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Elefantenschutz in schweren Zeiten

Trotz Coronakrise und Militärputsch geht unser Einsatz für die Elefanten weiter – und zeigt erste Erfolge.

Seit Ende 2019 sind wir gemeinsam mit der Organisation Chances for Nature (CfN) in Myanmar im Einsatz, um das Leben der Arbeitselefanten rund um den Indawgyi-See zu verbessern. Doch seit Beginn unserer Zusammenarbeit ist das Projekt von Krisen betroffen: Neben der Corona-Pandemie stellt die Machtübernahme des Militärs, verbunden mit gewaltsamen Auseinandersetzungen, riesige Herausforderungen dar. Dennoch: Allen Hürden zum Trotz ist das Projekt gut angelaufen – zugunsten von Elefanten wie Lwe Oo.

Hintergrund: Myanmar

Rund um den Indawgyi-See in Myanmar bestreitet ein Großteil der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt mit der Holzwirtschaft, für die seit jeher Arbeitselefanten eingesetzt werden. Oftmals haben aber weder die Halter*innen noch die Elefantenführer*innen (in Myanmar Oozie genannt) ausreichende Kenntnisse über Bedürfnisse, Haltung und tiergerechte Trainingsmethoden, sodass viele der Elefanten misshandelt und schlecht versorgt werden. Mit unserem Projekt wollen wir den Elefanten langfristig ein besseres Leben ermöglichen.

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Tiermedizinische Grundversorgung für die Elefanten: Erste Schritte

Mit dem Ziel, die Versorgung der Elefanten in der Obhut ihrer Hüter*innen zu verbessern, stand zu Beginn des Projektes zunächst die Suche nach geeignetem, im Umgang mit Elefanten erfahrenem Personal für unser Projekt an: Mit dem burmesischen Tierarzt Aung Myint Thun und seinem Assistenten Aung Kyaw Myint, die heute die Projektleitung vor Ort bilden, wurden wir fündig.

Anfang 2020 begannen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation CfN, die Grundlagen für die tiermedizinische Versorgung der Elefanten aufzubauen. Dafür wurden Räumlichkeiten als Büro- sowie Arbeits- und Lagerflächen für das tiermedizinische Equipment und die Medikamente eingerichtet. In einem zweiten Schritt sollte das Projekt in der Region bekannt gemacht werden.

Doch dann kam die Corona-Pandemie

Angesichts der Risiken und auch Restriktionen gestaltete sich dieser Punkt mühsamer als gedacht: Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und in kleineren Gesprächsrunden gelang es aber trotzdem erfolgreich, die Aufmerksamkeit der lokalen Behörden und Interessensgruppen, darunter dem Management des umgebenden Naturschutzgebiets sowie lokalen NGOs, zu gewinnen. Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg des Projektes aber ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Elefantenhalter*innen, weshalb auch Besuche in den Dörfern forciert wurden. Dafür stellten sich die beiden Mitarbeiter jeweils persönlich vor, informierten ausführlich über das Projekt und tauschten sich mit den Elefantenhalter*innen über die aktuelle Situation und die Gesundheitsversorgung ihrer Tiere aus.

In der Region um den Indawgyi-See konnte das Team allein in den ersten Monaten seines Einsatzes 98 Elefantenhalter*innen in 15 Dörfern und ihre insgesamt 190 Tiere besuchen. 35 Elefanten wurden im Zuge dessen untersucht und einige, bei denen Behandlungsbedarf bestand, tiermedizinisch versorgt. Das Interesse der Menschen für das Projekt und eine Verbesserung der Versorgung ihrer Elefanten war groß – die Basis für eine gute Zusammenarbeit somit geschaffen.

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Der Militärputsch stellt eine weitere Hürde dar

Leider stand dem Tatendrang des Teams und der Elefantenhalter*innen ab Februar 2021 nicht mehr nur die Corona-Pandemie im Weg: Der Militärputsch in Myanmar (das Militär übernahm gewaltsam die Regierung) hatte zur Folge, dass sich die Sicherheitslage im Land stark verschlechterte. Täglich protestieren bis heute, mehr als ein halbes Jahr später, Menschen auf der Straße gegen den Putsch – die Aufstände werden oft gewaltsam niedergeschlagen. Das geht auch an der Region um den Indawgyi-See keinesfalls spurlos vorbei. Zwar ist es dort verhältnismäßig ruhig, doch trotzdem ist die Tierschutzarbeit unseres Teams nicht uneingeschränkt möglich: Es herrschen Einschränkungen im Hinblick auf Versammlungen und es gibt vielerorts keinen funktionierenden Verwaltungsapparat sowie nur eingeschränkten Zugang zum Internet.

In Kombination mit der Corona-Pandemie, die zeitgleich die Mobilität einschränkt und besondere Vorsichtsmaßnahmen notwendig macht, gestaltet sich der Projektverlauf seitdem schwierig – aber wir sind im Rahmen der Möglichkeiten für die Elefanten im Einsatz: Dabei macht sich der engagierte Einsatz des Teams in den allerersten Projektmonaten bezahlt, in denen bereits zahlreiche vertrauensvolle Beziehungen zu den Halter*innen aufgebaut werden konnte.

So war es möglich, dass bis September 2021 über 230 Behandlungen bei den Elefanten trotz Pandemie und Putsch stattfinden konnten.

Viele der Elefanten, die das Team im Rahmen des kostenlosen tiermedizinischen Angebotes versorgt, haben mit Fuß- oder Augenproblemen zu kämpfen oder müssen entwurmt werden. Bei Elefanten, die Probleme mit ihren Füßen haben, werden außerdem das Horn gepflegt und überschüssige oder störende Stellen getrimmt, sodass die Tiere wieder problemlos auftreten können. Zudem werden die Elefanten geimpft. Einige Tiere weisen gravierende Verletzungen auf, die ihnen im Zuge von Elefantentrainings zugefügt wurden. Unser Team versorgt die Wunden der Tiere, gibt bei Bedarf Antibiotika und begleitet den Heilungsverlauf – so wie bei Elefantenkalb Lwe Oo, von dem wir Ihnen berichten wollen:

Elefantenkalb Lwe Oo ist ein tragisches Beispiel eklatanter Missstände

Während der Trainingssaison im Juni 2021 – also jener Zeit, in der die Holzarbeiten nicht stattfinden und die Tiere auf ihren späteren Einsatz vorbereitet werden – wurde das Team zu einem Elefantenkalb gerufen, das an diversen gesundheitlichen Problemen litt. Um den Elefanten Kommandos beizubringen, werden die Tiere über mehrere Tage fixiert, indem ihnen die Beine zusammengebunden werden, während eine Schlinge um den Bauch das Tier stützt. Die Trainer*innen wollen auf diese Weise die Elefanten daran gewöhnen, dass jemand auf ihrem Rücken oder Kopf reitet.

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Doch aus Tierschutzsicht ist das eine fatale Trainingsmethode, die zu schwerem Tierleid führt wie auch im Falle des fünfjährigen Elefantenkalbs Lwe Oo. Bei der jungen Elefantenkuh lösten die Trainingsmethoden enormen Stress und depressive Verstimmungen aus. Sie nahm kein Futter mehr auf und litt neben unzähligen Wunden auch darunter, dass sie weder Urin noch Kot absetzen konnte.

Unser Team befreite sie nach Rücksprache mit dem Halter umgehend aus der leidvollen Anbindung und behandelte sie umfassend. Die Verstopfung konnte mit Hilfe einer milden Seifenspülung gelöst und die Wunden versorgt werden. Zudem erhielt Lwe Oo über mehrere Tage stärkende Injektionen, die bei der Rückkehr zu einem guten körperlichen Zustand und einer normalen Nahrungsaufnahme unterstützten.

Neben der Behandlung solcher akut in Not befindlicher Elefanten wollen wir Vorfällen wie diesen im Rahmen des Projektes vorbeugen. Langfristig soll erreicht werden, dass die Elefantenhalter*innen tiergerechte Trainingsmethoden anwenden und so den Elefanten das immense Leid ersparen. Dafür wird ihnen beispielsweise Videomaterial mit tiergerechteren Trainingsmethoden gezeigt, in dem die dargestellten Elefanten nicht auf leidvolle Weise gebrochen werden. Auch den Halter*innen von Lwe Oo vermittelte das Team wichtiges Wissen zum tiergerechten Training, der Haltung und den Bedürfnissen von Elefanten in der Hoffnung, damit ein besseres Verständnis für die Tiere schaffen zu können.

Endlich erste Gruppentrainings möglich

Im Juli 2021 konnten schließlich die ersten Gruppentrainings durchgeführt werden. In den Dörfern Lwemon und 7 miles fanden jeweils zweitägige Workshops für Elefantenhalter*innen und Oozies statt, in deren Rahmen insbesondere die Themen Grundversorgung, Elefantentraining und Hufpflege fokussiert wurden. An den Trainings nahmen mit großem Engagement und Interesse jeweils 18 bzw. 19 Teilnehmer*innen aus mehreren umliegenden Dörfern teil.

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Ob im Rahmen von Einzelbesuchen oder Gruppentrainings: Die Elefantenhalter*innen und -führer*innen zeigen sich stets sehr interessiert, tiergerechtere Trainingsmethoden kennnezulernen und  die Gesundheitspflege ihrer Elefanten zu verbessern. Und so haben wir, allen Hindernissen zum Trotz, in den vergangenen Monaten die Basis schaffen können, um den Elefanten Myanmars eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

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