© Nic Bothma/epa

Abgeschlossen: WTG-Nothilfefonds für Hunde und Katzen im Armenviertel Khayelitsha

Vielleicht erinnern Sie sich an die berührenden Worte unserer südafrikanischen Partner der Mdzananda Animal Clinic (MAC): »Wir haben Angst“, so schrieben sie es uns im März 2020 – noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Tatsächlich verschlechterte sich die Situation im Zuge der Coronakrise stark: Monatelang mussten immense Herausforderungen gestemmt werden, um den Schutz der Tiere in der Township aufrecht zu erhalten. Mit Mitteln aus dem WTG-Nothilfefonds standen wir unserem Partner dabei zur Seite.

Der WTG-Nothilfefonds

Um Tieren und unseren Partnern vor Ort in diesen unsicheren Zeiten zur Seite zu stehen, haben wir den WTG-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Dieser soll an die Situation angepasste, individuelle Zusatzhilfe zum Schutz der Tiere in unseren Einsatzländern ermöglichen. »Bitte spenden Sie!

Mobile Haustierklinken in Südafrika

Von tiermedizinischer Basisversorgung durch Impfungen und Anti-Parasiten-Behandlungen über Kastrationen bis hin zur Rettung schwer kranker oder verletzter Tiere in der stationären Klink: Unsere Partner der MAC sind normalerweise Tag für Tag für die unzähligen Hunde und Katzen in der Township Khayelitsha da. Neben einer Notfallambulanz und einer stationären Klinik bieten wir mit der mobilen Tierklinik die einzige Hilfe auch in den abgelegenen Teilen der Township – wir sind dort, wo sonst kaum eine Tierhilfe möglich wäre. Daneben leisten wir intensive Bildungsarbeit, um mehr Wissen und Sensibilität im Hinblick auf die Hilfsbedürftigkeit und den Schutz von Tieren in der Bevölkerung zu verankern.

Zum Projekt: https://welttierschutz.org/projekte/streuner/mobile-haustierklinik-in-suedafrika/ 

All das sind dringend notwendige Maßnahmen, die Tierleben unmittelbar retten. Doch vieles davon war mit Beginn der Coronakrise in Südafrika nicht mehr in gewohnter Weise möglich.

Tierschutzarbeit im Corona-Hotspot

Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte sind Armenviertel wie Khayelitsha Corona-Hotspots. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Bewohner*innen in Folge von Vorerkrankungen (u.a. Diabetes, HIV) zu Risikogruppen zählt. Auch viele Mitarbeiter*innen unserer Partner leben vor Ort, sind also täglich der erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. In erster Linie galt für uns also auch, den Schutz unserer Partner sicherzustellen.

Zudem durften von Ende März bis Ende August grundsätzlich keinerlei mobile Kliniken durchgeführt werden. Auch war es der stationären Klinik in der ersten Phase des Lockdowns nur erlaubt, Tiere zu behandeln, die lebensbedrohlich verletzt oder erkrankt waren. Selbst Impfungen und Kastrationen als gleichermaßen wichtige Maßnahmen für den Schutz der zahlreichen Hunde und Katzen in Khayelitsha durften nur im Rahmen der erlaubten, dringend notwendigen Behandlungen durchgeführt werden.

Um unter den gegebenen Umständen bestmöglich für das Wohl der zahlreichen notleidenden Hunde und Katzen in Khayelitsha sorgen zu können, dabei aber die Gesundheit der Mitarbeiter*innen nicht zu gefährden, mussten im ersten Schritt umgehend Strukturen und Abläufe angepasst werden: So wurde das Team in zwei Gruppen aufgeteilt und wochenweise im Wechsel eingesetzt. Mittlerweile arbeitet das Team wieder in voller Besetzung, doch werden Mitarbeiter*innen ohne eigenes Auto täglich mit einem Kleinbus von ihrem Wohnort abgeholt und nach dem Dienst wieder nach Hause begleitet. So wird vermieden, dass sie auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen müssen und sich und die Kolleg*innen dem Risiko einer Ansteckung aussetzen.

Eine weitere Maßnahme zur Reduzierung der Infektionsgefahr ist, dass Tierhalter*innen die Räumlichkeiten der stationären Klinik unserer Partner vorerst nicht mehr betreten dürfen, sondern die zu behandelnden Tiere dem Personal am Tor übergeben müssen.

WTG-Nothilfefonds: Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Nachdem die mobilen Klinken zum Jahresende 2020 dann kurzzeitig wieder aufgenommen werden konnten, müssen sie seit Jahresanfang angesichts des erneut zunehmenden Infektionsgeschehens in Südafrika wieder ausgesetzt werden.

Aber der Betrieb der Notfallambulanz konnte durchgängig aufrechterhalten werden und Tag für Tag zahlreiche Tierleben retten.

In den vielen Monaten, in denen wir die zahlreichen hilfsbedürftigen Tiere nicht im Rahmen unserer mobilen Klinken – dem Herzstück unserer Zusammenarbeit – versorgen konnten und auch können, beweist die Notfallambulanz ihren großen Nutzen. Ob Tierhalter*innen, die nicht die Möglichkeit haben, ihr Tier selbst in die stationäre Klink zu transportieren, oder Bewohner*innen der Township, die ein verletztes oder krankes Tier sichten: Sie alle können unsere Partner telefonisch rund um die Uhr kontaktieren und die Notfallambulanz anfordern. Dank der intensiven Bildungsarbeit, die bereits in der Vergangenheit in Khayelitsha geleistet wurde, funktioniert dieses System hervorragend und kann auch jetzt, in Zeiten des Corona-Lockdowns, das Leben vieler Tiere retten.

WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Mit steigender Not der Menschen nimmt auch Tierleid zu

Doch die Erfahrung zeigt: Wenn sich die Not der Menschen verstärkt, schlägt sich dies schnell auch in mehr Tierleid nieder. Vermehrt kam es zwischenzeitlich zu Aussetzungen und einer „Flut“ hilfsbedürftiger Welpen. In nur einer Woche im Juni kamen 30 notleidende herrenlose Hunde – davon zahlreiche Welpen – in die Obhut unserer Teams, die allesamt eine Intensivversorgung benötigten. Normalerweise sind es maximal drei Tiere pro Woche.

WTG-Nothilfefonds: Für den Streunerschutz in Südafrika

Lilly –  schwer verletzter Welpe

Neben vielen besitzerlosen und ungewollten Welpen wurde auch Lilly in der stationären Klink unserer Partner versorgt. Sie wurde von ihren Halter*innen mit einer riesigen Bisswunde am Kopf gebracht – in einer Auseinandersetzung mit einem anderen Hund hatte sie sich so schwer verletzt. Umgehend wurde Lillys Wunde desinfiziert, tiermedizinisch versorgt und es wurde ein Kopfverband angelegt. Nach zwei Wochen, in denen es Lilly Tag für Tag besser ging, konnte der Verband entfernt werden. Die Wunde war hervorragend verheilt und kaum noch zu sehen. Ein Schrecken mit gutem Ende.

Mit ihrem unermüdlichen Einsatz haben unsere Partner – aller Herausforderungen und Hürden, die der Corona-Lockdown mit sich gebracht hat, zum Trotz – den Betrieb der Tierklink durchgehend ermöglicht und damit sichergestellt, dass Hunde wie Lilly die überlebenswichtige Versorgung erhalten konnten.

 

Inmitten der Coronakrise stellte zudem die Versorgung am »Parvovirus erkrankter Hunde unsere Partner vor zusätzliche Herausforderungen. Mit Zahlen, die den monatlichen Durchschnittwert um bis zu 250 Prozent überstiegen, wurde die höchste Anzahl an registrierten Fällen seit Dokumentationsbeginn vor 24 Jahren registriert. Ein Zusammenhang mit den ausgebliebenen Impfungen während des strengen Lockdowns wird vermutet.

Auch die Kriminalität floriert

In den vergangenen Monaten hatten unsere Partner aber nicht nur mit dem vermehrten Tierleid zu kämpfen. Zu allem Überfluss waren sowohl die Notfallambulanz als auch die stationäre Klinik mehrfach das Ziel von Überfällen und Einbrüchen. So wurde die Klinik am helllichten Tag überfallen und dabei Laptops, Bildschirme, Handys der Mitarbeiter*innen sowie Bargeld gestohlen – ein traumatisches Ereignis für unsere Partner und ein weiterer Rückschlag für die ohnehin schon am Rande der Existenz stehende stationäre Tierklinik. Diese Vorfälle sowie weitere Einbruch- und Überfallversuche – insgesamt fünf an der Zahl – machen deutlich, mit welchem Risiko sich unsere Partner tagtäglich für den Schutz der Hunde und Katzen in Khayelitsha einsetzen – trotz oder gerade in dieser beispiellosen Krisenzeit! Sie wurden daher auch von uns zum Anlass genommen, die Klink noch besser zu schützen: Eine Sicherheitsfirma bewachte mit unserer Unterstützung die letzten Monate rund um die Uhr das Gelände, zum Schutz der Mitarbeiter*innen und der Tiere.

WTG-Nothilfefonds: Für Hunde und Katzen in Khayelitsha
© Nic Bothma/epa

Es sind beispiellos schwere Zeiten, in denen die Herausforderungen für unsere Partner die Grenzen des Vorstellbaren übersteigen. Damit die Arbeit zum Schutz der Tiere in Khayelitsha nicht aussetzen musste, konnten wir durch die zusätzliche Hilfe aus dem WTG-Nothilfefonds den Fortbestand des Projektes sicherstellen. Jetzt sind wir im Rahmen unserer laufenden Zusammenarbeit und dem Einsatz der Notfallambulanz weiter für die Tiere im Einsatz.

Danke, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, wenn Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende ermöglicht haben. Um auch in Zukunft fest an der Seite bleiben zu können, unterstützen Sie den WTG-Nothilfefonds nach Möglichkeit weiter. Die Nöte weltweit wachsen – und somit der Bedarf für wertvolle Tierschutzarbeit.

Der WTG-Nothilfefonds: Schutz für Streuner

Mit 70 Euro ermöglichen Sie die tiermedizinische Erstversorgung eines Hundes.

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