Vietnam

„Galle-Bären“-Rettung

© Free The Bears

Aufgrund fehlender tiergerechter Unterbringungsmöglichkeiten befinden sich weiterhin mehr als 200 Kragen- und Malaienbären auf stillgelegten Galle-Bären-Farmen – einigen wird noch immer illegal Gallesaft abgezapft. Hinzu kommt, dass die vergleichsweise kleinen Bärenarten zunehmend für die Haustierhaltung gehandelt werden.

Um möglichst viele der Tiere aus ihren misslichen Lagen befreien und ihnen ein Leben ohne Leid bieten zu können, bauen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Free The Bears (FTB) ein Schutzzentrum im Cat Tien Nationalpark aus. Dort sichern wir zudem die tiermedizinische Versorgung der geretteten, oft schwer kranken Bären, ihre Pflege und bärengerechte Ernährung und machen uns durch Informationsarbeit für mehr Tierschutzbewusstsein im Land stark.

Vietnam

Der Handel mit Bärengalle ist seit 2005 in Vietnam offiziell verboten. Dennoch fristen noch immer mehr als 200 Kragen- und Malaienbären ein trostloses und leidvolles Dasein auf ehemaligen „Galle-Bären“-Farmen. Untersuchungen unserer Partner deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Bärengalle in Vietnam kontinuierlich sinkt, was aber auch zur Folge hat, dass die verbliebenen Bären aufgrund des ausbleibenden Profits für die Halter*innen verkauft, getötet oder nicht mehr versorgt werden. Ein weiteres Problem: Der illegale Handel mit Jungbären nimmt seit Jahren stark zu.

Im Einsatz für die Tiere

  • Projektlaufzeit: seit 2014
  • Projektpartner: Free The Bears (FTB)
  • Aktivitäten: Bildungsarbeit und Betrieb eines Schutzzentrums
  • Ziel: „Galle-Bären“ in Vietnam aus qualvoller Haltung befreien und nachhaltig schützen
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Als „Galle-Bären“ werden Kragen- und Malaienbären bezeichnet, die für die Gewinnung von Bärengalle einst der Wildnis entnommen wurden. Dem durch die schmerzhafte Prozedur des Abzapfens gewonnene Gallesaft wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine gesundheits- und schönheitsfördernde Wirkung nachgesagt. Als Welttierschutzgesellschaft (WTG) sprechen wir uns deutlich gegen die Nutzung dieses Wildtierproduktes aus.

Der Einsatz von Mitteln mit Bärengalle, die den Wirkstoff Ursodeoxycholsäure enthalten, sind  – unabhängig vom etwaigen medizinischen Nutzen – völlig überflüssig. Es gibt zahlreiche pflanzliche Alternativen, aber auch synthetisch hergestellte Ursodeoxycholsäure, weshalb der Einsatz des tierischen Produkts angesichts des damit verbundenen Tierleids nicht zu rechtfertigen ist.

Tiere, die über Jahre zur Gallesaft-Gewinnung eingesetzt und gefangen gehalten wurden, weisen schwere körperliche Schäden auf. Auch die permanente körperliche Belastung durch das sogenannte „Melken“ hat bei vielen Bären zu Mund- und Klauenverletzungen, Unterernährung und Leberkrebs geführt. Zudem weisen die ehemaligen „Galle-Bären“ oft chronische Verhaltensstörungen auf: Sie beißen sich in ihre Tatzen und kauen an den Gitterstäben.

Eine Wiederauswilderung ist aufgrund der langen Leidenswege der Tiere nicht mehr möglich.

Einen Bären als Haustier und privat zu halten, ist konsequent abzulehnen, da hier die Bedürfnisse der Wildtiere nicht gerecht zu werden ist. Dennoch werden vermehrt junge Bären in Vietnam nachgefragt; wohl, um ein hohes Ansehen zu erlangen und Macht zu demonstrieren. Dies geht oft mit der Trophäenjagd einher: Dafür werden in den Wäldern Vietnams Bärenfallen platziert, die insbesondere die Mutterbären verletzen sollen, sodass dann die Jungbären gewildert und dem Haustierhandel zugefügt werden können. Doch während die Versorgung und Haltung der Jungtiere für Halter*innen oft noch machbar erscheint, werden die ausgewachsenen Bären zur Last.

Oft wird dann die Entscheidung getroffen, die ausgewachsenen Bären für ihr Fleisch zu schlachten. Denn dieses ist, wie auch die Pfoten und das Fell der Bären in Vietnam und China weiterhin sehr gefragt.

Seit 2014: Im Einsatz für die Bären in Vietnam

Eines der grundlegenden Probleme, die der Rettung von geschundenen Bären in Vietnam im Wege stehen, sind aber seit jeher fehlende tiergerechte Unterbringungsmöglichkeiten wie Schutzzentren.

Eine der wenigen Zentren war lange Zeit das staatlich geführte „Cat Tien Bear Rescue Centre“ im südvietnamesischen Cat Tien Nationalpark (zu Deutsch: Cat Tien Bärenrettungszentrum). Für ursprünglich 16 Bären errichtet, beherbergte dieses im Jahr 2014, dem Beginn unseres Einsatzes, 35 Tiere – und somit weit mehr als die Kapazitäten im Hinblick auf eine tiergerechte Unterbringung und Versorgung zuließen. Gemeinsam mit unserem Partner Free The Bears bemühten wir uns in den ersten Jahren der Zusammenarbeit durch Ausbauarbeiten darum, mehr Platz und tiergerechtere Gehege für die dort untergebrachten Bären zu schaffen.

Doch die Dringlichkeit, weitere Bären aus ihrer leidvollen Gefangenschaft zu befreien, war groß, die Aufnahme im bestehenden Zentrum aber keine Option. Es bedurfte mehr Platz und einer dauerhaften Lösung für die Unterbringung der Bären auf Lebenszeit. Denn nach Jahren der privaten Haltung sind die Tiere in der freien Natur nicht mehr überlebensfähig.

© Free The Bears
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sichern die Rettung eines Schuppentieres
aus den Fängen von Wilderern.

Auf- und Ausbau eines neuen Schutzzentrums für Bären in Vietnam

Um Kapazitäten für die Aufnahme weiterer Bären zu schaffen, begannen wir 2014 gemeinsam mit unseren Partnern den Bau eines komplett neuen und vor allem größeren Schutzzentrums unweit des alten: das Cat Tien Bear Sanctuary.

  • Ende 2017 waren die ersten beiden Bärenhäuser mit angeschlossenen weitläufigen Gehegen fertiggestellt. Bis März 2018 wurden 25 Kragen- und Malaienbären vom alten in das neue, bärengerechte Schutzzentrum umgesiedelt.
  • Im Herbst 2019 wurde das dritte Bärenhaus inklusive eines weitläufigen Außenbereichs fertiggestellt, das Platz für weitere 16 Bären bietet.
  • 2019 errichten wir dann eine Tierklinik auf dem Gelände, um die Tiere, die oftmals an chronischen Krankheiten als Folge der Gefangenschaft, Fehlernährung und des Abzapfens der Galle leiden, auch angemessen tiermedizinisch versorgen zu können. Die Besonderheit der Klinik ist eine Glasscheibe, die den geräumigen OP-Raum von einem Besprechungsraum trennt. Tiermedizinstudent*innen aber auch Tierärzt*innen ist es dadurch möglich, bei Behandlungen zuzusehen und in Austausch zu treten, ohne die Tiere zu stören oder zu gefährden.
  • Anfang 2020 wurden zwei weitere mit unserer Unterstützung errichtete und ausgestattete Gebäude fertiggestellt: Eines dient der Futteraufbewahrung und -zubereitung (u.a. Fleisch, frisches Obst und Gemüse). Hier werden zudem die Beschäftigungsmaterialien für die Bären hergestellt und gelagert. Bei dem zweiten handelt es sich um den Trakt der Tierpfleger*innen, in dem die Mitarbeiter*innen sich umziehen und ihre persönlichen Dinge verwahren können – mit unserer Hilfe mit einem Hygienebereich ausgestattet. Dieser dient dazu, die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern auf die Bären auf ein Minimum zu reduzieren und zu einer stabilen Gesundheit der Tiere beizutragen.
  • 2022 wurde ein viertes Bärenhaus errichtet. Zudem wurde das erste Bärenhaus um zwei jeweils 500 Quadratmeter große Gehege erweitert, die besonders auf die Bedürfnisse von Bären in hohem Alter oder mit eingeschränkter Mobilität ausgerichtet sind.
  • Ebenfalls konnte 2022 jedes der Bärenhäuser mit einem eigenen Abwassersystem ausgestattet werden. Mithilfe von Schilf werden aus dem zur Reinigung der Bärengehege verwendeten Wassers die Schadstoffe auf natürliche Weise herausgefiltert. Zudem wurde eine Biogasanlage in Betrieb genommen, der die im Schutzzentrum entstehenden Abfälle zugeführt werden. Diese Biomasse wird in der Biogasanlage vergärt und auf diese Weise nachhaltig entsorgt.

Darüber hinaus stellen wir über die Finanzierung der Mitarbeiter*innen des Schutzzentrums laufend sicher, dass sowohl die Versorgung der Bären als auch das Voranschreiten der Bauarbeiten gewährleistet wird.

Gallebären in Vietnam

Gallebären in Vietnam

Mit Nahrungsmitteln bestückte Materialien fördern die natürlichen Instinkte der Bären im Schutzzentrum. © Free The Bears

Unser Ziel: 36.000 Quadratmeter Lebensraum für Bären

Mittlerweile finden im Schutzzentrum 50 Tiere eine tiergerechte Unterbringung in natürlicher und weitläufiger Umgebung: Sie erhalten bärengerechtes Futter, umfangreiche tiermedizinische Versorgung und haben die Möglichkeit, bis an ihr Lebensende ein sicheres und leidfreies Bärenleben führen zu können. Den Bären stehen in den Waldgehegen zudem Beschäftigungsmöglichkeiten wie Klettertürme, Hängematten und Bademöglichkeiten zur Verfügung. Zahlreiche Bäume und Sträucher ermöglichen den Tieren, ihr natürliches Verhalten wiederzuentdecken und bestmöglich auszuleben, und bieten ihnen gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten.

Um künftig noch mehr Tiere aus leidvollen Haltungen befreien und im Schutzzentrum unterbringen zu können, bauen wir fortlaufend die Kapazitäten aus: So befindet sich aktuell ein fünftes Bärenhaus mitsamt angrenzenden Außengehegen im Bau.

Mit Fertigstellung des zusätzlichen Gebäudes und Außengeheges werden ab 2024 im Schutzzentrum langfristig 36.000 Quadratmeter Lebensraum für 60 Bären zur Verfügung stehen.

Das alte Zentrum dient mittlerweile vornehmlich als Quarantänestation. Dank des freigewordenen Platzes durch die Umsiedlung der Bären in das neue Schutzzentrum konnten wir allein in den Jahren 2021 und 2022 die Rettung von sechs weiteren Bären (Stand: September 2022) aus leidvoller Haltung ermöglichen.

Gallebären in Vietnam

Gallebären in Vietnam

Zwei gerettete Bären in einem der weitläufigen Gehege des Schutzzentrums. © Free The Bears

Den Bären sollen im neuen Schutzzentrum alle Möglichkeiten zur Zurückerlangung und Auslebung ihres natürlichen Verhaltens geboten werden. Die deutsche Verhaltensbiologin Dr. Marion Schneider hat dafür mit unserer Unterstützung bereits vor Fertigstellung des Zentrums die Tiere im alten Zentrum über einen längeren Zeitraum beobachtet und ihre Erkenntnisse in die Planung des Neubaus einfließen lassen. Nach einer Eingewöhnungsphase in den neu erbauten Gehegen wurde das Verhalten der Tiere erneut analysiert. Die Studienergebnisse unterstreichen, dass die Art der Unterbringung von Kragen- und Malaienbären deutliche Auswirkungen auf Stress und Wohlergehen der Tiere hat, und belegt, wie wichtig eine möglichst großflächige und natürliche Umgebung für Bären in Gefangenschaft ist, damit sie ihr artgerechtes Verhalten adäquat ausleben können.

Auf Basis weiterer, täglicher Beobachtungen der Bären im neuen Schutzzentrum finden halbjährliche Bewertungen des Verhaltens statt, mit deren Hilfe sichergestellt wird, dass neue Probleme rechtzeitig erkannt und angegangen werden – beispielsweise mit angepassten Beschäftigungsmöglichkeiten, die das Wohlbefinden der Tiere zusätzlich steigern.

Gallebären in Vietnam

Gallebären in Vietnam

Luftaufnahme eines Teilbereiches des neuen Schutzzentrums mit Bärenhaus und angeschlossenem Waldgehege © Free The Bears

Tierschutzbildung für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel

Weil es regulär jedes Jahr mehrere zehntausend Besucher*innen in den Cat Tien Nationalpark zieht, in dem sich auch das neue Schutzzentrum befindet, bietet sich die optimale Möglichkeit für umfangreiche Tierschutzbildung: Im Rahmen geführter Touren informieren unsere Partner über die Situation der Tiere und ihre Bedürfnisse, zeigen die Problematiken der Galle-Gewinnung auf und verringern so die Nachfrage nach derartigen Qual-Produkten. Im 2022 fertiggestellten „Bear Discovery Center“ (zu Deutsch: Bär-Entdeckungs-Zentrum) im Schutzzentrum, dessen Ausstattung von uns unterstützt wurde, können sich die Besucher*innen interaktiv über den Schutz der Bären und ihre Bedürfnisse informieren.

Zudem werden die Besucher*innen des Schutzzentrums aktiv eingebunden, etwa indem sie die Beschäftigungsmaterialien für die Tiere mit Futter bestücken.

Gallebären in Vietnam

Gallebären in Vietnam

Dieser Bär wird gerettet: Nach Jahren in tierwidriger Gefangenschaft soll er im Schutzzentrum endlich ein bärengerechtes Leben führen können. © Free The Bears

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, 2022 wurde erstmals erreicht, dass sich in Vietnam mehr „Galle-Bären“ in Schutzzentren als in Gefangenschaft befinden. Stellen Sie nun mit uns sicher, dass auch die letzten leidenden Bären ihren Weg in Sicherheit finden – spenden Sie für den weiteren Ausbau des Schutzzentrums und die Rettung der Tiere!

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