Tierschutz in Syrien

Hilfe für Tiere rund um Idlib

© House of Cats Ernesto

Auf der Suche nach Frieden und Sicherheit verließen Millionen Syrer*innen ihre Heimat – und mussten ihre Tiere zurücklassen. Auch ansässige Tierärzt*innen flüchteten nach und nach aus dem Land, sodass in Regionen wie Idlib nach unserem Wissensstand keinerlei veterinärmedizinische Grundversorgung mehr für die unzähligen Katzen, Hunde, Esel, Pferde, Schafe und weitere Nutz-, Wild- und Zootiere verblieb. Um das immense Leid der Tiere in Syrien zu lindern, sind wir gemeinsam mit unserem Partner House of Cats Ernesto (HCE) im Einsatz.

Idlib, Syrien

Seit mehr als zehn Jahren dauert der Bürgerkrieg in Teilen Syriens an. In Regionen wie Idlib zeigt sich bis heute ein unvorstellbares Ausmaß an Zerstörung – dazwischen viele, zum Teil zurückgelassene Tiere, die ihre Halter*innen auf der Flucht nicht begleiten konnten.

Hintergrund des Tierleids in Syrien

Zahlreiche Streunerkatzen und -hunde, die unbehandelte Krankheiten und Verletzungen aufweisen und sich unkontrolliert vermehren, sind gänzlich auf sich allein gestellt. Auch den verbliebenen oder zurückgekehrten Menschen, die Haus- aber auch Nutztiere wie beispielsweise Esel, Rinder, Pferde und Schafe halten, ist es kaum möglich, eine ausreichende tiermedizinische Versorgung für ihre Tiere leisten zu können, geschweige denn entsprechende Angebote zu finden.

Zusätzlich erschweren religiöse Überzeugungen Maßnahmen zur Populationskontrolle. Ohne die Zustimmung entsprechender religiöser Gremien dürfen keine Kastrationen, die die unkontrollierte Vermehrung der Tiere verhindern, durchgeführt werden. 

Umso bedeutsamer ist die Arbeit unserer Partnerorganisation House of Cats Ernesto (HCE), die sich der zahlreichen Streuner und ihrer Leiden annimmt.

Tierschutz in Syrien
© House of Cats Ernesto

Mit mobilen Kliniken im Einsatz für die Tiere in Syrien

Mit unserer Hilfe ist seit 2017 der Tierarzt Dr. Mohammad Youssef in der Region Idlib im Einsatz und leistet lebensrettende Hilfe für alle notleidenden Tiere. Die anderen, nur wenigen Tierärzt*innen, die in der Region ansässig sind, versorgen ausschließlich Nutztiere. Die Hilfe unserer Partnerorganisation schließt auch Katzen und Hunde – ganz gleich ob mit Halter*in oder streunend – sowie Zoo- und Wildtiere ein. Das ist in der Region Idlib einzigartig.

Wird er zu Hilfe gerufen, fährt Dr. Youssef gemeinsam mit seinem Assistenten quer durch die Region, um notleidende Tiere aufzulesen und zu versorgen. Vor allem Streunerhunde und -katzen werden behandelt, aber auch Höfe von Nutztierhalter*innen aufgesucht. Den Tieren werden Vitamine zur Immunstärkung sowie Anti-Parasitenmittel verabreicht. Zudem werden Impfungen und Trächtigkeitsuntersuchungen durchgeführt.

In Reaktion auf Notfälle nimmt das Team weite Wege durch die Region Idlib zu jeder Tageszeit auf sich – und trotzt zum Teil auch großer Risiken angesichts anhaltender Kriegshandlungen. Die Arbeit des Teams ist mittlerweile auch ortsständischen Kräften der zivilen Verteidigung wohlbekannt und wird von diesen beispielsweise bei schwierigen Rettungseinsätzen unterstützt.

Darüber hinaus haben unsere Partner in Idlib zwei Refugien für Tiere geschaffen: Zum einen das Ernesto Sanctuary, das zahlreichen herrenlosen Katzen ein Zuhause bietet, und zum anderen Winsons Farm, auf der herrenlose Hunde sowie Wild- und Nutztiere, die nicht mehr allein auf der Straße überleben können, Obdach finden.

Tierschutz in Syrien
© House of Cats Ernesto

… und einer stationären Klinik

2019 eröffneten wir eine kleine Tierarztpraxis im Herzen Idlibs, in die Tierhalter*innen ihre Haustiere für kostenlose Behandlungen, Impfungen und Kastrationen bringen können. Neben den Gehältern für die Mitarbeitenden sichern wir die Miete für die Klinikräume sowie die Kosten für Medikamente und die Anschaffung weiteren tiermedizinischen Equipments. So konnte 2022 beispielsweise ein Labor zur Blutanalyse in Betrieb genommen werden. Dieses erleichtert Dr. Youssef die Diagnosestellung und er kann die entsprechende, tiermedizinische Therapie besser einleiten.

Durch die Praxis profitieren nicht mehr nur streunende Tiere von einer professionellen Versorgung, sondern zunehmend auch die Haus- und Nutztiere in der Region. Mit jedem geretteten Tier und jedem geretteten Leben nimmt die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierklinik zu, sodass immer mehr Menschen das Angebot wahrnehmen oder verletzte Hunde und Katzen melden.

Um den immensen Bedarf an Tierhilfe gewährleisten zu können, haben wir das Team um Dr. Youssef seit 2019 um drei Mitarbeitende mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Notfallversorgung und Organisation erweitert. Zudem ist einer der Mitarbeiter auf Remobilisierung durch Physiotherapie spezialisiert. Pro Monat führt das Team jetzt etwa 300 bis 400 tiermedizinische Behandlungen durch – mobil und stationär.

Tierschutz in Syrien
© House of Cats Ernesto

Informationsarbeit für langfristige Verbesserungen

Um langfristig Tierleid zu lindern und den Tierschutzgedanken in unserem Einsatzgebiet zu stärken, ist Bildungsarbeit ein wichtiger zusätzlicher Bestandteil unserer lokalen Arbeit. Im Rahmen der Behandlungen informiert das Team die Tierhalter*innen ausführlich über die Bedürfnisse und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren Tieren, sodass diese das Wohl ihrer Schützlinge dauerhaft selbstständig sicherstellen können.

Tierschutz in Syrien
© House of Cats Ernesto

Soforthilfe in Krisenzeiten

Bei einem massiven Ausbruch des Calici-Virus im Februar 2022 standen wir unseren lokalen Partnern fest zur Seite, um so viele Tierleben wie möglich zu retten. Das Virus gilt als Teil des Katzenschnupfenkomplexes und führt u. a. zu Geschwüren im Mund, Zahnfleischentzündungen sowie zum Teil zu eitrigem Nasenausfluss, was den Geruchssinn der Tiere und die Fähigkeit zu fressen stark beeinflusst. Häufig treten auch Lungenentzündungen aufgrund bakterieller Sekundärinfektionen auf. Aus Mitteln des WTG-Nothilfefonds konnten 500 Tiere gegen das Virus immunisiert werden. Darüber hinaus wurden mittels einer Informationskampagne und verstärkter Social-Media-Präsenz Tierhalter*innen auf die Gefahren des Virus und das Impfangebot aufmerksam gemacht. Gleichzeitig konnten in diesem Zuge das Vertrauen und die Akzeptanz der kostenfreien Klinik weiter gestärkt werden.

Dr. Youssef und das Team können so – vieler Krisen zum Trotz – wertvolle Tierschutzarbeit leisten.

Tierschutz in Syrien
© House of Cats Ernesto

Erneute Zunahme der Streunerproblematik in 2022

Die aktuelle Inflationswelle trifft auch Syrien mit voller Wucht, sodass die Lebenshaltungskosten auch in der Region Idlib für viele Menschen unbezahlbar geworden sind. Immer mehr Familien sehen sich gezwungen ihre Häuser und Wohnungen aufzugeben, da sie sich Mieten, Lebensmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs nicht mehr leisten können. Als Binnenflüchtlinge suchen sie Obhut in internationalen Hilfscamps – doch Tiere sind hier oftmals nicht erlaubt. Zahlreiche Hunde und Katzen wurden daher zurückgelassen und brauchen jetzt zusätzlich unsere Hilfe.

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, nur unser Hilfseinsatz bestehend aus mobilen Einsätzen und stationärer Klinik ermöglicht es, echte Tierhilfe in der Region Idlib zu leisten und Tierleid zu verhindern. Bitte unterstützen Sie das Projekt – mit Ihrer Spende!

Hilfe für Tiere im Krisengebiet

Die Situation für die Tiere ist im kriegsgeschundenen Land bis heute fatal. Bitte helfen Sie uns mit einer Spende, den Schutz der Tiere sicherzustellen!

Jetzt spenden

Ihre Ansprechpartnerin für Fragen zum Einsatz:

Theresa Müschner-Siemens
Projektmanagerin Streuner

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: info@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin

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