Über die Versorgung von Faultieren

Die Zahl hilfsbedürftiger Wildtiere in Surinam steigt, bedingt durch die Abholzung ihres Lebensraumes sowie fehlenden Wissens in der Bevölkerung darüber, dass Wildtiere nicht als Haustiere gehalten werden sollten, stetig. In den letzten Jahren konnten wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Green Heritage Fund Suriname (GHFS) zahlreiche Tiere retten, doch es gibt noch viel zu tun. Unsere fachliche Leiterin für Tierschutzarbeit, Daniela Schrudde, war kürzlich vor Ort und berichtet.

Hintergrund: Wildtiere in Suriname

Mehr als 90 Prozent kaum berührter Regenwald bedeckt Suriname – noch. Denn durch die verstärkte Abholzung wird der Lebensraum zahlreicher Wildtiere vernichtet. Diese werden immer häufiger desorientiert und verletzt inmitten der Städte aufgefunden.
Die Welttierschutzgesellschaft unterstützt das bisher einzige Wildtierschutzzentrum Surinames bei der Rettung, Versorgung und Wiederauswilderung von Wildtieren.

Zum Projekt

Rund 1,5 Stunden Autofahrt von Paramaribo, der Hauptstadt Surinames, entfernt, liegt das Schutzzentrum für Faultiere und Ameisenbären unserer Partnerorganisation. Die meisten Tiere, die hier aufgenommen werden, wurden fernab ihres natürlichen Lebensraumes auf Grundstücken, Straßen oder gar Strommasten aufgefunden. Infolge der voranschreitenden Abholzung des Regenwaldes verlieren die Tiere immer häufiger ihren Lebensraum – und nahezu täglich rückt das Team mittlerweile aus, um sie aus Gefahrensituationen zu retten.

Einige der Faultiere und Ameisenbären sind nur kurz im Schutzzentrum zu Gast und bedürfen kaum tiermedizinische Versorgung. Wird beim Gesundheits-Check festgestellt, dass sie wohl auf sind, werden sie in der Regel schon am nächsten Tag in sicheren Regionen wiederausgewildert. Andere Tiere, die verwundet oder stark geschwächt aufgefunden wurden, sind aber umso stärker auf Hilfe angewiesen. Doch auch für ihre Wiederauswilderung sind die besten Voraussetzungen geschaffen, erklärt Daniela Schrudde:

„Aufgrund der Lage des Zentrums am Rande des Regenwaldes, haben wir die großartige Möglichkeit, ausgewählten Tieren die Rückkehr in ihren natürlichen Lebensraum mit Hilfe der sogenannten Soft-Release-Methode zu erleichtern. Das heißt, dass die Tiere von ihren Gehegen aus direkten Zugang zum Wald haben und sich so Schritt für Schritt wieder an ein Leben in Freiheit gewöhnen können.“

Ein Faultier auf dem Gelände des Schutzzentrums in Suriname

Noch ist das Schutzzentrum von Wald umgeben, doch die fortschreitende Abholzung in weiten Landesteilen hat uns im vergangenen Jahr dazu veranlasst, die Fläche um einen halben Hektar zusätzliches Land zu erweitern. Das ganze Gelände umfasst nun eine Größe von einem Hektar (10.000qm), inklusive großen Flächen Wald.

Kapazitäten ausbauen - Ein Faultier-Workshop für lokale Tiermediziner

Die große Mehrheit der in Suriname tätigen Tierärzte studierte in den Niederlanden, Kolumbien oder Brasilien, denn in Suriname selbst gibt es keine Universität. Das Studium der Tiermedizin bereitet sie allerdings nicht auf die tiermedizinische Versorgung von Faultieren und Ameisenbären, sogenannten Nebengelenkstieren, vor, was angesichts der Situation im Land ein großes Problem darstellt.

Um die veterinärmedizinischen Kapazitäten bei der Versorgung von Faultieren auszubauen und den lokalen Tierärzten das notwendige Wissen zu vermitteln, luden wir zum Workshop ein. An zwei Tagen erlangten darin sieben interessierte Teilnehmerinnen grundlegendes Wissen zum Umgang mit den Tieren, deren Haltung, Transport, sowie Krankheiten und der medikamentösen Behandlung. Claudia Brieva, die an der Universität in Bogota in Kolumbien Wildtiermedizin lehrt, reiste als Lehrende eigens für den Workshop nach Suriname.

Daneben ging es auch um die sehr speziellen Anforderungen an den Umgang mit Jungtieren. Die Tiere haben natürlicherweise einen großen Bedarf an Körperkontakt, da sie sich direkt nach der Geburt bis hin zur Selbstständigkeit auf der Bauchseite des Muttertiers festklammern. Trotzdem sollte der menschliche Kontakt zu den Jungtieren so gering wie möglich gehalten werden. Im Schutzzentrum übernehmen deshalb kuschelige Stofftiere diese Rolle.

Die Versorgung von Faultiernachwuchs ist eine besondere Herausforderung

Weiter erfuhren die Teilnehmer, wie sie auch mit erwachsenen Tieren professionell und tiergerecht umgehen. Daniela Schrudde berichtet:

 „Auch erwachsene Faultiere fühlen sich von Natur aus sicher, wenn sie etwas haben, woran sie sich festhalten können – schließlich verbringen sie ihr ganzes Leben in den Bäumen hängend. Die optimale Voraussetzung bei einer tiermedizinischen Untersuchung wäre daher die Verfügbarkeit von mindestens drei Menschen, die die Arme und Beine des tierischen Patienten halten.“

Mindestens drei Personen sollten im Idealfall bei der tierärztlichen Versorgung eines Faultieres anwesend sein

„Alternativ kann auch eine Stange oder ein Ast zum Einsatz kommen, an der sich das Faultier während der Untersuchung festklammern kann. Allerdings kann es durchaus mit großen Schwierigkeiten verbunden sein, das Tier umzudrehen, wenn es partout nicht loslassen will.“

Bei der tierärztlichen Versorgung von Faultieren kann eine Stange oder ein Stock hilfreich sein

Ihr neu erlerntes Wissen konnten die Teilnehmer auch praktisch anwenden und unter professioneller Anleitung einen geschulten Umgang lernen. Im Anschluss begleitete die Gruppe die Auswilderung eines der Tiere, dem zuvor ein einwandfreier Gesundheitszustand attestiert werden konnte.

Auswilderung eines Faultiers

Aktuell wird ein weiterer Workshop geplant, in dem ausschließlich die Versorgung von Ameisenbären im Fokus stehen wird.

Den Tierschutz im Land weiter voranbringen

Unsere Partnerorganisation GHFS hat sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Ansprechpartner zum Thema Wildtierschutz etabliert. Doch um Wildtieren langfristig und nachhaltig zu helfen, ist es unbedingt notwendig, dass alle relevanten Akteure sich ihrer Rolle im Hinblick auf den Schutz der heimischen Tiere bewusst werden.

Wir haben daher im Rahmen eines weiteren Workshops unter anderem mit Vertretern der Stadtverwaltung, Ministerien, Staatsanwaltschaft und Polizei sowie Jagdgesellschaft und Tourguides informiert und gemeinsam die unterschiedlichen Positionen diskutiert. Schruddes Fazit:

„Es ist uns mit diesem Workshop nicht nur gelungen, erstmals alle relevanten Akteure an einen Tisch und in den Austausch zu bringen. Wir haben auch die größtmögliche Bereitschaft für die Unterstützung eines gemeinsamen Aktionsplans für Faultiere und Ameisenbären geschaffen. Von allen Teilnehmern wurde der Wunsch nach Nachfolgeveranstaltungen wiederholt geäußert. Ein großartiges Ergebnis!“

Helfen Sie den bedrohten Waldbewohnern!

Schon mit 30 Euro stellen Sie das tiergerechte Futter für alle im Schutzzentrum lebenden Faultiere und Ameisenbären für drei Tage sicher.

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