„Wie nach Hause kommen“

Im Mai war es soweit: Nachdem wir in Uganda mit dem ersten TIERÄRZTE WELTWEIT-Kurs im September 2016 die Weichen für die Verbesserung der tiermedizinischen Versorgung gestellt hatten, ging jetzt der Fortsetzungskurs gemeinsam mit der Bam Animal Clinics (BAM), unserem Partner in Iganga, an den Start. Erneut konnten wir dabei auf die Unterstützung der Schleswig-Holsteiner Tierärztin Dr. Christine Montag zählen. Es war bereits ihr vierter ehrenamtlicher Einsatz für TIERÄRZTE WELTWEIT und der zweite in Uganda. Die Erlebnisse vor Ort hat sie eindrücklich festgehalten.

Zum Hintergrund
Im Rahmen unseres Programms TIERÄRZTE WELTWEIT schulen wir in Uganda so genannte Community Animal Health Worker, kurz CAHWs (Tiergesundheitshelfer) in tiermedizinischen Grundlagen. Denn trotz mangelhafter tiermedizinischer Ausbildung sind sie es, die im Land für das Wohl von Ziegen, Rindern oder Hühnern verantwortlich sind. Insbesondere in den ländlichen Gebieten sind sie die einzige Chance auf Versorgung für die zahlreichen Nutz- und Haustiere. Die wenigen ugandischen Tierärzte übernehmen stattdessen vorrangig administrative Aufgaben wie z. B. die Seuchenbekämpfung, das Hygienemanagement sowie die Kontrolle der Tiermärkte. Die CAHWs spielen durch ihre regelmäßige Interaktion in den Gemeinden als „Berichterstatter“ für die Amtstierärzte eine grundlegende Rolle beim Monitoring von Krankheiten und der Verhinderung von Ausbrüchen von Tierseuchen.

Es fühlte sich an wie „Nach-Hause-Kommen“

„Besser hätte der Start in diesen zweiten Workshop nicht sein können. Die Workshop-Teilnehmer, vertraute Gesichter, begrüßten uns allesamt mit strahlendem Lachen und waren ganz erpicht darauf, weiter zu lernen. Einige neue Gesichter waren dazugekommen, die schnell ebenso vertraut wurden.

Als Einstieg wiederholten wir den klinischen Untersuchungsgang, der bereits im ersten Kurs ausführlich thematisiert worden war. Das brachte gleich viel Spaß, als die Teilnehmer den Umgang mit dem Stethoskop an ihrem Banknachbarn üben sollten. Da wurde das eine oder andere Hemd gelüftet, um die Atemgeräusche oder Herztöne genauer hören zu können und es wurde viel gelacht.

Doch geht es hier nicht nur um die richtige Technik, sondern auch darum, die richtigen Schlüsse im Hinblick auf die Gesundheit des später untersuchten Tieres und eine mögliche Therapie zu ziehen. Diese Wiederholung war sehr wichtig und so schlossen wir an den theoretischen Teil unmittelbar eine Übungseinheit am Tier an. Die BAM hatte hierfür im Vorfeld einige lokale Tierhalter dazu aufgerufen, ihre Kühe, Schafe und Ziegen zum Schulungsort zu bringen, die so einen kostenlosen tiermedizinischen Gesundheitscheck erhielten.

Spannend und intensiv ging es an den nächsten Tagen weiter. Nachdem im ersten Teil des Kurses die Grundlagen für Haltung, Fütterung, Hygiene und Wundmanagement sowie der Einstieg in die parasitären Erkrankungen erarbeitet worden war, ging es nun an die anderen Infektionskrankheiten. Die Unterscheidung von Bakterien, Viren und Pilzen, das Erstellen einer korrekten Differentialdiagnose oder eines Impfschemas – diese Themen ließen die Köpfe der Teilnehmer das eine oder andere Mal rauchen. Trotzdem verging ihnen dabei nie der Spaß und die Begeisterung.

Da wir im letzten Jahr bei der Bearbeitung der durch Zecken übertragenen Krankheiten nur wenig Zeit hatten, um über das East Coast Fever zu sprechen, widmeten wir diesem Thema diesmal einen ganzen Tag. Es ist ein wirklich wichtiges Thema, da die Krankheit besonders in dieser Region Ugandas sehr verbreitet ist. Gemeinsam mit Dr. Ann Nenteza, einer Dozentin an der Makerere Universität und Dr. Patrick Ssendi, einem praktizierenden Tierarzt mit langjähriger Erfahrung in der Praxis, schafften wir es, eine Brücke zwischen Theorie und Forschung einerseits und der Realität in der Praxis andererseits zu schlagen. Alle waren begeistert von diesem lebhaften Austausch.

Highlights des Workshops waren die beiden „Feldeinsätze“ – die mobile Klink in einer weitab gelegenen Gemeinde und die Kastrationsklink in Iganga selbst.
Mit großen Mengen an Medikamenten im Gepäck erreichten wir nach ca. 1,5 Stunden Fahrt einen Dorfplatz mit einer kleinen Kirche, ein paar Hütten und zunächst nur einigen vereinzelten Menschen. Doch innerhalb weniger Minuten füllte sich der Dorfplatz und es nahm kein Ende: In Scharen brachten die Menschen ihre Rinder, Ziegen, Schafe, Schweine und Hunde. Der Gemeinde, die von einem der Teilnehmer unseres Workshops betreut wird, war ein kostenloser Gesundheitscheck ihrer Tiere angekündigt worden, den sich selbstverständlich niemand entgehen lassen wollte. Denn die Menschen haben kaum Geld für Nahrungsmittel oder die Schulgebühr ihrer Kinder, geschweige denn für die Behandlung ihrer Tiere. Und so wurde entwurmt, geimpft, gegen Zecken und Flöhe behandelt bis von den mitgebrachten Medikamenten nichts mehr übrig war.

Das zweite Highlight war die Kastrationsklinik am letzten Kurstag. Hier ging es vor allem darum, den Kursteilnehmern aufzuzeigen, was es bei der Vorbereitung und bei der Durchführung einer professionellen Kastrationsklinik zu beachten gilt. Angefangen bei der Sterilisation der Instrumente und der Ausstattung der OP-Tische, über die korrekte Reinigung der Hände bis hin zur klinischen Untersuchung des Patienten, dem Legen des Katheters, der Dosierung des Narkosemittels und natürlich der Überwachung des Tieres während und nach dem Eingriff, gingen wir die Vorgehensweisen Schritt für Schritt durch. Während eine Gruppe die Erklärungen und den Eingriff selbst gespannt verfolgte, betreute die andere Gruppe den außerhalb des OP-Bereichs aufgebauten Registrierungsbereich.

Sehr schön konnten wir hier auch nochmal die Bedeutung und die Möglichkeiten der Schmerzausschaltung, die ja eine der Fünf Freiheiten des Tierschutzes darstellt, diskutieren. Ein Aspekt, der aufgrund der lokalen Gegebenheiten – sei es aus Mangel an Kenntnissen oder an Medikamenten – in der Praxis bisher leider häufig nicht ausreichend berücksichtigt wird. So ist es üblich, auch größere chirurgische Eingriffe wie die Kastration ohne Narkose durchzuführen. Daher war es besonders wichtig, die Teilnehmer nochmals für die Wichtigkeit der Freiheit von Schmerz ihrer tierischen Patienten zu sensibilisieren.

Besonders gerührt hat mich zum Abschluss das ganz persönliche Feedback von einem der Kursteilnehmer. Er sagte mir, dass er durch das zusätzliche Wissen, das er im Laufe dieser Woche gewonnen habe, viele Unsicherheiten und Ängste erheblich reduzieren konnte und in Zukunft mit viel größerem Selbstvertrauen seine Arbeit machen wird.“

Auch wenn wir mit dem TIERÄRZTE WELTWEIT-Kurs innerhalb von zwei Wochen nicht die komplette tiermedizinische Grundausbildung nachholen können, die einigen der teilnehmenden Tiergesundheitshelfer fehlt, konnten wir durch die Stärkung ihres fachlichen Wissens und praktischen Know-hows die Qualität der Versorgung zahlreicher Tiere bereits entscheidend verbessern.

Bitte unterstützen Sie uns dabei, das Programm TIERÄRZTE WELTWEIT in Uganda weiterzuführen!


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