© Lisa Ossenbrink für Welttierschutzgesellschaft

Leitlinien für Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Für mehr Tierschutz in Projekten unter Einsatz von Tieren

Gemeinsam mit der Welttierschutzstiftung richten wir uns im Rahmen des Programms „Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ an Akteur*innen der Entwicklungszusammenarbeit und appellieren, dass beim Einsatz von Tieren das Tierwohl Berücksichtigung finden muss. Praktische Hilfestellung bieten dabei unsere umfangreichen „Leitlinien für Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ (englisch „Guidelines for Animal Welfare in Development Cooperation“).

Hintergrund: Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Gemeinsam mit der Welttierschutzstiftung setzen wir uns dafür ein, dass das Wohl von Nutztieren in Projekten deutscher Humanhilfeorganisationen stärkere Beachtung findet. Denn in vielen solcher Projekte der Entwicklungszusammenarbeit werden Nutztiere gezielt eingesetzt, um Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern einen Ausweg aus der Armut zu bieten. Das Wohl der Tiere findet dabei bisher aber kaum Beachtung, wenngleich es für Mensch und Tier gleichermaßen grundlegend ist.

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Die Leitlinien wurden 2021/2022 federführend von Dr. Paul Ssuna entwickelt, der dafür über mehrere Monate Tierschutzmaßnahmen in Projekten internationaler Hilfsorganisationen untersuchte, in denen gezielt Tiere eingesetzt werden, um den Menschen einen Weg aus Hunger und Armut zu bieten. Dabei fokussierte er sich vor allem auf Uganda, wo er selbst an der Makerere Universität als Tierwohl-Dozent tätig ist, sowie auf Projekte in Tansania und Kenia. Unter den ausgewählten Projekten fanden unter Einsatz von Tieren beispielsweise Beratungsdienste für die Gesundheit von Pflanzen, die Weiterbildung von Frauen in ökologischer Landwirtschaft oder die Förderung von Hirtengemeinschaften statt – um nur einige Beispiele zu nennen.

Dr. Paul Ssuna ist Tierarzt am Labor der Tiermedizinischen Fakultät (CoVAB) der Makerere Universität in Kampala/Uganda. Als Projektmanager des Programmes TIERÄRZTE WELTWEIT koordinierte er von 2019 bis 2022 das Ausbildungsprojekt im Land. 2020 erwarb er den Master in Applied Animal Behaviour and Animal Welfare (Tierverhalten und Tierschutz) an  der Universität Edinburgh und ist damit die erste Person in Uganda, die auf Tierschutz spezialisiert ist. Seit Januar 2021 ist Paul zudem als Berater in dem Programm "Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit" tätig und dabei erster Ansprechpartner für internationale NGO zu Tierwohl-Maßnahmen in den Projekten.

Das Fazit: Nur wenige der untersuchten Projekte hatten in der Vergangenheit konkrete Regeln oder Vorschriften in Bezug auf das Wohl der eingesetzten Tiere. Die Folge ist vermeidbares Tierleid.

Tieren muss als fühlende Wesen aber eine tiergerechte Versorgung zustehen. Wir sind zudem der Überzeugung, dass Projekte unter Einsatz von Tieren nicht nachhaltig sein können, wenn deren Wohl keine Berücksichtigung findet: Die Tiere werden krank, sterben früh – und sind dem Menschen keine Hilfe.

Im Rahmen der Leitlinien gehen wir die Tierschutzprobleme mit praktischen Anleitungen an: Wir weisen konkrete Handlungsempfehlungen aus, die in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, in denen Tiere eingesetzt werden, dringlich Anwendung finden müssen.

Diese beziehen sich unter anderem auf Maßnahmen wie …

  • Schulungen der begünstigten Menschen zu Tierschutzthemen wie der tiergerechten Fütterung und Haltung.
  • die Sicherstellung einer professionellen tiermedizinischen Versorgung.
  • der Einhaltung nationaler Tierschutzgesetzgebung.

Zudem weisen wir daraufhin, dass die Umsetzung der Tierwohl-Maßnahmen sowie der Einsatz von Tieren generell eine zuverlässige Überwachung beispielsweise durch Monitoring und Evaluation erfordert, um bei Bedarf angepasst werden zu können.

Hier können Sie die Leitlinien – in englischer Sprache – im Detail einsehen:

Durch die Implementierung der „Leitlinien für Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ soll der Tierschutz in Projekten, in denen Tiere eingesetzt werden, gestärkt werden. Zudem bieten sie nachhaltige Hilfe für die begünstigten Menschen durch eine verbesserte Ernährungssicherung und Lebensmittelsicherheit. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir durch die Leitlinien als feste Komponente in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit langfristig zur Verbesserung des Tierschutzes und der Lebensbedingungen der Tiere beitragen.

Einige der im Rahmen der Entstehung der Leitlinien untersuchten Organisationen haben die Empfehlungen bereits zu Teilen übernommen. Für die weitere Umsetzung und Implementierung der Leitlinien auf europäischer und internationaler Ebene werden aktuell Arbeitsgruppen und Ausschüsse gegründet.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, mit praktischen Handlungsempfehlungen ebnen wir den Weg für mehr Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit. Bitte unterstützen Sie uns dabei – mit Ihrer Spende für das Programm.

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