WTG-Nothilfefonds: Für die Braunbären in Rumänien

Um die hohen laufenden Kosten zu decken, sind viele Wildtierschutzzentren neben Spendengeldern auch auf Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Tierschutzbildungsprogrammen angewiesen. Doch während der Coronakrise – als die Maßnahmen zur Eindämmung griffen – wurde der Besucherbetrieb teilweise komplett eingestellt. So geriet auch das Bärenschutzzentrum unserer rumänischen Partnerorganisation Asociatia Milioane de Prieteni (AMP) in existenzielle Schwierigkeiten: Durch den WTG-Nothilfefonds decken wir die laufenden Betriebskosten und stellen die Fütterung und Versorgung der Bären sicher.

Der WTG-Nothilfefonds

Um Tieren und unseren Partnern vor Ort in diesen unsicheren Zeiten zur Seite zu stehen, haben wir den WTG-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Dieser soll an die Situation angepasste, individuelle Zusatzhilfe zum Schutz der Tiere in unseren Einsatzländern ermöglichen. »Bitte spenden Sie!

Hintergrund: Bärenschutz in Rumänien

Zahlreiche Braunbären in Rumänien führten mitunter jahrzehntelang ein trostloses Dasein in illegalen oder schlechten Haltungen. Im Schutzzentrum unserer rumänischen Partnerorganisation Asociatia Milioane de Preteni (AMP) finden diese Bären zwischen Eichenbäumen und Hügeln endlich ein bärengerechtes Zuhause.

Zum Projekt

Zum aktuellen Zeitpunkt leben 106 Bären im Zentrum. Als langjähriger Partner unterstützen wir das Schutzzentrum zur Zeit durch die Finanzierung der vier Bärenpfleger*innen und durch die Übernahme eines Teils der Futterkosten für die Bären. Neben Hilfe von weiteren internationalen Partnern werden normalerweise große Teile der Kosten auch eigenständig vom Schutzzentrum durch die Eintrittsgelder von Besucher*innen gedeckt. Jeden Monat zieht es eigentlich bis zu 3.000 Besucher*innen an, die auf ihrem Rundgang durch das Zentrum und mit ausreichend Abstand zu den Tieren den Bären beim Spielen, Baden und Entspannen zuschauen können. Dabei lernen die Besucher*innen viel Wissenswertes über die Arbeit vor Ort und die Problematik des Mensch-Bär-Konfliktes im Land. Mit Seminaren, Workshops und Feriencamps für Kinder und Jugendliche wird zudem insbesondere die junge rumänische Bevölkerung angesprochen und für die Bedürfnisse sowie einen verständnisvolleren Umgang mit den Braunbären in Rumänien sensibilisiert. Doch infolge der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus mussten die Tore des Zentrums schließen.

WTG-Nothilfefonds: Für die Braunbären in Rumänien
© Asociatia Milioane de Prieteni

Den Betrieb des Schutzzentrums auch während Corona aufrechterhalten

Weder durften in den Monaten April und Mai Gäste das Zentrum besuchen, noch konnten Lehrangebote vor Ort veranstaltet werden. Zusätzlich zum Wegfall der Eintrittsgelder nahmen außerdem die Spendeneinnahmen aus der lokalen Bevölkerung rapide ab und die sonst so dringend benötigte Mitarbeit durch Freiwillige aus der Umgebung setzte aus. All das stellte die Finanzierung des täglichen Zentrumbetriebs vor immense Herausforderungen.

Während in anderen Ländern Maßnahmen wie mobile Kliniken zur Versorgung von streunenden Tieren und Trainings mit Tierhalter*innen und Tierärzt*innen an die Situation angepasst werden konnten, gibt es für Tiere in unserer Obhut keine alternativen Hilfsmöglichkeiten: Die laufenden Kosten für die Futter- und tiermedizinische Versorgung fallen trotz Coronakrise im selben Maße an.

Wir können unserem Partner in diesen schweren Zeiten zur Seite stehen und mit Hilfe des WTG-Nothilfefonds einen großen Teil der laufenden Betriebskosten sowie die Gehälter weiterer Pfleger*innen übernehmen.

Ein Licht im Dunkel der Coronakrise: Die Bärenjungen Kenya und Bamse

So dramatisch die Lage auch erscheint, so sehr schenken Schicksale wie die der Bärenjungen Kenya und Bamse Hoffnung – und belegen, wie wichtig der Fortbetrieb des Schutzzentrums ist.

Die rund vier Monate alte Bärin Bamse wurde am 23. Mai um 3 Uhr morgens in die Obhut des Schutzzentrums übergeben. Was war ihr widerfahren? Gemeinsam mit ihrer Mutter und zwei weiteren Geschwistern, hatte sie in einem Hinterhof nach Nahrung gesucht. Als die dort lebenden Menschen die Tiere entdeckten, ergriffen zwei der Jungtiere sowie die Mutter die Flucht, doch Bamse – vor Angst wie paralysiert – wurde eingefangen und ins Schutzzentrum verbracht. Dort angekommen war sie zuerst so verschreckt und desorientiert, dass sie jegliche Nahrungsaufnahme verweigerte, obwohl sie sichtlich schwach und dehydriert war und daher die Nährstoffe dringend benötigte. Doch dank der Geduld und liebevollen Fürsorge der Pfleger*innenkonnte sie ihre Angst schnell überwinden und leerte die ihr angebotene Milchflasche. So hatte Bamse Glück im Unglück und ist nun auf dem besten Weg in ein gesundes Leben im Schutzzentrum.

WTG-Nothilfefonds: Für die Braunbären in Rumänien
Wie jedes Säugetier, das im Babyalter sein Muttertier verliert, muss auch Bamse zunächst mit der Flasche aufgezogen werden. Mit großem Appetit nimmt sie mittlerweile täglich, ganz wie es sich für Jungbärin ihres Alters gehört, mehrere Liter Milch sowie Eier und Honig und zu sich und erhält zusätzlich stärkende Vitamine. © Asociatia Milioane de Prieteni

Auch Kenyas mehr als dramatisches Schicksal bekam dank der aufopfernden Arbeit im Schutzzentrum eine gute Wendung:

Verletzt und am Rande ihrer Kräfte war das etwa vier Monate alte und kaum fünf Kilogramm leichte Bärenweibchen in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni ins Schutzzentrum gebracht worden. Vermutlich war sie von einer Klippe herab in einen Fluss gestürzt und dort zwischen Felsspalten hängengeblieben. Unsere Partner vermuten, dass sie in dieser Lage mehrere Stunden – vielleicht sogar Tage – ausharren musste, bevor Wanderer durch ihr Wimmern auf sie aufmerksam wurden und die zuständigen Behörden informierten.

Die ersten Tage nach ihrer Ankunft waren kritisch und das Team tat alles, um ihr Überleben zu sichern: Kenya war dehydriert, von Fliegenlarven übersäht und wies einen sichtlich schmerzhaften Bluterguss an der rechten Schulter auf. Auch das Laufen fiel ihr schwer. Nach der ersten, ausgiebigen tiermedizinischen Versorgung – sie erhielt Vitamine, Entzündungshemmer und Antibiotikum – und einem kräftefördernden Schlaf, kehrte zunächst ihr Appetit wieder und sie leerte ihre erste Flasche Milch.

WTG-Nothilfefonds: Für die Braunbären in Rumänien
Bei ihrer Ankunft im Schutzzentrum war Kenya in lebensbedrohlichem Zustand – doch die tiermedizinische Versorgung und professionelle Fürsorge rettete ihr Leben. © Asociatia Milioane de Prieteni

Auch wenn sich ihr zunächst lebensbedrohlicher Gesundheitszustand in den ersten Tagen im Schutzzentrum stabilisiert hat und die Bärin von Tag zu Tag mehr Kraft schöpft: Kenya hat, vermutlich durch ihren Sturz, schwerwiegende gesundheitliche Folgen davongetragen. So kann sie auf der rechten Seite weder sehen noch hören und auch ihr rechtes Bein nicht benutzen. Es lässt sich momentan nicht vorhersagen, ob die Bärin jemals ein gesundes Leben führen kann oder lebenslang auf Hilfe angewiesen sein wird.  In jedem Fall wird sie in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin durch die Tierärzte im Schutzzentrum engmaschig tiermedizinisch überwacht werden und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um ihr die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen.

Die Kehrseite der Flaschenaufzucht

Bärenjunge wie Bamse und Kenya, die von ihrer Mutter getrennt werden, wären – auch unverletzt - allein nicht überlebensfähig. Denn mehrere Monate lang säugen sie ausschließlich deren Milch und lernen anschließend - bis zu einem Alter von etwa drei Jahren - alles über das Bärenleben, insbesondere über die Nahrungsbeschaffung. Durch die Flaschenaufzucht kann es zwar gelingen, verwaiste Jungtiere großzuziehen, doch es besteht dabei immer auch die Gefahr, dass sie sehr an den Menschen gewöhnt werden und eine Vertrautheit geschafft wird, die in freier Wildbahn für die Bären wieder gefährlich werden könnte. Üblicherweise werden diese Aufzuchten daher so angelegt, dass der menschliche Kontakt möglichst geringgehalten wird, um die Auswilderungswahrscheinlichkeit zu erhöhen. In Bamses und Kenyas Fall wird die Zeit zeigen, wie sich die beiden gesundheitlich entwickeln und ob sie einmal ein Leben in Freiheit führen werden können.

Erste Schritte einer Rückkehr zur Normalität – doch die Not bleibt groß

Einhergehend mit den nationalen Lockerungen der Coronamaßnahmen durfte das Schutzzentrum am 2. Juni seine Pforten wieder für Besucher*innen öffnen, allerdings nur in eingeschränktem Rahmen und mit strengen Maßnahmen zum Schutz von Gästen und Beschäftigten.

Mit der Wiedereröffnung ist dennoch ein wichtiger Schritt zurück zur Normalität getan, doch ist die Deckung der anfallenden Kosten dadurch noch lange nicht gesichert: Denn von den normalerweise etwa 3.000 Besucher*innen im Monat ist derzeit nur mit einem Bruchteil zu rechnen.

Wir sind auch weiterhin an der Seite unserer Partner, damit wir in Krisensituationen wie der aktuellen die Versorgung der Bären sicherstellen und Notfällen wie Bamse und Kenya die Versorgung bieten können, die sie so dringend benötigen. Bitte unterstützen Sie uns dabei – mit Ihrer Spende für den WTG-Nothilfefonds.

Der WTG-Nothilfefonds: Schutz für Wildtiere

Mit Ihrer Spende helfen Sie, die Rettung, Versorgung und Fütterung aller in der Obhut unserer Schutzzentren befindlichen Tiere sicherzustellen.

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