"Galle-Bären" in Vietnam

Ein neues Zuhause für gequälte Bären

Coronakrise: Tierschutz in Zeiten der Pandemie:

Die unterschiedlichen Aktivitäten und Schwerpunkte unserer Tierschutzarbeit weltweit – ob Schutzzentrum oder mobile Klinik, Hilfe für Streuner, Nutz- oder Wildtiere – mussten angesichts der Pandemie pausiert oder angepasst werden:

Es bleibt höchste Priorität, Tierleben zu retten, dabei gefährden wir aber nicht die Gesundheit der Menschen und erhöhen das Ansteckungsrisiko. Mit Hilfe des WTG-Nothilfefonds wollen wir eine grundlegende Tierschutzarbeit trotz Coronakrise ermöglichen. Lesen Sie hier mehr: »Tierschutzarbeit in Zeiten der Coronakrise

Wir versprechen Ihnen: Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Schutz der Tiere – der Streunerkatzen und -hunde, Nutztiere wie Esel, Rinder, Schafe und Ziegen sowie Wildtiere wie Schuppen- und Faultiere, Elefanten und Bären – auch weiterhin sicherzustellen. »Bitte unterstützen Sie uns dabei!

Der Handel mit Bärengalle ist seit 2005 in Vietnam offiziell verboten. Dennoch befinden sich weiterhin mehrere hundert Kragen- und Malaienbären aufgrund fehlender tiergerechter Unterbringungsmöglichkeiten auf stillgelegten Farmen oder in der Obhut der Halter*innen – sie werden kaum versorgt oder unmittelbar getötet, einigen wird zudem noch immer illegal Gallesaft abgezapft. Um möglichst viele der Tiere befreien und ihnen ein Leben ohne Leid bieten zu können, bauen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Free The Bears (FTB) ein Schutzzentrum im Cat Tien Nationalpark auf. Dort sichern wir die tiermedizinische Versorgung der geretteten, oft schwer kranken Bären, ihre Pflege und bärengerechte Ernährung und machen uns durch Informationsarbeit für mehr Tierschutzbewusstsein im Land stark.

Vietnam

Schätzungen zufolge fristen noch immer rund 400 Kragen- und Malaienbären ein trostloses und leidvolles Dasein auf ehemaligen „Galle-Bären“-Farmen. Untersuchungen unserer Partner deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Bärengalle in Vietnam kontinuierlich sinkt, was aber auch zur Folge hat, dass die verbliebenen Bären aufgrund des ausbleibenden Profits für die Halter*innen verkauft, getötet oder nicht mehr versorgt werden.

Das Leid der "Galle-Bären" (Zum Lesen bitte aufklappen)

Die permanente körperliche Belastung durch das sogenannte „Melken“ und die schlechten Lebensbedingungen, denen die Bären ausgesetzt sind oder über Jahre waren, haben zu körperlichen Schäden, wie zum Beispiel Mund- und Klauenverletzungen, Unterernährung und Leberkrebs geführt. Zudem weisen die ehemaligen „Galle-Bären“ oft chronische Verhaltensstörungen auf: Sie beißen sich in ihre Tatzen und kauen an den Gitterstäben.

Was bisher geschah

Eine der wenigen Unterbringungsmöglichkeiten für gerettete Bären war lange Zeit das staatlich geführte „Cat Tien Bear Rescue Centre“ im südvietnamesischen Cat Tien Nationalpark (zu Deutsch: Cat Tien Bärenrettungszentrum). Für ursprünglich 16 Bären errichtet, beherbergte dieses im Jahr 2014, dem Beginn unseres Einsatzes, 35 Tiere – und somit weit mehr als die Kapazitäten im Hinblick auf eine tiergerechte Unterbringung und Versorgung zuließen. Gemeinsam mit unserem Partner Free The Bears bemühten wir uns in den ersten Jahren der Zusammenarbeit durch Ausbauarbeiten darum, mehr Platz und tiergerechtere Gehege für die dort untergebrachten Bären zu schaffen.

Doch die Dringlichkeit, weitere Bären aus ihrer leidvollen Gefangenschaft zu befreien, war groß, die Aufnahme im bestehenden Zentrum aber keine Option. Es bedurfte mehr Platz und einer dauerhaften Lösung für die Unterbringung der Bären auf Lebenszeit. Denn nach Jahren der privaten Haltung, sind die Tiere in der freien Natur nicht mehr überlebensfähig.

Bau eines neuen Schutzzentrums

Um Kapazitäten für die Aufnahme weiterer Bären zu schaffen, begannen wir 2014 gemeinsam mit unseren Partnern den Bau eines komplett neuen und vor allem größeren Schutzzentrums unweit des alten: das Cat Tien Bear Sanctuary.

  • Ende 2017 waren die ersten beiden Bärenhäuser mit angeschlossenen weitläufigen Gehegen fertiggestellt. Bis März 2018 wurden 25 Kragen- und Malaienbären vom alten in das neue, bärengerechte Schutzzentrum umgesiedelt.
  • Im Herbst 2019 wurde das dritte Bärenhaus inklusive eines weitläufigen Außenbereichs fertiggestellt, das Platz für weitere 16 Bären bietet.
  • 2019 errichten wir dann eine Tierklinik auf dem Gelände, um die Tiere, die oftmals an chronischen Krankheiten als Folge der Gefangenschaft, Fehlernährung und des Abzapfens der Galle leiden, auch angemessen tiermedizinisch versorgen zu können. Die Besonderheit der Klinik ist eine Glasscheibe, die den geräumigen OP-Raum von einem Besprechungsraum trennt. Tiermedizinstudent*innen aber auch Tierärzt*innen ist es dadurch möglich, bei Behandlungen zuzusehen und in Austausch zu treten, ohne die Tiere zu stören oder zu gefährden.
  • Anfang 2020 wurden zwei weitere mit unserer Unterstützung errichtete und ausgestattete Gebäude fertiggestellt: Eines dient der Futteraufbewahrung und -zubereitung (u. a. Fleisch, frisches Obst und Gemüse). Hier werden zudem die Beschäftigungsmaterialien für die Bären hergestellt und gelagert. Bei dem zweiten handelt es sich um den Trakt der Tierpfleger*innen, in dem die Mitarbeiter*innen sich umziehen und ihre persönlichen Dinge verwahren können, mit unserer Hilfe mit einem Hygienebereich ausgestattet. Dieser dient dazu, die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern auf die Bären auf ein Minimum zu reduzieren und zu einer stabilen Gesundheit der Tiere beizutragen.

Darüber hinaus stellen wir über die Finanzierung der Mitarbeitenden des Schutzzentrums sicher, dass sowohl die Versorgung der Bären als auch das Voranschreiten der Bauarbeiten gewährleistet wird.

Gallebären in Vietnam
© Free The Bears

Sicheres Zuhause für mehr als 50 Bären

Mittlerweile finden im Schutzzentrum 37 Tiere auf einer Gesamtfläche von rund 28.500 m2  eine tiergerechte Unterbringung in natürlicher und weitläufiger Umgebung: Sie erhalten bärengerechtes Futter, umfangreiche tiermedizinische Versorgung und haben die Möglichkeit, bis an ihr Lebensende ein sicheres und leidfreies Bärenleben führen zu können. Den Bären stehen in den Waldgehegen zudem Beschäftigungsmöglichkeiten wie Klettertürme, Hängematten und Bademöglichkeiten zur Verfügung. Zahlreiche Bäume und Sträucher ermöglichen den Tieren, ihr natürliches Verhalten wiederzuentdecken und bestmöglich auszuleben, und bieten ihnen gleichzeitig Rückzugsmöglichkeiten. Eines der Bärenhäuser ist zudem »speziell auf die Bedürfnisse älterer Bären ausgerichtet.

Um künftig noch mehr Tiere aus leidvollen Haltungen befreien und im Schutzzentrum unterbringen zu können, bauen wir fortlaufend die Kapazitäten aus: So befindet sich aktuell ein viertes Bärenhaus in der finalen Bauphase und ein weiteres – als Anbau vom ersten Bärenhaus – ist in Planung. Zudem soll eine künstliche Schilfanlage entstehen, über die das für die Bärenhaus-Säuberung verwendete Wasser nachhaltig entsorgt werden kann und auch lokalen Tierarten wie Fröschen und Insekten einen Lebensraum bietet.

Mit Fertigstellung der beiden zusätzlichen Gebäude und Außengehege werden im Schutzzentrum langfristig 35.000 Quadratmeter Lebensraum für mehr als 50 Bären zur Verfügung stehen.

Gallebären in Vietnam
© Free The Bears

Das alte Zentrum dient mittlerweile vornehmlich als Quarantänestation. Dank des freigewordenen Platzes durch die Umsiedlung der Bären in das neue Schutzzentrum konnten wir allein in den Jahren 2020 bis 2021 die Rettung von sieben weiteren Bären (Stand: November 2021) aus leidvoller Haltung ermöglichen.

Verhaltensstudie zur Verbesserung des Wohlergehens (Zum Lesen bitte aufklappen)

Den Bären sollen im neuen Schutzzentrum alle Möglichkeiten zur Zurückerlangung und Auslebung ihres natürlichen Verhaltens geboten werden. Die deutsche Verhaltensbiologin Dr. Marion Schneider hat dafür mit unserer Unterstützung bereits vor Fertigstellung des Zentrums die Tiere im alten Zentrum über einen längeren Zeitraum beobachtet und ihre Erkenntnisse in die Planung des Neubaus einfließen lassen. Nach einer Eingewöhnungsphase in den neu erbauten Gehegen wurde das Verhalten der Tiere erneut analysiert. Die Studienergebnisse unterstreichen, dass die Art der Unterbringung von Kragen- und Malaienbären deutliche Auswirkungen auf Stress und Wohlergehen der Tiere hat, und belegt, wie wichtig eine möglichst großflächige und natürliche Umgebung für Bären in Gefangenschaft ist, damit sie ihr artgerechtes Verhalten adäquat ausleben können. Auf Basis weiterer, täglicher Beobachtungen der Bären im neuen Schutzzentrum finden halbjährliche Bewertungen des Verhaltens statt, mit deren Hilfe sichergestellt wird, dass neue Probleme rechtzeitig erkannt und angegangen werden – beispielsweise mit angepassten Beschäftigungsmöglichkeiten, die  das Wohlbefinden der Tiere zusätzlich steigern.

Gallebären in Vietnam
Luftaufnahme eines Teilbereiches des neuen Schutzzentrums mit Bärenhaus und angeschlossenem Waldgehege © Free The Bears

Tierschutzbildung für einen nachhaltigen Bewusstseinswandel

Weil es regulär jedes Jahr mehrere zehntausend Besucher*innen in den Cat Tien Nationalpark zieht, in dem sich auch das neue Schutzzentrum befindet, bietet sich die optimale Möglichkeit für umfangreiche Tierschutzbildung: Im Rahmen geführter Touren informieren wir über die Situation der Tiere und ihre Bedürfnisse, zeigen die Problematiken der Galle-Gewinnung auf und verringern so die Nachfrage nach derartigen Qual-Produkten. Die Besucher*innen werden zudem etwa durch Bestückung der Beschäftigungsmaterialien für die Tiere mit Futter aktiv eingebunden und für die natürlichen Verhaltensweisen der Bären sensibilisiert.

Infolge der Corona-Pandemie und damit einhergehenden Beschränkungen verzeichnet das Schutzzentrum seit 2020 zwar niedrigere Besucherzahlen als normalerweise. Doch im Hinblick auf bessere Zeiten, unterstützen wir in der Zwischenzeit den Ausbau des „Bear Discovery Center“: ein Informationszentrum im Schutzzentrum, das den Besucher*innen ermöglichen wird, sich interaktiv über den Schutz der Bären und ihrer Bedürfnisse zu informieren.

Bitte spenden Sie für dieses umfassende Projekt  – damit die Bären ihr Leben voll Leid endlich hinter sich lassen und im Schutzzentrum lebenslang ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt werden können.

Schenken Sie den Bären Hoffnung!

Schon mit 35 Euro ermöglichen Sie jedem Bären monatlich neue kleine Beschäftigungsmaterialien, wie z. B. Futterbälle mit bärengerechten Leckereien.

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Ihre Ansprechpartnerin für Fragen zum Einsatz:

Irina Fronescu
Projektkoordinatorin Wildtierprojekte

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: info@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin