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Igel als Haustier halten?

Ein Beitrag von Maike Hausmann, Bundesfreiwilligendienstleistende bei der Welttierschutzgesellschaft

Inszenierte Videos und kuschelige Fotos mit Igeln sind in den Medien angesagter denn je. Die kleinen Wildtiere werden immer öfter auch in privater Hand als Haustiere gehalten – mit traurigen Folgen.

Darf ich Igel überhaupt halten?

Die Haltung von Igeln in Privathaushalten widerspricht dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), welches Igel als ein „besonders geschütztes Tier“ im Arten- bzw. Naturschutz angibt und ist daher verboten. Davon ausgenommen ist nur der afrikanische Weißbauchigel.

Wie leben Igel?

Igel sind sehr bewegungsfreudig und legen bei der Nahrungssuche pro Nacht mehrere Kilometer zurück. Werden sie privat gehalten werden, brauchen sie daher unbedingt eine artgerechte Gehege-Größe. Kleine Käfige mit Maschendraht oder Gitter sowie falscher Einstreu wie Sand und Heu führen schnell zu Krankheiten und Verletzungen.

Afrikanische Weißbauchigel benötigen tagsüber Temperaturen außerdem um die 22 Grad und einen Wärmeplatz bis 28 Grad, nachts darf es nicht unter 18 Grad sein. Falsche Temperaturen können dem Igel schaden. Anders als ihre heimischen wilden Artgenossen legen die afrikanischen Weißbauchigel ihre Ruhephase im Sommer ein. In diesen Zeiten schlafen die Tiere nicht immer fest, werden aber inaktiver. Dies ist eine wichtige Phase im Leben des Tieres, welche nicht allein von der Temperatur, sondern auch von inneren Stoffwechselprozessen ausgelöst wird. Diese Ruhephasen werden Tieren in menschlicher Obhut aber selten gewährt.

© Eli Duke / flickr

… in privater Haltung:

Laut einer Umfrage der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung aus dem Jahre 2017 erfüllen nicht einmal 30 % der Weißbauchigel-Halter die vorgegebenen Mindestmaße an das Gehege. Auch erfüllten nur 37,7 % der Tierhalter die festgelegten Fütterungskriterien. Oft sterben Igel in menschlicher Obhut frühzeitig, was ein Resultat der nicht artgerechten Haltung sein kann. Haltungsfehler sind laut BLE mit 74 % als Ursache für Erkrankungen benannt.
Ebenso resultiert die enge Zucht nach bestimmten beliebteren Farbvarianten bereits in einer immer weiter ansteigenden Inzuchtrate, welche Erkrankungen mit sich bringt. So gibt es als Resultat das „Wobbly Hedgehog Syndrome“ (WHS) – eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, das sich durch fortschreitende Lähmungen und charakteristisch wackelige Bewegungen äußert. WHS endet für die Igel nach 6 -15 qualvollen Monaten immer tödlich.

Fazit: Kann ich Igeln ein tiergerechtes Leben bieten?

Nein. Auch der einzig legal zu haltende Igel, der afrikanische Weißbauchigel, ist als Haustier gänzlich ungeeignet; darin sind sich die Fachleute einig. Daher raten wir eindringlich von der Haltung ab: Es ist schier unmöglich, ihm ein tiergerechtes Leben – wie eigentlich wildlebend – zu bieten. Der Haustiertrend ist als sehr kritisch zu betrachten und wird von uns in Gänze abgelehnt!

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