Report: Esel-Schlachthäuser in Kenia

Vier Schlachthäuser, quer über das Land verteilt, sind die letzte Station hunderttausender Esel in Ostafrika. Als existentielle Helfer haben sie ihr Leben an der Seite der Menschen verbracht und sind hier auf den letzten Metern ihres Lebens unerträglichem Leid ausgesetzt. Ein Report aus Kenias Esel-Schlachthäusern:

Um der wachsenden Nachfrage nach Eselhaut für ein Heilmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, Ejiao genannt, gerecht zu werden, hat sich Kenia als Zentrum der Exporte nach China etabliert.  Dort, wo Esel als Lasttiere für die Bevölkerung unersetzlich sind, eröffneten in den letzten Jahren vier Esel-Schlachthäuser, in denen heute jeweils bis zu 500 Esel am Tag verarbeitet werden können – unter grausamen Bedingungen. Mit Hilfe unseres Partners vor Ort - Dr. Solomon Onyango – konnten wir die Zustände im Detail dokumentieren.

Machakos, Nakuru, Baringo, Turkana – in diesen Bezirken Kenias werden auf Basis unserer Recherchen jährlich über 300.000 Esel geschlachtet.

Zusammengefasst: Die letzten Stunden der Esel

Nach stunden- oder sogar tagelangen Transporten sind die Tiere oft schwer verletzt und erschöpft. Im Schlachthaus angekommen werden sie ohne Futter- und Wasserversorgung, ohne Schutz vor der prallen Sonne, zusammengepfercht und müssen oft stunden-, womöglich sogar tagelang bis zur Schlachtung ausharren. Der Umgang mit den Tieren von Seiten der Mitarbeiter ist brutal: Die Tiere werden teils mit Tritten und Schlägen über gefährliche Rampen in den von Blut und Kadavern getränkten Innenbereich getrieben. In keinem der Schlachthäuser konnte ein adäquates Mittel für die Betäubung der Tiere dokumentiert werden. Stattdessen werden die Tiere durch stumpfe Gewalt oder Stromschläge betäubt, nicht selten sogar versehentlich getötet.

Jede Minute – vom Gang in den Schlachthof bis zum brutalen Tod – leiden die Tiere unermesslich.

+++ WARNUNG: Die Bilder und Beschreibungen sind verstörend. +++

Hinweis in eigener Sache: Dr. Solomon Onyango, auch als Afrika-Koordinator für die Welttierschutzstiftung tätig, ist in Kenia sehr gut vernetzt, weshalb wir zusichern können, dass sowohl der Zugang zu den Betrieben als auch die Datenerhebung und Dokumentation in Form von Fotos und Videos auf legalem Wege erfolgten.

Machakos: Das Esel-Schlachthaus an der Grenze der Bezirke Machakos und Kitui wurde im Juli 2018 eröffnet und verweigerte seitdem allen Tierschutzorganisationen und sogar einem Mitarbeiter der Tiergesundheitsbehörde den Zutritt.

Offiziell hat das Schlachthaus Kapazitäten für die Schlachtung von 200 Eseln täglich, doch bei der Dokumentation fand unser Partner weit mehr Tiere vor: Allein im Außenbereich des Betriebes – dem Wartebereich vor der Schlachtung – waren 412 Esel der sengenden Hitze ausgesetzt – sie wurden weder mit Futter noch sauberem Wasser versorgt. Nur eine stark verunreinigte Tränke stand zur Verfügung. Auf einem angrenzenden Gelände wurden zudem einige sehr junge Fohlen gehalten. Der Gesundheitszustand aller Tiere war durchweg schlecht: Sie waren unterernährt und wiesen Erschöpfungssymptome auf, die sowohl auf die langen Transporte als auch die andauernde Extremsituation zurückzuführen sind. Vier Esel wiesen schwere Knochenbrüche und infizierte Wunden auf.

Blut und Eselknochen befanden sich auf dem Boden des Innenbereichs vom Schlachthof. Zum Zeitpunkt der Dokumentation waren 18 Esel in der Vorbereitung zur Schlachtung – in eben diesem Raum. Einige dieser Tiere wiesen noch drastischere Verletzungen auf, als die Tiere im Außenbereich: Unser Partner erfuhr, dass die Tiere mit roher Gewalt – Tritten und Schlägen – durch die Rampe in den Schlachthof getrieben wurden. Weil kein Bolzenschussgerät zur Betäubung bereitsteht, schlugen die Schlachthofmitarbeiter den Tieren mehrmals mit einem stumpfen Metallstab auf den Schädel – ein elendiger und sehr schmerzhafter Tod. 179 Skelette wurden auf dem Gelände erfasst, von denen so gut wie alle Knochenbrüche und Frakturen am Schädel aufwiesen.

In Gesprächen mit Händlern, die zum Zeitpunkt der Dokumentation Esel anlieferten, erfuhren wir, dass die Tiere meist aus Nord-Kenia, nicht selten aber auch aus Somalia kämen. Dafür läge keine offizielle Genehmigung vor, weshalb Händler auf unkontrollierte Anfahrtswege und Grenzübergänge auswichen.

Nakuru: Im Bezirk Nakuru wurde das Esel-Schlachthaus im Jahre 2016 mit einer Kapazität von 200 Esel-Schlachtungen am Tag eröffnet und bereits kurz danach wegen maßgeblicher Tierschutzverstöße durch das Veterinäramt wieder geschlossen. Damals wurden verhungernde Esel zwischen Kadavern dokumentiert.

Auch zum Zeitpunkt unserer Dokumentation – das Schlachthaus hat seinen Betrieb längst wiederaufgenommen – wurden mutmaßliche Verstöße dokumentiert. Von den 500 Eseln, die im Außenbereich für die Schlachtung vorgesehen waren, hatte kein einziger Zugang zu Wasser und Futter, alle waren sehr erschöpft und wiesen einen schlechten Gesundheitszustand auf. Auf derselben Fläche wie die Tiere wurde ein riesiger Müllberg aus Knochen und verrottetem Fleisch aufgeschüttet. Die Eselhäute hingegen waren sorgfältig in einem abgetrennten Bereich zum Trocknen ausgelegt.

Die Esel werden mit grober Gewalt vom Außenbereich in den Innenteil zur Schlachtung gebracht und mit einem Elektroschocker betäubt. Die Herkunft der Esel war in diesem Fall sehr eindeutig: In Äthiopien ist das Fell der Esel weitaus dunkler gefärbt, sichtlich war der Großteil der Tiere von dort.

Baringo: Das Schlachthaus in Mogotio im Bezirk Baringo eröffnete 2016 und hat die Kapazitäten zur Schlachtung von 400 Eseln am Tag – somit ist es das größte in Kenia betriebene Esel-Schlachthaus. Aufgrund sich häufender Vorfälle von Umweltverschmutzung – Medien zufolge wurden Esel-Kadaver nicht ordnungsgemäß entsorgt – stand das Schlachthaus immer wieder in der Kritik. 2017 musste es aufgrund der Verstöße den Betrieb einstellen, eröffnete aber kurze Zeit später wieder.

Zum Zeitpunkt der Dokumentation befanden sich über 700 Esel im Außenbereich des Schlachthauses, von denen keiner Zugang zu Futter oder Wasser hatte. Viele wiesen Verletzungen an den Hufen oder offene Wunden am Körper auf. 60 Tiere waren nicht mehr fähig, sich vom Boden aufzurichten.

Im Innenbereich zeichnete sich ein noch schlimmeres Bild: 13 Esel waren auf kleinstem Raum eingepfercht und unfähig sich zu bewegen. Über eine mechanische Kette wurden die lebendigen Tiere in den Schlachtraum transportiert.

Auch in diesem Schlachthaus stammten die Esel ihrer Fellfarbe nach zu urteilen hoher Wahrscheinlichkeit nach aus Äthiopien aus Äthiopien.

Turkana: Seit 2016 ist das Schlachthaus im Bezirk Turkana in Betrieb. Obwohl es eine Kapazität von 200 bis 300 Eselschlachtungen pro Tag hätte, befanden sich zum Zeitpunkt der Dokumentation nur etwa 30 Esel auf dem Gelände.

Trotzdem war auch hier der Umgang mit den Tieren erschreckend: Sie wurden durch Auspeitschen und Tritte durch die Gehege auf die Rampe zum Schlachtbereich getrieben. Scharfe Kanten und kein Seitenschutz an der Rampe verursachten bei vielen Eseln Verletzungen – sie können seitlich herausfallen und sich die Knochen brechen.

Zur Betäubung der Tiere wird hier – unsachgemäß und für gefährlich - eine elektrische Sonde verwendet.  

Gespräche mit Eselhaltern in den Regionen der Schlachthäuser bestätigten außerdem den Verdacht: Seit Eröffnung der Betriebe kommt es in den Regionen vermehrt zu Diebstählen von Eseln – in Machakos wurden 2018 über 30 Fälle gemeldet, in den anderen drei Bezirken allein in 2019 bereits 256 Fälle. Zudem ist landesweit der Preis für Esel explodiert: Von einst etwa 4000 Kenianische Schilling (umgerechnet ca. 35 EUR) bis maximal 7000 Kshsh im Jahre 2017 müssen Käufer heute 12.000 Kshs (ca. 104 EUR) bis 18.000 Kshs aufbringen – für die lokale Bevölkerung ist dies ein Preis, der absolut nicht zu leisten ist.

Wir setzen uns für den Schutz der Esel ein

Die Erkenntnisse, die wir aus den Schlachthaus-Dokumentationen gewonnen haben, sind verstörend – aber wichtig und so sind wir Dr. Solomon Onyango umso dankbarer für seine Stärke in dieser nervenaufreibenden Dokumentation. Wir fordern die Betreiber der Esel-Schlachthäuser dazu auf, die geltenden Tierschutzgesetze einzuhalten. Dafür haben wir eine Petition eingerichtet, an der Sie sich beteiligen können: https://welttierschutz.org/petition-esel. Bitte unterzeichnen Sie!

Aktuell legen wir im Rahmen einer sozioökonomischen Erhebung weitere wertvolle Daten nach: Mit einer fundierten Datenlage wollen wir den Schutz der Esel voranbringen.

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