Esel-Diebstahl in Tansania

Schutzmaßnahmen für die treuen Arbeitstiere

Mitten in der Nacht fallen Verbrecherbanden in Dörfer ein, um die Tiere zu stehlen oder sie noch an Ort und Stelle zu erlegen und ihnen die Haut vom Leib zu ziehen. Der Grund ist „E Jiao“ – ein Produkt, das aus der Haut von Eseln gewonnen wird. Die Nachfrage nach dem vermeintlichen Wundermittel steigt in China so stark, dass auf legalem Weg nicht mehr genug Tiere beschafft werden können. Seitdem sind die rund 500.000 in Tansania lebenden Esel zur Zielscheibe brutaler Diebe geworden. Seit 2017 haben wir zusammen mit zwei Partnerorganisationen mehrmals, zuletzt im April und Mai 2019, Soforthilfe zum Schutz von Eseln in Tansania geleistet.

Tansania

Die in den Bezirken Simanjiro und Kahama lebenden Esel sind in das Blickfeld von Kriminellen gerückt: Die Tiere werden gestohlen und ihre Häute anschließend an die nahe liegenden Esel-Schlachthäuser veräußert. Um die Esel zu schützen, steht der Bau von Eselgehegen im Zentrum unserer Einsätze in diesen Regionen. Eine zusätzliche Sicherung schaffen Glocken, mit denen die Tore der Gehege und einige der Tiere ausgestattet wurden, so dass die Tierhalter schneller bemerken, wenn sich Eindringlinge an der Stallung zu schaffen machen und die Herde in Aufruhr ist.

Was bisher geschah: Schutz von 4000 Eseln im Norden Tansanias

Zusammen mit unserem Partner Meru Animal Welfare Organization (MAWO) engagierten wir uns 2017 im Rahmen von Soforthilfe-Einsätzen für den Schutz der Esel vor Diebstählen im Bezirk Simanjiro. Gemeinsam mit den Tierhaltern bauten wir 110 umzäunte Areale für jeweils 15 bis 30 Esel. Durch die Eigeninitiative der Gemeinden wurden im Anschluss neun weitere Gehege errichtet. Insgesamt konnten wir dadurch knapp 3.000 Esel vor potenziellen Diebstählen und dem damit verbundenen Tod schützen. Damit auch Tiere der umliegenden Gemeinden geschützt werden, wurden überdies zehn Gemeindemitglieder im Gehegebau unterrichtet, damit sie dieses Wissen an Eselhalter weitertragen können.

Auch im Bezirk Kahama wurden 2018 innerhalb kürzester Zeit mehr als 100 Esel aus den Dörfern gestohlen und zum Teil noch an Ort und Stelle gehäutet. Daher stellten wir auch hier kurzerhand der dort arbeitenden Tanzania Animals Protection Organization (TAPO) finanzielle Mittel für eine Soforthilfe zur Verfügung. Mit tatkräftiger Unterstützung der Dorfbewohner wurden in zehn Dörfern 50 Gehege nach dem gleichen Prinzip errichtet und dadurch mehr als 1.000 Esel geschützt. Eselhalter aus umliegenden Gemeinden bauten nach unserem Vorbild 43 zusätzliche Gehege.

Schutz vor dem Esel-Diebstahl: Dorfbewohner bauen Gehege, in denen die Tiere nachts untergebracht werden

Bewusstsein schaffen

Begleitend zu den Baumaßnahmen fanden während der Einsätze Treffen mit Lokalpolitikern, Gemeindevorstehern, Tierärzten und tiermedizinischen Fachkräften (Paravets), der Polizei sowie Eselhaltern statt, denn der Schutz der Tiere muss auch langfristig unbedingt auf der Tagesordnung stehen. Die Problematik muss in offiziellen Planungen mit einbezogen und jedem Tierhalter die sichere Unterbringung seiner Esel ermöglicht werden.

Seit Bestehen der Gehege wurden in den Gemeinden keine neuen Übergriffe auf Esel registriert.

Stattdessen treten die Eselschmuggler mit Kaufangeboten an die Halter heran. Unsere Bildungsarbeit sensibilisiert sie jedoch für das Schicksal, das ihre Tiere dann erwarten würde, und informiert über die aktuelle Marktsituation. Denn der Verkauf der Esel bringt den Menschen zwar kurzfristig einen Erlös. Sollten sie jedoch längerfristig auf die Unterstützung von Eseln angewiesen sein, erweist sich der Verkauf zumeist als Minusgeschäft, da die Marktpreise durch das knappe Angebot in den letzten Jahren in die Höhe geschossen sind. Ausgestattet mit diesem Hintergrundwissen, lehnen immer mehr Eselhalter die Angebote ab.

Tierhalter erfahren, wie sie ihre Esel vor den Diebstählen schützen können

Anfang 2019 erreichte uns von unserem Projektpartner TAPO die Nachricht über neue, sich häufende Eseldiebstähle in der Region Kahama – offenbar eine Reaktion auf immer mehr abgelehnte Kaufangebote der Eselhalter. In neun weiteren Dörfern begannen wir daher mit einem neuen Einsatz zum Schutz der Esel. Mit den bewährten Maßnahmen haben wir innerhalb von zwei Monaten den effektiven Schutz von mehr als 1.000 Eseln bewirkt. Unsere Soforthilfe hat auch den Bezirksrat von Kahama zum Handeln bewegt. Zwei Polizisten bilden mittlerweile eine kleine "Task Force", die sich gezielt mit den Esel-Diebstählen beschäftigt. Außerdem wurde ein Unterstand errichtet, in dem gestohlene, von der Polizei konfiszierte Esel vorübergehend untergebracht werden können.

Parallel zu den Baumaßnahmen und der Informationsarbeit nutzten wir auch die Gelegenheit, die Esel mittels einer mobilen Klinik tiermedizinisch zu versorgen.

Insgesamt konnten wir in den Regionen Shinyanga und Kahama bereits für etwa 5.000 Esel sichere Gehege bauen, um sie vor den Dieben und dem Tod in den Schlachthäusern zu bewahren. Unsere Arbeit vor Ort animiert auch die Menschen anderer, umliegender Dörfer, nach unserem Vorbild Gehege für ihre Esel zu errichten.

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