Wie ich anfing, mir über Milch Gedanken zu machen – Ein Erfahrungsbericht

Mit 20 Jahren war es endlich so weit: Raus aus dem Kinderzimmer und rein in die Großstadt! Ich freute mich sehr auf mein neues, eigenständiges Studentenleben.

Auch das Einkaufen im Supermarkt war neu für mich. Auf einmal war es meine eigene Entscheidung, was in meiner Einkaufstasche landet und was nicht. Am Anfang wählte ich meist das aus, was günstig und leicht zuzubereiten war. Irgendwann entdeckte ich im Supermarkt gegenüber einen Soja-Bananendrink, den ich sehr lecker fand. Das war mein erstes Experiment mit alternativen Milch-Sorten.

Eine weitere Besonderheit meines neuen Lebens in der Großstadt war, dass ich endlich einen eigenen Internetanschluss hatte. Ich konnte also surfen, wann immer ich Lust hatte. Damals war StudiVZ der neue Hype, bei dem ich gerne mitmachte und die vielfältigen Gruppen, die sich dort bildeten, nutzte. Zum ersten Mal in meinem Leben kam ich über das Netz mit Vegetariern und Veganern in Kontakt.

„Eigentlich war mir ja klar, dass ich nie ein Tier töten kann und deshalb auch keines essen sollte.“

Der Austausch mit ihnen regte mich zum intensiven Nachdenken über mein Essverhalten an, und ich begann, einiges in Frage zu stellen. Veganer, die ich ein paar Jahre zuvor noch völlig abstrus fand, konnte ich auf einmal verstehen.

Als Kind verbrachte ich meine Ferien einmal auf dem Bauernhof. Dort spielte ich den ganzen Tag mit einem Kälbchen, das eingesperrt in einer kleinen Box stand. Es saugte die ganze Zeit wie verrückt an meiner Faust. Ich fand das entzückend, denn als Kind war mir nicht bewusst, dass das Kälbchen seiner Mutter weggenommen wurde und eigentlich am Euter saugen wollte. Der Milch-Bauer erlaubte mir, dem Kälbchen einen Namen zu geben. Ich taufte sie Lotta. Oft frage ich mich, wie es Lotta wohl heute geht oder ob sie überhaupt noch lebt.

„Mir war nicht bewußt, dass das Kälbchen seiner Mutter weggenommen wurde.“

Trotz meiner bleibenden Erinnerung an Lotta konsumierte ich als „erwachsene“ Studentin weiterhin herkömmliche Milchprodukte, was wahrscheinlich wieder auf meine Verdrängungskünste zurückzuführen war. Damals lernte Patrick, mein Mitbewohner, seine jetzige Frau Bibi kennen. Sie war Veganerin. Ich war sofort fasziniert von ihr und wollte alles über ihren Lebensstil wissen. Obwohl ich ihren Weg für richtig hielt, wusste ich dennoch, dass ich für diese Ernährungsform nicht gemacht bin. Ich liebte Käse – auch heute noch – und wollte nicht darauf verzichten. Auch ein Sonntagsfrühstück ohne Ei konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Bio-Produkte waren mir fremd und ich dachte mir: „Ich bin Studentin und kann mir das noch nicht leisten.“

„Es ist überhaupt nicht schwer, auf kuhfreundliche Produkte zu achten.“

Auch jetzt noch bin ich Studentin – mittlerweile im Master – und zahle gerne ein paar Cent mehr für Bio- oder Dinkelmilch und Bio-Käse. Heute weiß ich, dass der höhere Preis nur eine Ausrede war, um weiter bequem alles in die Einkaufstasche werfen zu können, was im Supermarktregal angeboten wird. Dabei ist es überhaupt nicht schwer, auf kuhfreundlichere Produkte zu achten: Denn Bio-Milch und -Käse, die mit anerkannten Bio-Siegeln versehen sind, gibt es in allen größeren Supermärkten wie z. B. REWE oder Kaufland. Dabei achte ich vor allem auch auf Siegel der privaten Anbauverbände (Bioland, Naturland, Demeter), da diese noch mehr tierschutzrelevante Vorgaben zur Haltung als das staatliche Bio-Siegel oder das EU-Bio-Logo haben.

Gutes Essen ohne Tierleid hat für mich einen sehr hohen Stellenwert bekommen, und ich gehe heutzutage viel bewusster einkaufen. Der Preis spielt dabei keine Rolle mehr für mich, denn das Wohlbefinden der Tiere und meine Gesundheit sind mir wichtiger. Dafür kaufe ich mir lieber ein T-Shirt weniger, verzichte auf neue Elektrogeräte oder nutze Secondhandshops. Teure Strandurlaube brauche ich auch nicht, ich fahre stattdessen zum Entspannen lieber mal in den Odenwald oder ins Allgäu. So wurde ich von der Tierschützerin auch gleichzeitig zur Umweltschützerin.

– Lisa Mair, Praktikantin bei der Welttierschutzgesellschaft

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2 thoughts on “Wie ich anfing, mir über Milch Gedanken zu machen – Ein Erfahrungsbericht

  1. Petra Müller Reply

    Es gibt mir Hoffnung, dass heutzutage viele junge Menschen ein Bewusstsein für die grausame Entartung der Fleisch- und Milchproduktion entwickeln. Bei mir selbst hat es leider fast 50 Jahre (ich bin 49) gedauert. Wenn ich bedenke, wieviel unbeschreibliches Tierleid ich durch meinen jahrzehntelangen, unüberlegten Konsum mitverursacht habe, wird mir richtig schlecht. Bravo, Lisa! Mach nicht den gleichen Fehler wie die meisten Leute meiner Generation! Nur dann kann sich etwas ändern.

  2. sabine drechsel Reply

    hallo, liebe Tierfreunde
    Ich finde es schon gut, das sich Menschen für Tiere einsetzen aber… dann bitte richtig.
    Ich beziehe mich hier auf den Aufruf zur Unterschrift zwecks Kuhhaltung. So wie mir bekannt ist ( wir haben Bauern in unserer Verwandtschaft ) ist die Anbinde Haltung bis Ende 2015 eh verboten worden. Jeder Betrieb, der neu anfängt muß Freilaufställe bauen!!
    Was die Milchleistung anbelangt, das stimmt, das müsste nicht sein wenn…die Menschen ihren Fleisch-, Milch-, Butter-, Joghurt-, Wurst – Konsum einschränken würden!!! Aber was mir an der Campagne nicht gefällt… für Schweine gäbe es schon eine Regelung…ist es denn normal, das eine Sau sich in der Wurf box nicht mal drehen kann ?
    auch ein Schwein will sich im Freien suhlen, sich am Baum kratzen…
    will sich bewegen, mit seinen Freunden spielen ( wir halten unsere im Offenstall )…
    Regeln werden gemacht für wen? garantiert nicht für unsere Tiere !!!

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