Tiere verstehen – von Kindheit an

Kinder sind die Tierschützer von morgen. Doch insbesondere beim Thema Nutztierhaltung werden den Sprösslingen oft falsche Vorstellungen vermittelt. Die Welttierschutzgesellschaft fordert mehr Tierschutzbildung – sowohl im Elternhaus als auch in der Schule.

Fragt man den sieben Jahre alten Tim nach der Herkunft seiner Wurst auf dem Brötchen, welches er sich gerade freudestrahlend in den Mund steckt, ist die Antwort erschreckend:
„Aus dem Kühlschrank“, sagt er grinsend.
„Aber weißt du denn, wie die Wurst in deinen Kühlschrank kommt?“, fragen wir ihn.
Eine Antwort bleibt aus.
Hilfesuchend schaut er stattdessen zu seiner Mutter, die ihm bei der Befragung keinen Zentimeter von der Seite weicht. Sie scheint zu ahnen, dass das Thema Fleischkonsum heikle Fragen aufwerfen kann – nicht nur für Kinder.
„Du musst nicht antworten, wenn du nicht willst, Schatz“, ermuntert sie ihn und fügt hinzu: „Ich glaube wir machen hier jetzt Schluss.“.
Und das war’s: Schluss mit dem Interview, obwohl die tatsächlich wichtigen Fragen– sowohl bei uns als auch bei Tim – unbeantwortet blieben.

Dabei sind Kinder besonders empfänglich für tierschutzrelevante Themen

Schon im Kleinkindalter sammeln wir Tierfiguren, bekommen Kuscheltiere geschenkt, freuen uns über Begegnungen mit lebendigen Tieren und kommen – zeitgleich mit dem Erlernen der Sprache – durch Kinderbücher in Kontakt mit vielen verschiedenen Haus-, Nutz- und Wildtieren. Wir zeigen von früh an ein großes Interesse an Tieren und sind empfänglich für tierschutzrelevante Themen.

Doch uns werden unrealistische Vorstellungen vom Leben der Tiere vermittelt

Dass Kindern das Leben der Tiere und insbesondere der Zusammenhang zwischen Tieren und ihrem Nutzen oft nicht erklärt wird, belegen nicht nur Tim und seine Mutter. Denn häufig werden Kinder mit den verschiedensten tierischen Produkten ernährt, ohne dass die Herkunft thematisiert wird oder kritische Fragen der Haltung kommuniziert werden.

Oftmals hinterfragen die Eltern als Verbraucher selbst nicht einmal die Haltungsbedingungen der Tiere und können hier aus Unwissenheit keine Aufklärung leisten. Und selbst die sich häufenden Medienberichte und das Wissen über die oft nicht tiergerechten Haltungs- und Schlachtbedingungen in der Nutztierhaltung in Deutschland bleiben wirkungslos: Ein Bezug vom Tier zu der täglichen Nahrung, geschweige denn eine Konfrontation mit der Art der Fleischgewinnung wird oft bewusst vermieden – insbesondere von Eltern gegenüber ihren Kindern.

In Folge fehlt den meisten Sprösslingen das grundlegende Wissen über die Lebensbedingungen der Nutztiere wie Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe, geschweige denn ein Verständnis dafür, wie eine tiergerechte Haltung denn aussehen könnte. Um es konkret zu sagen: Manche Kinder wissen nicht einmal, dass auf ihrem Abendbrot ein Stück Tier liegt.

Lehren wo gelernt wird

Aber nicht nur im Elternhaus, sondern auch in der Schule ist Tierschutz viel zu selten ein Thema. Die Wissensvermittlung in der Schule beschränkt sich oft auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten der verschiedenen Lebewesen in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Atmung und Fortpflanzung (siehe dazu LISUM 2016: Rahmenplan des Landes Brandenburg.) Auch Schulbücher bieten bislang kaum Möglichkeiten, sich kritisch mit Fragen zur Mensch-Tier-Beziehung auseinanderzusetzen. Der Lehrplan sieht in keinem Bundesland eine konkrete Aufklärung über artgerechte Tierhaltung oder gar ethische Fragen zum Tierschutz vor.
Es gibt nur vereinzelte Projekte und Initiativen, die den Umgang mit einem Tier und die Folgen für das Tier thematisieren. Dies sind meist freiwillige Projekte, die von Tierschutzvereinen angestoßen und von engagierten Lehrern umgesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist unser Lernset KUH+DU macht Schule, das bisher an über 1000 Schulen verteilt wurde und über die Bedürfnisse von Kühen aufklärt: »welttierschutz.org/kampagnen/

Setzen sich aber weder Eltern noch die Lehrer aktiv und auf eigene Initiative mit dem Thema Tierschutz auseinander, tappt der Sprössling im Dunkeln.

Kinder sind die Tierschützer von morgen

Dabei sind Kinder jene, die zukünftig in verschiedenen gesellschaftlichen Funktionen über die Haltungsbedingungen und den Umgang mit den Tieren entscheiden – sie sind die Tierschützer von morgen. Um das Leben der Tiere langfristig und nachhaltig zu verbessern, ist Tierschutz in der Bildung ein wichtiger Grundpfeiler.

Wir von der Welttierschutzgesellschaft rufen die Bildungsminister der Länder deshalb dazu auf, das Thema Tierschutz umfassend in ihren Lehrplänen zu verankern. Die Schulen werden dazu angehalten, bei der Umsetzung der Rahmenlehrpläne den Blick auf die Themen Nutz-, aber auch Haus- und Wildtiere zu erweitern sowie reale Bedingungen zu vermitteln und auch die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Tiere miteinzubeziehen.
Nur so schaffen wir die Basis für eine Welt, in der Tiere von den Menschen wahrgenommen sowie respektvoll und tiergerecht behandelt werden.

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