Tiermärkte in Tansania

Mehr Mitgefühl für die „Handelsware“ Tier

Rinder auf einem Tiermarkt in Tansania

Die Tierschutzsituation auf vielen Märkten in Tansania ist dramatisch. Trotz geltender Tierschutzgesetze leiden Rinder, Schafe, Ziegen und andere Nutztiere unter brutalen Transportmethoden, Misshandlungen und der Vernachlässigung ihrer Grundbedürfnisse, wie der Bereitstellung von Futter, Wasser und Schutz vor Sonne. Gemeinsam mit der lokalen Organisation Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) sorgen wir für mehr Tierschutz im gesamten Land.

Tansania

Die Strapazen für die Tiere auf den Märkten beginnen bereits bei der Verladung: Unzureichend gesicherte Ladeflächen haben zur Folge, dass sie sich während des Transportes verletzen. Auf dem Markt angekommen, müssen die Rinder unter Schlägen von den LKWs springen – Rampen gibt es nicht. Schafe und Ziegen müssen an den Beinen zusammengebunden stundenlang in derselben Stellung verharren. Ohne Futter, Wasser und Unterstellmöglichkeiten sind die Tiere dann häufig bis zu zehn Stunden der prallen Sonne ausgesetzt und demzufolge dehydriert und stark geschwächt.

Tierwohl in den Fokus rücken …

Gemeinsam mit der lokalen Organisation Tanzania Animal Welfare Society (TAWESO) hat sich die Welttierschutzgesellschaft (WTG) zum Ziel gemacht, die Bedingungen für die zahlreichen Rinder, Schafe, Ziegen und Hühner zu verbessern. Unter Einbeziehung der für die Märkte zuständigen staatlichen Stellen sowie der Kontrolleure, Tierärzte und Händler stärken wir das Tierwohl auf den Märkten, beim Transport als auch der Schlachtung.

Transport zum Tiermarkt: Zusammengepfercht und ungesichert drängen sich Rinder auf der Ladefläche eines LKW
© Tanzania Animal Welfare Society

auf den Tiermärkten, …

Unser Projekt startete 2018 mit dem Fokus auf 20 Märkte, auf denen Brunnen gebaut sowie Futterstellen und Trinkplätze eingerichtet wurden. Auf diesen sowie weiteren 28 Märkten wurde außerdem in persönlichen Gesprächen an das Tierschutzbewusstsein der Tierbesitzer, Händler, Marktmitarbeiter und Transporteure appelliert. Im Rahmen dessen verteilen wir einen gemeinsam mit TAWESO entwickelten Flyer. Mit Hilfe anschaulicher Zeichnungen und in leicht verständlicher Sprache wird der richtige Umgang mit den Tieren und die Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse erläutert, beispielsweise die Bereitstellung von Futter und Wasser, Errichtung von Unterständen, Benachrichtigung der Tierärzte oder tiermedizinischer Fachkräfte im Notfall. Er gibt zudem einen Hinweis auf die Vorgaben des 2008 verabschiedeten Tierschutzgesetzes und benennt die international anerkannten Fünf Freiheiten als Orientierung für tierschutzgerechtes Verhalten. Die Inhalte des Flyers werden zusätzlich auf großformatigen Werbeflächen an den Märkten abgebildet.

Mittlerweile erfolgt die Be- und Entladung der Tiere auf die Transportfahrzeuge ruhig und geregelt und mit Hilfe von Rampen, die den Tieren den Gang auf die Ladefläche erleichtern. Einige Märkte werden infolge unserer Informationsarbeit aktuell sogar zum Wohle der Tiere komplett umstrukturiert.

An diese Erfolge anknüpfend, weiten wir das Projekt auf 52 zusätzliche Märkte aus. Damit sind wir auf 100 der insgesamt 162 Märkte des Landes mit unseren Informationsmaterialien sowie tiermedizinischer Versorgung präsent. Alle 100 Märkte werden regelmäßig besucht und die Einhaltung der Tierschutzmaßnahmen sichergestellt. Darüber hinaus werden zwei Rampen und zwei Wassertröge gebaut, die auf den Marktbesuchen als Modelle dienen und verdeutlichen sollen, mit welch einfachen Mitteln den tierischen Bedürfnissen entsprochen werden kann.

Auf den Tiermärkten informieren wir und verteilen Flyer, um die Menschen für Tierschutz zu sensibilisieren
© Tanzania Animal Welfare Society

während der Transporte …

Da die Tiere auf dem Weg von und zu den Märkten teilweise bis zu 1.000 km auf den LKWs ausharren müssen, fanden 2018 und 2019 praktische Workshops für die Mitarbeiter der wichtigsten Transportkontrollpunkte Zentral-Tansanias statt. Dabei wurden Kriterien für einen tiergerechten Transport vermittelt: die optimale Beladungsdichte, ein bedürfnisorientierter Aufbau des Transportfahrzeuges inkl. Trennwänden und Bodenbeschaffenheit, der Umgang mit am Boden liegenden Tieren sowie die Sicherstellung von Wasser- und Futterverfügbarkeit während der Stopps. Um die Qualität der Kontrollen durch fortlaufende Trainings aufrechtzuerhalten und so die Verbesserung der Transportbedingungen sicherzustellen, ist das Team von TAWESO regelmäßig wieder vor Ort.

Neben den seitdem auf Tierwohl ausgeweiteten Fahrzeugkontrolle informieren die Mitarbeiter die Fahrer und Viehhändler auch über die korrekte Beladung.

Das Team inspiziert einen mit Rindern beladenen LKW, der zu einem der Tiermärkte unterwegs ist
© Tanzania Animal Welfare Society

Auch hier sind Erfolge bereits sichtbar: Die mittlerweile kontrollierten LKWs sind nicht mehr überladen und die Tiere auf den Ladeflächen gesichert, sodass immer seltener verletzte Tiere aufgefunden werden. Der Großteil von ihnen wird von den Fahrern zudem regelmäßig mit Wasser und Futter versorgt. Daher weiten wir auch dieses Modell aus und stellen sicher, dass die Mitarbeiter aller Kontrollstationen des Landes unsere Workshops durchlaufen.

Mitarbeiter von TAWESO werden zusätzlich entlang des wichtigsten Transportweges patrouillieren – einer 1.400 km langen Straße quer durch das Land, die vom Victoriasee nach Daressalaam führt –und die Fahrzeuge an den dort gelegenen Kontrollpunkten, Beladestationen, Rastplätzen und Abstellgleisen unter Tierwohl-Aspekten unter die Lupe genommen und die Bereitstellung von Wasser und Futter überprüft.

… sowie vor der Schlachtung.

Im Rahmen dieses Projektes sind wir auch auf dem größten Tierhandelsplatz Tansanias in Daressalaam tätig. Über 1000 Rinder sowie 500 Schafe und Ziegen werden hier täglich für den Verkauf an die lokale Bevölkerung geschlachtet – oft ohne Betäubung, obwohl dies im Tierschutzgesetz vorgeschrieben ist. In Gesprächen mit den Verantwortlichen der dortigen 20 Schlachthäuser wirken unserer Partner auf eine verbindliche Einführung der Betäubung vor der Schlachtung hin. Zusätzlich ausgehängtes Informationsmaterial in den Schlachthäusern erreicht auch die Mitarbeiter, die mit den Tieren arbeiten und es damit auch in der Hand haben, die Bedingungen zum Wohl der Esel zu verbessern.

Tiermärkte: Hühner werden an Fahrrädern festgebunden transportiert
© Tanzania Animal Welfare Society

Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen

Die größten Tiermärkte des Landes stehen unter staatlicher Aufsicht, wodurch ein Augenmerk auf die enge Zusammenarbeit mit Regierungsstellen gelegt werden muss. Ein erster Workshop mit insgesamt 40 Marktverantwortlichen der größten Märkte, organisiert vom Landwirtschafts- und Fischereiministerium, fand bereits statt. Die Mitarbeiter von TAWESO machten dabei auf die vorherrschenden Tierschutzprobleme aufmerksam und erläuterten, wie diese mit einfachen Mitteln behoben werden können. Die Anzahl dieser Workshops wird jetzt erweitert. Der staatlich organisierte Veterinärdienst erreichte in unserem Namen zudem eine Übereinkunft mit der Polizei, Tierwohlvorgaben in die regulären Verkehrskontrollen zu integrieren. Unser lokaler Partner wird die Polizisten dafür entsprechend schulen.

Gemeinsam sind wir auf dem besten Weg, die Bedingungen für die Nutztiere in ganz Tansania zum Positiven zu verändern, damit die Tiere nicht länger nur als Ware, sondern als Lebewesen wahrgenommen werden. Helfen Sie uns dabei - mit Ihrer Spende!

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