Braunbären in der Ukraine

Mit der Vision, die private Bärenhaltung zu beenden

Trotz der Berner Konvention, durch deren Unterzeichnung die private Haltung von Braunbären in der Ukraine eigentlich verboten ist, leben Schätzungen zufolge etwa 400 Braunbären unter teils grausamen Bedingungen bei Privatleuten. Um die Situation für diese Tiere zu verbessern und die private Haltung in der Ukraine langfristig zu beenden, arbeitet die Welttierschutzgesellschaft (WTG) mit der lokalen Tierschutzorganisation ECO-HALYCH zusammen.

Ukraine

In der Ukraine fristen zahlreiche Braunbären ihr Dasein unter widrigen Bedingungen. Um die Situation grundlegend zu ändern, haben die Welttierschutzgesellschaft und die ukrainische Tierschutzorganisation ECO-HALYCH ein bestehendes Schutzzentrum im Halych Nationalpark um ein dringend benötigtes Gehege erweitert, das gequälten Bären als neues Zuhause dient, und sorgen landesweit für mehr Bären-Bewusstsein.

Zum Ausklappen: Was bisher geschah

Die Geschichte der „Cherson-Bären“

Ein Beispiel für die widrigen Umstände, unter denen Bären in der Ukraine leben müssen, ist das der sogenannten Cherson-Bären. Schauplatz war ein Zoo in der südukrainischen Stadt Cherson: Im Jahr 2014 stellte der Tierpark seinen Betrieb ein und überließ die dort lebenden Tiere ihrem Schicksal. Eine Gruppe Freiwilliger nahm sich ihnen an und bewahrte sie so vor dem Hungertod. Auch konnten bereits einige bauliche Verbesserungen an den Gehegen umgesetzt werden, doch ein tiergerechtes Leben führten die Bären in den viel zu kleinen Gehegen trotzdem nicht.

Umzug in ein neues Leben

Daher haben wir gemeinsam mit unseren Partnern von ECO-HALYCH auf dem Gelände des Halych Nationalparks in der West-Ukraine zwei Gehege gebaut, in dem alle vier Bären aus dem Cherson Zoo im September 2017 ein neues Zuhaue gefunden haben. Auf einer Fläche von 2,2 Hektar können die Tiere hier ihre natürlichen Instinkte wiederentdecken und bestmöglich ausleben. Dafür befinden sich im Gehege unter anderem ein 6 mal 4 Meter großer Pool, ein Baumhaus und verschiedene Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten.

Für mehr Bären-Bewusstsein im Land

Jedes Jahr heißt das Schutzzentrum des Halych Nationalparks um die 20.000 Besucher willkommen. Damit die Tiere davon ungestört leben, die Besucher aber gleichzeitig die heimische Tierwelt beobachten können, wurde mit unserer Unterstützung eine erhöhte Aussichtsplattform errichtet. Eine große Informationstafel direkt auf der Plattform erzählt zudem die beispielhafte Geschichte der vier „Cherson-Bären“ und sensibilisiert für die Situation von Braunbären in der Ukraine. Da 80 Prozent der Besucher Kinder sind, kann mit dieser Arbeit vor allem die nächste Generation erreicht werden und somit ein langfristiges Umdenken in der Bevölkerung unterstützt werden. Um auch außerhalb des Schutzzentrums für Aufmerksamkeit zu sorgen, wurden Informationsvideos für das staatliche Fernsehen produziert.

Die Umsiedlung der „Cherson-Bären“ (lesen Sie alle Details im obenstehenden Ausklapptext) war ein wichtiges und öffentlichkeitswirksames Signal für mehr Tierschutzbewusstsein und schaffte Aufmerksamkeit für die Situation vieler Braunbären in der Ukraine. Schätzungsweise noch 400 Braunbären leben in Gefangenschaft, für sie gibt es allerdings nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten in tiergerechten Schutzzentren. Eine Auswilderung der Tiere ist unmöglich, da sie aufgrund der jahrelangen Gefangenschaft in der freien Natur nicht überleben würden und die Scheu vor dem Menschen bereits so sehr verloren haben, dass sie auch eine Gefahr darstellen würden.

Gemeinsam mit unserem Partner ECO-HALYCH wollen wir deshalb zunächst die Haltungsbedingungen dieser Bären verbessern und ihnen so dringend notwendige Hilfe leisten. Unsere gemeinsame Vision ist ein Ende der privaten Braunbärenhaltung in der Ukraine.

Aufbau einer Datenbank

Da es keine verlässliche Datenlage, sondern nur spekulative Aussagen über die Anzahl als auch über die Lebensbedingungen der privat gehaltenen Braunbären gibt, wird im Rahmen der Zusammenarbeit zunächst eine Datenbank aufgebaut, in die möglichst alle Bärenhalter aufgenommen werden sollen. Sie soll Informationen über den Halter, die Anzahl der Bären, deren Alter, den Gesundheitszustand der Tiere sowie die Haltungsbedingungen enthalten. Nur mit dieser Grundlage können anschließend die richtigen Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls geplant und durchgeführt, aber auch dringender Handlungsbedarf abgeleitet werden.

Zur Datenerfassung werden die Mitarbeiter vor Ort durch das Land fahren und Bärenhalter aufsuchen. Dabei bauen sie auch auf die Mithilfe der Bevölkerung, die im Rahmen der vorangegangenen Informationsarbeit aber auch fortlaufend für die mitunter schrecklichen Zustände der Bären sensibilisiert werden.

Unabdingbar: Zusammenarbeit mit dem Ministerium

Für die Durchführung des Projektes ist eine enge Zusammenarbeit mit den ukrainischen Behörden unerlässlich. Der dafür notwendige erste Schritt ist eine von ECO-HALYCH und dem Ministerium für Ökologie und natürliche Ressourcen unterzeichnete Absichtserklärung, die die folgenden Punkte beinhalten soll:

  • ECO-HALYCH und das Ministerium engagieren sich zusammen für ein Ende der Braunbärenhaltung.
  • Zur Erreichung dieses Ziels handelt ECO-HALYCH mit Unterstützung des Ministeriums, was die Akzeptanz der Arbeit im Allgemeinen und ganz besonders der Besuche bei privaten Bärenhaltern erhöht.
  • Beide Seiten tauschen ihre Informationen über die im Land gehaltenen Braunbären regelmäßig aus.

Darüber hinaus ist ECO-HALYCH bereits Teil einer Arbeitsgruppe, die gemeinsam mit dem Ministerium das Gesetz zur Haltung von Wildtieren überarbeitet. Die Berner Konvention stellt Braunbären zwar unter besonderen Schutz und untersagt damit auch ihre Haltung (Artikel 6), legt gleichzeitig aber auch Ausnahmen fest, unter welchen die Tiere trotz dessen gehalten werden können (Artikel 9). Dies machte sich die Ukraine zu Nutze und schaffte die Voraussetzungen für die Vergabe von Haltungsgenehmigungen – mit mangelhaften Vorgaben. Das Vergabeverfahren wurde bis heute nie korrekt angewendet, sodass die wenigen bestehenden Genehmigungen ungültig sind und die Tiere gehalten werden, wie die Besitzer es für richtig halten. Ziel der Gesetzesüberarbeitung sind daher höhere Vorgaben für die Braunbärenhaltung sowie die Einführung eines funktionierenden Systems zur Vergabe von Haltungsgenehmigungen mit strengen Auflagen wie beispielsweise regelmäßigen tiermedizinische Kontrollen und bärengerechter Umgestaltung der Gehege.

Die Halter sensibilisieren

Mit den Besuchen bei den Bärenbesitzern soll nicht nur Informations- und Überzeugungsarbeit zum Wohl der Tiere geleistet werden, sondern auch Vertrauen aufgebaut werden. Da es vielen Bärenhaltern an grundlegendem Wissen über die Tiere fehlt, werden im Vorfeld Unterlagen erarbeitet, die die notwendigen Informationen über die Tiere und ihre Bedürfnisse enthalten, konkrete Haltungsempfehlungen aussprechen, aber auch über die Folgen der Gesetzesmissachtung aufklären. Ziel dieser Besuche ist die freiwillige Registrierung der Bärenhalter in der Datenbank.

Tiermedizinische Versorgung

Die dringend notwendige tiermedizinische Versorgung der Braunbären steht aktuell vor der Herausforderung nur sehr weniger Tierärzte mit den erforderlichen Fachkenntnissen. Daher werden wir gemeinsam ein Netzwerk ukrainischer Tiermediziner aufbauen, die sich für die Behandlung von Braunbären interessieren und für eine Weiterbildung bereit erklären.

Blick in die Zukunft

All diese Maßnahmen sind nur der Anfang unserer gemeinsamen, vermutlich mehrere Jahre andauernden Bemühungen zum Wohle privat gehaltener Braunbären in der Ukraine. Zukünftig wollen wir die Tiere zur eindeutigen Kennzeichnung chippen und männliche Bären kastrieren. Um dies zu gewährleisten, werden ukrainische Tierärzte an einer von Experten der Bärenmedizin konzipierten Weiterbildung teilnehmen und sich so für die notwendige Arbeit qualifizieren. So können der illegale Handel, die Zucht weiterer Tiere und letztlich die Anzahl an Braunbären in Gefangenschaft auch auf natürliche Weise reduziert werden. Für konfiszierte Tiere, deren Halter sich nicht an die künftigen Haltungsvorgaben halten, sollen zudem weitere bärengerechte Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Lassen Sie die Bären nicht allein!

Jede Spende hilft, um gequälten Bären in der Ukraine ein besseres Leben zu ermöglichen und für mehr Tierschutzbewusstsein zu sorgen.

Jetzt spenden

Neuigkeiten aus unseren Bärenprojekten:

Bobita hat es eilig

Denken Sie nur noch einmal zurück: 25 Jahre fristete der Bär Bobita zuvor in einem nicht einmal fünf… Weiterlesen »

Einer der letzten Bären in Gefangenschaft

Fast 10.000 Tage eingesperrt. 25 Jahre fristete der Bär Bobita in einem nicht einmal fünf Quadratmeter großen, verdreckten Käfig aus… Weiterlesen »

Auf ins neue Gehege

Rund ein Jahr nach ihrer Rettung stehen der Bärenfamilie nun über 20.000 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Weiterlesen »

Reise um unsere Tierschutzwelt

Gemeinsam mit unseren Partnern weltweit konnten wir in den letzten 20 Jahren maßgebliche Erfolge für die Tiere verzeichnen.… Weiterlesen »

Projektbesuch in der Ukraine

Im Oktober 2017 retteten wir vier vernachlässigte ukrainische Zoo-Bären. Unser Mitarbeiter Christoph May verschaffte sich nun einen Eindruck,… Weiterlesen »

Vier Bären und ein Jubiläum

Im Bärenschutzzentrum hat sich in den letzten Wochen viel getan: Insgesamt vier neue Bären konnten in die Gehege… Weiterlesen »

Klinikbau schreitet voran

Nachdem im Februar das Fundament für die Tierklinik im neuen Bärenschutzzentrum unserer Partnerorganisation Free The Bears in Vietnam… Weiterlesen »

Drei Wochen, drei Bären

Die letzten drei Wochen waren für unsere Projektpartner Free The Bears (FTB) in Vietnam turbulent – aber immens… Weiterlesen »

Misha braucht Zeit

Das Leid ihrer Vergangenheit hat die Bärin Misha gezeichnet. Sie ist weiterhin in keinem guten gesundheitlichen Zustand. Doch… Weiterlesen »

Video: Bärin Misha befreit

Erinnern Sie sich an die Bärin Misha, deren Rettung wir im Dezember ermöglicht haben? Mit diesem leeren Blick schaute… Weiterlesen »

Ein Leben ganz nach Bärenart

Seit nunmehr fünf Monaten lebt die von uns gemeinsam mit der lokalen Organisation ECO-HALYCH aus dem Cherson Zoo… Weiterlesen »

Bärenwaisen werden erwachsen

Erinnern Sie sich noch an die Bärenwaisen Bim und Bam? Vor fast genau einem Jahr baten wir unsere… Weiterlesen »

Bärenumsiedlung geglückt

Endlich war es soweit: Das von unserer lokalen Partnerorganisation ECO-HALYCH im ukrainischen Halych Nationalpark errichtete Bärengehege empfing nun… Weiterlesen »

Neues Zuhause für Galle-Bären

16 asiatische Kragenbären aus dem illegalen Bärengallehandel haben mit unserer Unterstützung ein neues Zuhause in Vietnam gefunden. Weiterlesen »

Live ins Bärengehege schauen

In Echtzeit und fast hautnah können Sie sich dank des neu eingerichteten Live-Streams vom Wohlergehen der Bären überzeugen.… Weiterlesen »

Rettung der Bärenwaisen

Bam und Bim sind wahre Wunder. Die zwei verwaisten Bären harrten tagelang allein und verlassen in ihrem Versteck… Weiterlesen »

Das Jahr 2016 im Bärenschutzzentrum

87 Bären auf 70 Hektar: Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Asociatia Milionane de Preteni (AMP) ermöglichen wir Bären aus… Weiterlesen »

Ein langer Weg ins Glück

Marinel und Mogli – ein Bärenpaar mit schwerem Schicksal. Bis unsere Partnerorganisation AMP die beiden Braunbären rettete, fristeten… Weiterlesen »

Endlich wieder Bär sein

In Rumänien und Vietnam schenken wir ehemals gequälten Bären ein tiergerechtes Zuhause auf Lebenszeit. Lesen Sie hier von… Weiterlesen »

Bär Blue lernt Laufen

Dürfen wir vorstellen? Das ist Blue, ein junger Sonnenbär, der aus den Fängen illegaler Händler in Kambodscha gerettet… Weiterlesen »

Zehn Jahre Bärenschutz in Rumänien

Vor zehn Jahren wurde der Grundstein für eine der erfolgreichsten Geschichten im Tierschutz Europas gelegt – der Bau… Weiterlesen »

Hilfe für Bären

Vergangene Woche überreichte die Gebeco GmbH & Co KG im rumänischen Bärenschutzzentrum eine großzügige Spende. Weiterlesen »

Endspurt bis zur Umsiedlung

Der Handel mit Bärengalle ist eigentlich seit 2005 in Vietnam verboten, geschlossen wurden bis dato aber nur wenige… Weiterlesen »

Paddington aus dem Nirgendwo

Anfang April in Sibiu (Rumänien), ungefähr so können wir es uns vorstellen: Es ist ein ruhiger, eigentlich gewöhnlicher… Weiterlesen »

Ein neues Zuhause für geschundene Bären

11,8 Hektar Land stehen den „Galle-Bären“ dann in Aussicht. Dort werden sie auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Gehege finden… Weiterlesen »

Familienzuwachs in Rumänien

Die beiden Neuankömmlinge Terra und Pluto waren auch für das Schutzzentrum etwas ganz besonderes: Nach achtzehn Jahren Leid… Weiterlesen »

Winter, ade!

Während einige Bären noch die letzten Züge der geliebten Winterruhe auskosten, strotzen andere schon wieder vor Tatendrang! Weiterlesen »

Ihre Ansprechpartnerin für Fragen zum Einsatz:

Daniela Schrudde
Fachlich-inhaltliche Leitung

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ds@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin