© Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO)

Abgeschlossen: WTG-Nothilfefonds für notleidende Esel

Nachdem das Esel-Schlachthaus in der Region Shinyanga in Tansania in Folge staatlicher Anordnungen im November 2020 den Betrieb aussetzen musste, waren nahezu 2.000 Esel in der Region des Schlachthauses gestrandet. Viele dieser Tiere wurde sich selbst überlassen – ohne Futter und tiermedizinische Versorgung. Zusammen mit unserem Partner Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) und Mitteln aus dem WTG-Nothilfefonds leisteten wir über zwei Monate hinweg lebensrettende Hilfsmaßnahmen und gaben den leidgeplagten Eseln eine zweite Chance.

Für die Produktion des vermeintlichen Heilmittels Ejiao aus der traditionellen chinesischen Medizin, welches aus Eselshaut gewonnen wird, ist die Nachfrage nach Eseln groß. Auch Tansania ist durch zwei Schlachthäuser in Dodoma und in der Region Shinyanga in den Eselhauthandel nach China involviert. Hierfür werden die Tiere von hiesigen Märkten überall im Land angekauft oder aus den Dörfern den Menschen gestohlen, die auf ihre Esel angewiesen sind, und dann gewinnbringend verkauft.

Lesen Sie »hier noch einmal alle Hintergründe zur Problematik und unseren Einsätzen für den Schutz der Esel in Ostafrika.

© Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO)

Das Schlachthaus in Shinyanga

Anfang 2021 gingen wir dann mit einer Soforthilfe in den Einsatz, um eine weitere Katastrophe angesichts des Eselhauthandels abzuwenden: Vor dem Schlachthaus in Shinyanga, das auf staatliche Anordnung geschlossen worden war, waren zahlreiche Esel ihrem Schicksal überlassen worden. Denn die Händler*innen, denen es nicht möglich war, die Tiere an das Schlachthaus zu verkaufen, waren nicht in der Lage, die notwendige Versorgung sicherzustellen. Zwar konnte erwirkt werden, dass die lokalen Behörden einige der Esel auf den Feldern grasen ließen, doch saisonal bedingt waren viele Wiesen kahl, es gab kaum Schutz vor der sengenden Hitze oder Frischwasser. So wuchs das Leid der Esel mit jedem Tag.

So geschwächt und größtenteils unversorgt, drohte vielen von ihnen ein langsamer und leidvoller Tod.

 „Der Zustand der Tiere ist erschreckend“,

berichtete unser Partner zu Beginn des Einsatzes. Viele Tiere seien schon durch den Transport zum Schlachthaus in schlechter Verfassung gewesen und dann durch die tage-, zum Teil wochenlange Verwahrlosung dem Tode nahe.

Binnen zwei Monate unseres Soforthilfe-Einsatzes eilten wir den Tieren zu Hilfe. 700 Esel konnten dabei mit Futter, Wasser und stärkenden Mineralien grundversorgt werden. 315 erhielten zudem eine dringend notwendige tiermedizinische Versorgung.

© Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO)

Leid für Tiere und Menschen

Doch die Situation hätte erschütternder nicht sein können: Während die Esel vor dem Schlachthaus so litten, vermissten zahlreiche Familien in den umliegenden Regionen ihre zuvor gestohlenen Tiere sehnlichst.

Denn Esel sind für viele Familien als Alltagshelfer unverzichtbar. Sie transportieren Waren von den Feldern und auf die Märkte, tragen Kinder zur Schule und Verletzte zum nächstgelegenen Krankenhaus, sie schleppen die Wasserkanister von der Wasserstelle oft über viele Kilometer bis in die Dörfer. Der Verlust der Esel trifft die Familien in den ländlichen Regionen Tansanias hart und erschwert ihren Alltag enorm.

So erging es auch dem Ehepaar Esther und Amani Mwakilo aus dem Dorf Bwawani im Osten Tansanias, denen ihre drei Esel gestohlen worden waren. Der 32-jährige Amani Mwakilo erzählt von dem Folgen des Esel-Diebstahls für seine Familie:

„Von einen auf den anderen Tag befanden wir uns in einer schwierigen Lage. Die Esel helfen uns dabei, ein zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften, zum Beispiel durch den Transport von Baumaterial oder Wasser. Seit dem Tag, an dem sie uns gestohlen wurden, war unser Leben ein anderes: Uns fehlte Geld für grundlegende Dinge wie Kerosin für unsere Lampen und auch Lebensmittel.“

Das Schicksal der Familie Mwakilo ist keineswegs ein Einzelfall. Auch ihnen kommt unser Einsatz zu Gute. Wir konnten 232 der gestrandeten Tiere an Halter*innen wie Familie Mwakilo vermitteln.

 

Familie Mwakilo kann jetzt wieder auf die Hilfe von Eseln zählen. © Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO)

Dafür wurden die Tiere den Händler*innen abgekauft und dann gegen eine geringe Kostenbeteiligung an lokale Eselhalter*innen vermittelt, von denen viele in der Vergangenheit Opfer von Esel-Diebstählen waren. Um sicherzustellen, dass die Tiere in ihrem neuen Zuhause bestmöglich versorgt werden, wurden alle Halter*innen umfangreich über die tiergerechte Haltung und den Umgang mit Eseln informiert.

Insgesamt 169 Familien wie die von Amani Mwakilo schöpfen nun dank ihrer neuen Wegbegleiter Hoffnung:

„Mit den beiden Eseln können wir unseren Lebensunterhalt endlich wieder besser bestreiten.“

Ein weiterer Erfolg: Die Händler*innen konnten überzeugt werden, Esel eigenständig und zu fairen Preisen an die Bevölkerung zu verkaufen. Da sie die Tiere zu dieser Zeit nicht an das Schlachthaus verkauft werden konnten, willigten sie ein die Tiere abzugeben, bevor sich der Zustand weiter verschlechterte. Auch hier unterstützten wir bei der sorgsamen Auswahl und Information der neuen Halter*innen.

Mit Abschluss der Soforthilfe hielten sich vor den Toren des Schlachthauses keine unversorgten und sich selbst überlassenen Esel mehr auf.

Mai 2021: Das Schlachthaus ist wieder geöffnet

Entgegen der Hoffnung einer dauerhaften Schließung, erhielten die Betreiber des Schlachthauses Anfang Mai aber dann die Erlaubnis, den Betrieb wiederaufzunehmen. Täglich werden nun, so die offiziellen Zahlen, wieder bis zu 40 Esel geschlachtet.

Mit der Wiedereröffnung des Schlachthauses sind nun auch die Sorgen der lokalen Eselhalter*innen vor Diebstählen wieder allgegenwärtig:

„Das ist ein ganz großes Problem“, sagt Amani Mwakilo. „Ich habe Angst, dass es bald gar keine Esel mehr bei uns geben wird. Natürlich mache ich mir große Sorgen um meine beiden Esel, die ich ja erst vor kurzem adoptieren konnte.“

Unser Einsatz bleibt aktiv!

Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern sind wir weiterhin für die Esel im Einsatz.

Auf den Tiermärkten und in den Schlachthäusern

Mit der Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) sind wir unter anderem im Eselschlachthaus in Shinyanga – aktiv. Wir stellen durch Kontrollen und Informationsmaterial sicher, dass die Tierschutzstandards bekannt gemacht werden und auf den Transporten sowie auf den Schlachthöfen eingehalten werden. Auch versorgen wir die Tiere und weisen die Mitarbeiter*innen an, sich an die geltenden Tierschutzgesetze zu halten. Lesen Sie die Details hier: https://welttierschutz.org/projekte/nutztiere/tiermaerkte-in-tansania/

In den Dörfern der Region

Seit nun mehr einem Jahr sind wir mit unserem Partner der Tanzania Animals Protection Organization (TAPO) auch mit einem langfristig angelegten Projekt in der Region Shinyanga im Einsatz, um den Eselschutz nachhaltig zu stärken: Wir verbreiten unter den Tierhalter*innen das Bewusstsein für die Gefahr der Diebstähle und leiten sie an, den Schutz ihrer Tiere durch den Bau von Gehegen sicherzustellen. Gleichzeitig versorgen wir die Esel tiermedizinisch. Lesen Sie hier die Details: https://welttierschutz.org/projekte/nutztiere/eselschutz-tansania/

Binnen der letzten Jahre konnten wir die Tierschutzstandards auf den Märkten, bei den Transporten und in den Schlachthäusern maßgeblich verbessern und in zahlreichen Dörfern, in denen wir Schutzmaßnahmen für die Esel und Informationsarbeit bei den Halter*innen durchführten, Esel-Diebstähle verhindern.

Doch so lange die der Eselhauthandel nicht global endgültig beendet, verlagert sich das Problem nur – von Dorf zu Dorf, Land zu Land.

So sind wir auch in Kenia aktiv

Das Land hat sich in den letzten Jahren durch vier Esel-Schlachthäuser zum Zentrum der Eselhautexporte von Ostafrika nach China entwickelt hat. Hier arbeiten wir in den Grenzregionen Kenias mit Äthiopien und Tansania, um den Eselhandel zu dokumentieren und einzudämmen: https://welttierschutz.org/projekte/nutztiere/eselhandel-an-den-grenzen-kenias/

Bitte, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, bleiben auch Sie fest an der Seite der Tiere. Wir geben unser Bestmögliches, um ihren Schutz sicherzustellen – dank Ihren Spenden.

Der WTG-Nothilfefonds: Schutz für die Helfer

Futter und Wasser, Fürsorge und eine tiermedizinische Versorgung – bereits mit einer Spende von 70 Euro für den WTG-Nothilfefonds stellen Sie eine Erste-Hilfe-Box zur Erstversorgung der Tiere sicher.

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Ihre Ansprechpartnerin für Fragen zum Einsatz:

Daniela Schrudde
Leiterin Tierschutzarbeit

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: info@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin