Tiermärkte in Tansania

Mehr Mitgefühl für die „Handelsware“ Tier

Rinder auf einem Tiermarkt in Tansania

Die Tierschutzsituation auf vielen Tiermärkten in Tansania ist dramatisch. Trotz bestehender Tierschutzgesetze leiden Rinder, Schafe, Ziegen und andere Nutztiere unter brutalen Transportmethoden, Misshandlungen und der Vernachlässigung ihrer Grundbedürfnisse, wie Futter, Wasser und Sonnenschutz. Gemeinsam mit der lokalen Organisation Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) sorgen wir für mehr Tierschutz in Zentral-Tansania sowie der Küstenregion.

Tansania

Die Tierschutzsituation auf vielen Märkten in Tansania ist dramatisch. Bestehenden Tierschutzgesetzen zum Trotz leiden Rinder, Esel, Schafe, Ziegen und andere Nutztiere unter brutalen Transportmethoden, Misshandlungen und der Vernachlässigung ihrer Grundbedürfnisse, wie Futter- und Wasseraufnahme oder Schattenplätze. 

Die Strapazen beginnen bereits bei der Verladung: Unzureichend gesicherte Ladeflächen haben zur Folge, dass sich Tiere schon während des Transportes verletzen. Auf dem Markt angekommen, müssen mehrere hundert Kilo schwere Rinder unter Schlägen von den LKWs springen – Rampen gibt es nicht. Schafe und Ziegen müssen an den Beinen zusammengebunden stundenlang in derselben Stellung verharren. Ohne Futter, Wasser und Unterstellmöglichkeiten sind die Tiere dann häufig bis zu zehn Stunden der prallen Sonne ausgesetzt und demzufolge dehydriert und stark geschwächt.

Transport zum Tiermarkt: Zusammengepfercht und ungesichert drängen sich Rinder auf der Ladefläche eines LKW
© Tanzania Animal Welfare Society

Tierwohl in den Fokus rücken …

Gemeinsam mit der lokalen Organisation Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) hat sich die Welttierschutzgesellschaft (WTG) zum Ziel gemacht, die Bedingungen für die zahlreichen Rinder, Schafe, Ziegen und Hühner zu verbessern. Unter Einbeziehung der für die Märkte zuständigen staatlichen Stellen, der Kontrolleure, Tierärzte und Händler steigern wir in mehreren Schritten das Tierwohl auf den Märkten, beim Transport als auch der Schlachtung. 

auf den Tiermärkten, …

Im ersten Jahr unserer gemeinsamen Arbeit mit TAWESO engagierten wir uns zunächst auf 20 Märkten in Zentral-Tansania für eine Beseitigung der bestehenden Tierschutzprobleme. Auf jedem Markt wurden Brunnen gebaut sowie Futterstellen und Trinkplätze eingerichtet. Kontinuierliche Kontrollen sorgten dafür, dass bestehende Gesetze und Vorgaben auch tatsächlich eingehalten werden.

Darüber hinaus wurde mithilfe von Informationsmaterialien wie Flyern und Plakaten, vor allem aber in direkten Gesprächen, an das Tierschutzbewusstsein der Menschen appelliert. Dies führte dazu, dass nun die Be- und Entladung der Transportfahrzeuge ruhig und geregelt erfolgt und eine Rampe den Gang auf die Ladefläche für die Tiere erleichtert.

Auf den Tiermärkten informieren wir und verteilen Flyer, um die Menschen für Tierschutz zu sensibilisieren
© Tanzania Animal Welfare Society

An diese Erfolge wird nun angeknüpft und das Projekt ausgebaut. Zusätzlich zu den 20 Märkten werden auf zehn weiteren Märkten an der Küste mit den dortigen Verantwortlichen über die Tierschutzprobleme auf dem Markt, bei der Beladung und auf den Transportfahrzeugen gesprochen. Alle 30 Märkte werden regelmäßig besucht und die Einhaltung der vereinbarten Tierschutzmaßnahmen sichergestellt. 

während der Transporte …

Da die Tiere auf dem Weg von und zu den Märkten teilweise bis zu 1.000 km auf den LKWs ausharren müssen, fanden praktische Workshops für die Mitarbeiter des wichtigsten Transportkontrollpunktes der Region statt. Dabei wurden Kriterien für einen tiergerechten Transport vermittelt: die optimale Beladungsdichte, ein bedürfnisorientierter Aufbau des Transportfahrzeuges inkl. Trennwänden und Bodenbeschaffenheit, der Umgang mit am Boden liegenden Tieren sowie die Sicherstellung von Wasser- und Futterverfügbarkeit während der Stopps. Zusätzlich war das Team einmal pro Monat selbst vor Ort, um die Qualität der Kontrollen durch fortlaufende Trainings aufrechtzuerhalten und so die Verbesserung der Transportbedingungen sicherzustellen.

Das Team inspiziert einen mit Rindern beladenen LKW, der zu einem der Tiermärkte unterwegs ist
© Tanzania Animal Welfare Society

Auch hier sind Erfolge sichtbar: Die nun kontrollierten LKWs sind nicht mehr überladen und die Tiere auf den Ladeflächen gesichert, sodass immer seltener verletzte Tiere aufgefunden werden. Der Großteil von ihnen wird zudem regelmäßig mit Wasser und Futter versorgt.

Das Training der Mitarbeiter an den Kontrollstationen wird zukünftig in ganz Tansania durchgeführt, sodass an allen Posten die LKWs auf tiergerechte Beladung und Sicherung überprüft werden können.

… sowie vor der Schlachtung.

Gemeinsam mit TAWESO sind wir auch auf dem größten Tierhandelsplatz Tansanias in Dar es Salaam tätig. Dort werden täglich über 1000 Rinder sowie 500 Schafe und Ziegen für die lokale Bevölkerung geschlachtet– ohne Betäubung, obwohl dies laut Animal Welfare Act aus dem Jahr 2008 vorgeschrieben ist. Daher werden unsere Partner von nun an auch in den angeschlossenen Schlachthäusern der Tiermärkte vorstellig werden. In Gesprächen mit den Verantwortlichen werden sie auf die Einführung einer Betäubung vor der Schlachtung hinwirken.

Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen

Die größten Tiermärkte des Landes stehen unter staatlicher Aufsicht, wodurch zukünftig ein Augenmerk auf die enge Zusammenarbeit mit Regierungsstellen gelegt wird. Ein erster Workshop mit insgesamt 40 Marktverantwortlichen der größten Märkte, organisiert vom Landwirtschafts- und Fischereiministerium, fand bereits statt. Die Mitarbeiter von TAWESO machten auf die vorherrschenden Tierschutzprobleme aufmerksam und wie diese mit einfachen Mitteln behoben werden können. Weitere sind in Planung. Der staatlich organisierte Veterinärdienst arbeitet zudem derzeit an einer Übereinkunft mit der Polizei, dass auch sie die Tierwohlvorgaben in ihren Verkehrskontrollen prüfen.

Tiermärkte: Hühner werden an Fahrrädern festgebunden transportiert
© Tanzania Animal Welfare Society

Gemeinsam sind wir auf dem besten Weg, dass das Projekt die Bedingungen für die Nutztiere in ganz Tansania zum Positiven verändert und Tiere nicht länger nur als Ware, sondern als Lebewesen wahrgenommen werden.

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