlachthäusern wiesen die bis zu 500 Tiere einen sehr schlechten Zustand auf. Während sie im Außenbereich oft tagelang ungeschützt vor der sengenden Hitze ausharren müssen, werden sie weder mit Wasser noch Futter versorgt. Die Tiere sind stark unterernährt und teilweise durch Knochenbrüche schwer verletzt. In den Innenbereich des Schlachthauses werden sie von den Mitarbeitern durch rohe Gewalt und Schläge getrieben. Die Tötung der Tiere schockiert besonders: Keines der Schlachthäuser nutzt eine adäquate Methode zur Betäubung der Tiere. Entweder wird ihnen mit einem stumpfen Metallstab so oft auf die Stirn geschlagen, bis sie ihr Bewusstsein verlieren oder es kommen  Elektroschocker oder Sonden zum Einsatz – keine dieser Methode ist aus Tierschutzsicht akzeptabel und hat einen qualvollen Tod der Tiere zur Folge.  Die Situation ist absolut unhaltbar!

Den detaillierten Report zur Dokumentation der vier Esel-Schlachthäuser finden Sie hier: https://welttierschutz.org/report-esel-schlachthaeuser-in-kenia/. Weitere Informationen über Dr. Solomon Onyango lesen Sie im Interview hier: https://welttierschutz.org/esel-sind-wie-freunde-fuer-mich/

Nachdem wir die grausame Situation in den vier Schlachthäusern dokumentiert haben, fordern wir die Betreiber der Esel-Schlachthäuser dazu auf, die geltenden Tierschutzgesetze einzuhalten. Dafür richten wir uns mit einer Petition an sie: https://welttierschutz.org/petition-esel. Bitte unterzeichnen Sie!

Jetzt Petition unterzeichnen!

Bitte unterstützen Sie unsere Petition und fordern Sie mit uns die Betreiber der Schlachthäuser auf, die geltenden Tierschutzgesetze sofort zu berücksichtigen.

Zur Petition

Existenzielle Bedrohung auch für die Menschen

Drastische Auswirkungen haben die Entwicklungen auch auf die lokale Bevölkerung, wie Gespräche mit Vertretern der Gemeinden in den Dörfern Tansanias und rund um die Schlachthäuser in Kenia darlegten. Eselbesitzer sind oft die Ärmsten der Armen und benötigen ihre Tiere zum Überleben. Die Tiere gelten für die Menschen als treue Begleiter, die helfen, das Wasser von den kilometerweit entfernten Wasserstellen in die Dörfer, Kinder in die Schulen, Kranke in Krankenhäuser und die Ernte vom Feld auf die Märkte zu transportieren.

In Kenia zeichnete sich während unserer Befragungen im Detail ab, dass die vier Betriebe die Atmosphäre vor Ort negativ verändert haben und vor allem Nachteile für die dort ansässigen Menschen mit sich bringen: Besonders die Zahl der Diebstähle häufen sich, was Existenzängste mit sich bringe. Wenn die Hilfe durch das Lasttier über Nacht wegfällt, stehen die Menschen vor dem Nichts und können sich auch kein neues Tier leisten. Denn die wachsende Nachfrage nach Eseln steigert auch den Wert der Tiere. Der Preis für einen Esel ist in Kenia seit Inbetriebnahme der Schlachthäuser um über 300 Prozent (von 4.000 auf 12.000 Kenia-Schilling) gestiegen.

Als Zentrum der Exporte von Eseln aus Ostafrika nach China ist Kenia zu einem wichtigen Einsatzland der Welttierschutzgesellschaft geworden

Wie wir vom Direktor der Veterinärdienste in Kenia wissen, fehlt es an einer gründlichen Datenlange, weshalb Aktionen von Seiten der Regierung ausbleiben. Als Argumente für den Erhalt der Esel-Schlachthäuser wird hingegen häufig angeführt, dass sie Arbeitsplätze schaffen würden und die Menschen nun Möglichkeit hätten, ihre alten oder kranken Tiere gewinnbringend zu verkaufen. Diese Argumente überwiegen in der Diskussion dem Tierwohl – und den gravierenden Auswirkungen auf die Leben der Menschen.

Das wollen wir ändern und haben uns in Kenia großflächig – in 32 von landesweit 47 Bezirken – einen Überblick verschafft: Unser Partner vor Ort, Dr. Solomon Onyango, war dazu mit Unterstützung lokaler Kolleginnen und Kollegen im Einsatz und suchte das Gespräch mit Eselhalterinnen und Eselhaltern: Wie geht es ihren Eseln? Welche Rolle spielen die Tiere im Alltag?

Zusätzlich prüfte ein weiteres Team auf juristischer Ebene die Gesetzeslage, auf die der Betrieb der Schlachthäuser und der stark gewachsene Handel mit Eselhäuten fußen. Sie ermittelten, welche Gesetze es zum Schutz der Esel gibt und welche Lücken es zu füllen gilt.

Die entstandenen, umfangreichen Daten – von Hunderten Eselhalterinnen und Eselhaltern und ihren fast 2000 Tieren – werden aktuell ausgewertet. Zusammen mit den Erkenntnissen aus den Schlachthaus-Besuchen können wir mit den aufgearbeiteten Informationen das Gesamtbild zur Lage der Esel in Kenia vervollständigen. Sie werden uns eine Ausgangssituation bieten, um den Druck auf die kenianische Regierung zu erhöhen, damit eine Lösung gefunden wird, die sowohl das Wohl der Tiere als auch der Menschen sicherstellt.

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