Kastration ist Tierschutz

Millionen Katzen weltweit leiden unter dem Leben auf der Straße, das oft mit Hunger, Krankheiten und Kämpfen verbunden ist. Ein Grundproblem ist ihre hohe Vermehrungsrate. Wo viele fortpflanzungsfähige Katzen leben, verschärfen sich durch massenhaften Nachwuchs die Probleme der Tiere. Der Weltkastrationstag am 27. Februar macht auf die Bedeutung von Kastrationen für das Wohl und die Gesundheit von Streunern, aber auch von Haustieren aufmerksam. Kastrationen stehen für eine tiergerechte und nachhaltige Lösung zur Verringerung großer Katzenbestände. Die Operation ist heutzutage ein Routineeingriff, der meist problemlos verläuft.

Doch vielerorts fehlen die Mittel, flächendeckende Kastrationsprogramme durchzuführen. Die Welttierschutzgesellschaft unterstützt daher zahlreiche Initiativen, die mit Kastrationen zur Besserung der Streunerproblematik beitragen. Wir geben einen Einblick in drei dieser Programme – und werfen zudem einen Blick auf die Lage in Deutschland.

Bulgarien: Kastrationsklinik

In Bulgarien ist es weiterhin gängig, ungewollten Katzennachwuchs sowie alte und kranke Tiere einfach auf der Straße auszusetzen. Viele Tiere erliegen dort tödlichen Erkrankungen, werden Opfer des Straßenverkehrs oder von Tierquälerei. In Plovdiv, der zweigrößten Stadt des Landes, wollen wir die Situation der Katzen gemeinsam mit der Partnerorganisation „Streunerhilfe Bulgarien“ dauerhaft verbessern. Da sich der Einsatz auf das Stadtgebiet konzentriert, haben wir eine Kastrationsklinik im Zentrum Plovdivs aufgebaut. Von dort aus sucht eine Katzenfängerin täglich die Plätze auf, an denen sich Streunerkatzen aufhalten. Sie füttert die Tiere an, um sie leichter einzufangen zu können. In der Klinik werden die Tiere von einem der beiden festangestellten Tierärzte kastriert, am Folgetag setzt die Katzenfängerin die Tiere wieder aus.

Das Einfangen der Katzen erfolgt systematisch nach dem sogenannten „Spiralsystem“. Beginnend in der unmittelbaren Umgebung der Kastrationsklinik wird der Radius spiralförmig auf die Nachbargebiete ausgeweitet. So wird erreicht, dass aus benachbarten Gebieten weniger unkastrierte Tiere einwandern und die Bemühungen, die Zahl der Streuner zu verringern, zunichtemachen. Mehr als 3.000 Katzen haben wir in Plovdiv seit Mitte 2016 bereits kastriert und sind dem Ziel, in den nächsten Jahren mindestens 70 Prozent der Katzenpopulation Plovdivs zu kastrieren, bereits ein gutes Stück nähergekommen.

Südafrika: Mobile Tierkliniken

Die Townships in und um die Hauptstadt Pretoria sind einer unserer Einsatzorte in Südafrika. In Armenvierteln wie diesen leben Schätzungen zufolge rund 85 Prozent aller Haustiere des Landes. Ihr Leben findet zum Großteil auf der Straße statt, wo sie zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Da den meisten Township-Bewohnern das Geld für die tiermedizinische Versorgung und Kastration der Katzen fehlt, geht es vielen der Tiere schlecht.

Mit unseren Partnern von Community and Veterinary Services for Southern Africa sind wir unterwegs, um das Leid der Katzen flächendeckend zu mindern und ihre Populationen zu verringern. Um möglichst viele Tiere erreichen zu können, haben wir eine mobile Tierklinik mit ausgebildetem Personal, technischer OP-Ausstattung und Medikamenten eingerichtet, die täglich in bis zu sechs Gemeinden rund um Pretoria unterwegs ist. Zweimal wöchentlich finden von fünf Uhr morgens bis fünf Uhr abends Kastrationen statt. Denn nur wenn die unkontrollierte Vermehrung der Haustiere eingedämmt wird, kann das Tierleid langfristig geringer werden. Tiermedizinstudenten aus Pretoria unterstützen diese Einsätze im Rahmen ihrer Ausbildung und haben so die Möglichkeit, die Arbeit in den Armenvierteln kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.

Schulprogramme: Thailand

Unser Streunerprojekt in Thailand konzentriert sich auf die Inseln rund um das Urlauberparadies Koh Lanta. Die Situation der Streuner war hier lange Zeit äußerst schlecht. Gemeinsam mit der Partnerorganisation LANTA Animal Welfare konnten wir durch mobile Kliniken bereits viele Verbesserungen erreichen – sowohl bei der Gesundheit der Tiere als auch der Einstellung der Bevölkerung zu den Streunern.

Bildungsarbeit, die bereits die Jüngsten miteinbezieht, ist dabei ein wichtiger Teil unseres Einsatzes. Kinder pflegen auf Koh Lanta und Umgebung einen intensiven Umgang mit Streunern und sind deshalb wichtige Adressaten unserer Arbeit. Im Rahmen des Programms „Bring Your Cat“ bitten wir die Kinder, am nächsten Schultag ihre unkastrierten Katzen in einer von uns ausgehändigten Transportbox mitzubringen. Während die Kinder dem Unterricht folgen, kastrieren und behandeln wir ihre Tiere. Bereits in den ersten Monaten des Programms konnten Hunderte Katzen kastriert und noch mehr Kinder über die Bedürfnisse ihrer Tiere informiert werden. Der Erfolg des Projekts auf Koh Lanta hat uns ermutigt, unseren Einsatz auf weitere Inseln in der Umgebung auszuweiten.

Die Probleme der Streuner in anderen Teilen der Welt sollten aber nicht den Blick davor verstellen, dass auch viele Katzen in Deutschland es nicht leicht haben. Schätzungen zufolge gibt es hierzulande rund zwei Millionen Streunerkatzen, die meisten von ihnen stammen vermutlich von freilaufenden Hauskatzen ab. Wer die eigene Freigängerkatze mit Eintritt der Geschlechtsreife kastrieren lässt, leistet so auch einen Beitrag, das Leid der Streunerkatzen hierzuladen zu verringern.

Ein größeres Bewusstsein für die Vorteile und Notwendigkeit der Kastration von Hauskatzen mit Freigang zu schaffen, ist eines der Ziele der neuen Kampagne „Schütze Deine Katze“ der Welttierschutzgesellschaft. Durch das Kastrieren, aber auch Impfen, Chippen und Registrieren von Hauskatzen werden Wohl und Gesundheit der eigenen Katze verbessert. Alle Informationen zur Kampagne gibt es unter https://welttierschutz.org/katze. Dort besteht auch die Möglichkeit, einen Katzenschutzpass für die bestmögliche Betreuung der eigenen Katze in Abwesenheitszeiten anfertigen zu lassen und kostenfrei zu bestellen. Im Pass können individuelle Informationen zur eigenen Katze wie z.B. Lieblingsverstecke, Hinweise zu Futter oder Medikamenten sowie Kontaktinformationen für Notfälle eingetragen werden.

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