TIERÄRZTE WELTWEIT in Malawi

Tierschutz in einem der ärmsten Länder der Welt

© Lilongwe Society for the Protection and Care of Animals

Schätzungsweise 50 Millionen Nutztiere und 1,5 Millionen streunende Hunde leben im südostafrikanischen Malawi. Für die rund 30 Tierärzte, die derzeit im Land arbeiten, besteht keine Chance alle Tiere zu erreichen. Seit 2014 werden endlich die ersten Tiermedizinstudenten im Land ausgebildet - und von Beginn durch TIERÄRZTE WELTWEIT begleitet. Nach drei einwöchigen Intensivkursen zu  Tierschutzaspekten im Berufsalltag, nehmen sie nun studienbegleitend jede Woche an mobilen Tierkliniken teil.

Hintergrund: Malawi, Afrika

Hauptstadt: Lilongwe
Fläche: 118.480 km²
Einwohner: Ca. 16 Millionen
Amtssprache: Englisch, Chichewa
Rang 173 von 188 auf der Armutsrankingliste
Ca. 50 Millionen Nutztiere
Ca. 1,5 Millionen streunende Hunde
Nur 33 qualifizierte Tierärzte landesweit

Viele Tiere in Malawi leiden

Im südostafrikanischen Malawi ist die Armut groß. Es heißt, dass die Mehrheit der rund 16 Millionen Einwohner von weniger als 1 US-Dollar am Tag leben muss. Hühner, Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen dienen hier in erster Linie der Selbstversorgung. Manchmal kann durch ihren Verkauf auch ein kleines Einkommen generiert werden. Doch viele dieser Tiere leiden unter schlechten Haltungsbedingungen sowie Krankheiten. Hinzu kommen allein in der Hauptstadt Lilongwe etwa 45.000 umherstreunende Hunde. Da die meisten von ihnen weder kastriert noch medizinisch versorgt sind, vermehren sie sich unkontrolliert und übertragen mitunter gefährliche Krankheiten, wie z.B. die Tollwut.

Malawische Medizinstudenten in einem TIERÄRZTE WELTWEIT-Praxisworkshop

Praxiserfahrungen im Unialltag: Ein wegweisendes Konzept

Der 2014 eingeführte Studiengang der Tiermedizin an der Lilongwe University for Agriculture and Natural Resources (LUANAR) schafft Hoffnung für Malawis Tierwelt. Zusätzlich wird am angegliederten College der Studiengang Tiergesundheit & Viehzucht gelehrt. Die Absolventen beider Fachrichtungen benötigen für ihr späteres Berufsleben neben einer fachlich fundierten Ausbildung insbesondere auch umfangreiche Praxiserfahrung. Eine Komponente, die die Universität bisher nicht hinreichend leisten konnte.

Nutztiere: Der Gesundheitszustand einer Ziege wird überprüft

Gemeinsam mit der Universität und der lokalen Partnerorganisation Lilongwe Society for the Protection and Care of Animals (LSPCA) wurde daher ein für Malawi einmaliges Konzept entwickelt: Im Rahmen fest in den Lehrplan integrierter mobiler Klinken absolvieren die Studenten regelmäßige praktische Lerneinheiten und sammeln so die dringend notwendige Praxiserfahrung. Lernziele und Lernerfolgskontrollen werden von einer lokalen Koordinatorin in regelmäßigen Abständen eingefordert.

Mobile Klinken – für Tier und Mensch

Zusammen mit dem erfahrenen Team der LSPCA führen Studenten beider Studiengänge nach dem Rotationsprinzip zweimal pro Woche mobile Klinken in den Dörfern und Gemeinden rund um Lilongwe durch. Im Rahmen dieser Einsätze werden Haus- und Nutztiere kostenlos entwurmt, geimpft und im Falle von Krankheiten oder Verletzungen behandelt. Haustiere werden außerdem kastriert.

Unter fachkundiger Anleitung unserer lokalen Koordinatorin Dr. Robyn McCann gewinnen die Studenten Sicherheit bei Routineuntersuchungen, bei der Diagnose und Behandlung von Krankheitsbildern. Für die Tiermedizinstudenten liegt zudem ein weiterer Schwerpunkt auf dem Vorbereiten und Durchführen von Operationen.

Esel helfen beim Transport in Malawi

Darüber hinaus übernehmen die Studenten die Aufgabe, die anwesenden Tierhalter über die Bedürfnisse ihrer Tiere zu informieren, ihnen Hinweise und Empfehlungen hinsichtlich der tiergerechten Haltung an die Hand zu geben und sie über die Notwendigkeit und den Nutzen einzelner tiermedizinischer Maßnahmen zu informieren. Entsprechendes Informationsmaterial zum Tierschutz (u.a. Flyer, Poster) wird von den Studenten vorbereitet und bei den mobilen Kliniken genutzt.

Zusätzlich zu diesen Einsätzen soll den Tiermedizin-Studenten in naher Zukunft auch die Möglichkeit gegeben werden, ein Praktikum in der Tierklinik der LSPCA zu absolvieren, in dessen Rahmen sie Einblicke in die Abläufe und den Arbeitsalltag einer Tierklinik erhalten, an Beratungsgesprächen teilnehmen und bei Operationen assistieren können.

Mit ihrer praktischen Erfahrung und ihrem tierschutzrelevanten Wissen im Gepäck werden sie künftig erfolgreich zu mehr Tierwohl in ihrem Land beitragen können.

Tierschutzbewusstsein darf nicht an Armut scheitern

Thank you WTG! Stipendiaten bedanken sich bei der Welttierschutzgesellschaft
© Lilongwe University of Agriculture and Natural Resources (LUANAR)

Doch in Malawi Tierarzt zu werden, ist wegen der großen Armut nicht leicht. Viele Studierende haben Probleme, das Studium zu finanzieren. Für vier Tiermedizin-Studenten der Lilongwe University of Agriculture and Natural Resources (LUANAR) haben diese Sorgen ein Ende, denn dank eines TIERÄRZTE WELTWEIT-Stipendiums, können sie sich voll auf das Studium konzentrieren. Seit Beginn des Studienjahres 2017/18 werden in Malawi Stipendien vergeben. Dabei werden für besonders tierschutzaffine Studenten, die andernfalls ihr Studium aus finanzieller Not abbrechen müssten, die Studiengebühren sowie die Kosten für Mahlzeiten, Unterbringung und Lernmaterialien übernommen.

Mit der Teilnahme an dem Stipendienprogramm verpflichten sich die Studierenden, an Wochenenden und Feiertagen ehrenamtliche Tätigkeiten zu verrichten. So assistieren sie beispielsweise in einer Tierklinik, unterstützen bei staatlichen Tollwutimpfaktionen oder unterstützen bei der tiermedizinischen Versorgung auf der universitätseigenen Farm. Neben guten Noten ist dies eine Voraussetzung, dass sie ihr Stipendium weiter erhalten.

Ihre Ansprechpartnerin für Fragen:

Karin Siegmund
Vorständin der Welttierschutzstiftung

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ks@welttierschutz.org