© Wild Spirit Wolf Sanctuary/ flickr

Wolfshybriden als Haustier halten? Bitte nicht!

Von Anmut, Schönheit und Wildheit der Tiere fasziniert, interessieren sich immer mehr Tierhalter*innen für sogenannte Wolfshybriden, also Mischlinge aus Wolf und Hund. Doch die Haltung der Tiere ist teilweise illegal und auch im Hinblick auf jene, die hierzulande legal gehalten werden dürfen, extrem anspruchsvoll. Selbst besonders erfahrene Hundehalter*innen können eine tiergerechte Haltung kaum leisten. Weil leidende Tiere oftmals die Folge sind, ist aus Tierschutzsicht von ihrer Haltung abzuraten.

Recherche und Mitarbeit Patricia Hoppe, Praktikantin bei der Welttierschutzgesellschaft.

Hintergrund: Hybriden

Der Begriff „Hybrid“ kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet die Nachkommen von Eltern zweier Spezies, die nicht der gleichen Art, Unterart, Gattung oder Population angehören. Diese gelten oft als gesünder, leistungs- und widerstandsfähiger als ihre „reinrassigen“ Artgenossen. Klassische Hybriden, wie beispielsweise das Maultier, eine Kreuzung aus Pferd und Esel, sind unfruchtbar. Auf Wolfshybriden, also Kreuzungen des Wolfes mit der Unterart Hund, trifft dies nicht zu – sie sind fortpflanzungsfähig.

Was sind Wolfshybriden?

Bei Wolfshybriden handelt es sich um Kreuzungen aus Wolf und Hund. Jene der ersten Generation werden als F1-Wolfshybriden bezeichnet. Das F steht dabei für die Zuchtgeneration (im wörtlichen Sinne: Filial- bzw. Folgegeneration). Je größer die Zahl hinter dem ‚F‘, desto weiter ist das Tiere von seinem Wolfsvorfahren entfernt.
Im Falle von F1 handelt es sich also um die erste Generation der Kreuzung zwischen einem Wolf und einem Hund, bei der entsprechend jedes Elternteil zur Hälfte am genetischen Code der Nachkommen beteiligt ist. Bei der zweiten Generation (F2-Wolfshybriden) ist ein Großelternteil ein reinrassiger Wolf gewesen usw.  Mit jeder nachfolgenden Generation (F3, F4, usw.) wird der Anteil an Wolfsgenen entsprechend geringer. Wolfshybriden ab der F2-Generation haben im Gegensatz zur F1-Generation oft „gemischte” Welpen. Das heißt, dass das Aussehen und Verhalten der Welpen variieren kann: Einige Welpen können in ihrem Verhalten und Aussehen sehr wolfsähnlich sein, ihre Geschwister aus demselben Wurf dagegen eher hundeähnlich. Erst ab der fünften Generation (F5) werden Wolfshybriden als Hunde eingestuft.

Wolfshybriden in freier Wildbahn

Wolfshybriden in freier Natur sind selten, können aber vorkommen. In Deutschland gab es seit Ende der 1990er Jahre zwei Fälle von Hybridisierung zwischen einem freilebenden Wolf und einem Hund. 2003 paarte sich eine Wölfin in Ostsachsen mit einem streunenden Hund und 2017 gab es in Thüringen eine weitere Verpaarung zwischen einer Wölfin und einem Hund. „Wilde“ Wolfshybriden, die unter Wölfen aufwachsen, verhalten sich wie reine Wölfe und sind Menschen gegenüber oft misstrauisch. Im Rahmen einiger Neuregelungen im Bundesnaturschutzgesetz im Hinblick auf den Umgang mit Wölfen, wurde auch beschlossen, dass Wolfshybriden, die zwar ebenso wie Wölfe streng geschützt sind, durch die zuständigen Naturschutzbehörden aber getötet werden dürfen. Denn sie würden den Bestand der Wolfsrudel und damit den Artenschutz des Wolfes gefährden.

Dem Wolf zum Verwechseln ähnlich: Erscheinungsbild und Charakter von Wolfshybriden

In der Theorie scheint die Trennung nach Filialgenerationen einfach, doch aufgrund der Einzucht von Wolfsgenen können auch Wolfshybriden später Generationen optisch stark ihren wilden Vorfahren ähneln und für Laien oftmals kaum von diesen zu unterscheiden sein.

Auch in ihrem Verhalten sind die Tiere dem Wolf oft ähnlich. Als Wildtier meidet der Wolf von Natur aus die Nähe zum Menschen. Er ist scheu, ängstlich und misstrauisch gegenüber Geräuschen und Menschen. Während Hunde durch Jahrtausende lange Domestizierung an die Bedürfnisse des Menschen angepasst wurden, um diese angeborenen Wesenszüge abzubauen und zum „besten Freund des Menschen“ werden zu können, kann man bei Wolfshybriden ein Stück weit von einer evolutionären Rückentwicklung sprechen: Wie der Wolf können sie, abhängig von der Generation, von Natur aus eine gewisse Scheu gegenüber Fremden und Fremdem zeigen.

Gleichzeitig sind Wölfe ausgesprochen soziale Rudeltiere, die in kleinen Familienverbänden zusammenleben. Auch Wolfshybriden haben ein besonders soziales Wesen, benötigen umfangreichen Kontakt mit Artgenossen. Als Mischung zwischen Wolf und Hund bedienen Wolfshybriden eigene Verhaltensmuster und eine Körpersprache, die in vielen Situationen schlechter einschätzbar und deshalb auch unberechenbar ist. Wie ihre wilden Vorfahren, die auf der Suche nach Beute enorm große Reviere von bis zu 350km2 durchstreifen, benötigen auch Wolfshybriden extrem viel Auslauf, um nicht verhaltensauffällig zu werden.

Wolfshybriden als Haustier halten? Bitte nicht!
© Peet B. Shelley/ flickr

Darf ich Wolfshybriden in Deutschland halten?

Wolfshybriden in den Generationen F1-F4 unterliegen demselben Schutzstatus wie Wölfe und dürfen deshalb in Deutschland nicht gehalten werden.
Dies ergibt sich aus der Verordnung (EG) Nr. 1497/2003 der Kommission zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels. Unter Punkt 10 der Erläuterungen zur Auslegung der Anhänge heißt es dort:

„Hybride Tiere, bei denen in den vier vorhergehenden Generationen in direkter Linie ein oder mehrere Exemplare einer Art der Anhänge A oder B vorkommen, fallen wie reine Arten unter die Verordnung, auch wenn die betreffende Hybridart nicht ausdrücklich in den Anhängen aufgeführt ist.“

Der Wolf seinerseits wird seit 1977 im Anhang II des Washing­toner Artenschutzabkommen (Übereinkommens über den internationa­len Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen) geführt und gehört damit zu den streng zu schützenden Tierarten. Das absichtliche Stören, Fangen oder Töten sowie weitere Beeinträchtigungen von Wölfen ist verboten. Die Umsetzung seine Schutzstatus wird auf europäischer Ebene durch die Berner Konvention (Überein­kommen über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume) geregelt. Darin verpflichten sich die Vertragspartner, dem Wolf und seinem Lebensraum vollen Schutz zu gewähren.

Wer also einen Wolf oder Wolfshybriden der ersten bis vierten Generation in Deutschland halten oder züchten will, macht sich ohne entsprechende behördliche Genehmigung strafbar. Um eine solche zu erhalten, muss man nicht nur belegen können, woher die Hybriden kommen, sondern auch die Eignung zur Haltung vorweisen. Dazu gehört ein Nachweis über Fachwissen genauso wie über die Unterbringungsmöglichkeiten. Und das heißt mindestens: ein großes Gehege mit hohen Zäunen und im Boden versenkten Gittern.
Erst ab der fünften Generation ist eine Haltung der Mischlingstiere als Hunde erlaubt.

Exkurs: Tschechoslowakischer Wolfshund und Saarloswolfhund

Die Fédération Cynologique Internationale (kurz FCI), der international größte kynologische Dachverband, erkennt zwei Wolfshybriden als Hunderassen an: den tschechoslowakischen Wolfshund und den Saarlooswolfhund. Entsprechend dürfen diese beiden Rassen auch in Deutschland gehalten und gezüchtet werden. Diese beiden Rassen sind mittlerweile um zehn Generationen vom Wolf entfernt.
Doch wenngleich diese Tiere durch Züchtung gezielt an die Bedürfnisse des Menschen angepasst wurden, handelt es sich um Tiere, deren genetische Nähe zum Wolf auch erfahrene Hundehalter*innen vor große Herausforderungen stellt.          

 

Wolfshybriden als Haustier halten? Bitte nicht!
Tschechoslowakischer Wolfshund ©Hilti81/ Commons Wikimedia
Wolfshybriden als Haustier halten? Bitte nicht!
Saarloos Wolfshund © Elżbieta Wojtko Orinek7/ Commons Wikimedia

Steigende illegale Nachfrage nach Tieren mit genetisch hohem Wolfanteil

Aufgrund der schwierigen Haltung der Tiere und der strengen gesetzlichen Regelungen gibt es in Deutschland glücklicherweise nicht viele Züchter*innen von Wolfshybriden. Doch das Interesse an der Haltung von Tieren mit möglichst großer „Ursprünglichkeit“, also Ähnlichkeit zum Wolf im Verhalten und Aussehen, ist durchaus vorhanden – und hat beunruhigende Folgen: Die Nachfrage nach Tieren mit einer größeren genetischen Nähe zum Wolf führt dazu, dass es in Europa mittlerweile einen illegalen Markt für Wolfshybriden mit hohem Wolfsanteil gibt. Die Tiere werden u.a. aus den USA eingeführt, wo sie legal gezüchtet werden dürfen. Auf etwa 1000 wurde die Anzahl solcher Hybriden früher Generationen (F1 bis F4) in Deutschland im Jahr 2017 geschätzt – Tendenz steigend.

Ein Beispiel: Der Amerikanische Wolfshund (AWH), der keine einheitliche und anerkannte Hunderasse darstellt. Denn damit eine Hunderasse international anerkannt wird, müssen, neben vielen anderen Kriterien, mindestens fünf Generationen seit der letzten Einkreuzung eines Wolfes zurückliegen. Diese Voraussetzung erfüllt der AWH nicht, da immer wieder Wölfe eingekreuzt werden. Bei der Einfuhr dieser Tiere ist für die Behörden sehr schwer zu kontrollieren, ob es sich um hierzulande erlaubte Züchtungen ab Generation F5 oder um Hybriden der Generation F1-F4 handelt.

Die tiergerechte Haltung von Wolfshybriden: Für die meisten Menschen kaum machbar

Wolfshybriden der Generationen F5 und nachfolgende und die beiden anerkannten Rassen entsprechend ihrer Bedürfnisse zu halten, erfordert von den Besitzer*innen umfassende fachliche Kenntnisse sowie einen enormen zeitlichen Aufwand.

So leiden diese bedingt durch ihr überaus soziales Wesen schnell unter massiver Trennungsangst und sind nicht selten unfähig, alleine zu bleiben. Je wolfsähnlicher ein Hybrid ist, desto stärker ist diese Eigenschaft und seine Anhänglichkeit im Familienverbund ausgeprägt. Hinzu kommt, dass Wolfshybriden, ihren natürlichen Bedürfnissen folgend, gerne buddeln und kauen. Das resultiert nicht selten darin, dass sie Gehege, die ihren Radius begrenzen sollen, zerstören. Nur mit speziellen Zäunen lassen sich derartige Ausbrüche unterbinden.

Gleichzeitig benötigen die Tiere, bedingt durch ihre naturgegebene Scheu, Schreckhaftigkeit und Vorsicht aber auch ausreichende Rückzugsmöglichkeiten. Sind diese nicht vorhanden, können sich die Tiere schnell in die Enge getrieben fühlen und zur Flucht neigen. Fehlt eine Fluchtmöglichkeit, sind sie bereit, sich zur Wehr zu setzen und dabei auch zu beißen. Insbesondere auf Fremdes und Fremde reagieren die Tiere sehr skeptisch.

Kenntnisse der „normalen“ Hundesprache helfen für das Verständnis der Kommunikation eines Wolfshybriden manchmal nicht weiter. In vielen Situationen sind Verhalten und Körpersprache der Tiere schlecht einschätzbar, was unter Umständen zu gefährlichen Situationen führen kann.

Hinzu kommt, dass Tiere, die inmitten der menschliche Zivilisation leben müssen, einer extremen Reizüberflutung ausgesetzt sind, die ihren natürlichen Grundbedürfnissen in keiner Weise gerecht wird. Nicht selten stehen diese Tiere dann unter Dauerstress, der zu unkalkulierbaren Reaktionen wie verwirrte Ängstlichkeit, panischem Meideverhalten oder schlimmstenfalls gefährlichen Aggressionen gegenüber Menschen aber auch Haushunden führen kann.

Fazit: Kann ich Wolfshybriden in privater Haltung ein tiergerechtes Leben bieten? Nein!

Wer mit dem Gedanken, spielt sich einen legalen Wolfshybriden anzuschaffen, sollte zunächst seine eigene Motivation hinterfragen. Zu viele Menschen möchten diese Tiere ausschließlich aufgrund ihres Aussehens und der Faszination durch Eigenschaften wie Stärke, „roher“ Natur und Wildheit – die die Tiere vermeintlich verkörpern – halten. Die Bedürfnisse der Tiere werden dann aber meist nicht ausreichend berücksichtigt, was zu Verhaltensauffälligkeiten bei den Tieren und, damit verbunden, zu gravierenden Problemen im Zusammenleben führen kann.

Auch Einzel- und Wohnungshaltungen von Wolfshybriden sind nicht tiergerecht. Eine sehr gute Sozialisierung ist dringend erforderlich, da die Tiere viel intensiver auf Menschen und alle möglichen Umweltreize geprägt werden müssen, was deutlich mehr Zeit und Aufwand erfordert als bei normalen Hunden. Die Arbeit und vor allem das Zusammenleben mit diesen Tieren ist für die Halter*innen eine enorme Herausforderung und selbst lange Erfahrung mit verschiedenen Hunderassen reicht in den meisten Fällen nicht aus.

Die Welttierschutzgesellschaft vertritt deshalb die Ansicht, dass Wolfshybriden in Privathaltung in der Regel nicht tiergerecht versorgt werden können. Selbst die beiden anerkannten Rassen Tschechoslowakischer Wolfhund und Saarlooswolfhund haben extrem hohe Bedürfnisse und Anforderungen, die mit anderen Rassen keinesfalls vergleichbar und für die wenigsten Tierhalter*innen leistbar sind. Im Interesse der Tiere sollte auf die Haltung von Wolfshybriden – ganz gleich welcher Generation – verzichtet werden. Nur in den seltensten Fällen ist die Haltung durch hoch spezialisierte Hände aus Tierschutzsicht vertretbar.

++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++

Ihre Spende rettet Tierleben!

Bereits mit 25 Euro finanzieren Sie die lebensrettende Erstversorgung eines verletzten Tieres.

Jetzt spenden

Weitere Themen im Tierschutzblog

Mit Herz für Tiere weltweit: Caroline Hartig ist Botschafterin der WTG

Die Schauspielerin Caroline Hartig engagiert sich mit Leidenschaft für den Tierschutz. Als Botschafterin der Welttierschutzgesellschaft möchte die junge… Weiterlesen »

Wie geht es den Pferden in Deutschland?

Der Reitsport erfreut sich großer Beliebtheit, doch werden die Grundbedürfnisse der Pferde nach Bewegung, Beschäftigung und sozialem Kontakt… Weiterlesen »

Pelz? Nein, danke!

Die grausame Realität bei der Pelzproduktion ist nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erneut in den Blick… Weiterlesen »

Tierschutzerfolge 2020 – ein Jahresrückblick

Unsere Highlights der guten Neuigkeiten aus der Tierschutzwelt 2020: Weiterlesen »

Coronavirus SARS-CoV-2: Was Tierhalter*innen jetzt wissen müssen

Kann mein Haustier das Coronavirus bzw. COVID-19 übertragen? Wer wird im Falle einer Quarantäne meinen Hund betreuen? Wie… Weiterlesen »

Silvester: Wie schütze ich ängstliche Tiere?

Wir haben einige hilfreiche Tipps zusammengestellt wie Sie sowohl angemessen vorbeugen als auch in der Silvesternacht richtig auf… Weiterlesen »

Filmtipp: „Der Bär in mir“ – mit Interview

Weit und breit nichts als unberührte Landschaft, zahllose Grizzlybären – und David Bittner. Die Dokumentation „Der Bär in… Weiterlesen »

Savannah- und Bengal-Katzen als Haustier halten? Bitte nicht!

Die Haltung der Tiere ist besonders anspruchsvoll und aus Tierschutzsicht nicht zu befürworten. Weiterlesen »

Die besten Tierschutzfilme

Gestandene Tierschützer, Einsteiger ins Thema oder interessierte Kinder: Diese Filme, Dokumentationen und Beiträge rund um den Tierschutz sind… Weiterlesen »