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Afrika-Strategie des BMZ: Die Lücke klafft noch immer!

Kommentar zur neuen Afrika-Strategie des Bundesentwicklungsministeriums

Die jetzt neu vorgestellte Afrika-Strategie des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die Leitlinien der deutschen Entwicklungszusammenarbeit neu definiert. Die Überwindung der zuletzt noch gewachsenen Armut insbesondere in Ländern des Globalen Südens bleibt weiterhin eines der großen Ziele. Besondere Gewichtung soll künftig aber auch die stärkere Einbeziehung von Frauen und Mädchen in die Maßnahmen der Entwicklungspolitik erhalten. Als Welttierschutzgesellschaft wissen wir durch unsere Projekte und Programme um die Situation in vielen afrikanischen Ländern und sind daher verwundert, dass mit Blick auf die beiden Schwerpunkte der BMZ-Strategie die Bedeutung von Tierwohl erneut keine relevante Rolle in den Leitlinien spielt.

Ein Blick auf internationale Statistiken liefert die Gründe:

  • Mehr als 80 Prozent der von Armut betroffenen Menschen weltweit leben in ländlichen Gebieten, wo Landwirtschaft – oftmals mit Hilfe von Tieren – die wichtigste Einnahmequelle ist. (Quelle: Weltbank)
  • Zwei Drittel der 600 Millionen weltweit von Armut betroffenen Nutztierhalter*innen sind Frauen. (Quelle: Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen)

Die Mehrheit dieser Menschen ist jeweils in Afrika beheimatet.

Allein aufgrund dieser Kenntnisse erschiene es naheliegend, Themen wie Tiergesundheit, Tierwohl und Tierschutzbildung stärker in den Fokus der Entwicklungszusammenarbeit zu rücken. Aus unseren Einsätzen wissen wir, dass die Vermittlung von entsprechendem Wissen nicht nur eine bessere Haltung der Tiere und somit eine Verbesserung im Tierschutz zur Folge hat, sondern auch gesellschaftlich positive Effekte eintreten: Zum Beispiel erlangen die in diesen Themen geschulten Menschen, vor allem Frauen, einen höheren Status in den Gemeinden.

Sefali Mandal setzt sich aktiv für mehr Tierschutz ein und konnte bereits viele andere Frauen ihrer Dorfgemeinschaft ebenfalls dafür begeistern. Sie trägt so nachhaltig zur Verbesserung des Tierwohls in ihrem Dorf bei und sichert langfristig die Lebensgrundlage vieler Menschen.

Außerdem sind gesündere, robustere Tiere auch ein Teil der Lösung für von Armut betroffene Familien: Nur mit Hilfe der Tiere können sie ihren Lebensunterhalt auch im Fall von Krisen weiter bestreiten und auf dieser Grundlage den Weg aus Hunger und Armut gehen. Im Rahmen unserer Kampagne „Tiere mitdenken“ fordern wir das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf, dass Tiere überall dort, wo sie zum Zweck der Ernährungssicherung eingesetzt werden, entsprechend ihrer Bedürfnisse gehalten und gefüttert werden und Tierhalter*innen in der Tierhaltung geschult werden.

© Lisa Ossenbrink für Welttierschutzgesellschaft

Unsere Projekte zeigen, wie es geht: Die größtenteils weiblichen Teilnehmer*innen unserer Tierschutzschulungen sind motiviert, das Wohl ihrer Tiere und damit auch das Auskommen ihrer Familien zu verbessern.

Die Hoffnung, dass der wichtige Zusammenhang zwischen Tier- und Menschenwohl erschlossen wird, ist durch die aktuelle Afrika-Strategie einmal mehr gedämpft. So klafft weiterhin eine gewaltige Lücke zwischen der gesellschaftlichen Bedeutung der Nutztierhaltung und deren Berücksichtigung in den Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit – zum Nachteil von Tieren und Menschen insbesondere in Afrika.

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