Hunde Iran

Hunde im Iran – Der Tod lauert auf der Straße

Der Iran ist ein Land mit vielen Facetten. Der Kontrast zwischen äußeren Zwängen, wie Religion oder Kleidervorschriften, und die innere Aufgeschlossenheit großer Bevölkerungsteile zeichnet sich in der Islamischen Republik so deutlich ab, wie kaum irgendwo anders.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben Sanktionen und der Krieg mit dem Irak dem Land und seiner Bevölkerung schwer zugesetzt. Dabei hat das Bewusstsein für den Tierschutz in der Gesellschaft nicht minder gelitten. Insbesondere Straßenhunde und Katzen werden oft ihrem Schicksal überlassen.

In der Millionenstadt Isfahan kämpfen täglich aberhunderte Streuner ums Überleben. Aus Angst vor Krankheiten werden in vielen Städten Hunde durch „Säuberungsaktionen“ der Behörden auf offener Straße erschossen oder vergiftet, um Stadteile von ihnen zu „befreien“. Im ganzen Iran sind mehrere tausend Tiere von diesem grausamen Schicksal betroffen. Dramatisiert wird die Lage der Tiere durch Züchter, die Tiere mitunter einfangen und meist unter nicht tiergerechten Bedingungen für kommerzielle Zuchtzwecke halten. Aufgrund fehlender Tierschutzgesetze, können Tierquäler juristisch bis heute nicht belangt werden.

Mitra Alborzi, Kuratorin von Veranstaltungen zu Nationalparks und Naturschutzgebieten im Iran, wies in einem Gespräch mit Transparency for Iran auf die mangelnde Bildung der Iraner in Sachen Tier– und Umweltschutz hin: „Auf Schulausflügen werden Kinder zu Fabriken gebracht, aber nicht zu Naturschutzgebieten. Sie wachsen ohne jeglichen Bezug zur Natur auf. Deshalb haben sogar gut ausgebildete Menschen im Iran keine angemessene Umweltschutzkultur“.

Auf den Hund gekommen

Hunde gelten in der islamischen Tradition als unrein. Ungeachtet dessen halten immer mehr Menschen der modernen Ober- und Mittelschicht in Großstädten wie Teheran Hunde als Haustiere. Auch bisher drohten Hundebesitzern bereits Strafen, aufgrund ihrer geringen Zahl wurden sie jedoch zumeist toleriert. Einige iranische Konservative nehmen den aktuellen „Hunde-Boom“ jedoch nun zum Anlass, den Haltern erneut den Kampf anzusagen. Wie schon vor drei Jahren, haben sie einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der drakonische Strafen für Hundebesitzer vorsieht. Der Besitz von Hunden soll demzufolge mit bis zu 74 Peitschenhieben bestraft werden und eine hohe Geldstrafen zahlen. Zur Begründung heißt es in dem Entwurf, das Spielen oder Spazierengehen mit Hunden oder Affen in der Öffentlichkeit „beschädige die islamische Kultur sowie die Hygiene und den Frieden anderer“. Glücklicherweise handelt es sich bei den Vertretern dieser extremen Forderungen um eine Minderheit, die kaum Gehör findet und nicht die breite iranische Bevölkerung repräsentiert. Viele Iraner sind sich einig, dass Gewalt und Ignoranz gegenüber Tieren nicht mit den Grundwerten jeglicher Religion vereinbar sind.

Und dennoch: Hundebesitzer im Iran leben gefährlich. Aus Angst vor Geld- oder Haftstrafen und davor, dass der Hund konfisziert werden könnte, trauen sich viele Menschen nur im Dunkeln mit ihren Hunden auf die Straße.

Tierschutz im Iran

Der iranische Staat duldet keine offensive Kritik und das Thema Hundehaltung ist ein hoch brisanter Streitpunkt in der iranischen Innenpolitik. „Sollte unseren Aktivitäten ein politischer Hintergrund angelastet werden, werden meine Mitstreiter in Gefahr geraten. Durch unsere unpolitische Haltung konnten wir trotz den zahlreichen Problemen, auch Unterstützer in der Stadtverwaltung von Isfahan gewinnen“, so ein Aktivist von der Tierschutzorganisation „Esfahan Preserve Nature Society“ (EPNS).

Seit 2011 organisiert die privat finanzierte EPNS Fütterungen und Rettungsmaßnahmen für verletzte oder misshandelte Tiere. Von staatlicher Seite wird die Arbeit finanziell nicht gefördert. Soweit wie möglich werden streunende Tiere kastriert, medizinisch versorgt und unentgeltlich an sorgsame Halter (u.a. auch in Deutschland) vermittelt. In provisorischen Tierheimen werden Tiere von der Straße geholt und so vor staatlicher Tötung geschützt. Alle Kosten werden durch freiwillige Helferinnen und Helfer von EPNS sowie wenigen Spenden finanziert.

Durch den aktiven Protest von EPNS gegen die Tötung von Straßenhunden wird die Konfrontation mit den Behörden bewusst gesucht, um dieser Grausamkeit ein Ende zu setzen. Zu den bisher erzielten Erfolgen gehört beispielsweise, dass „Säuberungsaktionen“ in Isfahan weitaus seltener durchgeführt werden als noch vor einigen Jahren. „Die Aufklärungsarbeit für eine tierfreundliche Gesellschaft ist ein Hauptbestandteil unserer täglichen Arbeit für diese wehrlosen Tiere. Leider ist es jeden Tag ein Kampf gegen festgefressene Gedankenstrukturen, doch wir sehen Fortschritte“, so der Kommentar einer Aktivistin. Mehr über die Arbeit der „Esfahan Preserve Nature Society“ erfahren Sie hier: http://www.omidshelter.com / info@omidshelter.com

Quellen
Iran: Konservative wollen Petschenhiebe für Hundebesitzer (Tagesspiegel)
Wildtieren im Iran fehlt Schutz

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8 thoughts on “Hunde im Iran – Der Tod lauert auf der Straße

  1. Pingback:Petitionsseiten und Tierschutzangelegenheiten - Seite 558

  2. Biggi Reply

    Ich war vor vielen Jahren im Iran, noch zur Zeit des Schah-Regimes, als vieles anscheinend doch entspannter in religiösen Dingen war als heute. Dabei kam ich, da ich mit dem Auto unterwegs war, zuvor auch durch andere islamisch geprägte Länder.
    Die meisten Menschen auf dem Land hatten panische Angst vor Hunden, was wohl daher rührt, dass es dort verwilderte Haushunde gibt, die, da sie sich in Rudeln gemeinsam ums Überleben kümmern müssen, nicht besonders „menschenfreundlich“ sind, was ich ihnen auch nicht übel nehmen kann, wenn ich mich daran erinnere, wie schlecht sie behandelt wurden!
    Das Merkwürdige ist, dass trotzdem viele finanziell etwas besser gestellte Leute zu Hause wunderschöne, reinrassige Windhunde hielten. Dasselbe fand ich übrigens auch in den arabischen Ländern und im Maghreb (Marokko, Algerien, Tunesien).
    Was nicht zusammen passt ist, dass doch auch Mohammed einen Windhund, eine Katze und ein wunderbares Pferd besass, die er lt. Überlieferung sehr geliebt und gepflegt hat!
    Wie in jeder Religion haben sich die Menschen wieder mal alles zurechtgebogen, wie es ihnen passend erscheint….
    Unreine Hunde sind die, die draussen, ohne Herr und Pflege rumlaufen….wofür sie ja selbst nix können, denn das istal wieder ein von schlechten Menschen und sehr wenig „koranfesten“ Gläubigen“ verursachten Problem!
    Alles so, wiean es braucht, wie immer!
    Auch das Kamel ist eigentlich ein sehr geschätztes Tier, es gibt sogar eine wunderschäne Sure darüber, dass das Kamel ein sehr besonderes Geschenk Allahs an die Menschen ist!
    Und? Wie werden viele Kamele behandelt?
    Schlimm!
    Genauso ist es mit den Hunden!
    Kangals sind die tollsten Hunde, die man sich vorstellen kann, stark wie Bären und schützen die Herde und ihr ganzes Dorf!
    Die sind nicht „unrein“, sondern der Stolz jedes Bauern und Pferdezüchters!
    Verdrehte Welt!

  3. c.seidenfaden Reply

    Ein land erkennt man daran wie es mit seinen tieren umgeht….mittelalter ist vorbei….intellegenz tollerranz und vorallem liebe sollte auch in solchen ländern einziehen…..erinnert mich an die hexenjagt…ohhh sind die echt so viele jahrhunderte hinterher

  4. K.Asshof Reply

    In einem Land in dem noch nicht mal die Menschenrechte eingehalten und respektiert werden , ist es doch wenig verwunderlich das friedliche Tiere auf offener Straße getötet werden .
    Dummheit , fehlende Aufklärung und ein Mangel an Einfühlungsvermögen machen diese Menschen zu Monstern in dem sie unschuldige Hunde töten .
    Hier muss dringend etwas geschehen , denn nur weil dies in vielen fernen Kilometern passiert , heißt es nicht , dass wir wegschauen sollten !!!!
    Denn es passiert und vielleicht auch gerade in diesem Moment !!!

  5. Mario Wolframm Reply

    Ja es ist schlimm was mit den Tieren passiert und ich sage immer, dass was ich für mich in Anspruch nehme muss ich auch anderen gewähren und erst Recht denen die ihr Recht nicht selber einklagen können und das sind nun mal die Tiere. Ich selber bin sehr viel in Osteuropa unterwegs, wo es das Problemm der Streuner auch gibt, aber ich habe nie erlebt das dieses Tiere aggressiv waren oder sind. Aber ich denke bevor wir auf andere Länder verweissen sollten wir erst einmal unsere Probleme lösen und wir haben mehr als genug. Wildtiere in Zirkus, Tierversuche, Massentierhaltung, Tiertransporte, Jagd, Schlachtungen usw. , aber leider ist es bei uns auch eine sogenannte christliche Partei die jegliche Verbesserungen im Tierschutz blockieren und das schon seit Jahrzehnten.

  6. Jürgen Hämmerli Reply

    Auf Grund des Umgangs mit Tieren, allen Tieren, besonders aber Hunde werde ich nie oder kein arabisches Land je besuchen, eigentlich schade aber die Tiere sind es mir wert, und für die Menschen die sooo mit Tieren umgehen kann ich nur tiefste Verachtung empfinden

  7. Jörg's Reply

    Ja, es ist ein Problem, dass Mensch & Religion solche Unterschiede zwischen Tieren und verschieden Säugetierarten macht. Das ist aber in Deutschland nur marginal besser. Dazu müsste z.B. das Schächten in diesem Land verboten werden. Egal welche Religion dieses ausübt. Und die Massentierhaltung müsste von mit Schweine- und Rinderbraten vollgestopften Kardinälen und Dekanen der christlichen Religion verurteilt werden, etc.
    Und ich möchte keinen mehr auf der Strasse mit seinem verdammten Pelzkragen sehen … aus Chinaproduktion.
    Denn, was in Asien und speziell auch in China Katzen und Hunden angetan wird, sowie vielen anderen Arten, dagegen ist der Umgang im Iran noch sehr moderat. Ganz zu schweigen davon, wieviele Arten, dank der dämlichen traditionellen chinesischen Medizin, der Ausrottung zugeführt werden.
    Also, bitte nicht bigott sein, denn wir alle können viel tun. Helfen, finanziell z.B. dieser Organisation. Oder Konsum Boykott für dieses Pelzgrauen etc.

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