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Ponyreiten – ja oder nein?

„Wir leben in einer Zeit, in der die Debatte um den Tierschutz hysterische Züge annimmt. Alle Nutztiere werden nach neuester Einschätzung nur noch gequält. Kleine schlagkräftige Tierschutzvereine treiben die Verbote voran.“ Mit diesen Worten beendet der Kolumnist Gunnar Schupelius in der B.Z. seinen Titel „Jetzt soll sogar Pony-Reiten auf Straßenfesten verboten werden“. Laut dem integrierten Voting schließen sich fast 30 Prozent der Leser seiner Meinung an: »bit.ly/Gunnar-Schupelius-in-der-BZ. Sehr geehrter Herr Schupelius, sehr geehrte Leser der B.Z., wir möchten den Artikel um einige Gedanken ergänzen.

„Dass das Wort Tierschutz überhaupt erfunden werden musste, ist wohl eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Gesellschaft.“ 
Tierschutz hat leider niemals an Notwendigkeit verloren – ganz im Gegenteil. Auch heute leiden Tiere unter der Unwissenheit ihrer Halter oder unter schlechten Bedingungen, sie werden gequält oder ausgebeutet, sind krank oder hungern. 

In einem Land wie Deutschland erwarten wir, dass durch Gesetze und Behörden Tierleid verhindert wird. Wir stimmen Ihnen zu, dass eine Be- bzw Verurteilung von Tierhaltung ihr Augenmaß nur dann behält, wenn der Einzelfall betrachtet wird. Doch wie realistisch ist das? Ein kürzlich veröffentlichtes Arbeitspapier des Thünen-Instituts zeigt klar, dass die staatlichen Behörden an ihre Grenzen stoßen und Tierqual häufig nicht nach den gesetzlichen Möglichkeiten verhindert und geahndet wird. Für einige Fälle gibt es nicht einmal ausreichende Gesetze zum Schutz der Tiere (siehe unsere Kampagne KUH+DU www.kuhplusdu.de). Dagegen nennt der Bezirk Mitte tierschutzrelevante Begründungen für seine Entscheidung und geht dadurch mit gutem Beispiel für andere Behörden voran. Somit ist der Fall unserer Meinung nach recht einfach: die Haltungsbedingungen der Ponys müssen sich den gesetzlich geforderten Standards anpassen. Denn wenn die Entscheidung des Amtes dazu führt, dass einmal weniger Tiere leiden müssen, dann ist uns das lieber, als dass Tiere einmal zu viel leiden. 

Als Tierschutzorganisation sind wir der Überzeugung, dass Tierschutz beim Menschen anfängt und jeder einzelne zum Tierwohl beitragen kann. Bildungsmaßnahmen, Verbraucherinformation, Tierschutz vor Ort und in letzter Instanz auch gesetzliche Regeln und Kontrollen sind notwendige Mittel, um der Vision von einer Welt, in der Tiere von den Menschen wahrgenommen sowie respektvoll und artgerecht behandelt werden, zu folgen.

Mit „hysterischen Zügen“, wie Sie es nennen, hat dies oft nichts zu tun. Es wird von uns und vielen anderen gemeinnützige Arbeit, also eine (leider) notwendige Hilfestellung, betrieben, die seit ihrer Entstehung bereits in vielerlei Hinsicht und überall auf der Welt für Fortschritte gesorgt hat – sei es für Tiere, die Natur oder den Menschen. Es wird denen geholfen, die sich nicht selbst helfen können –und dazu zählen manchmal eben auch Ponys.

Wir finden: Tierschutz fängt dort an, wo der Mensch das Tier als fühlendes Wesen erkennt. Dann ist es auch Tierschutz auf Augenmaß.

Herzliche Grüße
Welttierschutzgesellschaft e.V.

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