Silvester: Wie schütze ich ängstliche Tiere?

Der Verkauf von Feuerwerkskörpern vor Silvester wird in diesem Jahr verboten. Hintergrund ist die Verletzungsgefahr und das Ziel, Krankenhäuser in der aktuellen Corona-Pandemie nicht noch zusätzlich zu belasten. Doch gänzlich ausbleiben wird die Knallerei angesichts eines fehlenden Verbotes privater Feuerwerke leider nicht. Wer noch Feuerwerkskörper zu Hause hat, darf diese – unter Berücksichtigung der am jeweiligen Ort gelten Corona-Beschränkungen – auch weiterhin abschießen (mit Ausnahme wenige Bundesländer und Landkreise). So ist damit zu rechnen, dass auch in diesem Jahr rund um die Silvesternacht Hunde, Katzen, Klein- und Wildtiere verschreckt und verängstigt werden. Wir geben Tipps, wie Sie ihre Tiere auf die Silvesternacht vorbereiten und im Stressmoment richtig reagieren können.

Tipps zum Schutz von Haustieren an Silvester

Um Tierhalterinnen und Tierhalter konkret dabei zu unterstützen, Silvester trotz aller Herausforderungen für die Tier so stressfrei wie möglich zu gestalten, haben wir im Folgenden einige Möglichkeiten für Sie in einer Infografik zusammengestellt. Bitte speichern und teilen Sie diese gern oder drucken Sie sie und verteilen Sie sie in Ihrer Nachbarschaft!

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Wie schütze ich meine Tiere, wie Hunde, Katzen, Vögel und Kleintiere rund um Silvester?

  • Kaufen und zünden Sie selbst keine Böller, Raketen, etc.
  • Fügen Sie dem Halsband Ihres Tieres für den Notfall einen Adressanhänger mit Telefonnummer an.
  • Je nach Wohngebiet beginnt die Knallerei früher und kann sich noch bis Tage nach dem Jahreswechsel ziehen. Für Hundehalter*innen gilt deshalb, dass die Tiere bereits in den Tagen rund um Silvester immer an der Leine und nur in ihnen bekannten Gebieten ausgeführt werden sollten.
  • Auch Freigängerkatzen sollten rechtzeitig (1-2 Tage vor und 1-2 Tage nach Silvester) im Haus belassen werden. Richten Sie Ihrem Tier zu Hause eine Ruhezone oder Rückzugsmöglichkeiten in möglichst abgedunkelten, ruhig gelegenen Zimmern ein. Das Tier sollte diese Räume selbstverständlich bereits kennen und sich dort wohlfühlen.
  • Am Silvesterabend lassen Sie am besten die Musik oder den Fernseher im Zimmer leise laufen, um für eine gewohnte und beruhigende Geräuschkulisse zu sorgen.
  • Schließen Sie die Rollläden und Vorhänge, um die grellen Lichteffekte zu vermeiden.
  • Halten Sie die Fenster geschlossen.
  • Sobald die ersten Feuerwerkskörper in die Luft gehen, lassen Sie Ihr Tier nicht mehr allein und nehmen Sie es auf keinen Fall mehr mit nach draußen.
  • Für Kleintier- und Vogelbesitzer: Decken Sie den Käfig ab und stellen Sie ihn in ein möglichst ruhiges Zimmer, weit weg vom Fenster auf.
Zum Ausklappen: Umfrage unter mehr als 600 Tierhalter*innen

Seit vielen Jahren machen Tier- und Naturschutzverbände auf die verheerenden Auswirkungen von Silvester auf die Tier- und Umwelt aufmerksam. Auch wir von der Welttierschutzgesellschaft sind der Meinung, dass Silvester Jahr für Jahr eine besondere Herausforderung für Haustiere und ihre Halter*innen ist. Im Rahmen einer Online-Umfrage unter mehr als 600 Tierhalter*innen in Deutschland haben wir uns ein konkretes Bild über die Auswirkungen gemacht, die Lärm und Lichteffekte an Silvester auf Haustiere haben.

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Silvester ist wahrlich kein Fest für Tiere.

Mehr als drei Viertel der Befragten (87,6%) gaben an, dass ihre Tiere rund um Silvester Verhaltensänderungen zeigen, darunter am häufigsten Angst (83,6%) aber auch Hyperaktivität (19%) und Appetitlosigkeit (12,4%).

Auslöser für die von den befragten Tierhalter*innen mehrheitlich beobachteten Stresssymptome, sind zum einen die Geräusche, denn viele Tiere haben ein viel feineres und sensibleres Gehör als wir Menschen. Dadurch können sie auch auf Laute in weiter Ferne reagieren, die das menschliche Ohr gar nicht wahrnimmt.
Daneben sind es die Lichtreize und die unbekannten, vom Feuerwerk verursachten Gerüche, die Unsicherheiten auslösen können. Beides zusammen kann zu einer großen Bandbreite an Stressreaktionen wie Wegrennen, starkes Zittern sowie Nahrungsverweigerung führen.

Fast alle Tierhalter*innen bleiben Silvester zu Hause bei ihren Tieren

Unabhängig davon, ob der Wohnort in einer Groß- oder Kleinstadt oder ländlich gelegen ist, gaben 94,1% der Befragten an, dass sie am Silvesterabend daheim bei ihren Haustieren bleiben. Doch das allein reicht meist nicht aus, damit sich die Tiere sicherer und weniger ängstlich fühlen.

Dass die Sorgen und Probleme der Tierhalterinnen und Tierhalter bisher nicht ausreichend Beachtung finden, drückt sich auch in den politischen Forderungen der Befragten aus: So fordern mehr als die Hälfte (53,3%) ein flächendeckendes Verbot von Feuerwerkskörpern von Privatpersonen. Ebenso halten es 47,5% für sinnvoll, Feuerwerke nur an einzelnen zentralen Orten in Städten/ Gemeinden zu erlauben und 35,9% stimmen einem generellen Verbot sämtlicher öffentlicher und privater Feuerwerke zu. Mehrfachantworten waren möglich.

Was kann ich tun, um mein verängstigtes Tier zu beruhigen?

Es mag simpel klingen, ist aber einer der wichtigsten Faktoren: Ihr Verhalten überträgt sich häufig auf das Tier, weshalb auch Tierhalter*innen selbst Angstlosigkeit und Sicherheit signalisieren sollten. Gut gemeinte Beruhigungsversuche können helfen, aber auch das genaue Gegenteil verursachen und das Tier in zusätzlichen Stress versetzen.

Deshalb ist Vorbereitung das A und O für ein stressfreies Silvester mit Haustier: Tierhalter*innen sollten unbedingt schon in den Wochen vor Silvester testen, wie das Tier auf möglicherweise notwendige Beruhigungsversuche reagiert. Dazu misst man in einem Stressmoment seinen Puls, bei einem Hund am besten am Oberschenkel. Zeitgleich versucht man zum Beispiel durch Streicheln das Tier zu beruhigen. Wenn dies für das Tier entspannend wirkt, wird der Puls fünf Minuten später deutlich niedriger liegen. Ein solches Eingreifen kann dann auch in der Silvesternacht helfen. Steigt der Puls des Tieres bei dem Test aber, sind Beruhigungsversuche eher kontraproduktiv und sollten vermieden werden.

Sind Rescue-Tropfen und Beruhigungsmittel bei Tieren sinnvoll?

Rescue-Tropfen oder andere Mittel zur Beruhigung können sinnvoll sein, wenngleich bei Rescue-Tropfen tiermedizinisch keine Wirkungsmechanismen belegt worden sind. Die Wirkung kann nämlich bereits eine Reaktion auf die gesteigerte Aufmerksamkeit sein, die die Halter*innen dem Tier mit dem Verabreichen der Tropfen entgegenbringen. Dies zeigt, dass der Placebo-Effekt auch bei Tieren nicht zu unterschätzen ist.

Anders sieht es bei einer medikamentösen Behandlung aus. Hier sollte immer ein*e Tierärzt*in, idealerweise mit Fachgebiet Verhaltensphysiologie, zu Rate gezogen werden. Denn die zur Verfügung stehenden Mittel wirken unterschiedlich stark und müssen immer an den Zustand des Tieres angepasst sein. Bei besonders gestressten Tieren wie beispielsweise geräuschempfindlichen Hunden können auch stärkere Mittel wie Antidepressivum zum Einsatz kommen, die über jeweils einen Monat ein- und wieder ausgeschlichen werden. Daher empfiehlt es sich auch in diesem Punkt, schon früh genug, mindestens aber einen Monat vorher, einen Tierarzt aufzusuchen, um sich beraten zu lassen.

Wie schütze ich Wildtiere und die Umwelt rund um Silvester?

  • Kaufen und zünden Sie selbst keine Böller, Raketen, etc.
  • An Silvester wird traditionell durch Bleigießen in die Zukunft geschaut? Dann lassen Sie aber auf keinen Fall das verunreinigte Wasser unbeaufsichtigt stehen. Dies ist hochgiftig für Tiere. Auch die Entsorgung ist wichtig, denn die Bleireste schaden auch der Umwelt.
  • Klären Sie Nachbarn auf, informieren Sie sie über die Ruhezonen Ihrer Tiere sowie die Ängste der und Gefahren für Wildtiere.
  • Halten Sie sich selbst in der Silvesternacht sowohl von Wäldern und Wiesen als auch von Ställen, Tierheimen und Tierparks fern.

Laut Umweltbundesamt ist die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdetem Feinstaub vielerorts am 1. Januar so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht. Vermindern Sie die gefährliche Feinstaubbelastung und schützen Sie die Tier- und Umwelt: Verzichten Sie auf Ihr persönliches Feuerwerk. Sollten Sie unbedingt zu Böllern oder Raketen greifen wollen, beachten Sie die ordnungsgemäße Entsorgung und kaufen Sie ausschließlich zertifizierte Feuerwerkskörper mit einer aufgedruckten BAM- bzw. CE-Zertifizierungsnummer. Besondere Achtung gilt übrigens auch beim Schwefel, der beim Abbrennen der Feuerwerkskörper entsteht. Dieser ist nicht nur Gift für die Umwelt, sondern kann auch die Schleimhäute von Tieren stark beschädigen.

Bitte schützen Sie die Tiere – vor, während und nach den Silvester-Feierlichkeiten. Mit unseren Tipps hoffen wir, Ihnen eine gute Hilfestellung geleistet zu haben und wünschen Ihnen und Ihren Tieren einen guten Rutsch in ein schönes neues Jahr.

++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++

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