Savannah- und Bengalkatzen als Haustier halten? Bitte nicht!
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Savannah- und Bengal-Katzen als Haustier halten? Bitte nicht!

Katzenrassen wie Bengal oder Savannah sind der neuste Trend in der Zuchtwelt. „Die Savannah-Katze ist das Must-have der Saison“, titelte ein Schweizer Lifestyle-Portal 2019. Die Kreuzungen von Hauskatzen mit nicht-gezähmten, eigentlich wildlebenden Katzenarten haben es ihrem majestätischen Aussehen zu verdanken, dass sie auch in Deutschland zum Objekt der Begierde vieler Tierhalter*innen avanciert sind. Doch die Haltung der Tiere ist besonders anspruchsvoll und aus Tierschutzsicht nicht zu befürworten.

 

 

Was sind Savannah- und Bengal-Katzen?

Bei Savannah-Katzen handelt es sich um die Kreuzung domestizierter Hauskatzen mit Servalen, einer wilden afrikanischen Katzenart. Bengal-Katzen sind das Ergebnis der Kreuzung von Hauskatze und Leopardkatze, letztere ist in Süd- und Ostasien heimisch. Beide Rassen stammen ursprünglich aus den USA und werden mit dem Ziel gezüchtet, den liebevollen Charakter einer Hauskatze mit dem exotischen Aussehen von wilden Arten aus der Familie der Katzen wie Leoparden, Ozelots und Jaguaren zu verbinden.

Je nach Zuchtgeneration (der sogenannten Filialgenaration) tragen die Nachkommen unterschiedliche viele Gene der wilden Katzenart in sich - je später die Zuchtgeneration, desto weniger. Von der ersten bis zur vierten Generation (F1 bis F4) gelten Kreuzungen von Hauskatzen mit Servalen bzw. Leopardkatzen als sogenannte Hybriden, die rechtlich als Wildtiere angesehen werden. Ab Generation F5 gelten die Nachkommen in Deutschland rechtlich nicht mehr als Hybriden, sondern als anerkannte Hauskatzenrassen wie Savannah- oder Bengalkatze.

Denn es gilt: Je größer die Zahl hinter dem ‚F‘, desto weiter ist die Katze von ihren wilden Vorfahren entfernt. F1 steht also für die Nachkommen aus der direkten Zucht einer wilden Katze mit einer Hauskatze. Als F2 bezeichnet man die Nachkommen der weiteren Paarung von F1-Katzen mit Haus- oder Hybrid-Katzen und so weiter.

Hybride aus Serval und Hauskatze können der ersten Generation können bis zu 45 cm groß werden und ein Gewicht von 11 bis 14 Kilogramm erreichen. Sie sind in der Regel also ungefähr zweieinhalbmal so groß wie reine Hauskatzen. Nachfahren von Kreuzungen mit Leopardkatzen sind generell kleiner als Serval-Kreuzungen und ähneln in ihrer Größe den Hauskatzen. Eine Savan­nah-Katze von einem „seriösen“ Züchter in Europa kann bis zu 15.000 Euro kosten.

Serval © Bernard Dupon/flickr
Savannah-Kitten © Michael Broad/flickr
Leopardenkatze © Tambako The Jaguar/flickr
Bengalkatze © pxfuel

Die Elterntiere stammen oft aus schlechten Haltungsbedingungen

Sowohl Servale als auch Leopardkatzen sind im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in Anhang II geführt. Der Handel mit ihnen steht somit unter strengen Auflagen. Die für die Zucht genutzten Wildtiere werden entweder der Natur entnommen oder es handelt sich um die Nachkommen gefangener wildlebender Katzen.

Immer wieder werden in den USA, wo die Zucht beider Hybridarten ihren Ursprung hat, schlechte Haltungsbedingungen aufgedeckt, aus denen stark geschwächte und verletzte Tiere gerettet werden müssen. Bei den in Europa angebotenen bzw. zur Zucht genutzten Tieren ist davon auszugehen, dass diese ursprünglich aus Nordamerika stammen und von dort nach Europa gebracht wurden. Die Nachfrage in hierzulande nach solchen Katzen unterstützt daher die Haltung von Wildkatzen in schlechten Lebensbedingungen andernorts.

Weitere massive Tierschutzprobleme bei der Zucht

Die Paarung der Tiere bringt Risiken und tierschutzrelevante Bedenken mit sich, denn es handelt sich um eine Zwangsverpaarung zweier unterschiedlicher Tierarten, die sich in der Körpergröße, dem Gewicht und der Tragzeit deutlich unterscheiden.

Als Muttertier wird meistens eine Hauskatze genutzt, da Geburt und Aufzucht hier leichter und vor allem gefahrloser zu überwachen sind.  Die körperlich deutlich unterlegene Hauskatze wird bei dieser Zwangsverpaarung mit dem Wildkatzenkater erheblichem Stress und Schmerzen ausgesetzt. Dies kann auch bei Verpaarungen in späteren Generationen noch auftreten. Bei der Verpaarung kann die Hauskatze sogar versterben, da die wilden Männchen sehr groß sind und der immer stattfindende Nackenbiss für die gewöhnliche Hauskatze tödlich sein kann.

Während eine Hauskatze rund 63 Tage lang trächtig ist, dauert die Trächtigkeit bei Servalen etwa zehn Tage länger. Bei einer Kreuzung zwischen Hauskatze und Servalkater können die Jungen also unreif zur Welt kommen und benötigen oftmals menschliche Hilfe, vorausgesetzt sie sind überhaupt lebensfähig. Auch sind die Welpen der F1-Generation oft zu groß im Verhältnis zum Muttertier, so dass Kaiserschnitte, Früh-, Fehl- oder Totgeburten keine Seltenheit sind.

Aber auch die Kreuzung einer Serval-Katze mit einem Savannah-Kater ist nicht risikofrei. Hier besteht die große Gefahr, dass das Muttertier die Welpen verstößt und diese durch Menschenhand großgezogen werden müssen. Grund hierfür ist das geringere Gewicht der Jungen: Reine Serval-Katzen wiegen rund 250 Gramm bei der Geburt, Hauskatzen jedoch nur 90 bis 110 Gramm. Das Muttertier hält die hybriden Nachkommen dadurch für unreif und nimmt sie unter Umständen nicht an.

Die Entstehung von Savannah- und Bengalkatzen ist daher als Qualzucht anzusehen.

Darf ich Savannah- und Bengal-Katzen in Deutschland überhaupt halten?

Die Haltung von Savannah- und Bengalkatzen als Hauskatze ist in Deutschland generell legal und nicht meldepflichtig – solange es sich um Tiere ab der fünften Generationen der Zuchtlinie handelt.  Sowohl Servale als auch Leopardkatzen sind nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), einem Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten freilebenden Tieren und Pflanzen, geschützte Tierarten: Das betrifft reine Tiere sowie Hybride der höheren Filialgenerationen (bis zur vierten Generation ‚F4‘).

Zudem sieht §2 des deutschen Tierschutzgesetzes (TierSchG) Anforderungen für Tierhalter vor, die im Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren (S.19 Absatz 4.5.) konkretisiert werden. Im Hinblick auf Hybride heißt es dort: „Die Zucht von Hybriden zwischen verschiedenen Tierarten und zwischen Wild- und Haustierformen ist zu vermeiden. Ungeachtet dessen gelten für die Haltung von Wildtier-/Haustier-Hybriden sowie deren Nachkommen die gleichen Haltungsanforderungen wie für die Elterntiere der wild lebenden Form.“

Wer sich also für Tiere aus diesen Generationen interessiert, muss sich an die verschiedensten behördlichen Auflagen und Schutzbestimmungen halten. Es gilt bei ihnen in der Regel eine behördliche Meldepflicht. Für Serval-Hybride gibt es jedoch zum Teil noch strengere Regeln. Ihre Haltung muss dann ausdrücklich von den Behörden genehmigt werden! Die besonderen Einschränkungen, Auflagen und Verbote variieren von Bundesland zu Bundesland.

Savannah- und Bengalkatzen als Haustier halten? Bitte nicht!
© Kim Davies/unsplash

Haltung von Savannah- und Bengal-Katzen: Kein Kinderspiel!

Savannah- und Bengalkatzen sind aufgrund ihres Bewegungsdrangs nicht als Wohnungskatzen geeignet. Ebenso wenig eignen sie sich jedoch als Freigänger, da sie Hauskatzen-Freigängern überlegen sind und sie so gefährden und darüber hinaus durch ihr ausgeprägtes Jagdverhalten eine Gefahr für die heimische Natur, insbesondere für Vögel und Kleinsäuger, darstellen. Hinzu kommt eine mögliche Verpaarung mit der Europäischen Wildkatze während der Freigänge, was wiederum deren Fortbestand gefährden könnte.

Hybridrassen zeigen ein ihren wilden Vorfahren noch recht ähnliches Verhalten und gelten als unberechenbar. Sie verfügen über einen starken Bewegungsdrang, sind impulsiv und temperamentvoll und keine jederzeit zum Kuscheln bereite Schoßkatzen: Es handelt sich hier um wilde Tiere, denen man die wilden Wurzeln auch deutlich anmerken kann.

Ein Außengehe ist unverzichtbar, um den Ansprüchen der Tiere gerecht zu werden

Bei der Haltung von Hybriden (F1-F4) muss ein Außengehege mit einer großen Fläche von mindestens 50 Quadratmeter zur Verfügung stehen, das von einem Zaun von mindestens 2,5 Meter Höhe begrenzt wird. Wenn möglich sollte dieses mit einem Teich ausgestattet sein, da die Tiere gerne im Wasser spielen. Dennoch werden auch diese Voraussetzungen den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht: Studien zu dem hier eingekreuzten Serval haben ergeben, dass das Territorium eines wilden Serval-Paares eine Größe von bis zu 30 km2 hat und die Tiere im Durchschnitt mindestens zwei Kilometer am Tag zurücklegen. In Regionen mit kalten Wintern ist es üblich, ein Warmhaus für den Winter zu errichten.

Grundsätzlich gilt: Das Verhalten von Savannah- und Bengal-Katzen hängt stark von der Generation des Tieres ab – tendenziell verstehen sich Katzen der früheren Generationen besser mit anderen Tieren als mit Menschen. In Gesellschaft von Fremden oder Kindern fühlen sie sich häufig unwohl, auch wenn sie sozialisiert wurden. Beide Rassen teilen besonders in den frühen Generationen die Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen in ihrem Umfeld. Letztendlich sind diese Rassen selbst bei der Ernährung sehr anspruchsvoll – so kann Dosenfutter laut Berichten von Züchter*innen zu ernsthaften Mangelerscheinungen führen.

Zahlreiche privat-gehaltene Tiere – auch der nachfolgenden Generationen – entwickeln im Laufe der Zeit Verhaltensprobleme, da die Halter*innen die Voraussetzungen für ein tiergerechtes Leben nicht erfüllen.

Einige Länder haben schon reagiert

In Australien hat die Regierung bereits 2008 beschlossen, das Importieren von Savannah-Katzen zu verbieten. Ein Grund hierfür war ein Fachartikel der Universität Sydney:  Aufgrund ihrer wilden Vorfahren besitzen insbesondere Savannah-Katzen höher entwickelte Jagdfähigkeiten als gewöhnliche Hauskatzen. Gerade in Australien wäre es daher für das Ökosystem fatal, wenn Savannah-Katzen verwildern und herumstreunen würden. Die Wissenschaftler*innen ermittelten, dass 91 Prozent der in Australien lebenden Land-Säugetiere durch verwilderte Savannah-Hauskatzen in Gefahr geraten würden. Und auch hier in Europa wurde 2019 in Brüssel ein Verbot der Zucht und des Handels von Hybridkatzen ausgesprochen: Bereits dort lebenden Hybridkatzen müssen gemeldet werden und dürfen nur sterilisiert in Brüssel bleiben.

Fazit: Kann ich Savannah- und Bengal-Katzen ein tiergerechtes Leben bieten?

Wem der Gedanke durch den Kopf geht, sich eine Savannah- oder Bengal-Katze anzuschaffen, sollte sich zunächst fragen, ob nicht die schöne Optik des Tieres der alleinige Grund für den Haltungswunsch ist: Zu viele Menschen kaufen sich diese Katzen aufgrund ihres Aussehens, können aber nicht die Anforderungen der Tiere erfüllen und provozieren so Verhaltensstörungen.

Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. sind „Hybridkatzen ungeeignet für das Zusammenleben mit dem Menschen und gefährden durch ihre Größe und ihre Wildtiereigenschaften unsere Hauskatzen, wenn sie entweichen sollten“. Ob Katzen späterer Generationen eher zahm bzw. wild sind, ist sehr von den eingekreuzten Rassen sowie der Sozialisierung als Jungtier abhängig. Fest steht: Auch spätere Generationen tragen Gene der wilden Vorfahren in sich und können entsprechend enorm hohe Bedürfnisse haben, denen kaum ein*e Halter*in gerecht werden kann. Leidtragende sind dann die Tiere. Zudem kann die Haltung von Hybridrassen generell nicht nur größerer finanzieller Mittel im Vergleich zu nicht-hybridisierten Hauskatzen bedürfen, sondern auch hinreichende Sachkenntnisse und Geduld. Viele Halter*innen sind sich darüber nicht im Klaren und merken erst später, dass sie den Tieren nicht gerecht werden können.

Grundsätzlich vertritt die Welttierschutzgesellschaft die Ansicht, dass Savannah- und Bengal-Katzen, ob früher oder späterer Generationen, in Privathaltung in der Regel nicht tiergerecht versorgt werden können. Zudem geht die Zucht der Tiere, wie zuvor dargestellt, mit tierschutzwidrigen Methoden einher und fördert somit unmittelbar massives Tierleid. Die Haltung der Tiere können wir daher nur konsequent ablehnen und wünschen uns, dass diese keinen weiteren Aufwind erfährt – zum Wohl der Tiere! 

Quellen

https://bellevue.nzz.ch/die-savannah-katze-ist-das-must-have-der-saison-ld.1517477

http://catsg.org/index.php?id=109:

https://www.iucnredlist.org/species/18146/50661611

https://www.purina.co.uk/cats/cat-breeds/library/bengal

http://www.dracoventures.com/herkunft_savannah_katzen.htm

https://www.savannahcatassociation.org/savannah-cat-size/

https://www.haustiermagazin.com/katzenrassen/f1-f4-savannah/

https://www.savannahcats-germany.de/anschaffung/

https://www.cbc.ca/news/canada/british-columbia/serval-cats-seized-little-fort-bc-1.5198230

https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/heimtiere/qualzucht/

https://www.lgl.bayern.de/downloads/tiergesundheit/doc/tagungsband_hybridkatzen.pdf

https://www.zooplus.de/magazin/katze/katzenrassen/serval

https://www.haustiermagazin.com/katzenrassen/f1-f4-savannah/

https://cites.org/eng/app/appendices.php (Servale unter Appendix II: Felidae spp.)

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile&v=7, S. 19 Absatz 4.5.

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/TXT/?uri=CELEX%3A32003R1497       

https://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/__7.html

https://www.savannah-genetics.de/haltungsbedingungen/

https://www.haustiermagazin.com/katzenrassen/f1-f4-savannah/

https://www.haustiermagazin.com/katzenrassen/f5-savannah/

https://tica.org/breeds/browse-all-breeds?view=article&id=1521:the-bengal-breed&catid=48

https://www.aniforte.de/magazin/wissenswertes/gefaehrlicher-trend-wildkatzen-auf-der-couch

Jonathan Kingdon, The Kingdon Pocket Guide to African Mammals, S. 190

https://www.nespthreatenedspecies.edu.au/news/banning-savannah-cats-in-australia-was-good-science

https://www.welt.de/wissenschaft/article202615358/Warum-Savannah-Katzen-als-Haustier-keine-gute-Idee-sind.html

https://cat-news.net/tierschutz-bruessel-verbietet-ab-sofort-die-zucht-dieser-drei-katzenrassen-9220/

https://www.tierschutz-tvt.de/alle-merkblaetter-und-stellungnahmen/#c412

++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++

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