Tiermärkte in Osteuropa – Wenn Pferde zur Schlachtware werden

Anfang März findet der größte Pferdemarkt Europas im südpolnischen Skaryszew statt. Doch wer hier an eine Veranstaltung mit schicker Pferdeschau und dem neusten Schnick-Schnack für Pferdeliebhaber denkt, irrt sich. Wie viele Tiermärkte in Polen und Rumänien gilt auch dieser, seit 1433 bestehende Markt, als einer der größten Umschlagorte für ausgediente Nutztiere.

Pferde stehen hoch im Kurs

Einmal jährlich, zuletzt vom 23.-24. Februar 2015, kommen bis zu 10.000 Pferdehändler nach Skaryszew, um mit Tieren aus Osteuropa sowie Holland und Deutschland zu handeln. Die Händler pferchen die Pferde in alte Anhänger und transportieren diese über hunderte Kilometer ans Ziel.

Für die „Ware“ Pferd ist der Markt nur ein kurzer Zwischenstopp auf einer langen Fahrt in den Tod, denn sie sind vorrangig für die Schlachthöfe Italiens, Frankreichs, Belgiens und der Niederlande bestimmt.

Skaryszew ist kein Einzelfall

Polen und Rumänien sind Magneten für Tierhandel dieser Art. Im polnischen Bodzentyn findet seit über 400 Jahren zweimal wöchentlich ein „traditioneller“ Tiermarkt statt. Hier werden hunderte Rinder sowie an die tausend Pferde gehandelt. In Rumänien gibt es ca. 233 solcher wöchentlich stattfindenden Märkte, auf denen neben den Dingen des alltäglichen Lebens, auch Tiere wie Kälber und Wasserbüffel, aber vor allem Pferde verkauft werden.

Alte Tradition trifft auf skrupellose Geschäftemacher

Die Zustände auf den Märkten sind oft erschreckend. Die Tiere stehen dicht gedrängt in Eiseskälte und Matsch, häufig ohne jegliche Wasser- und Futterversorgung, was zu extremen Stress führt. Die Mehrzahl ist bereits durch den Transport und das Be- und Entladen schwer gekennzeichnet. Wunden bleiben meist unversorgt oder werden behelfsmäßig rein optisch z.B. mit silberfarbenem Autolack kaschiert, um keinen Preisverlust zu erleiden. Um die malträtierten, erschöpften Tiere voranzutreiben, kommen neben Holz- und Eisenstangen sogar Elektrotreiber an empfindlichsten Körperstellen zum Einsatz.

Fehlende Kontrollinstanzen

Zwar gibt es in Polen und Rumänien Gesetze und Verordnungen zum Schutz der Tiere, diese werden jedoch noch unzureichend umgesetzt. So findet auf dem Markt im rumänischen Agnita mittels EU-Richtlinien inzwischen eine Zauntrennung statt: auf der einen Seite findet man Händler mit gechipten Tieren und offiziellem Tierpass, auf der anderen Kleinbauern deren Tiere keinen Gesundheits- oder Herkunftsnachweis haben. Möglichkeiten, die Richtlinien zu umgehen und an Pässe zu kommen, gibt es nach wie vor. Brüssel ist weit weg.

Handeln

Die Verlierer sind letztendlich die Tiere. So kostet auf Märkten beispielsweise ein Kilo lebend Jungpferdefleisch 1,90 €, verkauft in Italien an der Fleischtheke für 12 €. Es ist hauptsächlich privaten Initiativen sowie verschiedenen Tierschutzorganisationen zu verdanken, dass die katastrophalen Umstände unter denen diese Tiere gehandelt werden, an die Öffentlichkeit gelangen.

Der MDR berichtete am 2.3.2015 über den Pferdemarkt von Skaryszew 2015
>> zum Beitrag auf MDR.de

So können auch Sie sich für die Tiere stark machen:

– Nachfrage bestimmt den Preis: Verzichten Sie auf Billigfleisch und kaufen Sie tierische Erzeugnisse bei regionalen Bauernbetrieben mit einsehbarer Tierhaltung, die sie im Idealfall vorher selbst besucht haben. Verbreiten Sie diesen Artikel in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.
– Unterschreiben Sie die Petition auf change.org gegen den grausamen Tierhandel.

Quellen
Tiermärkte, Pferdeschauen und Tiertransporte in Rumänien (Animals Angels)
Respekt vor dem Pferd (Provieh)
Polen: Tierleid auf Pferdemarkt (Vier Pfoten)
Europas größter Pferdemarkt in Polen (taz)
Polnischer Tiermarkt (Polenturist.de)
Missstände auf Europas größtem Pferdemarkt in Polen (tierrechte-bw.de)

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14 thoughts on “Tiermärkte in Osteuropa – Wenn Pferde zur Schlachtware werden

  1. Patrizia Reply

    Jedes Lebewesen hat ein recht auf ein freudiges Leben!

    Stoppt diese Tierquälerei ! ! !

  2. Jürgen Hämmerli Reply

    Die „menschliche“ Gesellschaft sollte danach beurteilt werden, wie sie mit Ihren Tieren umgeht

  3. Polito-Trösch Jutta Reply

    Es reicht mit den ständigen Tierquälereien. Stoppt diese endlich in Brüssel!

  4. Marlene Bräunling Reply

    Tiere sind Lebewesen, die genauso wie wir Menschen Schmerzen empfinden, Hunger u. Durst leiden, auf Stress und gewalttätige Behandlung empfindlich reagieren. Wie bringen es „Menschen“ fertig, wehr- und schutzlose Tiere so grausam zu quälen? Schluss damit !!!

  5. Ilona Reply

    Tiere sind keine Handelswaren, sie freuen
    Sich und sie sind traurig und weinen und fühlen schmerz wie wir Menschen
    Mensch —-wann wirst du endlich wach????????

  6. Zeugner, Sabine und Winfried Reply

    Es ist furchtbar, was heutzutage den Tieren angetan wird, wie sie gequält, malträtiert, ja gefoltert werden. Und als einzelner Mensch hier in Deutschland ist man hilflos, lässt uns weinen und keine Nacht mehr ruhig schlafen. Der Mensch, die Krone der Schöpfung – welcher Hohn. Die Tiere sind auch Gottes Geschöpfe und haben ein Recht, würdevoll zu leben bzw. gehalten zu werden. Wo sind wir nur hingeraten.—–
    Schluss damit. – Sabine und Winfried Zeugner

    • Maria Strasser Reply

      Ihre Antwort auf die Tiere spricht mir aus dem Herzen. Mich beschäftigen die Schreie und Bilder der gequälten Tiere Tag und Nacht. Ich habe das Gefühl, man kann nichts ausrichten. Die meisten Menschen sehen es nicht und wenn man darüber spricht, so wird man nur belächelt und erhält zynische Antworten. Ich wache oft Nachts auf mit Herzschmerzen, wenn ich die gequälten Kühe und auch andere Tiere sehe (wie sie in Bildern vor mir ablaufen). Ich kann damit nicht umgehen, wenn ich mich aber mehr mit den grausamen Methoden / Bildern beschäftige, so kann ich nicht damit umgehen. Es ist schwierig. So ernähre ich mich ganz bewusst – zu 90 % fleischlos und dann nur, wenn ich weiß, woher das Tier stammt. Kann leider nicht 100 % ohne. Die Massentierhaltung macht mich halt verrückt. Würde am liebsten ein Büchlein über Kühe schreiben und wie sie fühlen, wie man mit ihnen umspringt, was man tun kann, aber dazu müsste ich mich mit all den Grausamkeiten im Detail beschäftigen und das pack ich noch nicht. Hoffe, dass ich bald ganz stark werde und darüber stehen kann.
      Sorry, für die lange Antwort, aber Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen.
      Lieben Gruß aus Bayern Maria

  7. Wilfried Haupt Reply

    Ja solange Menschen mit Tieren Geld verdienen dürfen, solange werden sie auch unmoralisch sein.
    Wie sagte einst ein bekannter dichter.
    Solange es Schlachthöfe gibt solange wird es auch Schlachtfelder geben.
    Das heißt dann also:
    „solange du Fleisch isst, solange bist du wohl mehr oder weniger Mitschuldig“

  8. Heidi Krause Reply

    Das ist grausam, brutal. Keine Tier soll so behandelt werden. Tiere haben auch Rechte.

  9. Sigrid Reply

    Ich bin seit nunmehr 35 Jahre Vegetarierin. Der Grund ist die grausame Massentierhaltung und der Umgang der in dieser Beziehung verrohten „Menschenmasse“ mit den Tieren. Es schmerzt mich zutiefst und mir kommen oft die Tränen! Wo ich kann versuche ich die gepeinigten Mitgeschöpfe zu schützen! Ich hoffe sehr dass immer mehr Menschen begreifen was hier abläuft und die Augen nicht verschließen!

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