Programm: Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Nachhaltige Lösungen für ein gesundes Zusammenleben von Mensch und Tier

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit
© Action for the Protection of Wild Animals

Nutztiere wie Esel und Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Hühner sind für Millionen der ärmsten Menschen weltweit von existenzieller Bedeutung. Sie kommen daher auch in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zum Einsatz. Doch viele der begünstigten Tierhalter*innen verfügen nicht über das notwendige Wissen, um die Tiere entsprechend ihrer Bedürfnisse zu versorgen. Gemeinsam mit der Welttierschutzstiftung (WTS) sensibilisieren wir im Rahmen des Programmes „Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ Akteur*innen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit für die Notwendigkeit, Tierwohl als festen Bestandteil in ihre Projekte zu integrieren.

Insbesondere in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern stellt die kleinbäuerliche Landwirtschaft die wichtigste Erwerbsquelle großer Teile der Bevölkerung dar. Schätzungen zufolge produzieren Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bis zu einem Drittel der weltweiten Nahrungsmittel. Da die Produktivität in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft aufgrund geringer Landflächen und wenig Ertrag jedoch meist niedrig bleibt, dient sie den Menschen in erster Linie zur Selbstversorgung. Oftmals finden dabei – auch durch Projekte der Entwicklungszusammenarbeit aus dem Ausland, unter anderem von deutschen Nichtregierungsorganisationen und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert – Tiere Einsatz.  

Tierwohl in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit bisher kaum berücksichtigt

Doch wenngleich das Wohl der Tiere für nachhaltige Hilfe im Leben der Menschen grundlegend ist, fehlt es den Tierhalter*innen oftmals an elementarem Wissen um eine tiergerechte Versorgung. Schlechte Haltungsbedingungen und mangelnde tiermedizinische Versorgung führen dazu, dass die Tiere krank werden, leiden und auch frühzeitig sterben. Und auch den Menschen bleibt mit dem Verlust der Arbeitskraft ihrer Tiere oder gar deren Tod die erhoffte Hilfe verwehrt.

Gemeinsam mit der Welttierschutzstiftung setzen wir uns dafür ein, dass sich diese Situation verbessert!

 

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit
Schweine auf einer überfluteten Farm bei Kapstadt (Südafrika). © Cape of Good Hope SPCA

Erhebung zum Thema Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Im Rahmen des Programms „Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ wurde 2019 zunächst eine »Befragung unter 18 in Deutschland ansässigen aber global agierenden Nichtregierungsorganisationen sowie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt. Dabei wurde erhoben, welche Akteur*innen den Einsatz von Nutztieren in Landwirtschaftsprojekten fördern und erfragt, ob dabei Maßnahmen umgesetzt werden, die auch das Wohlergehen der Tiere sicherstellen.

Die Analyse ergab, dass 90 Prozent der befragten Organisationen Tiere in ihren Landwirtschaftsprojekten einsetzen, aber nur eine über konkrete, verpflichtende Vorgaben zur Nutztierhaltung verfügt.

In der untenstehenden Grafik sind die zentralen Ergebnisse der Befragung dargestellt. Weitere Details können Sie hier nachlesen: »https://welttierschutz.org/stiftung/tierwohl-in-der-entwicklungszusammenarbeit/erhebungen/

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Tierwohl muss mitgedacht werden!

Die Ergebnisse der Erhebung bestätigten die Annahme, dass dringend Veränderungen hinsichtlich des Tierwohls in landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten notwendig sind: Nur wenn Tierwohl als wichtiger Baustein nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit anerkannt und gestärkt wird, können Tierleid verhindert und Hilfsmaßnahmen nachhaltig sein.

Was bisher geschah:

  • 2020 sind wir – im Anschluss an die Erhebung – mit Vertreter*innen der Organisationen und Politik in den andauernden konstruktiven Austausch getreten: Die Auftaktveranstaltung zeigte, dass die teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter großes Interesse an Wegen zur Förderung des Tierwohls in ihren Projekten haben. Im Fokus der Veranstaltung standen mögliche Hürden bei der Verankerung des Tierwohls in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit, wie diese künftig überwunden werden können und, inwiefern unser Programm dabei Unterstützung leisten kann.
  • Als ein Ergebnis der Konferenz wurde unmittelbar die Online-Seminar-Reihe "How to: Animal Welfare" (deutsch: So geht Tierwohl) ins Leben gerufen, um durch Vorträge von Expertinnen und Experten Wissen zu bündeln, Informationen zu wichtigen Themen des Tierwohls und dessen praktischer Umsetzung bereitzustellen. Die Webinare richten sich sowohl an in Deutschland ansässige als auch an internationale Organisationen.
    Eine Übersicht der bereits stattgefundenen Seminare inkl. Videoaufzeichnungen finden Sie hier: https://welttierschutz.org/stiftung/tierwohl-in-der-entwicklungszusammenarbeit/online-seminare/
  • 2021 und 2022 starteten Pilotprojekte – unter anderem ein Sensibilisierungsprojekt für Landwirt*innen in Ruanda. Perspektivisch sollen diese Beispiele guter Praxis in andere Projekte und Länder einfließen.
  • Es wurden "Leitlinien für Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit" (englisch „Guidelines for Animal Welfare in Development Cooperation“) entwickelt, die den Akteur*innen der Entwicklungszusammenarbeit als praktische Handlungsempfehlungen für die Einbeziehung des Tierwohles in ihren Projekten dienen sollen.

Wie es weitergeht:

  • Derzeit ist der Aufbau eines Online-Informationsportals in Arbeit, welches sich an deutsche, internationale und lokale Akteur*innen richtet. Gebündelt wird hier Know-How und Hilfestellung geboten – beispielsweise im Hinblick auf Richtlinien zur Berücksichtigung von Tierwohl, der geltenden rechtlichen (Tierschutz-)Gesetze der Länder sowie mögliche praktische Weiterbildungsangebote.

Kampagne #TiereMitdenken

Auch auf politischer Ebene setzen wir uns dafür ein, dass Tierwohl stärker in den Fokus rückt.
Im Rahmen unserer Kampagne wollen wir erreichen, dass Tiere in der Planung der Maßnahmen zur Ernährungssicherung mitgedacht werden.

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Ihre Ansprechpartnerin für Fragen:

Karin Siegmund
Vorständin der Welttierschutzstiftung

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ks@welttierschutz.org

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