Mit Faultieren im Regenwald

Wussten Sie, dass Faultiere zur Verbesserung der Verdauung ihren Bauch in die wärmende Sonne strecken? Von dieser und weiterer Eigenarten der bemerkenswerten Tiere berichtete Daniela Schrudde, fachliche Leiterin für unsere Tierschutzarbeit, nach ihrer Rückkehr. Erst kürzlich reiste sie nach Surinam, um unter anderem das neu errichtete Schutzzentrum unserer Partner Green Heritage Fund Suriname (GHFS) zu besuchen und eine Weiterentwicklung der Tierschutzarbeit anzustoßen.

Hintergrund: Wildtiere in Surinam

Mehr als 90 Prozent kaum berührter Regenwald bedeckt Surinam – noch. Denn durch die verstärkte Abholzung wird der Lebensraum zahlreicher Wildtiere vernichtet. Diese werden immer häufiger desorientiert und verletzt inmitten der Städte aufgefunden. Die Welttierschutzgesellschaft unterstützt das bisher einzige Wildtierschutzzentrum Surinams bei der Rettung, Versorgung und Wiederauswilderung von Wildtieren.

Zum Projekt

Das neue Schutzzentrum befindet sich nun direkt am Rande des Regenwaldes und ermöglicht so eine noch tiergerechtere Unterbringung für die Schützlinge: „Mit einfachen aber gleichzeitig qualitativ hochwertigen Ideen wurde hier ein funktionales Zentrum errichtet, in dem neben Faultieren auch Große und Kleine Ameisenbären ein naturnahes Zuhause auf Zeit finden“ zeigt sich unsere inhaltliche Leitung begeistert.

Besondere Gäste im Schutzzentrum bestimmten den Besuch letztlich maßgeblich: Die beiden jungen Faultiere Jinkoe (ca. 8 Monate alt) und Ostrich (ca. 9 Monate alt) befinden sich seit Juli 2017 in der Obhut unserer Partnerorganisation GHFS und benötigen besondere Fürsorge. Da beide Tiere als Waisen gerettet wurden, sind sie auf die Versorgung durch die Mitarbeiter vor Ort angewiesen. Noch vor ihrem eigenen Frühstück bereitet das Team vor Ort das Frühstück für die beiden Faultiere zu: Smoothies aus Papayablüten sowie Blättern. Alle paar Stunden müssen die Tiere darüber hinaus mit Ziegenmilch gefüttert.

Nach jeder Mahlzeit dürfen beide dann an einem sonnigen Plätzchen ihren Bauch erwärmen, um die Verdauung in Fluss zu bringen.

Wappnen für die Wildnis

Damit einer zukünftigen Auswilderung nichts im Wege steht, ist bei jeder Interaktion mit den Tieren die Distanz zu Menschen die wichtigste Maßgabe. Im Falle von Jinkoe und Ostrich wird dies durch Kuscheltiere gewährleistet, die für die beiden der Mutterersatz sind und an die sich daher klammern. Müssen sie ihren Platz wechseln, werden die Stofftiere statt der Faultiere angefasst. Jeden Abend werden sie so an ihren Schlafplatz gebracht, den Inkubator (Brutkasten). Dieser dient ihnen seit ihrer Ankunft als nächtlicher Rückzugsort, auch wenn er mittlerweile nicht mehr angeschaltet werden muss.

Zuhause auf Zeit

Anders als verwaiste Jungtiere wie Jinkoe und Ostrich, die eine besondere Fürsorge benötigen, bleiben die meisten Faultiere jedoch nur wenige Tage im Schutzzentrum. Werden sie beispielsweise auf einem Grundstück oder auch auf der Straße gefunden, zeigen sie keinerlei medizinische Besonderheiten, fressen und verhalten sie sich natürlich und haben normale Ausscheidungen, werden sie am Folgetag bzw. so schnell es geht, in sicheren Waldgebieten wieder ausgewildert.

Auch dazu kam es in dem nur einwöchigen Aufenthalt von Daniela Schrudde: Ein Faultier hatte sich auf den Balkon einer Privatwohnung in der Hauptstadt Paramaribo verirrt und wurde von den Bewohnern ins Zentrum gebracht. Direkt bei der Ankunft wurde klar, dass es sich schnell wieder aus der ungewohnten Umgebung entfernen wollte. Immer wieder versuchten seine langen Arme die Transportbox zu öffnen. Nach einer Nacht unter Beobachtung war es dann so weit und das Tier konnte in einem nahegelegenen, weitgehend unberührten Mangrovenwald ausgewildert werden. In einer für Faultiere rasanten Geschwindigkeit verschwand es im Dickicht der Mangroven.

Neben diesen besonderen, wenn auch für die Mitarbeiter vor Ort alltäglichen Erlebnissen, diente der Besuch jedoch hauptsächlich der Weiterentwicklung der Tierschutzarbeit vor Ort und war geprägt von zahlreichen Besprechungen mit dem Team und den örtlichen Tierärzten. Diese Art der Projektbesuche sind von großer Bedeutung, um die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung der Projekte zu schaffen. Auch für einen noch intensiveren Schutz der Faultiere und Ameisenbären wurden Pläne gemacht, von denen wir Ihnen zeitnah berichten werden.

Helfen Sie den bedrohten Waldbewohnern!

Schon mit 30 Euro stellen Sie das tiergerechte Futter für alle im Schutzzentrum lebenden Faultiere und Ameisenbären für drei Tage sicher.

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