„Galle-Bären"-Rettung in Vietnam

Soforthilfe für zwei geschundene Bären

© Free The Bears

Ihr Leben war die Hölle auf Erden: Über 20 Jahre mussten die zwei Mondbären in Vietnam in ihren engen Käfigen ausharren, regelmäßig zapften ihre Halter ihnen Gallenflüssigkeit ab. Zwei aufwendige Rettungsaktionen brachten nun die lang ersehnte Erlösung: Die Bären konnten befreit und in das Schutzzentrum unserer Partner transportiert werden.

Vietnam

Der Handel mit Bärengalle ist seit 2005 in Vietnam offiziell verboten. Aufgrund fehlender tiergerechter Unterbringungsmöglichkeiten verbleiben viele Bären jedoch auf den Farmen – und ihnen wird weiterhin illegal Gallesaft abgezapft. Um diesem grausamen Vorgehen ein Ende zu setzen, errichten wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Free The Bears (FTB) ein bärengerechtes Schutzzentrum im Cat Tien Nationalpark.

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Es sind Geschichten, die das Herz nahezu zerreißen. Fall Nummer Eins ist ein männlicher Mondbär, Nummer Zwei eine weibliche Artgenossin. An unterschiedlichen Orten – weit verstreut über das Land Vietnam – wurden sie über Jahre auf grausame Art und Weise gequält.

Beide Tiere waren beim Fund durch unsere Partner in extrem besorgniserregend schlechten Zustand. 

Der im Video dargestellte, männliche Bär hat einen Leidensweg von mindestens 18 Jahren hinter sich. Auf engstem Raum, umgeben von Beton und Eisenstangen, wurde ihm mehrmals die Gallenflüssigkeit entnommen. Sein Fell ist kahl, er weist gebrochene Krallen und rote Augen auf – sichtbare Resultate der jahrelangen Qual.

© Free The Bears

Die weibliche Bärin war 22 Jahre im Besitz ihres Halters und musste bis zu zweimal im Jahr die schmerzhafte Entnahme von Gallenflüssigkeit erleiden. In einen kleinen Käfig gesperrt – auf allen Seiten umgeben von Eisenstangen – konnte sie sich kaum bewegen. Ihr ganzes Körpergewicht presste sie auf die Stangen.

Rettung aus der Hölle

Nachdem die Halter eingewilligt hatten, ihre Tiere an unsere Partner zu übergeben, machte sich das Team unserer Partner von Free The Bears wiederholend und über den gesamten Februar hinweg auf den Weg, um eine Grundversorgung der Tiere sicherzustellen und gleichzeitig laufend Präsenz zu zeigen: Zu groß war die Gefahr, dass die Halter ihre Meinungen änderten – und ihre Bären dem illegalen Wildtierhandel zum Opfer fallen würden. Doch eine Rettung ist dieser Tage nicht unmittelbar möglich: Durch den Ausbruch des Coronavirus wurden die Regeln zum Transport von Wildtieren verschärft – eigentlich dürfen aktuell keine Tiere mehr außerhalb der Grenzen der eigenen Provinz transportiert werden. Ebenso sind die zuständigen Behörden stark ausgelastet – jetzt Genehmigungen zu erhalten, ist eine besondere Herausforderung.

So vergingen mehrere Tage, in denen unsere Nerven sehr angespannt waren. Wir wollten die Bären nicht eine weitere Sekunde in ihrem Leben voll Leid wissen. Nach mehreren Treffen mit den lokalen Behörden und unserer eindringlichen Forderung, die Bären in Sicherheit zu bringen, erhielten wir die Zusage für Ausnahmen. Nacheinander kamen daraufhin endlich die Genehmigungen: Der männliche Bär durfte als erster befreit werden. Wenige Tage später folgte dann die Rettung des Weibchens.

Dem Paradies ganz nah

Das achtköpfige Team unserer Partner hatte alle Vorbereitungen bereits getroffen und konnte direkt ausrücken: Über hunderte Kilometer transportierten sie die narkotisierten Tiere – untergebracht in Transportkäfigen – von ihren Fundorten in das Schutzzentrum über den Fluss zum Cat Tien Nationalpark.

Im Quarantänebereich des Schutzzentrums wurden die beiden dann einzeln und rund um die Uhr überwacht und versorgt. Das professionelle Team unserer Partner von Free The Bears musste sicherstellen, dass die geschundenen Bären zu Kräften kommen, sich an eine ausgewogene und bärengerechte Ernährung gewöhnen und die tiermedizinische Versorgung anschlägt. Doch beiden Tieren hat das Leid der jahrzehntelangen Gefangenschaft schwer zugesetzt.

Die jahrelangen Misshandlungen und die nicht bärengerechte Versorgung hinterließen besonders bei der weiblichen Bärin schwerwiegende Folgen: Nachdem zuletzt ein stark wachsender bösartiger Tumor in der Brust entdeckt wurde, war klar: Ihr Leben kann nicht mehr gerettet werden. Wir mussten die Bärin schweren Herzens gehen lassen – für sie kam jede Hilfe zu spät.

Hoffnung schafft hingegen der männliche Bär, dessen Zustand von Tag zu Tag erfreulicher wird: Voi (vietnamesisch: Elefant) ist wohlauf und nimmt seine neue Umgebung gut an. Da er mit seinen rund 250 Kilogramm stark übergewichtig ist, erhält er eine spezielle Futterdiät. Statt der großen Mengen an Reis, die er in Gefangenschaft erhielt, bekommt er nun insbesondere Früchte und Gemüsesorten, die er vermutlich noch nie zuvor in seinem Leben kosten durfte: Wassermelone, Banane, Guave, Drachenfrucht, Karotte, Kürbis und verschiedene Bohnen verspeist er mit großem Genuss.
Zudem wird er mit jedem neuen Tag im Schutzzentrum aktiver und erkundet seine neue Umgebung mit großer Neugier. Auch die Aufmerksamkeit durch die fürsorglichen Pfleger*innen genießt er sichtlich!

Im April konnte Voi vom Quarantänegehege ins Außengehege des Schutzzentrums umziehen, wo er sich zum ersten Mal in seinem Leben frei bewegen kann. Neben der bärengerechten Nahrung und ausgiebigen Schläfchen, hat er das Baden für sich entdeckt. 

Drücken Sie mit uns die Daumen, dass Vois Entwicklung weiterhin so vielversprechend bleibt und er schon bald mit seinen Artgenossen im großen Freigehege in Kontakt kommen kann.

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Jede Spende hilft, die Kosten für die Versorgung zu decken. Bereits mit 55 Euro finanzieren Sie die laufende, so notwendige tiermedizinische Behandlung eines geretteten Bären.

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Daniela Schrudde
Fachlich-inhaltliche Leitung

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ds@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
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