© George Oosthuizen

Gauteng/Südafrika: Tierschutz erneut im Krisenmodus

Die ganze Welt blickt dieser Tage auf die Provinz Gauteng im Norden Südafrikas: Hier entdeckten Wissenschaftler*innen Ende November erstmals die neue Coronavirus-Variante Omikron – und seitdem steigen die Infektionszahlen dieser vierten Welle massiv in die Höhe. Wie gestaltet sich die Arbeit kurz vor womöglich neuen gravierenden Einschränkungen, durch die sich auch die Situation für die Tiere wieder verschlechtern könnte? Lesen Sie hier ein Gespräch mit Renee van Rheede van Oudtshoorn, Tierärztin und Leiterin unserer Partnerorganisation Community Veterinary Services for Southern Africa (CVS-SA), die diese riskante Arbeit leistet:

Hinweis: Die Gesundheit unserer Partner hat Priorität. Wir unterstützen deshalb seit Beginn der Pandemie umfänglich, den so wichtigen zusätzlichen Schutz vor Ansteckung sicherstellen zu können und passen in diesem Zuge immerzu auch Tierschutzmaßnahmen an. Dafür haben wir bereits im Frühjahr 2020 den WTG-Nothilfefonds ins Leben gerufen: https://welttierschutz.org/wtg-nothilfefonds/

Hintergrund: Streuner in Südafrika

In den letzten Jahren erzielten wir zusammen mit der lokalen Organisation Community Veterinary Services for Southern Africa (CVS-SA) weitreichende Tierschutzerfolge in den Armenvierteln rund um die Hauptstadt Pretoria sowie in der Ostkap-Provinz: Wir ermöglichten den Ausbau einer tiermedizinischen Grundversorgung, führten Kastrations- und Impfaktionen durch und sorgten mit Bildungsmaßnahmen für mehr Tierschutzbewusstsein in der Bevölkerung. Jetzt gilt es, dass die großartigen Erfolge für die Streuner in Südafrika nicht durch Folgen der Corona-Pandemie zunichtegemacht werden.

Zum Projekt

Welttierschutzgesellschaft: Liebe Renee van Rheede van Oudtshoorn, in der Provinz Gauteng verfünffachen sich die Corona-Infektionszahlen angesichts der neuen Variante mittlerweile jede Woche. Wie geht es Ihnen in dieser Situation? Und wie schätzen Sie die Lage ein?

Renee van Rheede van Oudtshoorn: Als Omikron Ende November bekannt wurde, hatten wir zuerst alle natürlich Panik. Mein Mann und ich tragen persönlich auch ein höheres Risiko zu erkranken – auch weil ich mich der Gefahr noch aussetze, indem ich in die Townships gehe, wo sich die Leute nicht unbedingt an die Regeln halten. Aber wir halten uns selbst wirklich sehr streng an die Regeln, wie z. B. das Tragen von Masken und das Desinfizieren. Natürlich macht auch Sorge, dass die Variante definitiv ansteckender ist, wenn wir uns ansehen, wie viele Menschen um uns herum – 27 allein in meinem nahen Umfeld – sich schon binnen so kurzer Zeit angesteckt haben. Glücklicherweise haben aber bisher alle leichte Grippe- oder Erkältungssymptome und Omikron wird derzeit als leichte Krankheit gemeldet. Dennoch sagen Wissenschaftler*innen, dass wir die Auswirkungen der neuen Variante auf die Sterblichkeitsrate wohl erst in 3-4 Wochen kennen werden.

© George Oosthuizen

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation bereits jetzt auf die Projektarbeit?

Wir haben diese vierte Welle schon erwartet, also haben wir unsere Arbeit dementsprechend vorgeplant. Ich versuche jetzt noch, so viele Tiere wie möglich beispielsweise gegen Tollwut geimpft sowie sterilisiert zu bekommen – und habe diese Arbeit in den letzten Tagen versucht noch zu verdoppeln. Vom 15. Dezember bis 10. Januar werde ich in der Township dann nur Nothilfe leisten, also auf Hilferufe reagierend in den Einsatz gehen, aber keine Impfungen oder Sterilisationen anbieten.

Wie hat sich die Corona-Pandemie im Allgemeinen in den letzten Monaten auf das Projekt ausgewirkt?

Wir haben immer während der Zeit, wo die Pandemie am wenigsten spürbar war, am härtesten gearbeitet, damit wir für die gefährlichen Zeiten vorsorgen. Das ist nicht leicht, da ich momentan auf die Unterstützung freiwilliger Helfer*innen oder Studierenden verzichte.

Das heißt, dass Sie aktuell ohne jede Unterstützung von Ehrenamtlichen und Studierenden die mobilen Kliniken allein leisten?

Ja, das ist harte Arbeit, aber zumindest können wir so die Corona-Auflagen einhalten und ich weiß, dass ich meine Familie und mich damit einem geringeren Risiko aussetze. Meine Kinder können erst am 15. Januar geimpft werden. Ich denke, dass wir nur so in der Lage sein werden, uns zu schützen.

© George Oosthuizen

Was glauben Sie, erwartet Gauteng bzw. Südafrika in den nächsten Wochen und was bedeutet das für die Tierschutzarbeit?

Unsere Zahlen steigen immens, jedoch wurde bisher noch kein Lockdown verhängt. Wir hoffen aber, dass die Regierung nur Menschenansammlungen einschränken und keinen vollständigen Lockdown beschließen wird.

Was wünschen Sie sich für 2022?

Ich hoffe, dass wir ab Januar unsere Arbeit fortsetzen können. Wir haben uns in den letzten sechs Monaten sehr der Situation angepasst und erfolgreich die Risiken der Pandemie, die Lockdowns und Krankheitswellen gemeistert. Grundsätzlich läuft es darauf hinaus, fünffach so hart zu arbeiten wie sonst, denn es ist schwerer, unsere Vorhaben zu verwirklich, wenn wir häufig weniger schaffen, weil wir Menschenansammlungen natürlich vermeiden. Dennoch waren wir bisher im Laufe der Pandemie erfolgreich für den Tierschutz und glauben, dass uns das auch im Jahr 2022 gelingen wird.

Herzlichen Dank für Ihren so wertvollen Einsatz. Bitte passen Sie gut auf sich auf!

Dankeschön. Bleiben Sie auch alle gesund und sicher.

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