Report aus Tansania: Esel unter Druck

Die Nachfrage nach Eseln für die Produktion von Ejiao wächst. Nicht nur in Kenia, sondern auch in Tansania wurden Esel-Schlachthäuser eröffnet – eines in der Region Shinyanga im Nordwesten Tansanias, das andere in Dodoma in Zentral-Tansania. Das ist in vielerlei Hinsicht fatal:

Hintergrund: Eselleid für Ejiao

Die Bedeutung von Traditioneller Chinesischer Medizin und somit auch die Nachfrage nach Produkten tierischen Ursprungs nehmen weltweit in rasantem Tempo zu. Insbesondere der Handel mit verarbeiteter Eselhaut floriert, wodurch in Folge die Eselpopulation weltweit sinkt. Die Tiere zu einem raren Gut geworden – mit besorgniserregenden Folgen für Kenia, das sich binnen der letzten Jahre mit vier Esel-Schlachthäusern zum Zentrum der Exporte von Ostafrika nach China etabliert hatte.

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Esel gelten auch hier, in Kenias Nachbarland, als unersetzliche Helfer im Alltag der Menschen. Eselfleisch und die Eselsprodukte werden in der lokalen Bevölkerung aber selten verzehrt oder genutzt und die Schlachthäuser bringen somit kaum Mehrwert für die Menschen. Ganz im Gegenteil:

Mit stetig wachsender Nachfrage nach Eselshaut entwickelten sich die Betriebe zur existentiellen Bedrohung für einige Familien, denn immer häufiger werden jetzt Esel gestohlen, um gewinnbringend an die Schlachthäuser verkauft zu werden. Die Diebe beschaffen sich die Tiere, die nachts meist frei umherlaufen, und verkaufen entweder das wertvolle Gut – die Haut der Tiere – oder die lebenden Tiere an die Schlachthäuser. Viele der vor allem in ärmlichen Verhältnissen lebenden Menschen in Tansania stehen ohne ihre Esel vor dem Nichts.

Die Regierung Tansanias reagierte zunächst und entzog den Betrieben die Lizenz zum Schlachten von Eseln bzw. sprach ein Verbot vom Export der Eselprodukte nach China aus. Das war im Juni 2017. Doch daraufhin verlagerte sich das Problem: Die Esel wurden weiterhin gestohlen und, statt in Tansania, illegal über die Grenze ins Nachbarland Kenia transportiert und dort geschlachtet.

Bereits im Januar 2018 hob die tansanische Regierung das Verbot wieder auf. Die beiden Schlachthäuser öffneten erneut und dürfen bis heute offiziell jeweils 40 Esel am Tag schlachten. Der Betrieb in Dodoma ist aktuell wegen administrativer Probleme geschlossen und so werden alle zur Schlachtung angedachten Esel in die Shinyanga Region transportiert – .

Großflächige Hilfe für die Esel in Tansania

Durch unsere Partnerschaften mit lokalen Organisationen sind wir laufend in ganz Tansania im Einsatz:

  • Unter anderem unterstützen wir die Tanzania Animal Welfare Society (kurz TAWESO), die älteste Tierschutzorganisation des Landes, bei ihrer Arbeit auf den hiesigen Tiermärkten und in den Schlachthäusern. Dort stellen wir durch Kontrollen und Informationsmaterial  sicher, dass die Tierschutzstandards bekannt gemacht werden und die Mitarbeiter*innen ihren Umgang mit den Tieren verbessern. Dabei müssen unsere Partner oft eingreifen, um akute Tierquälerei zu stoppen: Diese beginnt vielfach schon auf ihrem Weg zum Markt in den Transportern, in die viel zu viele Tiere auf zu kleiner Fläche geladen werden. Auch eine Versorgung bleibt den Tieren während des Transportes oft vorenthalten und so überleben viele die Fahrt nicht.
  • Die staatliche Road Agency, die unter anderem auch die Tiertransporte im Land kontrolliert, ist auf das Projekt aufmerksam geworden und hat dies zum Anlass genommen, ihre Arbeit zu intensivieren, in dem sie konsequenter  Strafen und Bußgelder verhängt.
  • Auch auf dem Gelände der Schlachthäuser müssen die Tiere – ähnlich der Situation in den Betrieben in Kenia– oft ohne Wasser und Futter in der sengenden Hitze unnötig leiden. Hier greifen wir ein, versorgen die Tiere und weisen die Mitarbeiter*innen an, sich an die geltenden Tierschutzgesetze zu halten.

An die offiziell genehmigten Schlachtzahlen von 40 Tieren pro Tag wird sich in dem Schlachthaus von Shinyanga nicht gehalten. Das liegt neben der weiterhin wachsenden Nachfrage nach Eselsprodukten auch daran, so der Verdacht unserer Partner, dass die wenigsten Esel legal hier sind. Ein großer Teil der Tiere wird in den Dörfern schmerzlich vermisst. Zahlreiche Esel werden gestohlen, um gewinnbringend für den Handel mit Eselshaut geschlachtet zu werden.

Wir müssen jetzt unbedingt eingreifen und die gnadenlosen Diebstähle stoppen. Denn in den oft abgelegenen Regionen des Landes, wo die ärmere Bevölkerung lebt, ist die Problematik teils noch kaum bekannt. Doch genau hier leben besonders viele Esel.

  • Mit unseren Partnern in Tansania werden wir rund um Shinyanga, wo sich das größte Esel-Schlachthaus Tansanias befindet, in 40 Dörfern in den Einsatz gehen. Wir werden durch den Bau von Gehegen bis zu 5.000 Esel vor Diebstählen sichern.
  • Die Einsätze in den Dörfern werden von mobilen Kliniken begleitet, in deren Rahmen die Esel eine grundlegende tiermedizinische Versorgung erhalten und ihre Halter*innen lernen, wie sie das Wohl ihrer Tiere durch einen tiergerechten, respektvollen Umgang selbst verbessern können.
  • Gleichzeitig wollen wir die Grundlage für eine langfristige Veränderung schaffen und werden durch Öffentlichkeits- und Informationsarbeit sowie Treffen mit lokalen Autoritäten und Eselhalter*innen das Wissen über die Gefahren verbreiten. Die Menschen werden darin gestärkt, den Schutz ihrer Tiere zu verbessern und sich deutlich gegen den Eselhandel positionieren zu können.

Lesen Sie hier vom Projekt im Detail: https://welttierschutz.org/projekte/nutztiere/eselschutz-tansania/

Neben den Einsätzen auf Märkten und Schlachthöfen greifen wir so direkt ein, um die gnadenlosen Diebstähle zu stoppen. Bitte helfen Sie uns dabei, Leben zu retten – jede Spende zählt!

Bitte schützen Sie die Esel!

Schenken Sie den Tieren Schutz und Hoffnung – bereits mit einer Spende von 40 Euro tragen Sie die Kosten für den Bau eines schützenden Esel-Geheges:

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