© Nic Bothma/epa

WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen im Armenviertel Khayelitsha

Vielleicht erinnern Sie sich an die berührenden Worte unserer südafrikanischen Partner der Mdzananda Animal Clinic (MAC): »Wir haben Angst“, so schrieben sie es uns im März, noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Tatsächlich hat sich die Situation seitdem stark verschlechtert: Seit Monaten sind immense Herausforderungen zu stemmen, um den Schutz der Tiere in der Township aufrecht zu erhalten – dafür leisten wir durch den WTG-Nothilfefonds jetzt dringend notwendige Zusatzhilfe.

Der WTG-Nothilfefonds

Um Tieren und unseren Partnern vor Ort in diesen unsicheren Zeiten zur Seite zu stehen, haben wir den WTG-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Dieser soll an die Situation angepasste, individuelle Zusatzhilfe zum Schutz der Tiere in unseren Einsatzländern ermöglichen. »Bitte spenden Sie!

Von tiermedizinischer Basisversorgung durch Impfungen und Anti-Parasiten-Behandlungen über Kastrationen bis hin zur Rettung schwer kranker oder verletzter Tiere in der stationären Klink: Unsere Partner der MAC sind normalerweise Tag für Tag für die unzähligen Hunde und Katzen in der Township Khayelitsha da. Neben einer Notfallambulanz und einer stationären Klinik bieten wir mit der mobilen Tierklinik die einzige Hilfe auch in den abgelegenen Teilen der Township – wir sind dort, wo sonst kaum eine Tierhilfe möglich wäre. Daneben leisten wir intensive Bildungsarbeit, um mehr Wissen und Sensibilität im Hinblick auf die Hilfsbedürftigkeit und den Schutz von Tieren in der Bevölkerung zu verankern.

All das sind dringend notwendige Maßnahmen, die Tierleben unmittelbar retten. Doch vieles davon ist seit dem 27. März – dem Beginn der Coronakrise in Südafrika – nicht mehr möglich.

Hintergrund: Mobile Haustierklinik in Südafrika

Am Stadtrand von Südafrikas Urlaubsmetropole Kapstadt liegt eine der größten Townships des Landes. Auf knapp 40 km² leben bis zu 1 Million Menschen und unzählige Haustiere. Lediglich zwei Tierarztpraxen bieten tiermedizinische Versorgung an, können die schiere Menge allerdings nicht bewerkstelligen. Eine mobile Haustierklinik versucht diese Lücke nun zu füllen. Durch intensive Bildungsarbeit sollen die Bewohner darüberhinaus für mehr Tierschutzbewusstsein sensibilisiert werden.

Mehr zum Projekt

Tierschutzarbeit im Corona-Hotspot

Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte sind Armenviertel wie Khayelitsha Corona-Hotspots. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Bewohner*innen in Folge von Vorerkrankungen (u.a. Diabetes, HIV)  zu Risikogruppen zählen. Auch viele Mitarbeiter*innen unserer Partner leben vor Ort, sind also täglich der erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. In erster Linie galt für uns also auch, den Schutz unserer Partner sicherstellen zu können.

Mit Erlass eines besonders strengen Lockdowns zur Eindämmung des Coronavirus wurde das Projekt von einem auf den anderen Tag dann gänzlich auf den Kopf gestellt.

Von Ende März bis Ende August durften grundsätzlich keinerlei mobile Kliniken durchgeführt werden. Auch war es der stationären Klinik in der ersten Phase des Lockdowns nur erlaubt, Tiere zu behandeln, die lebensbedrohlich verletzt oder erkrankt waren. Selbst Impfungen und Kastrationen als gleichermaßen wichtige Maßnahmen für den Schutz der zahlreichen Hunde und Katzen in Khayelitsha durften nur in Kombination im Rahmen der erlaubten, dringend notwendigen Behandlungen, durchgeführt werden.

Um unter den gegebenen Umständen bestmöglich für das Wohl der zahlreichen notleidenden Hunde und Katzen in Khayelitsha sorgen zu können, dabei aber die Gesundheit unserer Partner nicht zu gefährden, mussten im ersten Schritt umgehend Strukturen und Abläufe angepasst werden: So wurde das Team in zwei Gruppen aufgeteilt und wochenweise im Wechsel eingesetzt. Mittlerweile arbeitet das Team wieder in voller Besetzung, doch werden Mitarbeiter*innen ohne eigenes Auto täglich mit einem Kleinbus von ihrem Wohnort abgeholt und nach dem Dienst wieder nach Hause begleitet. So wird vermieden, dass sie auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen müssen und sich und die Kolleg*innen dem Risiko einer Ansteckung aussetzen.

Eine weitere Maßnahme zur Reduzierung der Infektionsgefahr ist, dass Tierhalter*innen die Räumlichkeiten der stationären Klinik unserer Partner vorerst nicht mehr betreten dürfen, sondern die zu behandelnden Tiere dem Personal am Tor übergeben müssen. Den offiziellen staatlichen Anweisungen folgend, wurde außerdem der an die Klink angeschlossene Tierfutterhandel für mehrere Wochen geschlossen. Auch Interessenten für Adoptionen konnten nicht empfangen werden. Dadurch wurde zwar das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus weitgehend reduziert, jedoch fielen auch zwei wichtige Einnahmequellen weg, die unserem Partner eine finanzielle Stütze boten.

WTG-Nothilfefonds: Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Immerhin: Der Betrieb der Notfallambulanz – in der stationären Klinik unserer Partner – konnte aufrecht erhalten bleiben.

In den vielen Monaten, in denen wir die zahlreichen hilfsbedürftigen Tiere nicht im Rahmen unserer mobilen Klinken – dem Herzstück unserer Zusammenarbeit – versorgen konnten, bewies die Notfallambulanz ihren großen Nutzen. Ob Tierhalter*innen, die nicht die Möglichkeit haben, ihr hilfsbedürftiges Tier selbst in die stationäre Klink zu transportieren, oder Bewohner*innen der Township, die ein verletztes oder krankes Tier sichten: Sie alle können unsere Partner telefonisch rund um die Uhr kontaktieren und die Notfallambulanz anfordern. Dank der intensiven Bildungsarbeit, die in der Vergangenheit in Khayelitsha geleistet wurde, funktioniert dieses System hervorragend und konnte vielen Tieren trotz Corona-Lockdown das Leben retten.

WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Mit steigender Not der Menschen, nimmt auch Tierleid zu

Doch die Erfahrung zeigt: Wenn sich die Not der Menschen verstärkt, schlägt sich dies schnell auch in mehr Tierleid nieder. Vermehrt kam es besonders im Juni zu Aussetzungen und einer „Flut“ hilfsbedürftiger Welpen. In nur einer Woche kamen 30 notleidende herrenlose Hunde – davon zahlreiche Welpen – in die Obhut unserer Teams, die allesamt eine Intensivversorgung benötigten. Normalerweise sind es maximal drei Tiere pro Woche.

WTG-Nothilfefonds: Für den Streunerschutz in Südafrika

Lilly –  schwer verletzter Welpe

Neben vielen besitzerlosen und ungewollten Welpen wurde auch Lilly in der stationären Klink unserer Partner versorgt. Sie wurde von ihren Haltern mit einer riesigen Bisswunde am Kopf gebracht – in einer Auseinandersetzung mit einem anderen Hund hatte sie sich so schwer verletzt. Umgehend wurde Lillys Wunde desinfiziert, tiermedizinisch versorgt und es wurde ein Kopfverband angelegt. Nach zwei Wochen, in denen es Lilly Tag für Tag besser ging, konnte der Verband entfernt werden. Die Wunde war hervorragend verheilt und kaum noch zu sehen. Ein Schrecken mit gutem Ende.

Mit ihrem unermüdlichen Einsatz haben unsere Partner – aller Herausforderungen und Hürden, die der Corona-Lockdown mit sich gebracht, hat zum Trotz – den Betrieb der Tierklink durchgehend ermöglicht und damit sichergestellt, dass Hunde wie Lilly die überlebenswichtige Versorgung erhalten konnten.

 

Auch die Kriminalität floriert

In den letzten Wochen hatten unsere Partner aber nicht nur mit dem vermehrten Tierleid zu kämpfen. Zu allem Überfluss wurde die stationäre Klinik am helllichten Tag überfallen und dabei Laptops, Bildschirme, Handys der Mitarbeiter*innen sowie Bargeld gestohlen – ein weiterer Rückschlag für die ohnehin schon am Rande der Existenz stehende stationäre Tierklinik und ein erschreckendes Beispiel, das deutlich macht, mit welchem Risiko sich unsere Partner tagtäglich für den Schutz der Hunde und Katzen in Khayelitsha einsetzen – trotz oder gerade in dieser beispiellosen Krisenzeit! Dieser Vorfall sowie ein weiterer Einbruchversuch in der Nacht des 25. Juli wurden zum Anlass genommen, die Klink noch besser zu schützen. Eine Sicherheitsfirma bewacht nun rund um die Uhr das Gelände, zum Schutz der Mitarbeiter*innen und der Tiere.

 

WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Es sind beispiellos schwere Zeiten – und die Herausforderungen für unsere Partner übersteigen die Grenzen des Vorstellbaren. Damit die Arbeit zum Schutz der Tiere in Khayelitsha – die gerade jetzt nötiger denn je ist – nicht aussetzen muss, stellen wir zusätzliche Hilfe bereit.

Durch Mittel aus dem WTG-Nothilfefonds können wir die Kosten tragen für:

  • eine Überwachung und Sicherung des Geländes und den Schutz von Menschen und Tieren durch eine Sicherheitsfirma,
  • einen Teil der Gehälter der Mitarbeiter*innen, die während des Lockdowns zusätzlich in der stationären Klink eingesetzt wurden
  • sowie einen Teil der Tiermedizin und -futtermittel, deren Preise durch Corona gestiegen sind.

 

Von Herzen danken wir allen Tierfreundinnen und Tierfreunden, die den WTG-Nothilfefonds mit ihrer Spende unterstützen! Bitte stellen Sie sich an die Seite der Tiere – von Krankheit, Hunger und nun auch den Folgen der Coronakrise geplagt, brauchen die Vierbeiner Menschen wie Sie.

Der WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen in Khayelitsha

Schon mit 30 EUR übernehmen Sie die Kosten für die Behandlung eines verletzten Tieres wie Lilly.

Jetzt spenden

Lesen Sie auch: Tierschutz in der Coronakrise

Coronavirus SARS-CoV-2: Was Tierhalter*innen jetzt wissen müssen

Kann mein Haustier das Coronavirus bzw. COVID-19 übertragen? Wer wird im Falle einer Quarantäne meinen Hund betreuen? Wie… Weiterlesen »

Der Krise zum Trotz: Elefantenschutz auf Sumatra muss weitergehen!

Unverschuldet geraten viele internationale Tierschutzprojekte derzeit in große Nöte. Auch auf Sumatra sind wir daher mit dem WTG-Nothilfefonds… Weiterlesen »

WTG-Nothilfefonds für den Elefantenschutz

Unverschuldet geraten viele internationale Tierschutzprojekte derzeit in große Nöte. Auch auf Sumatra sind wir daher mit dem WTG-Nothilfefonds… Weiterlesen »

Wie geht es Mimi und ihrem Jungen?

Mimi und ihr Baby sind im Schutzzentrum unserer Partner in besten Händen und können sich von den Qualen… Weiterlesen »

Faultier Mimi kämpft

Zum Weltfaultiertag machen wir auf das tragische Schicksal vieler Faultiere aufmerksam. Denn nicht mehr nur der schwindende Lebensraumverlust… Weiterlesen »

#TeamTierschutz: denn Tierschutz fängt beim Menschen an!

Die Coronakrise hat es deutlich gemacht: Wachsen die Nöte weltweit für jede*n Einzelne*n, leiden vor allem die Schwächsten… Weiterlesen »

Im Kampf gegen die Tollwut

Bis heute sterben in der Hauptstadt Lilongwe jedes Jahr noch zahlreiche Menschen, die sich über einen Biss von… Weiterlesen »

Zola will leben!

Ihr leises Wimmern, die unterwürfige Körperhaltung und nicht zuletzt der eindringliche Blick: Zola, so tauften wir den Welpen hier am Stadtrand… Weiterlesen »

Einsatz am Limit: Corona-Nothilfe in Indien

Es fehlt für die Tiere in dieser katastrophalen Situation an allen Enden: Weder Futter noch Wasser sind leistbar,… Weiterlesen »