Screenshot aus Almased Werbespot https://www.youtube.com/watch?v=MEXd4pKtQQw

#StopptTierleid: Das Problem der unkritischen Darstellung von Qualzucht

Wenig Lärm um viel Leid

Ob in den sozialen Netzwerken, auf Werbeflächen oder Wahlplakaten: Tiere werden in der Medienlandschaft oft und gern ins Licht gerückt, denn sie versprechen viel Aufmerksamkeit, gute Klicks und Verkaufszahlen sowie bestenfalls Sympathie für die Werbetreibenden. Besonders häufig begegnen uns dabei aber Tiere, die vor allem wegen ihres immensen Leides in den Mittelpunkt gehören. Lesen Sie, wie das schmerzvolle Schicksal von Qualzuchten wie Mops, Englische Bulldogge und Co. als Mittel zum Zweck billigend und vollkommen unkritisch genutzt wird.

Rundliches Babygesicht, plattgedrückte Nase, große Kulleraugen, kurze, tapsige Beine – Tiere mit diesen Merkmalen werden in den Medien zu Hauf eingesetzt. Denn das „Kindchenschema“, das diese Tiere verkörpern, generiert Aufmerksamkeit und ruft (wohl aufgrund der Aktivierung von Schlüsselreizen) positive Emotionen sowie Beschützerinstinkte hervor. Abseits der unmittelbaren Marketingziele, die mit der Werbung verbunden sind, ist wissenschaftlich belegt, dass Tiere in den Medien den Kauf bestimmter Arten und Rassen ankurbeln und über mehrere Jahre beeinflussen können. Das trifft nicht nur auf Filme und Serien, sondern ebenso auf Werbung zu.

Doch die unreflektierte Darstellung bestimmter Tiere und Tierarten ist fatal:

Die unkritische Darstellung überzüchteter Tiere wie Qualzuchten fördert und normalisiert das Leid

Was ist Qualzucht bzw. was sind Qualzuchten?

Sowohl bei Haus- als auch bei Nutz- und Wildtieren gibt es bestimmte Merkmale, die zu Veränderungen am Körper und im Wesen der Tiere führen. Sie können die Größe und Proportionen, die Haut, das Fell (bzw. Haare oder Gefieder) sowie ästhetische Merkmale betreffen. Auch eine hohe Leistungsstärke kann zum Zuchtziel werden, wie beispielsweise bei Rindern oder Hühnern. Qualzucht ist es immer dann, wenn diese angezüchteten Merkmale oder ihre Folgen Qualen, Leiden oder Schmerzen für die Tiere bedeuten können. »Mehr erfahren

Um dem andauernden Trend der gesteigerten Nachfrage nach Qualzuchten durch Werbung entgegenzuwirken, startete bereits 2016 die Deutsche Tierärzt*innenschaft eine umfangreiche Öffentlichkeitskampagne gegen den Einsatz von französischen Bulldoggen, Möpsen, Perserkatzen und weiteren Qualzuchten als Werbeträger. Sie forderte von Unternehmen, nicht mehr mit diesen und anderen Qualzuchtrassen zu werben, damit Modetrends, bei denen die Gesundheit der Tiere vollkommen in den Hintergrund rückt, nicht weiter beflügelt werden.

Geändert hat sich seitdem aber leider kaum etwas: Mittlerweile blicken uns mehr Qualzuchten denn je von digitalen und analogen Werbeflächen entgegen. Ein Trend, dem es unbedingt Einhalt zu gebieten gilt!

Beispiele für Qualzuchten in den Medien

Die folgend aufgeführten Beispiele stellen Tierleid-Inhalte dar, die keinen informativen oder dokumentarischen Zweck erfüllen, sondern rein der vermeintlichen Unterhaltung oder der Steigerung von Reichweite oder Verkaufszahlen dienen. Wir hoffen, Ihnen anhand der Beispiele einen kritischen Blick auf entsprechende Inhalte vermitteln zu können. Davon zu unterscheiden sind Inhalte, die bewusst verbreitet werden, um über Missstände zu informieren und das Bewusstsein in der Bevölkerung zum Thema Tierschutz zu stärken. Hier erfahren Sie mehr über unterschiedliche Tierleid-Inhalte: https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/leitfaden-tierleid/

  • Almased

Das Mittel zur Gewichtsreduzierung stellt vermeintlich unterhaltend eine englische Bulldogge dar, die eine Reihe an Qualzuchtmerkmalen, darunter ausgeprägte Brachyzephalie aufweist.

  • Bündnis 90/ Die Grünen

Ob der Weihnachtsgruß einer plattschnäuzigen französischen Bulldogge oder der programmatische Inhalt der Forderung nach sauberer Luft für alle: Die Partei, die laut ihrem Parteiprogramm eigentlich stärker gegen Qualzucht vorgehen will, greift wiederholt auf eben diese zur Bebilderung ihrer Kommunikation zurück.

  • Supermarktkette Netto

Mit Verweis auf zahlreiche tierische Stars aus den sozialen Netzwerken wie der berühmten „Grumpy Cat“, hat die Supermarktkette Netto ein Werbevideo mit Katzen veröffentlicht, das Qualzuchten als Hauptdarsteller wählt – und leider binnen kürzester Zeit viral ging.

Fotonetzwerke und Bilddatenbanken sind Teil des Problems

Viele Werbetreibende greifen bei der Produktion ihrer Werbemittel auf das Angebot von Bilddatenbanken zurück. Hier finden sich unter Titeln wie „Hund süß“, „Katze lustig“ und verwandten Begriffen, meist an erster Stelle hunderte Bilder von Qualzuchtrassen wie Möpsen, Französischen und Englischen Bulldoggen sowie Faltohr- und Perserkatzen. Solche Bilddatenbanken – wie pixabay, flickr, istock und mehr –  stellen somit den Nutzer*innen Inhalte zur Verfügung, die Qualzucht und damit Tierleid gänzlich unkritisch und zum Teil sogar verherrlichend darstellen. Einige Datenbanken sind von Nutzer*innen gepflegt, was bedeutet, dass hier eigene Inhalte hochgeladen werden können. Qualitätskontrollen in Bezug auf Qualzuchten, also das Leid der Tiere, scheinen nicht zu existieren. Durch die Bereitstellung dieser Bilder und einer vollkommen unkritischen Verschlagwortung wird die unreflektierte Verwendung dieser Abbildungen durch die sich daran bedienenden Multiplikatoren noch befördert – ein Teufelskreis.

Erste Schritte werden getan: Verbot der Zurschaustellung von Qualzuchten bei Hundeausstellungen – und jetzt überall?

Ein wichtiger Anstoß im Zusammenhang mit Qualzuchten erfolgte in Bezug auf Hundeausstellungen in Deutschland bereits: Dort, wo Züchter*innen und Halter*innen ihre Tiere ausstellen und an Wettbewerben teilnehmen lassen, sollen zukünftig keine überzüchteten und mit gesundheitlichen Problemen belasteten Individuen mehr prämiert werden dürfen.

Anfang 2022 trat diese Änderung der Tierschutz-Hundeverordnung in Kraft. Dies ist ein wichtiger Schritt, der jetzt aber unbedingt auf weitere Tierarten und Bereiche ausgeweitet werden muss. Denn nur wenn die Darstellung von Qualzuchten überall verpönt wird, kann auch die Nachfrage sinken – und die Zucht eingeschränkt werden.

Die WTG fordert von Multiplikatoren (z.B. Medien und Werbemacher sowie soziale Netzwerke) und seinen Nutzer*innen:

Bei der Verwendung von Qualzuchten als Werbegesichter auf Plakaten oder Anzeigen, darf nicht länger vergessen werden, dass es sich dabei um lebende und oft vor allem leidende Wesen handelt, die unter Umständen aufgrund der Darstellung auch noch an Nachfrage gewinnen.

Wir appellieren deshalb an alle Multiplikatoren, sich ihrer Verantwortung für die Tiere mit denen geworben wird, bewusst zu werden und diese im Hinblick auf das Leid kritisch auseinanderzusetzen.

Im Rahmen unserer Kampagne "Stoppt Tierleid in den Sozialen Netzwerken"  fordern wir, dass die Betreiber der sozialen Netzwerke Tierleid-Inhalten keine Plattform mehr bieten – dazu zählt auch die verherrlichende oder unkritische Darstellung von Qualzuchten.

Unsere Forderung an die Betreiber*innen der Netzwerke, derartigen Tierleid-Inhalten Einhalt in sozialen Netzwerken zu bieten, können Sie hier mit Ihrer Petitions-Unterschrift stärken:

Jetzt unterschreiben!

Stärken Sie unsere Forderungen mit Ihrer Stimme und setzen Sie sich mit uns so für ein Stopp von Tierleid-Inhalten ein!

Jetzt unterschreiben!

Auch von Seiten der Nutzer*innen bzw. Rezipienten von Werbung und Medien muss der Umgang mit und die Reaktion auf Qualzuchten überdacht werden. Es sollte nicht in Form von gewünschter Reaktionen (z.B. dem Liken, Teilen und positiven Kommentieren) gefördert, sondern vielmehr kritisch den Ersteller*innen bzw. der Plattform gegenüber kommuniziert werden Wie Sie dabei in sozialen Netzwerken vorgehen sollten, zeigt unser Leitfaden: https://welttierschutz.org/stoppt-tierleid/leitfaden-melden/

Weitere Forderungen in Bezug auf Qualzuchten und eine umfangreiche Darstellung der vielfältigen Merkmale der Tiere, finden Sie hier: https://welttierschutz.org/qualzucht/ 

Stoppen Sie das Tierleid!

Helfen Sie mit Ihrer Spende, unser Anliegen in die Gesellschaft zu tragen und die wichtige politische Arbeit zu leisten, um das Thema Tierschutz im Digitalen endlich auf die große politische Bühne zu heben.

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