Fassungslosigkeit: Kenias Esel-Schlachthäuser wieder in Betrieb

Unsere Hoffnung war vergebens, dass das Leid der Esel in Kenia durch die Schließung der vier Esel-Schlachthäuser von staatlicher Seite tatsächlich durchgesetzt wird. Am 15. Juni ließ das Höchste Gericht Kenias verkünden, dass das erst kürzlich ausgesprochene Verbot für die Schlachtung von Eseln und den Export der Häute mit sofortiger Wirkung aufgehoben sei. Das blutige Geschäft geht weiter.

Hintergrund: Eselleid für Ejiao

Die Bedeutung von Traditioneller Chinesischer Medizin und somit auch die Nachfrage nach Produkten tierischen Ursprungs nehmen weltweit in rasantem Tempo zu. Insbesondere der Handel mit verarbeiteter Eselhaut floriert, wodurch in Folge die Eselpopulation weltweit sinkt. Die Tiere zu einem raren Gut geworden – mit besorgniserregenden Folgen für Kenia, das sich binnen der letzten Jahre mit vier Esel-Schlachthäusern zum Zentrum der Exporte von Ostafrika nach China etabliert hatte.

Mehr erfahren

Anfang Mai zunächst die Erfolgsmeldung: Die einst erteilte Erlaubnis, Esel für den Export zu schlachten, wurde durch Peter Munya vom kenianischen Landwirtschaftsministerium revidiert – mit sofortiger Wirkung! Nicht nur die grausamen Esel-Schlachtungen und andauernden Diebstähle der Tiere aus den Dörfern Kenias und darüber hinaus wären damit beendet gewesen. Kenia – in Ostafrika als Zentrum der Exporte von Eselhäuten nach China geltend – hätte mit seiner Entscheidung für den Schutz der Tiere auch Vorbildcharakter für andere Länder beweisen können.

Doch das ist nun wieder in die Ferne gerückt: Zwar war uns bekannt, dass einige der Esel-Schlachthausbetreiber gerichtlich gegen das Verbot vorgingen und sich zum Beispiel auch mit einer Petition an die Regierung gewandt hatten. Dass sie damit aber erfolgreich sind, ist angesichts der Datenlage nahezu absurd: Schließlich fußte die Entscheidung des Landwirtschaftsministers auch auf Erhebungen wie unsere, die die vorwiegend negativen Aspekte durch die Betriebe herausgestellt hatten – die unter gesetzeswidrigen Bedingungen geschlachteten Tiere auf der einen Seite, und die Eselhalter*innen auf der anderen Seite, die mit sinkender Eselpopulation und zunehmenden Diebstählen ihre unverzichtbaren Helfer verloren – und sich zurecht zu Protesten formierten.

Nun aber wurde vor Gericht das Recht der Schlachthof-Betreiber diskutiert, nicht die besagten Konsequenzen für Mensch und Tier – und den Klagen wurde stattgegeben.

Am Montag, den 15. Juni, kippte das höchste Gericht Kenias die Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums und erlaubte den Betrieb der Schlachthäuser wieder.

Das Widerrufen der einstigen Erlaubnis (Legal Notice 63/2020 in der nationalen Gazette Kenias – Link nicht mehr verfügbar) sei, so die Begründung des Richters Richard Mwongo, nicht rechtens gewesen. Die Erlaubnis hätte nicht urplötzlich revidiert werden dürfen, da die Rechte der Schlachthausbetreiber dadurch verletzt worden seien. Dem stimmte das Gericht zu und gestattet in Konsequenz ausnahmslos allen vier Esel-Schlachthäusern in Kenia den Fortbetrieb. Bis zu 1.000 Esel können dadurch pro Tag legal geschlachtet und nach China exportiert werden – Kenia als Zentrum in Ostafrika für den Export von Eselhaut lebt wieder auf.

Wir sind fassungslos.

Jetzt ist es unbedingt notwendig, dass das Ministerium reagiert, sich deutlich gegen diese Entscheidung stellt und dabei ein endgültiges Schlachtverbot von Eseln und den Export der Häute durchsetzt.

Denn es ist zu befürchten, dass die Diebstähle von Eseln und das damit einhergehende Leid der Tiere sich mit der Öffnung der Betriebe wieder häufen werden. Unzählige Eselhalter*innen in Kenia müssen nun wieder um ihre Tiere bangen – und machen ihren Unmut über die sozialen Netzwerke bereits deutlich: Der Hashtag #SaveKenyanDonkeys lässt erahnen, dass sich die Proteste jetzt noch verschärfen werden.

Auch wir, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, sind im engen Austausch mit unseren lokalen Partnern und beraten über nächste Schritte.

Retten Sie Eselleben!

Mit Ihrer Spende schenken Sie den Eseln Ostafrikas Schutz, denn Sie ermöglichen unseren Einsatz. Bitte helfen Sie!

Jetzt spenden

Neuigkeiten aus unseren Einsätzen in Ostafrika:

WTG-Nothilfefonds: Für den Schutz der Tiere in Tansania

Wir leisten lebensrettende Hilfe für mehrere Tausend Tiere, die durch die Folgen der Coronakrise in zusätzlicher Not sind. Weiterlesen »

Erfolg in Kenia: Zum Welteseltag gibt’s Sicherheit

Den vier Esel-Schlachthäusern in Kenia wurde mit sofortiger Wirkung die Schlachtung von Eseln und der  Export von Eselsprodukten… Weiterlesen »

Eilmeldung: Rechtliche Grundlage für Schließung der Esel-Schlachthäuser!

Große Neuigkeiten in dunklen Zeiten: Mit sofortiger Wirkung ist der rechtliche Rahmen für ein Verbot der Schlachtung von… Weiterlesen »

Eilmeldung: Wird Kenia alle Esel-Schlachthäuser schließen?

Völlig unerwartet verkündete Peter Munya vom kenianischen Landwirtschaftsministerium am gestrigen Abend vor lokalen Eselhalter*innen, dass die Schlachtung von… Weiterlesen »

Esel sind unser Leben

In den ländlichen Regionen Tansanias leben die meisten Familien von und mit ihren Eseln. Doch den Arbeitstieren geht… Weiterlesen »

Esel-Rettung in letzter Minute

Das Bild von Mr. Mollel, einem Massai-Mann aus der Manyara Region in Tansania, schreit nach dem Titel "Gerechtigkeit".… Weiterlesen »

Report aus Tansania: Esel unter Druck

Die Nachfrage nach Eseln für die Produktion von Ejiao wächst. Nicht nur in Kenia, sondern auch in Tansania… Weiterlesen »

Dein Welttierschutztag, Adnan!

Esel wie Adnan leisten bis zu 18 Stunden am Tag ihren treuen Dienst. Als Lasttiere sind sie für… Weiterlesen »

WTG auf Africa Animal Welfare Konferenz

Anfang September fand in Addis Ababa/Äthiopien die dritte Africa Animal Welfare Conference statt. Von den Vereinten Nationen mitveranstaltet,… Weiterlesen »

Schutz für weitere 2000 Esel

Die Eseldiebstähle in Tansania nehmen kein Ende und so bleibt auch unser Einsatz aktiv. Zuletzt konnten wir in… Weiterlesen »

Report: Esel-Schlachthäuser in Kenia

Vier Schlachthäuser, quer über das Land verteilt, sind die letzte Station hunderttausender Esel in Ostafrika. Als existentielle Helfer… Weiterlesen »

„Esel sind wie Freunde für mich“

Der 45-jährige Dr. Calvin Solomon Onyango bringt mit uns den Schutz für die Esel in Kenia voran. Darüber… Weiterlesen »

Für den Schutz der Esel Afrikas

Auch rund um den Welt-Esel-Tag nahmen die grausamen Meldungen kein Ende – doch es gibt auch Hoffnung: Die… Weiterlesen »

Wiederaufnahme der Schutzmaßnahmen

Das illegale Esel-Töten in Tansania erforderte bereits im letzten Jahr unsere schnelle Hilfe. Nun verlagerte sich das Einzugsgebiet… Weiterlesen »

Esel-Schutzprojekt in Tansania

Weitere 57 Gehege für insgesamt 1710 Esel wurden in den vergangenen Wochen mit tatkräftiger Unterstützung der lokalen Bevölkerung… Weiterlesen »

Beginn der Soforthilfe in Tansania

Die Meldungen von grausamen Eseldiebstählen in Tansania häuften sich und so war es ein Lauf gegen die Zeit,… Weiterlesen »

Die Esel brauchen uns jetzt!

Der Anblick der gehäuteten Esel ist kaum zu ertragen, doch er ist dieser Tage in Tansania grausamer Alltag.… Weiterlesen »