Ein Markt in Wuhan – die zentralchinesische Stadt gilt als Ursprungsort des neuen Coronavirus. (© Arend Küster / CC BY-NC 2.0 via Flickr)

China verbietet Wildtierhandel

In Reaktion auf das neuartige Coronavirus, das vermutlich von einem Wildtier in China auf den Menschen übertragen wurde, hatte das Land Ende Januar zunächst die Schließung der hiesigen Wildtiermärkte angeordnet. Jetzt geht China noch einen Schritt weiter: Sowohl der Wildtierhandel als auch der Konsum von wilden Tieren soll verboten werden – eine Entscheidung, die die Situation vieler Wildtiere weltweit maßgeblich zum Positiven verändern könnte!

Je exotischer desto beliebter: Nach dieser Devise gelten Wildtiere wie beispielsweise Waschbären, Vögel, Civets oder Fledermäuse in großen Teilen der Bevölkerung Chinas als Delikatesse. Auch streng geschützte Arten wie Schuppentiere landen bis heute auf den Tellern der Bevölkerung – eine „schlechte Gewohnheit“ nennt das jetzt auch der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses in China. Am Montag verkündeten die Verantwortlichen entschlossen: China wolle den Handel mit sowie den Verzehr von Wildtieren beenden.

Im Mittelpunkt dieser Entscheidung steht die Ausbreitung des Coronavirus (Covid-19), das vermutlich auf einem Markt im chinesischen Wuhan von einem Wildtier auf den Menschen übertragen wurde. Das Verbot des Handels und des Konsums von Wildtieren solle ab sofort in Kraft treten, um „Leben und Gesundheit der Menschen wirksam zu schützen“, heißt es in dem Statement weiter. Zudem wolle – und das birgt besondere Hoffnung – ein Umdenken in der Bevölkerung erreicht werden.

Doch so wichtig diese Entscheidung auch wäre: So lange sie nicht gesetzlich verankert ist, von umfangreicher Informationsarbeit begleitet und inklusive aller Folgen vollständig durchdacht wird, ist vor allzu großer Euphorie zu warnen. Bereits nach der ersten SARS-Epidemie vor knapp 20 Jahren wurden Bestimmungen zum Schutz der Wildtiere später wieder aufgehoben.

Der Grund für bisherige Misserfolge ist die immense Profitabilität der Wildtierindustrie: Über die Jahre hat sie sich in China zu einem Wirtschaftszweig entwickelt, in dem Händler jährlich dutzende Milliarden Euro umsetzen und geschätzt 14 Millionen Menschen beschäftigen. Die Lobby hinter der Wildtierindustrie ist somit riesig und wird vermutlich auch aktuell alles daran setzen wird, eine Abschwächung der Entscheidung zu erreichen. Zudem besteht die Gefahr, dass ein alleiniges Verbot nur dazu führt, dass sich das Geschäft mit Wildtieren noch stärker im Verborgenen abspielt. Statt also nur die Gesetze zu verändern und den illegalen Wildtierhandel strenger zu verfolgen, muss das Verbot unbedingt von Informationskampagnen in der Bevölkerung begleitet werden, um ein Umdenken bei den Menschen zu bewirken.

Zeitgleich darf die chinesische Regierung nicht versäumen, eine Lösung für jene Wildtiere in China zu schaffen, die derzeit noch auf den vielen Wildtierfarmen leben. Für diese Tiere wäre es verheerend, nicht mitbedacht zu weden. Ein Beispiel für eine solche Entwicklung in Vietnam war das Verbot des Handels mit Bärengalle im Jahr 2005. Bis heute warten viele der gequälten Tiere mangels begleitender Maßnahmen auf still gelegten Farmen und in tierwidrigen Haltungen auf Hilfe. In China stehen derzeit mindestens 19.000 Wildtierfarmen unter Quarantäne. Falls diese sich in die Länge zieht, steht zu befürchten, dass die Betreiber der Farmen die laufenden Kosten für die Vesorgung der Tiere nicht mehr tragen können. Für das Schicksal der Tiere, die wegen Krankheitsgefahr auch nicht einfach ausgewildert werden können, ließe dies Schlimmes befürchten.

Ebenso sind durch die aktuellen Regeln zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus etwaige Aktivitäten wie Auswilderungen und Transporte von Tieren – wie beispielsweise von konfiszierten Schuppentieren oder ehemaligen „Gallebären“ – auch in Vietnam untersagt. Unsere Arbeit zum Schutz der Tiere wird dadurch zurzeit erheblich eingeschränkt.

Nichtsdestotrotz können wir auf positive Veränderungen hoffen: Die Deutlichkeit, mit der sich die staatlichen Medien für einen besseren Schutz der Wildtiere positionieren, ist neu und macht Hoffnung auf ein dauerhaftes Einlenken. Wir beobachten genau, ob die Vorgaben aus Peking wirklich umgesetzt werden und wie sich der Wildtierhandel daraufhin entwickelt.

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