Herausfordernder Start in Ruanda

TIERÄRZTE WELTWET startete 2020 mit einem neuen Einsatzland: Im Rahmen des zweijährigen Pilotprojektes sollen rund 70 Tierärzt*innen im ostafrikanischen Ruanda im Tierschutz weitergebildet und so befähigt werden, selbstständig Kolleg*innen zu schulen. In Folge der Coronakrise konnte das erste für April angesetzte Training zwar nicht planmäßig stattfinden, doch unsere digitalen Lerninhalte finden bereits intensiv in der Weiterbildung Anwendung.

Hintergrund: TIERÄRZTE WELTWEIT

Gemeinsam mit der Welttierschutzstiftung und lokalen Partnerorganisationen, tiermedizinischen Praxen, Behörden sowie Colleges und Universitäten unterstützt das Programm TIERÄRZTE WELTWEIT in Schwellen- und Entwicklungsländern die Aus- und Weiterbildung praktizierender und angehender Tierärzt*innen sowie von Fachkräften für Tiergesundheit in Theorie und Praxis. Ziel ist es, Tierschutzthemen in die Lehrpläne der jeweiligen Länder zu integrieren und so die tiermedizinische Aus- und Weiterbildung nachhaltig zu verbessern.

Zum Programm

Tierschutz(bildung) in Ruanda

Das kleine ostafrikanische Land Ruanda weist mit circa 370 Tierärzt*innen und rund 1.700 tiermedizinischen Fachangestellten (Paravets) eine gute Basis für mehr Tierwohl auf. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Versorgung der etwa fünf Millionen Nutztiere sichergestellt ist. Denn in Ruanda leiden die Nutztiere weiterhin unter einer unzureichenden tiermedizinischen Versorgung und vor allem in Folge der mangelhaften Haltungs-, Fütterungs- und Transportbedingungen.

Der Grund: Der große Teil der Tierärzt*innen ist nicht praktisch, sondern in der Verwaltung tätig und die Paravets (Fachkräfte für Tiergesundheit), die sich stattdessen um die Versorgung der Tiere kümmern, können aufgrund von Defiziten in ihrer Ausbildung nicht auf ausreichend Fachwissen und Erfahrung in der praktischen Arbeit mit Tieren zurückgreifen. Berufliche Fortbildungsmöglichkeiten gab es bisher kaum.

Gemeinsam mit dem New Vision Veterinary Hospital (NVVH) wollen wir dies ändern und schaffen Fortbildungsmöglichkeiten – sowohl für Tierärzt*innen als auch Paravets. Im Rahmen unseres auf zwei Jahre angelegten Pilotprojektes sollen im ersten Jahr 70 Amtstier*ärztinnen im Bereich Tierschutz weitergebildet werden. Im zweiten Jahr sollen diese ihre Kolleg*innen weiterbilden (nach dem so genannten Train-The-Trainer-Konzept).

Wissensvermittlung ist das A und O

Wie viel sich für die Tiere zum Positiven verändern kann, wenn das tierärztliche Personal über mehr Tierschutzwissen verfügt und dieses auch an die Tierhalter*innen weitergibt, weiß Dr. Jean Claude Masengesho. Er ist Tierarzt am New Vision Veterinary Hospital (NVVH) in Ruanda und der lokale Projektmanager für TIERÄRZTE WELTWEIT.
Ein Gespräch mit seinem Nachbarn über Tierwohl und Tierschutzaspekte, das nun einige Wochen zurückliegt, trug direkt Früchte: Unmittelbar hat dieser die Sauberkeit und Hygiene der Stallungen und damit das Wohl seiner Schweine verbessert. Masengesho ist der Überzeugung:

Je mehr Tierschutzwissen das tiermedizinische Personal an die Tierhalter*innen weitergeben kann, desto klarer ist diesen, dass Tiere fühlende Wesen sind, die genauso mit Respekt und Verantwortung behandelt werden sollten, wie wir selbst.

… auch in Zeiten der Coronakrise

Das erste Training der Amtstierärzte sollte eigentlich im April stattfinden, doch aufgrund der derzeit geltenden Restriktionen musste es auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dennoch: Die digitalen Lerninhalte werden durch das Programm TIERÄRZTE WELTWEIT den Teilnehmer*innen aktuell wöchentlich zur Verfügung gestellt – die Lehre beginnt also, wenn auch anders als zunächst geplant.

Auf großes Interesse stößt das Online-Schulungsmaterial auch bei den ruandischen Tiermediziner*innen von Morgen: rund 200 Studierende an Universität und College nutzen das Material in Eigeninitiative und mit großer Begeisterung.

Gerade in Zeiten der Coronakrise, in der der physische Kontakt eingeschränkt ist, zeigt sich die Bedeutung von digitalen Kanälen. Wir sind stolz, dass das Programm trotz aller Umstände bereits erste Effekte in Ruanda zeigt.

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