Tierschutz in Syrien

Hilfe für in Not geratene Tiere rund um Idlib

Seit mehr als zehn Jahren hält der Kampf in Teilen Syriens an. In Regionen wie Idlib zeigt sich bis heute ein unvorstellbares Ausmaß an Zerstörung – und dazwischen viele Tiere, die ihre Halter*innen auf der Flucht nicht begleiten konnten. Mit der Corona-Pandemie bahnt sich jetzt eine weitere Katastrophe an.

© House of Cats Ernesto

Beinahe alle ansässigen Tierärzt*innen flüchteten bei Ausbruch des Krieges nach und nach aus dem Land, sodass in Regionen wie Idlib keinerlei veterinärmedizinische Grundversorgung mehr verblieb. Zahlreiche Streunerkatzen und -hunde, die unbehandelte Krankheiten und Verletzungen aufweisen und sich unkontrolliert vermehren, sind die Folge. Auch zahllose Nutztiere leiden unter der Situation: Ihren Halter*innen ist es kaum möglich, eine ausreichende medizinische Versorgung für ihre Tiere sicherzustellen.

Das Leid der Tiere in Syrien – die oft unsichtbaren  Opfer des Krieges – ist immens und umso dringlicher die Hilfe durch Tierschutzorganisationen wie House of Cats Ernesto (HCE), ehemals Il Gattaro d'Aleppo.

Seit 2017 leistet der Tierarzt Dr. Mohammad Youssef in der Region Idlib als – nach unserem Kenntnisstand – einziger Tierarzt dort lebensrettende Hilfe für alle notleidenden Tiere. Denn die wenigen anderen Tierärzt*innen in der Region versorgen vor allem Nutztiere. Hilfe für Katzen und Hunde – ganz gleich ob mit Halter*in oder streunend – gab es über Jahre gar nicht.

© House of Cats Ernesto

Trotz des weiterhin großen Risikos für sein Leben angesichts der leider vielerorts anhaltenden Kriegshandlungen fährt Dr. Youssef mit dem Tierarzthelfer Abu Ali Wattar regelmäßig proaktiv durch die Region, um notleidende Tiere wie Streunerhunde und -katzen aufzulesen, ihre Wunden zu behandeln, Vitamine zur Immunstärkung und Anti-Parasitenmittel zu verabreichen. Darüber hinaus nehmen die beiden zur Hilfe in Not geratener Nutztiere oft auch weite Wege in die umliegenden Regionen von Idlib auf sich – für das Team zählt jedes Tierleben.

© House of Cats Ernesto

Die ersten zwei Jahre– von 2017 bis 2019 – beschränkte sich die Arbeit der beiden aufgrund der unsicheren Lage auf diese mobilen Einsätze für die tiermedizinische Basisversorgung. Die Devise lautete Erste Hilfe.

Doch mit zunehmender finanzieller Hilfe durch Spenderinnen und Spender aus aller Welt und die dadurch geschaffene Möglichkeit, die Zahl der Mitarbeiter*innen in der lokalen Organisation zu erhöhen, konnte 2019 in Idlib sogar eine eigene Tierarztpraxis eröffnet werden.

Diese macht bis heute den zweiten großen Bestandteil der Arbeit von Dr. Youssef, Abu Ali und einem weiteren Mitarbeiter aus. Letzterer ergänzt das Team um langjährige Erfahrung im Bereich der Notfallversorgung.

Der Tierarzt und der Tierarzthelfer empfangen hier ihre tierischen Patienten – darunter vor allem Haustiere, die von wieder einkehrenden Tierhalter*innen aus der Region für Behandlungen, Impfungen und Kastrationen gebracht werden. Pro Woche können allein in der Klinik etwa 20 bis 50 Tiere medizinisch versorgt werden.

So profitieren nicht mehr nur herrenlose Hunde und Katzen von einer tiermedizinischen Versorgung, sondern zunehmend auch die Haus- und Nutztiere der lokalen Bevölkerung. Durch die Kombination aus mobilen Einsätzen und stationärer Klinik wird das Tierwohl in der Region nachhaltig verbessert und zukünftiges Tierleid verhindert.

© House of Cats Ernesto

Doch die Lage im Land bleibt sehr instabil – jetzt birgt die Corona-Pandemie neue Gefahren

Mit zunehmender Ausbreitung des Coronavirus in Syrien bahnt sich eine weitere Katastrophe an, die die Gesundheit der Mitarbeiter*innen und den Fortbestand der Tierschutzarbeit massiv gefährdet. Die ohnehin schon große Knappheit an essentiellen Gütern wie Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten wird durch die Pandemie noch verstärkt. Für einige dieser unabdingbaren Produkte hatten sich die Kosten im Juni 2020 bereits verdreifacht. Immer seltener können sich Halter*innen eine gute Versorgung leisten, weshalb wieder häufiger Tiere ausgesetzt oder unterversorgt werden. Auch ist die Einhaltung der zusätzlich notwendigen Hygienemaßnahmen mit hohen Kosten verbunden.

Um jetzt sowohl den Schutz der Menschen vor einer Ansteckung zu stärken, als auch die Hilfe für Tiere weiterhin sicherstellen zu können, wurde aus weiteren Hilfsgeldern die Anschaffung von Hygienemitteln ermöglicht. Zudem konnte ein Vorrat an Medikamenten, Säuberungsmaterialien und anderen tiermedizinischen Utensilien, die für den Fortbestand der Arbeit unerlässlich sind, angeschafft werden.

So treffen Dr. Youssef und sein Team die notwendige Vorbereitung und können – mit sozialer Distanz – weiterhin ihre wertvolle Tierschutzarbeit leisten.

Tierschutz in Krisenzeiten

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