Handel mit exotischen Tieren trägt zu ihrer Ausrottung bei

Bei illegalem Tierhandel fällt uns zuerst das Elfenbein ein, in südafrikanischen Wildparks von Wilderern erbeutet, mithilfe korrupter Zöllner auf chinesische Frachter verladen und nach Hong Kong verschifft. Ein ganz legales Geschäft scheint dagegen ein Angebot auf einer der zahlreichen deutschen Tiermarktbörsen im Internet oder auf ebay Kleinanzeigen zu sein: „Verkaufe umständehalber Tigerpython und Madagaskarboa mit Terrarium. Alles zusammen 250 Euro“.

Aber Python molurus und Boa madagascariensis stehen unter höchstem Schutz: Auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens werden sie in Anhang I geführt, in der EG-Verordnung stehen sie im Anhang A und im Bundesnaturschutzgesetz haben sie Status „s“ (=besonders streng geschützt). Anlässlich des „Internationalen Tags der biologischen Vielfalt“ der UN am 22. Mai weisen Tierschutzverbände auf die grobe Missachtung der internationalen Schutzbestimmungen hin.

Deutschland ist in der EU der mit Abstand größte Importeur und Absatzmarkt für lebende Wildtiere. Grobe Schätzungen gehen allein bei Reptilien von mehr als einer halben Million jährlicher Importe aus. Einfuhren von Süß- und Meerwasserfischen sowie exotische Vögel werden schon nicht mehr in Stückzahlen gemessen, sondern im Umsatz von zwei bis drei Millionen Euro pro Jahr. Selbst bei lebenden Säugetieren sprechen Tierschützer von bis zu 100.000 Importen jährlich.

Immer mehr „Tierliebhaber“ wollen sich mit besonders exotischen und seltenen Tieren schmücken. Hund und Katze reichen nicht mehr für die normale Tierliebe. Von seltenen Schlangen, Fischen, Schildkröten, Leguanen, über Papageien und tropischen Vögeln bis zu Affen und anderen Säugetieren reicht die Nachfrage und verwischt oft die Grenze zwischen legalem und illegalem Tierhandel.

Das Geschäft boomt vor allem auf den zahllosen Tier- und Terraristikbörsen, wo nach Darstellung von Tierschützern Wildtiere unter üblen Bedingungen verramscht werden und kommerzielle Händler die strengeren Auflagen für den Zoofachhandel umgehen.

Immer wieder stoßen Zollbeamte bei Kontrollen auf exotische und geschützte Tiere. Auf der Autobahn nach Frankreich konfiszierten beispielsweise Beamte des Stuttgarter Zollamtes im Mai bei einem Reisenden drei artengeschützte tote Schlangen, die er in Glasflaschen in Alkohol eingelegt hatte und „als Reisemitbringsel aus Fernost“ deklarierte. Am Schweizer Grenzübergang Weil entdeckten Zöllner einen unter Artenschutz stehenden, lebenden Weißbüschelaffen in einem Schuhkarton. Ein besonders geschmackloses Souvenir fand der Zoll in Düsseldorf in einem Postpaket aus Bolivien: Eine Ukulele, deren Klangkörper aus einem ausgestopften Gürteltier bestand.

Der Absatz exotischer Tiere und Tierprodukte steigt weltweit. Die Exporte tragen bei vielen in ihrem natürlichen Bestand gefährdeten Tierarten inzwischen in großem Maße zu deren Ausrottung bei. Der Handel mit  Tieren und Pflanzen stellt neben der Zerstörung von Lebensraum eine der größten Gefahren für die Tier- und Pflanzenwelt dar.

„Das Geschäft mit geschützten Tieren rangiert mittlerweile unmittelbar hinter dem Menschen- und Waffenhandel als drittgrößte Einnahmequelle von Mafiaorganisationen“, erklärt der bekannte  Schweizer Tierschützer und Filmemacher Karl Ammann. In Asien ließen sich gute Geschäfte machen, weil der Glaube weit verbreitet sei, dass Elfenbeinpulver aus Stoßzähnen und Nashörnern Krebs heilen und die verlorene Manneskraft zurückbringen könne.

Aber auch ahnungslose Touristen unterstützen dieses Geschäft nicht selten durch den Kauf von Souvenirs: Krokodilledertaschen, Boa-constrictor-Schlangenhautgürtel oder Schachbrettfiguren aus Elfenbein sind beliebte Reisemitbringsel. Zwar legen die Souvenirhändler dem Kauf gerne ein „Zertifikat“ bei. Dessen Echtheit lässt sich aber häufig vor Ort nicht überprüfen und auch der Kauf „zertifizierter“ Produkte trägt letztlich zur Ausrottung der gefährdeten Arten bei.

Der deutsche Zoll bietet auf seiner Website Informationen zum Washingtoner Artenabkommen (CITES = Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), zur EU-Verordnung sowie zum Bundesnaturschutzgesetz. Außerdem sind auf der WISIA-Seite im „Wissenschaftlichen Informationssystem zum Internationalen Artenschutz“ alle geschützten Tiere aufgelistet.

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