Hilfe für streunende Pferde in Südindien

Tierärztliche Versorgung und Tierschutzbildung

Streunende Pferde in Indien: Häufig werden Tiere imStraßenverkehr verletzt
© Worldwide Veterinary Service

Coronakrise: Tierschutz in Zeiten der Pandemie:

Die unterschiedlichen Aktivitäten und Schwerpunkte unserer Tierschutzarbeit weltweit – ob Schutzzentrum oder mobile Klinik, Hilfe für Streuner, Nutz- oder Wildtiere – mussten angesichts der Pandemie pausiert oder angepasst werden:

Es bleibt höchste Priorität, Tierleben zu retten, dabei gefährden wir aber nicht die Gesundheit der Menschen und erhöhen das Ansteckungsrisiko. Mit Hilfe des WTG-Nothilfefonds wollen wir eine grundlegende Tierschutzarbeit trotz Coronakrise ermöglichen. Lesen Sie hier mehr: »Tierschutzarbeit in Zeiten der Coronakrise

Wir versprechen Ihnen: Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Schutz der Tiere – der Streunerkatzen und -hunde, Nutztiere wie Esel, Rinder, Schafe und Ziegen sowie Wildtiere wie Schuppen- und Faultiere, Elefanten und Bären – auch weiterhin sicherzustellen. »Bitte unterstützen Sie uns dabei!

Umherstreunende Kühe sind aus zahlreichen indischen Städten nicht wegzudenken. Der südindische Ort Ooty (indisch: Udagamandalam) ist jedoch durch andere Tiere geprägt: Mehrere hundert leidgeplagte Großpferde und Ponies streunen dort durch die Straßen. Die Welttierschutzgesellschaft führt zusammen mit ihrer Partnerorganisation Worldwide Veterinary Service (WVS) kostenfreie tiermedizinische Behandlungen durch, verbessert die Fähigkeiten angehender lokaler Tierärzt*innen und sorgt für mehr Tierschutzbewusstsein bei den Halter*innen.

Indien

Unbehandelte Verletzungen, unpassendes Geschirr und nicht tiergerechtes Futter sorgen für unnötiges Leid bei den Großpferden und Ponies in Ooty. Das Leben auf der Straße birgt zusätzliche Gefahren - zum Teil mit tödlichen Folgen. Gemeinsam mit unserem Partner vor Ort helfen wir den geschundenen Tieren.

Der Bergort Ooty ist beliebtes Ziel für Reisende aus aller Welt. Auf dem Rücken der Pferde erkunden die Menschen die Umgebung – bergauf, bergab, tagein, tagaus leisten unzählige Großpferde und Ponies ihren Dienst. Die Tiere sind dabei oft die einzige Einnahmequelle der überwiegend ärmlichen Bevölkerung. Aufgrund fehlender Unterbringungsmöglichkeiten und ihrer eigenen schlechten finanziellen Lage sind die Besitzer häufig gezwungen, die Tiere ihrem Schicksal zu überlassen, sobald die Touristen ausbleiben. Von heute auf morgen sind die Tiere zum Streuner-Dasein verdammt. 

Streundene Pferde in Südindien: Pferde suchen im Müll nach Futter
© Worldwide Veterinary Service

Ohne Möglichkeit sich vor der brennenden Hitze der Sonne oder den Regenmassen und Überflutungen des Monsuns zu schützen, , irren die Großpferde und Ponies auf den Straßen umher. Im regen Verkehr sind sie dabei der stetigen Gefahr durch Unfälle und Paniksituationen ausgesetzt. Dies führt unter Umständen auch zu einer Trennung von Müttern und Fohlen, die anschließend alleine auf der Straße keine Überlebenschance haben.

Auch die konstante Suche nach Futter birgt für die Tiere tödliche Gefahren. Pferde sind von Natur aus Dauerfresser, die bis zu 18 Stunden täglich mit der Futteraufnahme verbringen. Das Zerkauen der Nahrung ist eine wichtige Beschäftigung der Tiere, die Stress abbaut und somit das Wohlbefinden steigert. Fehlende Grünflächen sorgen jedoch dafür, dass sich die Tiere an überquellenden Mülleimern bedienen. Neben Essensresten nehmen sie dabei auch Plastikteile auf, aus denen mit der Zeit ein unverdaubarer Plastikklumpen im Magen entsteht. Als Folge von Darmverschluss und Darmdurchbruch tritt der qualvolle Tod ein.

Mobile Klinken und Tierschutzbewusstsein

Aufgrund des großen Erfolges der mobilen Klinken für Lastesel, die wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation WVS seit 2013 in Indien durchführen, wurde dieses Modell 2017 auch für die Pferde und Ponies in Ooty adaptiert und nun auf weitere Orte ausgeweitet.

Im Rahmen mobiler Klinken untersuchten und versorgten wir in Ooty in den ersten beiden Jahren unseres Einsatzes hunderte Pferde. Mittlerweile haben wir die Möglichkeit, die Pferde in einem geschützten Rahmen zu behandeln: Dafür haben uns die lokalen Behörden ein zentrales, nahe der Touristenreitpfade gelegenes Gebäude zur Verfügung gestellt, das als Klink genutzt wird. So können die Untersuchungen und Behandlungen abseits des Verkehrstrubels durchgeführt werden und unter den bestmöglichen hygienischen Bedingungen stattfinden. An drei Tagen im Monat bietet das Team bestehend aus drei Tierärzt*innen, einem angehenden Tierarzt, einem Tierarzthelfer sowie einem Hufschmied Pferdehalter*innen hier die kostenfreie tiermedizinische Untersuchung und Behandlung ihrer Tiere an. 

Streunende Pferde in Südindien
© Worldwide Veterinary Service

Jedes von seinem*r Halter*in gebrachte Tier wird einem gründlichen Gesundheitscheck unterzogen, geimpft und gegen Parasiten behandelt; außerdem werden Zahn- und Hufpflegechecks durchgeführt. Die Hufpflege spielt für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pferden eine besondere Rolle und steht daher an jeweils einem der drei Kliniktage besonders im Fokus. Die Kliniktage für Besitzerpferde werden auch genutzt, um ungechippte Tiere mit Mikrochips zu versehen und somit die Zugehörigkeit zu ihren Halter*innen zu dokumentieren. Des Weiteren wird die Einführung eines einheitlichen monatlichen Gesundheitschecks für Pferde mit der Stadtverwaltung diskutiert. Dieser würde sicherstellen, dass keine kranken und verletzten Tiere für die Tourismusangebote eingesetzt werden. Derzeit sucht das Team regelmäßig die Hotspots für touristische Reitangebote in den Ortsteilen 9th Mile und Kandal auf und versorgt Pferde und Ponies, die dort eingesetzt werden. Des Weiteren rücken die Mitarbeiter aus, um Notfälle - beispielsweise nach Unfällen oder Stürzen - zu versorgen.

Sichere Weidefläche und Unterbringung für streunende Pferde

Zum Schutz der streunenden Pferde und Ponys von Ooty, deren Halter*innen nicht ausfindig zu machen sind oder die über keine sichere Unterbringungsmöglichkeit für ihre Tiere verfügen, hat die Gemeinde, auf unser Bestreben hin, eine zentrale Weidefläche zur Verfügung gestellt. Hier sollen die Tiere zum einen vor dem Straßenverkehr und damit verbundenen Unfällen gesichert sein. Zum zweiten soll verhindert werden, dass sie durch das Fressen von Abfällen erkranken. In Zusammenarbeit mit einer weiteren lokalen Tierschutzorganisation, der Nilgiris SPCA, bereiten wir diese nun für die Unterbringung der Pferde vor. Auch Pferde, die eine längerfristige tiermedizinische Therapie benötigen, sollen künftig auf dieser Weidefläche untergebracht werden, um laufend versorgt werden zu können.

Ausweitung der mobilen Klinken auf andere Gemeinden

Darüber hinaus ist das sechsköpfiges Team auch außerhalb von Ooty im Einsatz. In den Städten Mysore, Palani und Kodaikanal, wo – wie in Ooty - ebenfalls Touristenreitpferde zum Einsatz kommen herrscht eine ähnliche Problematik im Hinblick auf die Versorgung und den Gesundheitszustand der Tiere. Im Rahmen von mobilen Klinken und bei Notfällen versorgt das Team sowohl streunende Pferde als auch solche, deren Besitzer auf das kostenlose tiermedizinische Angebot angewiesen sind.
Zweimal Jährlich findet in jedem der Orte daher eine zweitägige mobile Klink statt. Das Team sucht gezielt nach streunenden, verwahrlosten Tieren, versorgt deren Wunden, impft sie und behandelt sie gegen Parasiten. Können Tierhalter*innen ermittelt werden, werden diese eng in die Behandlung der Tiere miteinbezogen und über die Notwendigkeit und den Nutzen der Maßnahmen informiert. Tiermedizinisches Equipment, Medikamente sowie größere Mengen an Wundverbänden und Bandagen gehören zur Grundausstattung dieser Einsätze.

Streunende Pferde in Südindien: Auch Kutschpferde werden tiermedizinisch versorgt
© Worldwide Veterinary Service

Mehr Fachwissen für lokale Tiermedizinstudenten und Hufschmiede

Da die tiermedizinische Ausbildung in Indien kaum die Versorgung von Pferden beinhaltet, weisen viele lokale Tierärzt*innen keine Erfahrungen auf. Um die Situation der Pferde in Südindien nachhaltig zu verbessern, legen wir daher einen Fokus unseres Einsatzes auf die Verbesserung der fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten angehender Tiermediziner*innen.
Mehrmals im Jahr finden dafür fünftägige Workshops statt, in deren Rahmen Studierende der Tiermedizin den Klinikbetrieb in Ooty begleiten und Praxiserfahrungen sammeln. Sie sind bei Untersuchungen, Entwurmungen, Tetanus-Impfungen sowie Zahn- und Hufpflegemaßnahmen dabei und lernen, diese auch selbst durchzuführen. Von einem professionellen Hufschmied angeleitet, können Studierende aber auch lokale Hufschmiede und Tierhalter*innen in Ooty und zwei weiteren Gemeinden grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten erlernen, um verwachsene oder beschädigte Hufen zu behandeln und die Tiere von ihren daraus resultierenden Schmerzen zu befreien.

Streunende Pferde in SüdindienHufpflege
© Worldwide Veterinary Service

Wissen und Fähigkeiten der Pferdehalter*innen stärken

Doch nur wenn auch die Halter*innen ein Bewusstsein für die Bedürfnisse ihrer Tiere entwickeln, kann sich langfristig das Wohl der Tiere verbessern. Sowohl im Rahmen der mobilen Kliniken als auch der stationären Kliniktage werden die lokale Bevölkerung und vor allem Tierhalter*innen, sofern ausfindig zu machen, eng in die Maßnahmen einbezogen. Dies dient nicht nur einer langfristigen Besserung des Gesundheitszustandes der Tiere, sondern auch dem Aufbau von Vertrauen in das Team vor Ort und seine tiermedizinische Arbeit. Zusätzlich wurde anschauliches Lernmaterial in Bild- und Videoformat erstellt, das als Leitfaden für die Versorgung der Tiere im Alltag dient. Ein anschauliches Booklet stellt bildhaft die Bedürfnisse von Pferden und Eseln sowie tiergerechte und nicht tiergerechte Situationen gegenüber. Das Booklet wird den Halter*innen ausgehändigt und ist darüber hinaus Teil der Bildungsmaßnahmen in Schulen, in deren Rahmen wir Kinder für die Bedürfnisse der Tiere sensibilisieren. Kurze Videos, die sich vor allem über soziale Netzwerke und Nachrichtendienste unter den Halter*innen verbreiten sollen, wurden ebenfalls realisiert. Und schließlich können besonders interessierte Tierbesitzer*innen weitere Trainingsangebote unserer Partner zu tierschutzrelevanten Themen wahrnehmen und werden mit Materialien wie Hufpflege-Sets ausgestattet.

Durch diese Vielfalt an Maßnahmen leisten wir effektiv Hilfe zur Selbsthilfe und schaffen die Grundlage für mehr Tierwohl in Südindien.

 

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Ihre Ansprechpartnerin für Fragen zum Einsatz:

Daniela Schrudde
Leiterin Tierschutzarbeit

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: info@welttierschutz.org

Welttierschutzgesellschaft e.V.
Reinhardtstr. 10
10117 Berlin