"Galle-Bären" in Vietnam

Ein neues Zuhause für gequälte Bären

Der Handel mit Bärengalle ist seit 2005 in Vietnam offiziell verboten. Aufgrund fehlender tiergerechter Unterbringungsmöglichkeiten mussten die Kragen- und Malaienbären jedoch auf den Farmen verbleiben – und ihnen wurde weiterhin illegal Gallesaft abgezapft. Um diesem grausamen Vorgehen ein Ende zu setzen, errichtet unsere Partnerorganisation Free The Bears mit unserer Hilfe ein bärengerechtes Schutzzentrum im Cat Tien Nationalpark. Der erste Bauabschnitt wurde nun erfolgreich fertiggestellt und 16 Kragenbären sind in die weitläufigen Gehege eingezogen.

Vietnam

Trotz des Verbots fristen Schätzungen zufolge immer noch 1.000 Kragen- und Malaienbären ein trostloses und schmerzhaftes Dasein auf den ehemaligen „Galle-Bären“-Farmen. Angesichts fehlender Kontrollen wird ihnen bis heute Gallesaft abgezapft. Aktuelle Untersuchungen unserer Partnerorganisation zeigen zudem, dass als Folge des Bärengalle-Verbotes die Tiere häufig verkauft, getötet oder in den engen Käfigen ihrem Schicksal überlassen werden.

Umzug von 16 Kragenbären

Eine der wenigen Unterbringungsmöglichkeit für die geschundenen Tiere war bis dato das staatlich geführte „Cat Tien Bear Rescue Centre“ im südvietnamesischen Cat Tien National Park. Für ursprünglich 16 Bären errichtet, stieg die Zahl der tatsächlich dort lebenden Tiere in kurzer Zeit auf 35 an. Eine bärengerechte Unterbringung wurde schwierig, sodass unser Partner Free The Bears sich zum Bau einer komplett neuen und vor allem größeren Anlage, nur wenige Kilometer entfernt, entschloss. Dank unserer Hilfe konnte das erste Bärenhaus Ende Juli 2017 eröffnet und mit dem Einzug von 16 Bären eingeweiht werden. Weitere Bärenhäuser sind in Planung, sodass in absehbarer Zeit die restlichen 19 Tiere des staatlichen Zentrums, sowie darüber hinaus weitere 15 Tiere, einziehen können. Eine Wiederauswilderung der Tiere ist grundsätzlich nicht möglich, da sie in der freien Natur nicht mehr überlebensfähig sind.

Sicherstellung des Wohlergehens: Tierklinik und Verhaltensstudie

Um die Tiere im neuen Schutzzentrum auch angemessen tiermedizinisch versorgen zu können, ist der nächste Schritt der Bau einer Tierklinik auf dem Gelände. So können bei Bedarf unmittelbare und auf Bären spezialisierte Behandlungen vor Ort durchgeführt werden.

Darüber hinaus sollen ihnen im neuen Schutzzentrum alle Möglichkeiten zur Zurückerlangung und Auslebung ihres natürlichen Verhaltens geboten werden. Die deutsche Verhaltensbiologin Dr. Marion Schneider hat dafür bereits im vergangenen Jahr die Tiere im staatlichen Schutzzentrum beobachtet. Ihre Erkenntnisse sind in die Planung des Neubaus eingeflossen und werden, nach Gewöhnung an die neue Umgebung, in einer zweiten Beobachtungsphase geprüft. Anschließend wird alle sechs Monate eine Verhaltensbeobachtung durchgeführt, um Verhaltensänderungen der Bären registrieren und auf darauf reagieren zu können.

Tierschutzbildung für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel

Mehrere zehntausend Besucher kommen jährlich in den Cat Tien National Park, der nur drei Stunden nördlich von Vietnam‘s größter Stadt, Ho-Chi-Minh-Stadt, liegt. Dies bietet dem neuen Schutzzentrum die einmalige Möglichkeit, einer großen Anzahl von Menschen die Situation der Tiere und ihre Bedürfnisse zu vermitteln, um die Nachfrage nach Bärengalle und ihren Produkten auch weiterhin zu verringern. Geplant sind zwei Mal täglich stattfindende, geführte Touren, bei denen die Gäste für die natürlichen Verhaltensweisen der Bären sensibilisiert sowie über die Grausamkeiten der Bärenfarmen informiert werden.

Hintergrund: Das grausame Leben auf den „Galle-Bären“-Farmen

Zum Lesen bitte Aufklappen

Wer einmal Vietnam bereist hat, weiß, wie leicht es ist, an Bärengalle zu gelangen. In vielen Geschäften kann diese unter der Hand gekauft  werden. Laut Gesetz mussten bestehende Bärenfarmen zwar geschlossen werden, jedoch durften die Betreiber ihre Bären als „Haustiere“ behalten. Diese Gesetzeslücke wird genutzt, um die Galle auch weiterhin an Einheimische und Touristen zu verkaufen. Die Menschen erhoffen sich durch das Produkt, das als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Einsatz kommt, eine Linderung verschiedener Augen- und Lebererkrankungen. Die in der Galle enthaltene Ursodeoxycholsäure (UDCA) wird tatsächlich bei der Behandlung von Gallesteinen oder auch einigen Lebererkrankungen genutzt – ist allerdings aufgrund bereits entwickelter und in der westlichen Medizin erfolgreich verwendeter pflanzlicher und synthetischer Alternativstoffe mittlerweile überflüssig.

Der traurige Alltag der „Galle-Bären“: 
Eingesperrt in viel zu engen Käfigen zapfen die Betreiber den Bären unter grausamen Bedingungen die Gallenflüssigkeit ab. Die permanente körperliche Belastung durch das „Abzapfen“ und die schlechten Lebensbedingungen, denen die Bären ausgesetzt sind, führen zu körperlichen Schäden, wie zum Beispiel Mund- und Klauenverletzungen, Unterernährung und Leberkrebs. Zudem weisen die Bären oft chronische Verhaltensstörungen auf. Die Bären beißen sich in ihre Tatzen und kauen an den Gitterstäben, da sie die Schmerzen nicht ertragen.

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Daniela Schrudde
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