Faultier als Haustier halten: Bitte nicht!

Ein Beitrag von Maike Hausmann, Bundesfreiwilligendienstleistende bei der Welttierschutzgesellschaft

Faultiere haben insbesondere durch Filme wie „Ice Age“ und „Zoomania“ über die letzten Jahre an großer Beliebtheit gewonnen. Laut des Onlineshops „Etsy“ war 2019 sogar das Trendjahr des Faultiers, weshalb Unmengen an Kissen, Tassen oder Kuscheltieren verkauft werden. Doch auch Wildtiere bekommen den Trend zu spüren: Neben zunehmendem Interesse am Kontakt zu den wildlebenden Tieren für Fotos oder Darstellungen in den sozialen Netzwerken wollen immer mehr Menschen Faultiere als Haustiere halten. Der illegale Wildtierhandel nimmt seit Jahren rapide zu. Wir sehen deshalb auch die unkritische Darstellung von Faultieren in menschlicher Obhut in Beiträgen sozialer Netzwerke als Teil des Problems.

 

Darf ich Faultiere überhaupt halten?

Prinzipiell unterscheidet man zwischen zwei Gattungen: den Zwei- und Dreifingerfaultieren und jeweils zwei beziehungsweise vier Unterarten, von denen auf internationaler Ebene nicht alle durch Gesetze ausreichend geschützt sind. Was den internationalen Handel mit Faultieren betrifft, gelten  lediglich für zwei Arten – das Zwerg- sowie das Braunkehlfaultier – bestimmte Einschränkungen, die sich aus ihrer Listung in Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) ergeben. Ein  kommerzieller Handel mit diesen Tieren ist demnach nur möglich, wenn der Ausfuhrstaat zu der Einschätzung gelangt, dass der Handel den Fortbestand der Art nicht gefährdet. Einige südamerikanische Länder haben die Tiere aber durch nationale Gesetze unter besonderen Schutz gestellt. So ist beispielsweise die Jagd von Faultieren in Brasilien sowie der Handel mit ihnen in Kolumbien verboten.

Trotzdem (oder gerade deshalb) boomt die Wilderei. Die Tiere werden gezielt aus der Wildnis entnommen, um dann auch international für die Haustierhaltung verkauft zu werden.

In Deutschland gibt es – mit Ausnahme des Bundeslandes Bremen – kein gesetzliches Verbot für die Haltung von Faultieren, da sie nicht in einem der vorhandenen Regelwerke wie den Artenschutzgesetzen für heimische Tierarten, der EU-Verordnung zur Bekämpfung invasiver Arten oder den in einzelnen Bundesländern vorliegenden Listen so genannter „Gift- und Gefahrentiere“ aufgeführt sind. Wer ein Faultier halten will, sollte jedoch das zuständige Veterinäramt konsultieren.

Ausschließlich in Bremen sind sämtliche Faultierarten in der „Polizeiverordnung zur Haltung von Gefahrtieren“ gelistet, weshalb die private Haltung dort behördlich untersagt ist. Ausnahmegenehmigungen können erteilt werden, wenn potentielle Halter*innen verschiedene Nachweise erbringen können, z.B. hinsichtlich ihrer persönlichen Sachkunde oder der Sicherheit der Unterbringung.

Wie leben Faultiere?

Faultiere kommen ursprünglich aus den Wäldern Mittel- und Südamerikas. Hier verbringen sie die meiste Zeit ihres Lebens in den Wipfeln der Bäume. Nur selten, im Durchschnitt einmal die Woche, verlassen sie diese vertraute Umgebung und klettern den Baum hinab, um ihren Darm am Boden zu entleeren. Die Tiere sind von Natur aus Einzelgänger und treffen nur in der Paarungszeit auf Artgenossen. Als Wildtiere meiden sie in freier Wildbahn den Menschen – von ihnen umgeben zu sein, wird daher auch als großer Stressfaktor definiert. Faultiere haben, wenn physisch und psychisch gesund, eine Lebenserwartung von etwa 20-30 Jahren.

Aufgrund ihrer eigentlichen Heimat in den Regenwäldern brauchen Faultiere nicht nur genügend hohe Klettermöglichkeiten, sondern auch eine Umgebung von etwa 26 bis 30 °C und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. In ihrem natürlichen Umfeld nehmen Dreifinger-Faultiere bis zu 40 verschiedene Pflanzenarten als Nahrung zu sich. In ihrem Verdauungssystem existieren hierfür bestimmte Bakterien, welche auch die härtesten Blätter zersetzen können. Dazu kommt, dass junge Tiere noch Milch trinken und als Alternative zur Muttermilch nur wenige Ersatzprodukte vertragen. Das Füttern von beispielsweise Kuhmilch kann tödlich enden.

Lesen Sie in unserem Porträt alles Wissenswerte über Faultiere: https://welttierschutz.org/tiere/faultier/

Faultier als Haustier: In Deutschland gibt es theoretisch kein Verbot

… in privater Haltung:

Faultiere und andere exotische Tierarten haben komplexe Bedürfnisse, die in der Haustierhaltung nicht befriedigt werden können. Angesichts ihrer hohen Empfindlichkeit hinsichtlich Temperaturschwankungen, ihrer einzelgängerischen Lebensweise sowie dem Bedürfnis nach ungestörter Ruhezeit ist klar: Faultiere sind keine Kuschel- und Haustiere. Bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen werden dahingehend oft falsch interpretiert. Denn auch wenn so ausschaut: Faultiere lächeln den Betrachter nicht an. Wegen ihrer kaum ausgebildeten Gesichtsmuskulatur könne sie ihre Mimik so gut wie gar nicht steuern. Wenn Faultiere ihre Arme ausbreiten, ist dies auch keine einladende Geste, sondern eine Drohung. Und dass sie sich fest an Menschen klammern, wenn sie diesen angereicht werden, hängt mit ihrer Lebensweise als Baumspitzenbewohner zusammen. Sie wollen schlichtweg nicht auf den Boden fallen.

Fühlt sich das Tier bedroht oder ist es gestresst, wehrt es sich mit seinen spitzen Zähnen und scharfen Krallen – ihre Vorderkrallen greifen so fest wie ein Schraubstock. Dass ihnen zum Schutz vor Verletzungen von einigen Halter*innen die Krallen geschnitten werden, ist für die sensiblen Tiere dramatisch: Sie benötigen diese zum Klettern und um sich an den Ästen halten zu können. Des Weiteren kommt es laut unserer Projektpartner in Suriname auch vor, dass Faultieren in Privathaltung das Fingerendglied amputiert wird. Während der Fingernagel der Tiere bis zu zwei Jahre braucht, um nachzuwachsen, ist ein abgesägter Knochen für immer verloren.

Der regelmäßige Kontakt zum Menschen kann außerdem zu schweren psychischen Schäden führen. Der Wildnis entnommenen Faultiere, die Touristen für das Aufnehmen von Selfies angeboten werden, sterben nach durchschnittlich drei bis sechs Monaten aufgrund der hohen Stresssituation.

Fazit:

Faultiere sind Wildtiere und gehören – nirgendwo auf der Welt – in Menschenhand. Es ist kaum möglich, den Ansprüchen der Tiere in ihrer Rolle als Haustier gerecht zu werden, da sie hier ihren arteigenen Bedürfnissen nicht nachkommen können.

Laut einem Bericht im Handelsblatt könne man außerdem sicher sein, dass der Großteil der als Haustier gehaltenen Faultiere illegal gewildert wurde: Wenn Urwald gerodet wird, seien Faultiere die einzigen Tiere, die nicht panisch flüchten. Sie blieben an Bäumen hängen und würden dann entweder gegessen oder in Kisten gepackt und (...) verschifft. Die Sloth Conservation Foundation bestätigt dies: Amerika und Europa seien Hauptabnehmer exotischer Haustiere wie Faultiere. Auch Käufe von Züchter*innen schließen nicht aus, dass damit der illegale Wildtierhandel unterstützt werde. Sich ein Faultier anzuschaffen, ist daher nicht nur lebensgefährlich für die Tiere, sondern auch unverantwortlich für die wilden Artgenossen.

#StopptTierleid: Keine Likes für Leid

Auch die Verbreitung von Videos und Fotos, die einen engen menschlichen Kontakt mit einem Faultier zeigen, ist entschieden abzulehnen. Dies steigert die Nachfrage nach der nicht tiergerechten Haltung und befördert den Wildtierhandel. Unter dem Hashtag #slothselfie findet man dennoch zahlreiche Beispiele, in denen Faultiere außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes, nicht artgerecht in engem Kontakt zum Menschen gehalten werden. Das ist eindeutiges Tierleid.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

… deshalb sollten auch Sie als Nutzer*innen der sozialen Netzwerke sich nicht vom „Faultier-Hype“ anstecken lassen und auch nicht die Reichweite dieser Posts weiter vergrößern. Wir bitten, weder mit positiven noch negativen Emojis oder Kommentaren zu reagieren. Vielmehr sollten Sie die Posts unmittelbar an die Moderator*innen-Teams des jeweiligen Netzwerkes mit dem Hinweis melden, dass es sich hierbei um eine Darstellung von Tierleid handelt.

Wie Sie dabei in sozialen Netzwerken vorgehen sollten, zeigt unser Leitfaden, den wir im Rahmen der Kampagne "Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken" erarbeitet haben. Unsere Forderung an die Betreiber*innen der Netzwerke, derartigen Tierleid-Inhalten Einhalt in sozialen Netzwerken zu bieten, können Sie hier mit Ihrer Petitions-Unterschrift stärken:

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Leidende Qualzuchten, gequälte Wildtiere in vermeidbarem menschlichem Kontakt und grausame Gewalt gegenüber Tieren: Wir wollen das Tierleid in den sozialen Netzwerken beenden. Unterstützen Sie die Petition mit Ihrer Unterschrift!

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Quellen

https://www.geo.de/natur/tierwelt/17655-rtkl-grausamer-trend-wie-faultiere-unter-dem-selfie-wahn-leiden-muessen

https://blog.etsy.com/news/2018/trends-were-watching-for-2019-idealism-is-out-and-reality-is-in/?ref=press_blog_title

https://www.youtube.com/watch?v=U74fQ03hb2k

https://slothconservation.com/about-the-sloth/three-fingered-sloths/

https://slothconservation.com/about-the-sloth/two-fingered-sloths/

https://www.iucnredlist.org/search?query=sloth&searchType=species

https://www.animallaw.info/statute/brazil-crimes-brazilian-environmental-crimes-law

https://bioone.org/journals/edentata/volume-2006/issue-7/1413-4411.7.1.10/The-Illegal-Traffic-in-Sloths-and-Threats-to-Their-Survival/10.1896/1413-4411.7.1.10.full

https://www.nationalgeographic.com/news/2017/10/wildlife-watch-sloth-video-capture-black-market-amazon-animal-welfare/

https://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/diese-exotischen-haustiere-duerfen-gehalten-werden_aid-43839051

http://www.helpster.de/ein-faultier-als-haustier-halten-das-sollten-sie-beachten_162242

https://aspe-institut.de/pdf/Rechtliche_Regelungen_zu_Gift-u_Gefahrtieren_2017.pdf

https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/faultier-bloss-keine-hektik-14220273.html

https://slate.com/human-interest/2017/03/is-it-legal-to-own-a-sloth-in-the-u-s.html

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/tierbranche-faultiere-aus-suedamerika/7552258-2.html?ticket=ST-37223622-u6R9pJkYCr4DWpyaxN3f-ap6

https://www.wsj.com/articles/zoos-are-clambering-to-give-the-people-what-they-want-more-sloths-1503070126

https://www.nationalgeographic.de/tiere/2019/02/exoten-wahn-wilde-tiere-sind-furchtbare-haustiere

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-02/unterschaetztes-tier-faultier

https://abcnews.go.com/Nightline/video/sloths-colombian-animal-traffickers-favorite-19276964

https://www.livescience.com/27612-sloths.html

https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/faultier-bloss-keine-hektik-14220273.html

https://www.nationalgeographic.de/tiere/2019/02/exoten-wahn-wilde-tiere-sind-furchtbare-haustiere

https://slothconservation.com/sloth-problems-and-how-to-solve-them/

https://www.zootier-lexikon.org/index.php?option=com_k2&view=item&id=293:zweizehenfaultier-choloepus-didactylus

https://abcnews.go.com/Nightline/video/sloths-colombian-animal-traffickers-favorite-19276964

++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++

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