TTIP – und keines der T’s steht für Tierschutz

Unsicherheit in der Gesellschaft: Werden wir bald Hormon-Milch und geklontes Fleisch im örtlichen Supermarkt finden? Erleben Eier aus Legebatterien ein europäisches Comeback? Nicht nur für uns Menschen – auch auf unsere tierischen Freunde könnte sich das Freihandelsabkommen TTIP unangenehm auswirken.

Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Europa beschäftigen sich derzeit mit Möglichkeiten und Grenzen des Freihandelsabkommens. Laut Veranstalter begaben sich Anfang Oktober fast eine Viertel Million Menschen auf die Straße, um gemeinsam gegen TTIP zu protestieren. Getragen wurde die Demonstration von zahlreichen Gewerkschafts- und Sozialverbänden. Aber auch Umwelt- und Tierschutzorganisationen versammelten sich am Washingtonplatz in Berlin, um für die wackeligen Rechte der Nutztiere Europas zu kämpfen.
TTIP – könnten diese vier Buchstaben über unsere wirtschaftliche Zukunft entscheiden? Die „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ spaltet die Gemüter der Verbraucher in ganz Europa.  Laut der Regierungschefs werde das Ziel verfolgt, eine „freie, offene und auf vereinbarten Regeln beruhende Welt zu schaffen“. Eine liberale Handelszone errichten, die freie Wirtschaft stärken – das hört sich in Zeiten von Wirtschafts- und Eurokrisen erst einmal vernünftig an. Doch blickt man genauer hinter die Freihandels-Fassade, kommen Zweifel auf: Das Abkommen wird sich auf fast jeden erdenklichen Lebensbereich auswirken.

Das Freihandelsabkommen kurz erklärt

Mit TTIP soll die größte Freihandelszone unseres Planeten geschaffen werden. Die EU-Kommission und die US-Regierung sitzen gemeinsam an einem Tisch – stellvertretend für circa 800 Millionen Bürger. Befürworter sehen große Chancen für ein Wirtschaftswachstum auf beiden Seiten: Die Arbeitslosigkeit soll sinken, Löhne steigen, Erzeugnisse billiger werden. Durch die Abschaffung von Zöllen und bürokratischen Grenzen können Unternehmen viel Geld einsparen. Zunehmende wirtschaftliche Unabhängigkeit vom asiatischen Absatzmarkt könnte mithilfe des Freihandelsabkommen mehr und mehr zur Realität werden.
Unterm Strich bedeutet das aber auch: Mächtige Konzerne werden noch mächtiger, während die unzähligen klein- und mittelständischen Betriebe als scheinbare Verlierer aus dem Abkommen hervorgehen. „Nur wenige kleine Unternehmen könnten dem durch TTIP zu erwartenden enormen Wettbewerbsdruck standhalten“, vermutet Dr. Leif Koch, politischer Referent bei der Welttierschutzgesellschaft. Auf TTIPs Prioritätenliste steht der Abbau von „Handelshemmnissen“ ganz oben. „Diese sogenannten Handelshemmnisse sind allerdings hochwertige europäische Schutzstandards, die Umwelt, Verbraucher und Arbeitnehmer schützen. Es wäre ein Rückschlag, diese Richtlinien auf amerikanische Standards herabzusenken“, so Koch weiter.

Kaffee mit Hormon-Milch und Spiegelei frisch aus der Legebatterie?

Eine Herabsenkung der EU-Standards für Qualität könnte demnach auch mit einem Anstieg des Tierleides einhergehen. Denn: Auf dem nordamerikanischen Kontinent steht beispielsweise Milch im Regal, die Rückstände des gentechnisch produzierten Wachstumshormons „rBST“ enthält. Europaweit ist der Einsatz dieses Mittels verboten. Kein Wunder, dass die amerikanischen Milchkühe – laut Studien – verstärkt unter schmerzhaften Entzündungen der Milchdrüsen leiden, die oftmals durch das Präparat hervorgerufen werden. Eine Kennzeichnungspflicht für hormonbehandelte Milch gibt es in den USA nicht. Hierzulande gilt außerdem seit 2010 ein Verbot für Legebatterien, während die unwürdige Einzelkäfighaltung in den USA weiterhin die Norm ist. Spiegelei frisch aus der Qualhaltung? Laut Silke Schwartau der Hamburger Verbraucherschutzzentrale besteht durch TTIP die realistische Gefahr, dass Käfigeier ohne gesonderten Hinweis in die EU gelangen: „Wir haben Jahrzehnte für Verbraucherschutzstandards gekämpft! Dazu gehört keine Gentechnik auf unserem Teller, kein Klonfleisch, kein Turboschweinefleisch durch Wachstumshormone oder die Kennzeichnung von Nanopartikeln. Diese Standards müssen erhalten bleiben“, so Schwartau weiter.

TTIP als Bösewicht?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird TTIP in naher Zukunft unterzeichnet. Diese vier Buchstaben haben schon vorab eine gesellschaftliche Debatte entfacht und fordern Europa nun dazu auf, seine ethischen und moralischen Grundwerte herabzusetzen. Zwar birgt ein faires Freihandelsabkommen auch viele wirtschaftliche Möglichkeiten, es droht aber die Gefahr, dass europäische Tierschutzrichtlinien von US-Mindeststandards unterlaufen werden – und das wäre ein fataler Rückschritt.
Die EU-Kommission ist gefragt: Nein zu Eiern aus Legebatterien, Hormonmilch und genmanipulierten Erzeugnissen! Denn es ist die Aufgabe einer modernen, demokratischen Regierung, das Wohlergehen der Lebewesen an die erste Stelle zu setzen – auch die der Tiere, die sich wie gewöhnlich nicht selbst zu Wort melden können.

Quellen:
www.swp.de
www.vzhh.de

http://know-ttip.eu (besucht am 11.10.2015)
eggcheck.vier-pfoten.de
www.welt.de
www.ncbi.nlm.nih.gov

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