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UN-Nachhaltigkeitsziele ohne Tierschutz erfolglos!

New York im Juli 2023: Im Rahmen des Hochrangigen Politischen Forums für Nachhaltige Entwicklung (kurz HLPF) wird über neun Tage lang der Status der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationalen diskutiert. Aller Voraussicht nach wird die Bilanz ernüchternd ausfallen – auch, weil Tierschutz weiterhin keine Berücksichtigung findet.

Als sich die Vereinten Nationen im Jahr 2015 auf gemeinsame Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (die so genannten SDGs) einigten, galt das bei vielen als großer Fortschritt, um eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu erreichen. Doch von Beginn an gab es auch Kritik an den UN-Nachhaltigkeitszielen – unter anderem aufgrund fehlender Berücksichtigung des Tierschutzes auch von unserer Seite. Die aktuelle Zwischenbilanz der so genannten Agenda 2030 unterstreicht jetzt, dass dies auch jetzt noch dringliche Notwendigkeit bleibt.

Hintergrund: #TiereMitdenken

Als Welttierschutzgesellschaft forderten wir bereits 2017 mit einer Petition an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, den Tierwohlgedanken in die Diskussionen zur Agenda 2030 einzubringen. Aktuell setzen wir uns im Rahmen der Kampagne „Tiere mitdenken“ dafür ein, dass dem Wohl der Tiere als fühlende Wesen in den Maßnahmen zur Ernährungssicherung eine grundlegende Bedeutung beigemessen wird und sich Tierwohlmaßnahmen im Handeln von Bundesentwicklungs- und -landwirtschaftsministerium widerspiegeln müssen. Weitere Informationen unter: https://welttierschutz.org/tierwohl-in-die-sdgs/

Die UN-Nachhaltigkeitsziele zur Halbzeit auf dem Prüfstand

Den Auftakt zu den Beratungen macht vom 10. bis 20. Juli das Hochrangige Politischen Forum für nachhaltige Entwicklung in New York. Dort wird auch der große SDG-Gipfel vorbereitet, der im September im Rahmen der UN-Generalversammlung stattfindet und eine offizielle Halbzeitbilanz der Nachhaltigkeitsziele („Agenda 2030“) ziehen wird. Ein vorläufiger UN-Bericht, der 140 Einzelziele der SDGs untersuchte, fällt jedoch bereits eindeutig aus:

  • Nur knapp zwölf Prozent der Ziele liegen im Plan, während bei 30 Prozent keine Verbesserung eingetreten oder die Situation im Vergleich zu 2015 sogar noch schlechter geworden ist.

Der mangelnde Fortschritt bei der Agenda 2030 liegt nach unserer Einschätzung auch darin begründet liegt, dass der Tierschutz bisher unberücksichtigt geblieben ist.

Daniela Schrudde, unsere Leiterin für Tierschutzarbeit, erläutert:

„Dass Tierschutz fehlt, ist ein Konstruktionsfehler der Nachhaltigkeitsziele. Dabei waren die Bezüge zwischen Tierwohl und nachhaltiger Entwicklung schon 2015 offensichtlich: Millionen von Kleinbäuer*innen in Schwellen- und Entwicklungsländern erwirtschaften durch ihre Tiere ein Einkommen. Diese Menschen auf dem Weg zu einer besseren Tierhaltung zu unterstützen, hilft den Tieren als fühlende Wesen in ihrer Not, ist aber auch unter anderem bedeutend im Kampf gegen Armut und Hunger, den ersten beiden Nachhaltigkeitszielen.“

Nach unserer Ansicht sollte der Tierschutz ein Thema sein, dass sich wie ein roter Faden durch die Agenda 2030 zieht.

Eine flächendeckende tiermedizinische Versorgung unterstützt auch die UN-Nachhaltigkeitsziele. © APOWA
Eine flächendeckende tiermedizinische Versorgung unterstützt auch die UN-Nachhaltigkeitsziele. © APOWA
© Action for Protection of Wild Animals

Zu fast allen Nachhaltigkeitszielen gibt es einen direkten Tierschutzbezug (lesen Sie mehr zu diesem Thema in unserem Beitrag mit Beispielen aus der Praxis unserer weltweiten Tierschutzprojekte: https://welttierschutz.org/tiere-mitdenken-gute-praxis/) Das gilt auch für Ziel 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur), das aktuell beimHochrangigen Politischen Forum für nachhaltige Entwicklung im Fokus steht. Denn noch immer mangelt es gerade dort, wo Tiere unter einfachen Bedingungen gehalten werden, am Zugang zu tiermedizinischer Versorgung. Wäre dieses Thema bereits 2015 aufgegriffen worden, hätte das längst einen Unterschied im Leben von vielen Tieren und Menschen machen können. So stehen Tierhalter*innen weiter vor dem Problem, dass sie keine tiermedizinische Fachkraft in ihrer Nähe finden können oder deren Dienste unbezahlbar sind.

Die Konsequenzen: Immense Tierleid setzt sich fort und auch Verbesserungen im Leben der Tierhalter*innen bleiben aus – mit negativem Einfluss auf das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele.

Daniela Schrudde beobachtet als Mitglied einer NGO-Gruppe, die sich bei den Vereinten Nationen für die Belange der Tiere einsetzt, die Entwicklung der Agenda 2030 schon seit Jahren. Ihrer Ansicht nach muss der Blick in New York nun dringender denn je auch auf den Tierschutz fallen:

„Eine ersthafte Beschäftigung mit dem Thema in den kommenden Wochen und Monaten ist absolut notwendig. Andere UN-Institutionen sind hier bereits einen großen Schritt weiter.“

Im vergangenen Jahr bestätigte die UN-Umweltversammlung, dass Tierschutz, Umwelt und nachhaltige Entwicklung unmittelbar zusammenhängen. Ein ähnliches Signal sollte in diesem Jahr auch von den Diskussionen rund um die UN-Nachhaltigkeitsziele ausgehen.

Kampagne #TiereMitdenken

Tierwohl in der Entwicklungs-zusammenarbeit

Dem Wohl der Tiere als fühlende Wesen muss in den Maßnahmen zur Ernährungssicherung die grundlegende Bedeutung beigemessen werden.

Mehr erfahren

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, bitte unterstützen Sie unsere Anstrengungen, dass der Tierschutz auf der internationalen Bühne und auch bei den Maßnahmen zur globalen Ernährungssicherung Beachtung findet – mit Ihrer Unterschrift unserer Petition unter https://welttierschutz.org/petition-tiere-mitdenken/.

Weitere Informationen zum sogenannten „Nexus“, dem vom UN-Umweltausschuss festgestellten Zusammenhang von Tierwohl, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung, sowie den Folgen einer Resolution finden Sie zudem hier: https://welttierschutz.org/tierwohl-in-die-sdgs.

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