© Lanta Animal Welfare Organisation

Streuner im Schatten der Coronakrise: Wohin, wenn es kein Zuhause gibt?

Menschenleer: Nichts beschreibt die Situation auf den Straßen der Welt in Pandemiezeiten besser. Doch das Leid der streunenden Tiere wächst. Zahllose Hunde und Katzen sind in vielen Ländern der Welt jetzt mehr denn je auf sich allein gestellt sind.

Doch mobile Kliniken, die von Ort zu Ort fahren und notleidende Tiere auflesen und versorgen? Bildungsmaßnahmen über lange Gespräche mit Tierhalter*innen oder durch Schulprogramme? Die grundlegende Versorgung für die Streuner, die wir mit unseren Partnern, der Mdzananda Animal Clinic (MAC) in Südafrika und Lanta Animal Welfare (LAW) in Thailand, seit Jahren leisten, ist durch die Restriktionen ins Wanken geraten: Die bewährten Maßnahmen bieten ein hohes Infektionsrisiko für alle Beteiligten – und wurden vielerorts verboten.

In Südafrika, Khayelitsha,

Khayelitsha, einem der größten Armenviertel im ganzen Land, offenbart sich die dramatische Situation: Das Land ging angesichts hoher Infektionszahlen im März 2020 in einen der härtesten Lockdowns der Welt – nicht einmal Spaziergänge mit Haustieren waren erlaubt und die tiermedizinische Versorgung wurde bis auf die absoluten Notfälle verboten. Jetzt zeigen sich die Folgen: Weil Impf- und Kastrationskampagnen ausfallen mussten, wüten Krankheiten wie das mitunter tödliche Parvovirus unter Hunden in einer nie dagewesenen Schwere – insbesondere unter den unzähligen ungewollten Welpen, die am Straßenrand ums Überleben kämpfen. Während die Armut wächst, verliert das Tierwohl an Bedeutung: Sowohl die Zahl der ausgesetzten als auch der schwer verletzten und erkrankten Hunde und Katzen nimmt massiv zu.

© Mdzananda Animal Clinic

Der Welpe Griffin – so haben ihn unsere Partner genannt – gibt dem Grauen ein Gesicht: Er war dabei eine stark befahrende Straße zu überqueren, als unsere Partner der Mdzananda Animal Clinic (MAC) ihn auflasen. Nur noch Haut und Knochen, stark dehydriert und sein Fell voll Flöhen und Zecken. Halter*innen konnten weit und breit nicht gefunden werden. Gerade noch zur rechten Zeit konnten unsere Partner am rechten Ort sein und ihm die lebensrettende Hilfe leisten. Griffin ist jetzt in der Obhut der TIerärzt*innen und wird rund um die Uhr fürsorglich gepflegt. Er schöpft Kraft – für sein neues Leben in Sicherheit und Gesundheit.

Doch nicht nur das Leid der Tiere wächst: Gleichzeitig steigt in der Township auch die Kriminalität: Bereits fünf Mal wurden unsere Partner überfallen – technische Ausstattung sowie Futtermittel wurden gestohlen. Nicht mehr nur der Schutz der Tiere, sondern auch die Sicherheit unserer Teams gewährleisten zu können, sind jetzt höchste Prioritäten. Wir haben deshalb im Rahmen einer Zusatzhilfe – und mit der Hilfe unserer Spender*innen und Spender – umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erlassen können: Rund um die Uhr bewacht jetzt eine Sicherheitsfirma das Gelände, zum Schutz der Mitarbeiter*innen und der Tiere. Lesen Sie die Details hier: https://welttierschutz.org/wtg-nothilfefonds-hunde-und-katzen-in-khayelitsha/

Das Leben der Streuner in Thailand

... ist ähnlich stark von Leid gezeichnet, die Ursachen sind hier aber andere. Die einst Millionen Reisenden bleiben seit Beginn der Coronakrise aus: Kein buntes Treiben an den Stränden und somit weder überquellende Mülleimer noch Fütterungen mit Essensresten von tierlieben Tourist*innen vor Restaurants und Hotels sind die Folge, an die sich die Streuner (zu unserem Bedauern) in der Vergangenheit aber gewöhnt hatten und die somit eine Basis für das unkontrollierte Wachstum von Streunerpopulationen und eine dauerhafte Verfestigung von Tierleid darstellen. Jetzt zeigt sich die Problematik dessen in voller Stärke: Das Leben der herrenlosen Hunde und Katzen ist seit dem Stillstand des Tourismus elendig, sie hungern, erkranken und vermehren sich unkontrolliert. Vielerorts, so berichten unsere Partner, resultiert der Missmut der Menschen über die eigene Not und die wachsende Zahl der Streuner bereits in Gewalt gegen Tiere.

Auch haben sich die unzähligen Streuner nach Monaten der Isolation grundlegendes Vertrauen verloren:

Hund Chance, so nannten ihn unsere Partner, ist ein Beispiel. Als das Tier von unseren Teams in Thailand gefunden wurde, war er schwer erkrankt, die offene Wunde am Nacken von Parasiten befallen, sein Körpergewicht bedenklich. Doch über Tage ließ er uns nicht an sich heran. Das Rudel um Chance – etwa 20 ausgewachsene Hunde und 30 Welpen – hatte sich eine riesige Müllhalde am Stadtrand von Sai Tai zu eigen gemacht. Lautstark und aggressiv verteidigen sich die Hunde – nach Monaten des Lockdown, an dem ihnen keine Menschenseele begegnet war, sind sie völlig entfremdet.

© Lanta Animal Welfare Organisation

Hund Chance, der im Rahmen der mobilen Klinik in Thailand aufgelesen wurde, weist schwere Verletzungen auf, ist unterernährt und von Parasiten befallen. Seine Genesung wird Wochen dauern.

© Lanta Animal Welfare Organisation

Unermüdlich sind unsere Teams jetzt auch für die verbleibenden etwa 50 Hunde rund um die Müllhalde im Einsatz und nähern sich schrittweise den Tieren des Rudels an. Mit Futter versuchen sie sie anlocken und Vertrauen aufzubauen.

© Lanta Animal Welfare Organisation

Wann immer möglich, locken sie die Tiere dann in Transportboxen, um sie sicher in die stationäre Klinik bringen zu können. Hier werden die völlig verwahrlosten Tiere aufgepäppelt, geimpft und die erwachsenden Tiere kastriert.

In den nächsten Wochen werden unsere Partner außerdem zwei Inseln Thailands anfahren, von denen es uns angesichts des Lockdowns lange nicht möglich war. So können wir auch hier – in der Erwartung, dass großes Tierleid vorherrscht – notwendige Hilfe leisten.

Streunerhilfe im Krisenmodus: Es geht ums Überleben

Sie sehen, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde: Unsere Arbeit steht nicht einen Tag still – unter erhöhtem Arbeitsaufwand geben wir alles, denn der Bedarf für wertvolle Tierschutzarbeit nie höher war als jetzt! In kleineren Teams und unter aufwändigen Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen leisten wir trotz Lockdown, Einschränkungen und einem gewissen Restrisiko der Ansteckung pausenlos lebensrettende Hilfe für die Tiere – immer soweit es uns erlaubt ist: Wir sind weiterhin mit mobilen Kliniken im Einsatz oder sichern in stationären Praxen die Notfallversorgung und leisten Bildungsarbeit über Informationsmaterial.

Wie lang der Ausnahmezustand noch anhalten wird, ist unklar. Was wir aber wissen: Hilfe auch durch Spenderinnen und Spender wie Sie ist jetzt die einzige Chance für unzählige Hunde und Katzen! Herzlichen Dank.

Ihre Spende rettet Streunerleben

Schenken Sie Tieren wie Streuner Chance Schutz. Schon mit 5 Euro helfen Sie nachhaltig und tragen einen Teil der Versorgungskosten.

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