Vom Studenten zum Dozenten

Die Erfolgsgeschichte des Kilasi Naiuri Mollel:

Wir begegneten Kilasi zum ersten Mal im November 2015. Damals war er einer der Teilnehmer unseres neu angelaufenen TIERÄRZTE WELTWEIT Kurses am College für Tierhaltung und Tiergesundheit in Arusha/Tansania. Seitdem ist viel passiert: Kilasi hat sein Studium erfolgreich abgeschlossen und arbeitet heute als Juniorlektor am College.

Kilasi gehört der im Norden Tansanias weit verbreiteten Volksgruppe der Massai an, einem ursprünglich nomadisch lebenden Hirtenvolk. Massai bedeutet „Menschen mit Rindern“ und in der Tat war und ist das Lebenszentrum der Massai ihr Vieh, das sie mit nahezu allem Lebensnotwendigen versorgt.

Dementsprechend ist auch Kilasi mit Tieren großgeworden. „Ich habe als Kind den typischen Lebenslauf eines Masaaijungen gehabt. Meine Familie hatte 200 Rinder und 20 Esel. An den meisten Tagen bin ich morgens mit den Tieren auf die Weide gegangen und kam abends zurück ins Dorf.“
Und doch bot sich Kilasi – anders als den meisten Kindern der Massai – die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Im Alter von zehn Jahren kam er mit einem Regierungsstipendium auf eine Internatsschule.

„Die Gesundheit der Tiere lag mir schon immer am Herzen“

Über seine Motivation, am Tengeru College Tierhaltung und Tiergesundheit zu studieren sagt der heute 27-jährige: „Ich bin mit Tieren aufgewachsen und habe gesehen, dass hier deutlich zu wenig für die Tiere getan wird. Mein Berufsziel war es immer, mich für den Schutz der Tiere und ihre Gesundheit einzusetzen, da ich durch meine eigenen Erfahrungen weiß, wie wichtig es ist, dass es den Tieren gut geht – auch für uns Menschen.“

Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums ist er nun dabei, sich einen Traum zu erfüllen: Seit September 2016 lehrt Kilasi am College Grundlagen der Tiergesundheit. TIERÄRZTE WELTWEIT Programmmanager Dr. Ruprecht Herbst nahm den engagierten jungen Mann schon beim ersten Treffen als „überdurchschnittlichen Studenten mit sehr guten Kenntnissen im Tierschutz und Tiergesundheit“ wahr.

„Ich habe mich nach meinem Studium dort beworben da ich unbedingt lehren und meine Erfahrungen und mein Wissen an möglichst viele Menschen weitergeben möchte. Die zusätzliche Qualifikation durch den TIERÄRZTE WELTWEIT-Kurs hat meine Bewerbung unterstützt und dazu geführt, dass ich jetzt hier lehren kann.“

Berührungsängste verlieren

Seine Vorlesungen im Kursraum ergänzt der Nachwuchslektor mit praktischen Übungen am Tier. „All die praktischen Übungen, die ich selbst im Rahmen des TIERÄRZTE WELTWEIT-Kurses kennengelernt habe, führe ich jetzt auch mit meinen Studenten durch. Denn Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe und wie sollen die Studenten, von denen viele – anders als ich – aus der Stadt kommen und ohne Kontakt zu Tieren aufgewachsen sind, sonst ihre Berührungsängste verlieren?“

Nebenbei ist Kilasi zusätzlich als selbstständiger Tierschutz- und Tiergesundheitsberater unterwegs. Er kümmert sich um die Gesundheit der Tiere und gibt den Haltern wertvolle Tipps rund um die richtige Haltung und Pflege. Insbesondere bei der Arbeit in den Massai-Dörfern rund um Arusha stellt die Sprache für fast alle seiner Kollegen eine Barriere dar, denn nur die „modernen“ Massai sprechen die Landessprache Swahili oder gar Englisch. Aufgrund seiner eigenen Herkunft ist Kilasi in der Lage in der Massai-Sprache, die Tierhalter für die Gesundheit und den Schutz ihrer Tiere zu sensibilisieren, ihnen die Notwendigkeit einzelner tiermedizinischer Behandlungen zu erläutern und aufzuzeigen, was sie selbst tun können, um für die Gesundheit ihrer Tiere zu sorgen.

In Kürze steht Kilasis Evaluation an, bei der andere Lehrende des Colleges zu seinen Vorlesungen kommen und diese bewerten. Wir drücken ihm ganz fest die Daumen!


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