© Lilongwe Society for the Protection and Care of Animals (LSPCA)

Der Weg in eine Tollwut-freie Welt

Der Welt-Tollwut-Tag am 28. September ist ein wichtiger Termin – auch im Tierschutzkalender. Er schafft weltweit eine große Aufmerksamkeit dafür, dass vor allem in ärmeren Teilen der Welt das Virus ein Problem bleibt. Zehntausende Menschen – besonders häufig Kinder und Jugendliche – sterben jedes Jahr an einer Tollwutinfektion. Wie viele Hunde der Krankheit zum Opfer fallen, ist unbekannt – die Zahl liegt vermutlich deutlich höher. Das macht den Kampf gegen die Tollwut nicht leichter …

Hintergrund: Anti-Tollwut-Teams in Lilongwe

„Rabies Free 2030“ – ab 2030 soll weltweit kein Mensch mehr in Folge einer Tollwutinfektion sterben, so das Ziel der Weltorganisation für Tiergesundheit. Davon aber ist das ostafrikanische Land Malawi in der Realität noch weit entfernt. Weiterhin ist es dringend notwendig, durch Nachimpfungen sowohl Neuansteckungen zu verhindern als auch die Bevölkerung in den Kampf gegen Tollwut stärker zu involvieren.

Zum Projekt

Besonders im Fokus des diesjährigen Welt-Tollwut-Tages steht ein großes Ziel: Bereits in zehn Jahren soll es nach Plänen internationaler Organisationen (darunter die Weltgesundheitsorganisation und die Weltorganisation für Tiergesundheit) keinen einzigen Tollwutfall mehr beim Menschen geben. Das setzt voraus, dass bis 2030 die Zahl der Infektionen bei Hunden dramatisch sinkt.

© Welttierschutzgesellschaft e.V.

Doch ist das realistisch? Mit unserer Erfahrung im Einsatz gegen die Tollwut können wir als Welttierschutzgesellschaft sagen: Das Ziel ist ambitioniert, denn die Zahl der jährlichen Todesfälle liegt weltweit noch immer bei rund 60.000 und ist in den letzten Jahren nicht gesunken.

Ohne Massenimpfungen kein Tollwutschutz

Um die Tollwut dauerhaft einzudämmen, sind flächendeckende Impfungen von Hunden enorm wichtig. Sie setzen – im Gegensatz zu Impfungen allein beim Menschen – an der Wurzel des Problems an und sorgen für einen doppelten Schutz: Zum einen für die Hunde, denen die nahezu immer tödlich verlaufende Infektion erspart bleibt. Zum anderen auch für den Menschen, denn ein geimpfter Hund kann das Virus bei einem Bissvorfall nicht mehr übertragen. Umfassende Tollwutimpfungen bei Hunden sind deshalb ein wichtiger Teil unserer Streunerschutzprojekte – zum Beispiel in Malawi, Südafrika und Thailand.

Kinder und Hunde stehen Schlange für's Impfen
© Lilongwe Society for the Protection and Care of Animals

Ein Problem bei den Massenimpfungen ist jedoch die schwierige Datenlage. Für einen lokalen Tollwutschutz müssen etwa 70 Prozent der Hundepopulationen geimpft sein. Doch wie groß diese Populationen sind, ist vielerorts gar nicht genau bekannt. Vor allem Streuner sind meist scheu – sie werden weder gezählt noch geimpft und gehen somit in keine Statistik ein.

Neue Wege in Malawi

Für unsere Arbeit im Kampf gegen die Tollwut sind deshalb nach Massenimpfungen zusätzliche Maßnahmen die sinnvolle Folge: Derzeit läuft dazu ein Pilotprojekt in Malawis Hauptstadt Lilongwe mit unserem Projektpartner Lilongwe Society for the Protection and Care of Animals (LSPCA). Seit 2015 haben wir großflächig in vier Etappen jeweils über 30.000 Streunerhunde gegen das Tollwutvirus geimpft und somit das Risiko auf Neuansteckungen auch für die nachfolgende Hundegeneration weitgehend senken können. Doch die Gefahr ist damit nicht verbannt, weshalb wir aktuell mit Anti-Tollwut-Teams auf diese Grundlage aufbauen: Die Teams reagieren möglichst schnell auf Fälle von (vermeintlich) tollwütigen Hunden und überprüfen diese, um gefährliche Infektionsherde im Keim zu ersticken. Unerlässlich ist dabei eine enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, damit solche Fälle überhaupt gemeldet werden und letztlich dokumentiert werden können.

©LSPCA

Vor Ort haben die Mitarbeiter*innen dann verschiedene Aufgaben. Sie isolieren die auffälligen Hunde und impfen weitere Hunde im Gebiet nach. Zugleich informieren sie die Bevölkerung über die Gefahren der Tollwut und – einige Tage später – ob das Tier wirklich Tollwut hatte. Ist dies nicht der Fall, wird der Hund wieder am Fundort ausgesetzt. Außerdem werden alle relevanten Daten über die Vorfälle von den Teams in einer zentralen Datenbank erfasst, um besonders betroffene Gebiete in der Stadt ausfindig machen zu können und dort entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Wir sind zuversichtlich, dass dieses gezielte Vorgehen künftig einen weiteren Baustein für den Einsatz gegen die Tollwut liefern wird.

Das ist umso wünschenswerter, da jede vermiedene Tollwutinfektion großes Tierleid verhindert. Weniger Tollwutfälle bedeutet: weniger Hunde, die die unsagbaren mit der Krankheit verbundenen Qualen erleiden müssen und weniger Konflikte zwischen Hunden und Menschen, so dass die Einsätze auch zu einem besseren Mensch-Tier-Verhältnis beitragen.

Doch der Kampf gegen die Tollwut ist langwierig und teuer, weshalb er bislang vor allem in Industrienationen gewonnen wurde. Ihre Unterstützung, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, ist deshalb jetzt umso wichtiger. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, dass die Tollwut auch in Ländern wie Malawi besiegt werden kann.   

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