Silvester mit Tieren: Tipps für Tierhalter*innen und Engagierte
Während Silvester für viele Menschen ein Moment des Feierns ist, erleben zahlreiche Tiere diese Zeit als puren Stress. Lautes Feuerwerk, knallende Böller und grelle Lichtblitze versetzen Hunde, Katzen, Vögel und Kleintiere in Angst und Panik – viele zittern, verstecken sich oder versuchen zu fliehen. Zusätzlich belastend: Oft beginnt der Stress bereits einige Tage vor Silvester und dauert häufig noch mehrere Tage nach dem Jahreswechsel an.
Im Tierschutzblog erfahren Sie, warum Feuerwerk für viele Tiere so problematisch ist, wie Sie der Angst bei Haustieren vorbeugen und im Stressmoment richtig reagieren können und wie wir von der Welttierschutzgesellschaft uns für ein tierfreundlicheres Silvester einsetzen. (Mit Checkliste zum Download für Hunde- und Katzenhalter*innen)
Warum ist das Feuerwerk an Silvester für viele Tiere so problematisch?
Seit vielen Jahren machen Vereine und Verbände – darunter auch wir von der Welttierschutzgesellschaft – auf die verheerenden Auswirkungen von Feuerwerken an Silvester auf die Tier- und Umwelt aufmerksam. Eine 2019 von uns durchgeführte Online-Umfrage unter mehr als 600 Tierhalter*innen in Deutschland bestätigte: Silvester ist wahrlich kein Fest für Tiere.

Silvesterfeuerwerk verursacht aber nicht nur bei Haustieren, sondern auch bei Wildtieren und Nutztieren enormen Stress, da sie durch ihr empfindliches Gehör die lauten Geräusche und hellen Blitze als traumatisch erleben. Besonders gefährlich ist es für Fluchttiere wie Rinder und Pferde, die durch Panik Verletzungen erleiden oder entkommen und dabei in Unfälle geraten können.
Wie Tierhalter*innen die Tage um den Jahreswechsel erleben
Nach den von vielen Tierhalter*innen und ihren Schützlingen als besonders belastend empfundenen Tagen rund um den Jahreswechsel 2024/25 wollten wir die unmittelbaren Eindrücke der Betroffenen einfangen und riefen daher zu einer Online-Umfrage auf. Die Ergebnisse zeigen, welche dramatischen Folgen die Böllerei hatte und wie sehr sich Tierhalter*innen mehr Rückhalt aus der Politik wünschen:
Mit 649 Teilnehmenden, von denen rund 92 % Tierhalter*innen waren, erfuhr unsere Online-Umfrage im Januar 2025 eine große Resonanz, die die Dringlichkeit des Themas unterstreicht. Die größte Gruppe stellten Katzenhalter*innen (55 %) dar, gefolgt von Hundehalter*innen (25 %), während kleinere Anteile Pferde oder andere Haustiere hielten.
Die überwiegende Mehrheit berichtete von massiven Problemen durch die Silvesterböllerei: Angst und Panik bei Tieren waren die häufigsten Reaktionen, begleitet von Zittern, Hecheln, Verkriechen, Unruhe, panischer Flucht sowie teils Erbrechen und Durchfall. Viele Tiere versteckten sich stundenlang unter Möbeln oder in Kellern, verweigerten Futter und Gassigehen. Es kam auch zu Flucht und Verletzungen – einige Tiere mussten anschließend tiermedizinisch behandelt werden. Neben Haustieren wurden auch Wildtiere stark beeinträchtigt, es gab Berichte über tote Vögel und verstörte Tiere in der Natur. Auffällig ist, dass die Lärmbelastung nach Ansicht vieler Befragter inzwischen früher beginnt und länger anhält als in den Vorjahren.
Auch spannend ist das Fazit: Fast drei Viertel der Teilnehmenden fordern ein flächendeckendes Verbot von Feuerwerkskörpern für Privatpersonen – ein deutlicher Anstieg gegenüber der früheren Umfrage aus 2019, als die Zustimmung bei 53 % lag. Zusätzlich wünschen sich viele tierfreundliche Alternativen wie Laser- oder Drohnenshows. Die Ergebnisse zeigen klar, dass die Situation sich zugespitzt hat und dringendes politisches Handeln erforderlich ist.
Als Welttierschutzgesellschaft sind wir Teil des Bündnisses #BöllerCiao der Deutschen Umwelthilfe, das sich für ein böllerfreies Silvester einsetzt. In einem offenen Brief fordern wir gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu untersagen. Obwohl wir im Bündnis bereits eine breit geführte öffentliche Diskussion dazu angestoßen haben und für die Forderungen viel Unterstützung aus der Gesellschaft erhalten, bleibt die Politik noch untätig – mit alljährlich fatalen Folgen für Tiere, Menschen und Umwelt. Alle Details und den offenen Brief finden Sie hier: www.welttierschutz.org/boellerciao.
Aktuell müssen Tierhalter*innen weiter mit dem schlechtesten Fall für die Tiere – dem weiter nahezu uneingeschränkten Silvester-Feuerwerk – planen und rechtzeitig Vorkehrungen treffen. Mit der richtigen Vorbereitung können Tierhalter*innen ihre Hunde, Katzen, Kleintiere sowie die Wildtiere im Umkreis aber möglichst viel vor Angst, Stress und lebensgefährlichen Folgen bewahren:
Die wichtigsten Tipps zum Schutz von Hunden, Katzen, Vögeln und Kleintieren rund um Silvester
- Kaufen und zünden Sie selbst bitte keine Böller, Raketen oder andere Feuerwerkskörper.
- Je nach Wohngebiet beginnt die Knallerei früher und kann sich noch bis Tage nach dem Jahreswechsel ziehen. Wenn die ersten Feuerwerkskörper gezündet werden, lassen Sie Ihr Tier nicht mehr unbeaufsichtigt und bringen Sie es nicht nach draußen.
- Richten Sie Ihrem Tier zu Hause eine Ruhezone oder Rückzugsmöglichkeiten in möglichst abgedunkelten, ruhig gelegenen Zimmern ein. Das Tier sollte diese Räume selbstverständlich bereits kennen und sich dort wohlfühlen.
- Schaffen Sie selbst eine Atmosphäre von Ruhe und Sicherheit! Ihre eigene Nervosität oder Unruhe kann sich negativ auf das Tier auswirken.
- Ziehen Sie die Rollläden und Vorhänge zu, um die grellen Lichtblitze zu blockieren.
- Halten Sie Fenster und Türen geschlossen.
- Am Silvesterabend lassen Sie am besten die Musik oder den Fernseher im Zimmer leise laufen, um für eine gewohnte und beruhigende Geräuschkulisse zu sorgen.
Spenden statt Böllern
Ganz besonders in Zeiten wie diesen – wo vielerorts echte Raketen und Bombenhagel akut Leben bedrohen – sollten auch Empathie und Mitgefühl dazu beitragen, private Feuerwerke im Sinne des Tier- und Umweltschutzes zu unterlassen. Wir hoffen auf Ihr Zutun und versichern: Indem Sie „spenden statt zu böllern“, können wir wichtige Tierhilfe leisten – gerade dort, wo die Tiere uns gerade am dringendsten brauchen:
5 Euro
im Monat
sichern fünf Rindern die Versorgung im Katastrophenfall.
120 Euro
ermöglichen die Bereitstellung von Sachspenden wie Transportboxen sowie die tiermedizinische Akutversorgung.
Was kann ich tun, um mein verängstigtes Tier zu beruhigen?

Es mag simpel klingen, ist aber einer der wichtigsten Faktoren: Ihr Verhalten überträgt sich häufig auf das Tier, weshalb auch Tierhalter*innen selbst Sicherheit signalisieren sollten. Gut gemeinte Beruhigungsversuche können helfen, aber auch das genaue Gegenteil verursachen und das Tier in zusätzlichen Stress versetzen.
Deshalb ist Vorbereitung das A und O für ein stressfreies Silvester mit Haustier: Tierhalter*innen sollten unbedingt schon in den Wochen vor Silvester testen, wie das Tier auf möglicherweise notwendige Beruhigungsversuche reagiert. Dazu misst man in einem Stressmoment seinen Puls, bei einem Hund am besten am Oberschenkel. Zeitgleich versucht man zum Beispiel durch Streicheln das Tier zu beruhigen. Wenn dies für das Tier entspannend wirkt, wird der Puls fünf Minuten später deutlich niedriger liegen. Ein solches Eingreifen kann dann auch in der Silvesternacht helfen. Steigt der Puls des Tieres bei dem Test aber, sind Beruhigungsversuche eher kontraproduktiv und sollten vermieden werden.
Sind Rescue-Tropfen und Beruhigungsmittel bei Tieren sinnvoll?

Rescue-Tropfen oder andere Mittel zur Beruhigung können sinnvoll sein, wenngleich bisher tiermedizinisch keine eindeutigen Wirkungsmechanismen belegt worden sind. Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die die Halter*innen dem Tier mit dem Verabreichen der Tropfen entgegenbringen, kann jedoch bereits mit einer Wirkung und entsprechenden Reaktion des Tieres verbunden sein.
Anders sieht es bei einer medikamentösen Behandlung aus, die bei besonders gestressten Tieren wie beispielsweise geräuschempfindlichen Hunden durchaus angebracht sein kann. Hier sollte jedoch immer ein*e Tierärzt*in, idealerweise mit Fachgebiet Verhaltensphysiologie, zu Rate gezogen werden. Denn die zur Verfügung stehenden Mittel müssen nicht nur unbedingt an den Zustand des Tieres angepasst sein, sie sind auch sehr unterschiedlich und teils herausfordernd in der Anwendung. So gibt es Mittel, die kurzfristig zu verabreichen sind, deren Gabe jedoch so schwierig ist, dass die erhofften Erfolge durch Fehler bei der Anwendung oftmals ausbleiben. Andere Mittel, wie Antidepressiva für besonders schwere Fälle, sollten dagegen über jeweils einen Monat ein- und wieder ausgeschlichen werden. Hier sollte die genaue Anwendung engmaschig vom Tierarzt begleitet werden. Daher empfiehlt es sich, sich schon früh genug, mindestens aber einen Monat vorher, tierärztlich beraten zu lassen.
Wie schütze ich Wildtiere und die Umwelt rund um Silvester?

- Kaufen und zünden Sie selbst keine Böller, Raketen, etc.
- An Silvester wird traditionell durch Bleigießen in die Zukunft geschaut? Dann lassen Sie aber auf keinen Fall das verunreinigte Wasser unbeaufsichtigt stehen. Dies ist hochgiftig für Tiere. Auch die Entsorgung ist wichtig, denn die Bleireste schaden auch der Umwelt.
- Klären Sie Nachbar*innen auf, informieren Sie sie über die Ruhezonen Ihrer Tiere sowie die Ängste der und Gefahren für Wildtiere.
- Halten Sie sich selbst in der Silvesternacht sowohl von Wäldern und Wiesen als auch von Ställen, Tierheimen und Tierparks fern.

Bitte schützen Sie die Tiere – vor, während und nach den Silvester-Feierlichkeiten. Mit unseren Tipps hoffen wir, Ihnen eine gute Hilfestellung geleistet zu haben und wünschen Ihnen und Ihren Tieren einen guten Rutsch in ein schönes neues Jahr.
++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++
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