Tierschutzerfolge 2020 – ein Jahresrückblick

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu und überall wird auf die Ereignisse von 2020 zurückgeblickt. Dabei wurde das fast vergangene Jahr besonders von einem Thema beherrscht: Der Coronakrise. Doch trotz der zahlreichen traurigen Schicksalsschläge und der immensen Probleme, die die Pandemie für Mensch und Tier mit sich brachte, möchten wir Sie, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, einladen, mit uns anhand guter Nachrichten Kraft schöpfen zu können. Lesen Sie hier unsere Auswahl der Meilensteine für den nationalen und internationalen Tierschutz in 2020:

Gute Nachrichten für den Tierschutz in Deutschland

Das Ende vom Küken-Schreddern

Da männliche Küken von Legehuhn-Rassen keine Eier legen und auch weniger Fleisch ansetzen, gelten sie als wertlos. Jährlich werden infolgedessen Millionen Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Nun ist endlich, wenn auch später als erhofft, ein Ende des Küken-Schredderns in Sicht. Deutschland und auch Frankreich haben 2020 die Weichen gestellt und ein Verbot bis Ende 2021 vorgeschrieben. Stattdessen soll danach auf eine frühzeitige Geschlechtererkennung noch im Ei zurückgegriffen werden. Auch wenn diese Änderung Millionen männlichen Küken in Zukunft einen grausamen Tot unmittelbar nach der Geburt ersparen wird, ist es aus Tierschutzsicht dringend notwendig, das System grundlegend neu auszurichten, beispielsweise durch die Einführung von Zweinutzungsrassen.

Zeit Online, 13.01.2020: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-01/kuekenschreddern-deutschland-frankreich-eu-julia-kloeckner

Verbandsklagerecht: In Berlin können Organisationen jetzt für Tiere klagen

Um Tieren auch vor Gericht eine Stimme verleihen zu können, ist es in Berlin künftig erlaubt, dass Organisationen und Verbände stellvertretend für Tiere klagen dürfen. Dafür wird ein so genanntes Verbandsklagerecht eingeführt, welches Tierschutzorganisationen erlaubt, vor Gericht für Tiere einzustehen, wenn die Behörden bei Verstößen gegen das Tierschutzrecht nicht ausreichend durchgreifen. Die Tierschutzverbände in Berlin haben fortan das Recht, vor wichtigen gerichtlichen Entscheidungen informiert zu werden und eine Stellungnahme dazu abzugeben. Zudem können sie die gerichtliche Prüfung von tierschutzrechtlichen Maßnahmen oder Unterlassungen der Behörden anordnen. So können Tierschützer*innen verstärkt dafür kämpfen, dass die vorhandenen Tierschutzgesetze durchgesetzt werden, was die Hoffnung steigert, dass dadurch künftig sogar Gesetze und Verordnungen vermehrt im Sinne der Tiere überarbeitet werden könnten.

Redaktionsnetzwerk Deutschland, 19.08.2020: https://www.rnd.de/politik/tierschutz-verbande-konnen-bald-stellvertretend-fur-tiere-vor-gericht-ziehen-zum-beispiel-bei-qualzuchten-oder-tierversuchen-ISTX52MB3NWM67F35COEC4AKXQ.html

Schärfere Grundsätze für mehr Tierschutz im Internet

Das Verkaufsportal Ebay Kleinanzeigen führte 2020 schärfere Tierschutz-Grundsätze ein. Diese sollen unter anderem illegalen Tierhändler*innen das Verkaufen der Tiere im Internet erschweren, die oftmals aus schlechten Haltungsbedingungen kommen und unter Krankheiten leiden. Zudem dürfen sogenannte Qualzuchtrassen wie der Mops über die Plattform zukünftig nicht mehr zum Verkauf angeboten werden. Auch wenn wir uns über diese kleinen Fortschritte freuen, so wissen wir, dass das lange nicht ausreicht: Denn im Internet, allen voran in den sozialen Netzwerken, wird bei weitem noch nicht genug dafür getan Inhalte, die Tierleid enthalten, konsequent zu prüfen und gegebenenfalls zu löschen. Mit unserer aktuellen Kampagne „Stoppt Tierleid in den sozialen Netzwerken“ wollen wir flächendeckend alle sozialen Netzwerke zur Verantwortung ziehen: Die schonungslose Darstellung von Tierleid muss von den Betreibern der Plattformen verhindert werden. Zur Petition: https://welttierschutz.org/petition/.

Stuttgarter Zeitung, 01.10.2020: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.qualzuchten-auf-ebay-kleinanzeigen-anzeigenportal-verbietet-verkauf-von-mops-und-co.d4117af5-52d6-429c-a1e8-66b2092d4265.html
Katie A. Paul, 01.03.2020: https://medium.com/alliance-to-counter-crime-online/instagram-just-created-reporting-for-endangered-species-almost-one-year-after-it-was-listed-as-3a1fa7a01278 (englisch)

Stopp von Tiertransporten über längere Strecken in mehreren Bundesländern

Die Bundesländer Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein haben bereits 2019 Tiertransporte in 17 Drittstaaten verboten. 2020 erließen auch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen ein vorläufiges Verbot von Langstrecken-Tiertransporten in Drittländer. Anlass dafür gaben fehlende Informationen über die Versorgungsstationen und darüber, wie die Tiere im EU-Ausland weiter transportiert werden. Oftmals müssen Nutztiere wie Kühe tausende Kilometer weit auf engstem Raum stehen und bekommen weder Futter noch Wasser zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt konnten aufgrund der Restriktionen im Zuge der Coronakrise nicht ausreichend Straßen- und Schiffskontrollen durchgeführt werden, um zu prüfen, ob während des gesamten Transportes die Tierschutzanforderungen eingehalten werden. Auch weitere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinlandpfalz und Thüringen haben sich nach den Verboten der anderen Bundesländer nun auch dazu durchgerungen, Tiertransporte in einige Drittstaaten zu verbieten oder diese wenigstens zu erschweren. Noch ist zwar unbekannt, ob und welche weiteren Bundesländer nachziehen und wie lange die aktuell noch temporären Verbote anhalten werden – doch ein Grund zur Hoffnung auf mehr Tierschutz bei Tiertransporten bietet diese Nachricht allemal.

Tagesschau, 24.07.2020: https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/tiertransporte-109.html
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V., 16.08.2020: https://www.djgt.de/news/20200816134340_200816_DJGT_StN_Reformbeduerftigkeit_Tiertransportrecht.pdf

Gute Nachrichten für den internationalen Tierschutz

China erkennt Hunde und Katzen als Haustiere an

Der Verkauf von Hunden und Katzen für Pelz- oder Konsumzwecke soll in China bald der Vergangenheit angehören. Denn eine gesetzliche Neuverordnung für Nutztiere klassifiziert Hunde und Katzen nicht mehr als solche, sondern erkennt sie als Haustiere an. Auch wenn die Neuregelung aber noch kein ausdrückliches Verbot des Konsums von Hunde- und Katzenfleisch darstellt, schenkt diese Initiative aus China Tierschützer*innen Hoffnung, dass in den kommenden Jahren der Tierschutz weiter vorangetrieben werden kann – wenn den Worten jetzt auch Taten und die entsprechend notwendigen Kontrollen folgen.

Der Standard, 22.04.2020: https://apps.derstandard.de/privacywall/story/2000117042246/chinas-regierung-hunde-sind-haustiere-und-kein-nutzvieh
Brisbanetimes, 31.05.2020: https://www.brisbanetimes.com.au/world/asia/china-ends-sale-of-dogs-for-meat-and-fur-20200531-p54y2y.html?ref=rss&utm_medium=rss&utm_source=rss_feed (englisch)

Weniger Wildtiere zur Unterhaltung und in Zirkussen

In Großbritannien und Frankreich sind jetzt wilde Tiere im Zirkus verboten. In Los Angeles wurde zudem ein Verbot beschlossen, das die Zurschaustellung von wilden Tieren auch auf Partys und grundsätzlich Veranstaltungen aller Art verbietet. Hierzulande wartete man lange vergeblich auf eine solche Initiative, zum Jahresende 2020 wurde aber dann endlich beschlossen, dass Zirkusse zukünftig Wildtiere wie Affen oder Elefanten nicht mehr neu anschaffen dürfen. Weitere Tiere wie beispielsweise Großkatzen sind bisher leider noch nicht in dem Verbot miteingeschlossen, sollen aber bald folgen. Das stellt langfristig ein Ende von Wildtieren in Zirkussen dar.

Sue Austin, 08.09.2020: https://www.shropshirestar.com/news/local-hubs/mid-wales/2020/09/08/wild-animals-circus-ban-in-wales/  (englisch)
RND, 29.09.2020: https://www.rnd.de/panorama/verbot-keine-wilden-tiere-mehr-in-frankreichs-zirkussen-und-aquarien-XXZI6SMPVCFOY6UBY6OUCJMENI.html
Los Angeles Daily News, 18.02.2020: https://www.dailynews.com/2020/02/18/la-makes-it-illegal-to-rent-wild-animals-to-parties-for-entertainment/ (englisch)
Zeit Online, 19.11.2020: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-11/tierschutz-julia-kloeckner-zirkus-wildtiere-haltung-verbot-bundeslandwirtschaftsministerium

Verordnung zum Schutz von Wildtieren in Vietnam

Nachdem zu Beginn der Corona-Pandemie zunächst das Schuppentier im Verdacht stand, Zwischenwirt für das Virus gewesen zu sein, hat die vietnamesische Regierung einen längt überfälligen Schritt in Richtung Tierschutz getan. »Eine im Juli erlassene Verordnung soll bewirken, dass stärker gegen den illegalen Wildtierhandel und das damit verbundene Tierleid vorgegangen wird. In der Verordnung untermauerte der vietnamesische Premierminister, dass dies vor allem der Vorbeugung künftiger Pandemien diene – wobei aus Tierschutzsicht bereits das Leid der Tiere durch den illegalen Wildtierhandel Grund genug gewesen wäre, gesetzgeberisch tätig zu werden. So oder so bedeutet die neue Verordnung, sofern auch wirklich konsequent umgesetzt, dass geltende Gesetze zum Schutz der Wildtiere in Vietnam endlich flächendeckend umgesetzt werden könnten. Märkte und andere Handelsplätze (auch der Online-Handel) sollen für den illegalen Wildtierhandel geschlossen werden. Zudem sollen Personen, die in den Handel mit Wildtieren involviert sind – von der Jagd bis zum Verkauf –, von den Behörden schärfer als bislang verfolgt und bestraft werden.

Globaltimes, 09.06.2020: https://www.globaltimes.cn/content/1191044.shtml (englisch)
Wildaid, 23.07.2020: https://wildaid.org/vietnams-prime-minister-issues-new-wildlife-directive-shows-strong-leadership-in-protecting-species-and-global-health/
(englisch)

Weniger Tierversuche und mehr Alternativen

Auch in dem Bereich Tierversuche hat sich in diesem Jahr einiges getan: Nach der EU und Ländern wie Neuseeland, Indien, Norwegen und Australien wird jetzt auch in Kolumbien ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetikprodukte und deren Inhaltsstoffe eingeführt, welches 2024 in Kraft tritt. Zudem werden immer mehr Methoden gefunden, um Tierversuche in Zukunft gänzlich ersetzen zu können. An der Medizinischen Universität Innsbruck wird zum Beispiel an Hautmodellen aus dem 3D-Drucker gearbeitet und an der Technischen Universität München werden Miniatur-Därme aus menschlichem Darmgewebe erstellt, um Tierversuche umgehen zu können.

Louise-Prance-Miles, 14.08.2020: https://www.globalcosmeticsnews.com/colombian-president-signs-law-to-ban-use-of-animals-in-cosmetics-testing-by-2024/ (engilsch)
Kurier, 03.09.2020: https://kurier.at/wissen/wissenschaft/menschliche-haut-aus-dem-3d-drucker-soll-tierversuche-vermeiden/401019839
TUM, 14.10.2020: https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/details/36251/

Neuer EU-Untersuchungsausschuss zu Tiertransporten

Da jährlich Milliarden Nutztiere quer durch Europa transportiert werden und es häufig an den einfachsten Tierschutz-Standards wie Trinkwasser und ausreichend Platz mangelt, wurde ein EU-Untersuchungsausschuss zu Tiertransporten eingerichtet. Dieser soll Missstände und Verstöße gegen EU-Recht bei Tiertransporten aufdecken und die Einhaltung von Tierschutzstandards sichern.

Topagrar, Thomas A. Friedrich, 20.06.2020: https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/eu-parlament-setzt-untersuchungsauschuss-tiertransporte-ein-12090923.html

EU will illegalen Haustierhandel bekämpfen

Bereits im Januar 2020 hat der Ausschuss für öffentliche Gesundheit im Europaparlament dafür gestimmt, die EU-Kommission aufzufordern, ein verpflichtendes EU-System zur Kennzeichnung und Registrierung von Katzen und Hunden einzuführen sowie weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Haustierhandels aufzunehmen. Im Februar hat das EU-Parlament der Entschließung zugestimmt. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des illegalen Handels mit Hunden und Katzen, die oftmals aus nicht tiergerechten Vermehrungsstationen kommen und unter Krankheiten leiden.

Wiener Zeitung, 21.01.2020: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/2046788-EU-Parlament-fuer-verpflichtendes-Meldesystem-fuer-Hunde-und-Katzen.html
Aktuelles Europäisches Parlament, 12.02.2020: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/priorities/tierschutz-und-tiergesundheit/20200117STO70506/illegaler-handel-mit-welpen-und-katzenbabys-parlament-fordert-massnahmen

All den Herausforderungen dieses weltweit sehr besonderen Jahres zum Trotz, machen diese Erfolge deutlich: Es gibt immer auch eine ganze Reihe an positiven Entwicklungen und Ereignissen, die Hoffnung schenken und zuversichtlich stimmen. Danke, dass Sie, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunden, treu an der Seite der Tiere stehen – komme was wolle.

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