Das Faultier

Was Sie schon immer über Faultiere wissen wollten

Faultier
Faultier

Faultiere sind ganz und gar nicht faul, wenngleich ihr Name es vermuten lässt. Vielmehr haben sie sich mit ihrer Langsamkeit auf geschickte Weise an ihren Lebensraum angepasst. Von Fressfeinden wie Raubvögeln werden sie kaum wahrgenommen und durch ihre langsamen Bewegungen sparen sie wertvolle Energie. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über die Strategen der Langsamkeit.

Das Faultier (lat. Folivora) ist ein Säugetier, welches zur Überordnung der Nebengelenktiere (Xenarthra) gehört und zusammen mit dem Ameisenbären die Ordnung der Zahnarmen (Pilosa) repräsentiert. Es gibt sechs Arten, die sich in zwei Gattungen aufteilen: Zweifinger-Faultiere (Choloepus) und Dreifinger-Faultiere (Bradypus). Beide Gattungen haben in unabhängigen Evolutionsprozessen wiederum Arten gebildet und sind durch ihre separate Entwicklung nur weitläufig miteinander verwandt.

Steckbrief

Zweifinger-Faultier: Eigentliches Faultier, Hoffmann-Zweifingerfaultier

Dreifinger-Faultier: Weißkehlfaultier, Braunkehlfaultier, Kragenfaultier, Zwergfaultier

Beim Dreifinger-Faultier unterscheidet man die Arten: Weißkehlfaultier, Braunkehlfaultier, Kragenfaultier, Zwergfaultier
  • Ordnung: Folivora
  • Lebensraum: Regenwald
  • Verbreitung: Mittel- und Südamerika
  • Größe: je nach Art 40 – 80 cm
  • Gewicht: je nach Art 2 – 11 kg
  • Lebenserwartung: 30 bis 50 Jahre in Gefangenschaft, in Freiheit nicht bekannt
  • Hauptnahrung: Blätter, Knospen, Blüten, Früchte,
  • Sozialverhalten: Einzelgänger
  • Anzahl Jungtiere: max. ein Junges pro Jahr
  • Tragzeit: je nach Art zwischen 5 und 11,5 Monate
  • Natürliche Feinde: Raubkatzen, Greifvögel, Schlangen und der Mensch
  • Welttag des Faultiers: 20. Oktober (viele begehen den Tag aber auch am dritten Samstag im Oktober)

Wie sehen Faultiere aus?

Typisch für alle Faultierarten sind die langen Arme und Beine, der kleine Kopf auf dem langen Hals sowie die weit auseinanderstehenden Augen und die flache Nase. Um entspannt am Baum hängen zu können ohne runter zu fallen, besitzen alle Faultiere etwa 10 cm lange Krallen. Die Unterscheidung zwischen Zweifinger- und Dreifinger-Faultieren bezieht sich einzig auf die Vorderfüße, denn an den Hinterfüßen haben alle Faultiere jeweils drei Krallen. Die kleinen, wenig ausgebildeten Ohren sind im strohigen Fell versteckt, welches aus einem kurzen Unter- und einem Oberfell besteht. Bei den Zweifinger-Faultieren ist letzteres länger als bei Dreifinger-Faultieren und einem kurzen Unterfell besteht. Die Fellfarbe ist je nach Art verschieden, meistens jedoch ein graubrauner Ton, der mitunter in der Regenzeit einen grünlichen Ton annehmen kann.

Algen im Fell: In einigen Regionen ist zu beobachten, dass im Fell der Faultiere Algen wachsen. Diese verleihen dem Fell der Tiere einen grünlichen Grundton. Ob der Bewuchs einem Zweck dient und welcher dies sein könnte – dazu forscht man noch.

Wo leben Faultiere?

Der natürliche Lebensraum von Faultieren sind die Baumwipfel in tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Auf Grund ihres natürlichen Lebensraumes bevorzugen Faultiere eine hohe Luftfeuchtigkeit und Umgebungstemperaturen zwischen 26 und 30°C.

Das Verbreitungsgebiet des Zweifinger-Faultiers erstreckt sich von Mittelamerika (Honduras) über den nördlichen Teil Südamerikas (von Kolumbien über Venezuela bis nach Suriname). Auch in Peru, Bolivien und den äußersten Westen Brasiliens ist es zu finden. Die Tiere sind zum Teil auch in laubabwerfenden Wäldern bis in Höhen von 3.000 Metern zu finden. Teilweise überschneidet sich das Verbreitungsgebiet des Zwei- mit dem des Dreifinger-Faultiers. Allerdings leben letztere ausschließlich in den (Küsten-)Regenwälder der subtropischen bis tropischen Gebieten Mittel- und Südamerikas (bis ins zentrale Brasilien). Nicht zu finden sind sie in den Hochlagen der Anden sowie in den Llanos-Regionen Venezuelas und Kolumbiens und ebenso wenig im Süden des Kontinents.

Das Leben der Faultiere spielt sich beinahe ausschließlich im Schutz der hohen Bäume ab. Nur in seltenen Fällen klettern die Tiere auf den Boden und verlassen den Baum. Selbst wenn sie ihren Baum wechseln, geschieht dies meistens innerhalb der hohen Baumwipfel und indem sich die Faultiere von Ast zu Ast hangeln. Zweifinger-Faultiere wechseln ihren Baum im Gegensatz zu Dreifingerfaultieren fast täglich, was mit ihrer abwechslungsreicheren Ernährungsweise begründet werden kann.

So schützt die Welttierschutzgesellschaft Faultiere

Die Welttierschutzgesellschaft setzt sich für den Schutz von Faultieren in Suriname ein, wo die verstärkte Abholzung der Regenwälder, den Lebensraum zahlreicher Wildtiere vernichtet und diese in Gefahr bringt. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt: https://welttierschutz.org/projekte/wildtiere/wildtiere-in-surinam/

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Was fressen Faultiere?

Die Hauptnahrung von Faultieren besteht aus den Blättern der Bäume, auf denen sie leben. Während sich das Dreifinger-Faultier fast ausschließlich von diesen ernährt, dienen dem Zweifinger-Faultier daneben auch Früchte, Knospen, Insekten und zum Teil sogar von kleinen Wirbeltieren als Nahrungsquelle – jedoch in geringer Menge.
Ihren Flüssigkeitsbedarf stillen Faultiere durch die Feuchtigkeit der saftigen Blattnahrung. Da Blätter schwer verdaulich sind, haben Faultiere bestimmte Bakterien in ihrem Verdauungssystem, die das Aufschließen der Zellulose übernehmen. Bedingt durch diese blattreiche Ernährung, die nur wenig Energie liefert, ist der Stoffwechsel von Faultieren einer der langsamsten unter den Säugetieren. Hierin liegt auch die Erklärung für die extrem langsamen Bewegungen:

Faultiere leben sozusagen im „Energiesparmodus“: sie bewegen sich möglichst langsam und wenig.

„Um ihre Verdauung in Schwung zu bringen, strecken Faultiere ihren Bauch gern in die Sonne“, erläutert Daniela Schrudde, fachliche Leiterin der Tierschutzarbeit bei der WTG. „Dennoch ist die Verdauung so langsam, dass die Tiere nur circa einmal pro Woche Kot und Urin absetzen“, so Schrudde weiter. Um zu defäkieren (ihr Geschäft zu verrichten), verlassen Faultiere einmal wöchentlich ihren Baum und somit auch den vor natürlichen Fressfeinden weitgehend geschützten Bereich.

Wie bewegen sich Faultiere fort?

Faultiere bewegen sich fort, indem sie sich mit ihren Armen und Beinen an Ästen entlanghangeln. Der Rücken der Tiere zeigt dabei nach unten, der Kopf nach oben. Das Tempo der Faultiere ist bedingt durch ihre Ernährung und den trägen Stoffwechsel sehr langsam.


Die Langsamkeit macht die Tiere gegen die vom Menschen ausgehenden Bedrohungen machtlos: Wenn die Holzfäller kommen, sind sie nicht in der Lage, die Flucht zu ergreifen. Außerhalb der Baumkronen kommen die Tiere nur mühevoll voran und sind völlig schutzlos.

Kurios: Faultiere sind hervorragende Schwimmer

Wie pflanzen sich Faultiere fort?

Faultiere sind Einzelgänger und kommen nur zur Paarung zusammen. Geschlechtsreif sind die Tiere erst mit etwa vier Jahren und bringen pro Jahr in der Regel nur ein Jungtier zur Welt. Bei den Dreifinger-Faultieren konnte eine saisonale Abhängigkeit bezüglich der Fortpflanzungszeit beobachtet werden, während angenommen wird, dass sich die Weibchen der Zweifinger-Faultiere das ganze Jahr über fortpflanzen. Stimmhaft machen die Faultier-Weibchen potenzielle Paarungspartner dann auf sich aufmerksam.

Die Paarung findet, wie auch die Geburt, im Schutz der hohen Baumkrone statt. Nach einer Tragzeit von fünf (Dreifinger-Faultier) bis 11,5 (Zweifinger-Faultier) Monaten kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt. Vom ersten Tag seiner Geburt an, klammert sich das Jungtier am Bauch seiner Mutter fest. In dieser Position ist es nicht nur gut behütet, sondern hat auch die Zitzen der Mutter, an denen es in den ersten Lebenswochen seinen Hunger stillt, immer in Reichweite. Zwar beginnen die Jungtiere bereits nach einigen Wochen Blattnahrung zu sich zu nehmen und beginnen mit etwa zwei Monaten selbstständige Kletterversuche, eine Entwöhnung und das damit verbundene Erlangen der Selbstständigkeit finden jedoch erst nach mehreren Monaten statt. Bis dahin transportiert die Faultiermutter ihren am Bauch hängenden Nachwuchs von einem Ort zum anderen.

Faultier-Fakten zum Staunen

Heute gibt es zwei Gattungen des Faultiers: Das Zweifinger-Faultier und das Dreifinger-Faultier. Fossilfunde legen jedoch nahe, dass es zwischen dem Oligozän und dem frühen Holozän bis zu 90 verschiedene Gattungen gegeben haben soll.

Das Dreifinger-Faultier hat keine festen Aktivitätszeiten, es ist gleichermaßen tag- und nachtaktiv ist. Das Zweifinger-Faultier hingegen lebt vorwiegend nachtaktiv. Bei der Anzahl an aktiven Stunden unterscheiden sich die zwei Gattungen dagegen nicht so deutlich voneinander. 

Bei der Betrachtung von Faultieren fällt auf, dass ihr Gesichtsausdruck fast immer einem Lächeln gleicht. Bedingt ist dies durch die kaum ausgebildete Gesichtsmuskulatur der Tiere, durch die sie ihre Mimik so gut wie gar nicht steuern können. Was also aussehen mag, wie ein Dauerlächeln, ist sozusagen der eingefrorene Zustand ihrer Anatomie.

Faultiere können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Möglicherweise um an möglichst viele Blätter heranzukommen, ohne sich viel bewegen zu müssen, oder aber, um ihre Hauptfeinde, Adler, besser sehen zu können.

Faultiere verfügen über einen sehr guten Geruchs- und Geschmackssinn und auch ihr Tastsinn ist besonders stark ausgebildet. Dagegen sind ihre anderen Sinnesorgane aber wenig leistungsfähig. Weit weniger gut ist ihr Sehsinn: Aufgrund des fehlenden Musculus ciliaris sind die Tiere kurzsichtig, zudem führen die stark gekrümmt Hornhaut und die sehr dicke Augenlinse zu einer geringen Auflösung des Sichtfeldes.

Wegen ihres langsamen Stoffwechsels müssen Faultiere nur etwa einmal pro Woche ihr Geschäft machen – einige der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Tiere ihre schützende Baumkrone verlassen.

Da Faultiere die meiste Zeit hängend in Baumkronen verbringen, ist ihr Scheitel demnach auf dem Bauch, sodass Regenwasser besser ablaufen kann.

Welchen Bedrohungen sind Faultiere ausgesetzt?

Natürliche Feinde

Zu den natürlichen Feinden von Faultieren gehören Raubkatzen, Greifvögel und Schlangen. Zum einen sind sie jedoch durch ihre Fellfarbe hervorragend in den dichten Bäumen getarnt und zum anderen auch durch ihre langsamen Bewegungen für Raubvögel von oben kaum wahr zu nehmen. Seine Strategie der Langsamkeit kommt dem Faultier somit auch als Schutz vor seinen natürlichen Feinden zu Gute. Im Schutz des Baumes weiß das Faultier sich außerdem noch mit kräftigen Hieben seiner langen Krallen zu verteidigen, sollte doch einmal ein Raubtier oder eine Schlange zu nahekommen. Lediglich am Boden wird ihnen die Langsamkeit zum Verhängnis, weshalb die meisten Faultiere erst Opfer von Fressfeinden werden, wenn sie ihren Baum verlassen haben.

Der Mensch

Die weitaus größte Bedrohung für das Faultier stellt der Mensch dar.

„Selfie-Tourismus“ und Haustierhandel

In den sozialen Netzwerken wie etwa auf Instagram gibt es mehrere tausend Beiträge unter entsprechenden Hashtags, unter denen unzählige Fotos von Menschen in direktem Kontakt mit Faultieren zu finden sind. Neben zunehmendem Interesse am Kontakt zu den wildlebenden Tieren für Fotos oder Darstellungen in den Sozialen Medien wollen immer mehr Menschen Faultiere als Haustiere halten.
Doch Faultiere sind keinesfalls als Haustiere geeignet. Allein der regelmäßige Kontakt zum Menschen kann zu schweren psychischen Schäden bis hin zum Tod führen. Zudem haben Faultiere komplexe Bedürfnisse, die in der Haustierhaltung nicht befriedigt werden können.

Dass auf internationaler Ebene nicht alle Arten durch Gesetze ausreichend geschützt sind, macht es möglich, dass Tiere der Natur entnommen und als Haustiere verkauft werden. Die Folge: Der Wildtierhandel nimmt seit Jahren rapide zu. Mehr darüber, warum Faultiere absolut gar nicht als Haustiere geeignet sind, lesen Sie in unserem Tierschutzblog: https://welttierschutz.org/faultier-als-haustier/

Verzehr von Faultierfleisch

Neben dem Handel mit Faultieren auf dem Haustiermarkt, werden die Tiere mitunter auch ihres Fleisches wegen gejagt. Einen wesentlichen Handel mit dem Fleisch gibt es aber nicht.

Unser Faultier der Herzen: Tony

So fest in Schnürsenkel gefesselt, dass sich blutige Striemen durch sein Fell zeichneten: Faultier Tony, wie wir es später nannten, wurde der Wildnis entrissen und auf einen Markt im südamerikanischen Suriname verschleppt. Eingesperrt in einen Käfig, eng verbunden durch die schmerzhafte Bandage hatte er keine Chance, sich aus der bedrohlichen Situation zu befreien .

Als Haustier in einen Käfig gesperrt oder für „Selfies“ wortwörtlich zu Tode gekuschelt – immer wieder werden Faultiere dafür gewildert und dann gewinnbringend verkauft. 


Was einigen vermeintlich gute Unterhaltung bietet, bedeutet für die sensiblen Wildtiere schwere Qualen! Tony und weitere einst geschundene Faultiere brauchen Menschen wie Sie, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, die wie wir Faultiere als schützenswerte Lebewesen verstehen und sie in Freiheit und Wildnis Zuhause wissen wollen. Retten Sie jetzt Tierleben wie Tonys!

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helfen, den Hunger eines geretteten Wildtieres zu stillen.

40 Euro

sichern die Rettung eines Schuppentieres
aus den Fängen von Wilderern.

Wie schützt die Welttierschutzgesellschaft (WTG e.V.) Faultiere?

Die Welttierschutzgesellschaft unterstützt das bisher einzige Wildtierschutzzentrum Surinames bei der Rettung, Versorgung und Wiederauswilderung von Nebengelenksartigen wie Faultieren. Das 2017 eröffnete Schutzzentrum befindet sich außerhalb der Hauptstadt Paramaribo direkt am Rande des Regenwalds. Es bietet Faultieren sowie auch in Not geratenen Ameisenbären und Gürteltieren, die allesamt von der fortscheitenden Abholzung der Regenwälder bedroht sind und immer öfter desorientiert und verletzt aufgefunden werden, Hilfe. Die Tiere finden großzügige und naturnahe Gehege und eine tiermedizinische Versorgung, sodass sie sich bestmöglich schnell erholen und wieder ausgewildert werden können.

Nur durch Spenden können wir sicherstellen, dass die wichtige Arbeit auch in Zukunft geleistet werden kann. Unterstützen Sie uns, den in Not geratenen Faultieren in Suriname zu helfen!

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E-Mail: as@welttierschutz.org

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