TIERÄRZTE WELTWEIT: Zurück in den Alltag

Nach zehrenden Monaten der Pandemie, in deren Folge sowohl die praktischen Übungen als auch die Präsenzlehre an Unis und Colleges kaum oder nur eingeschränkt möglich waren, konnte es 2021 im Programm TIERÄRZTE WELTWEIT wieder in nahezu gewohnter Form weitergehen. Blicken Sie mit uns anlässlich des World Veterinary Day am 30. April auf die Erfolge des letzten Jahres und lernen Sie eine von zahlreichen wegweisenden Persönlichkeiten auf ihrem Weg zum Tierschutz-Botschafter kennen.

* ein gemeinsames Programm der Welttierschutzgesellschaft und der Welttierschutzstiftung

Lang ersehnter Präsenz- und Praxisunterricht wieder möglich

Die überwiegende Onlinelehre fand 2021 endlich ein Ende. Zwar kam es mitunter noch zu kurzfristigen Schließungen der Universitäten und Colleges im Angesicht wachsender Corona-Infektionszahlen. Dank des bereits 2020 entwickelten digitalen Lehrmaterials und der bereits erprobten Form des blended learning, einer Kombination aus Präsenz- und E-Learning-Veranstaltungen, konnte darauf nun aber gut reagiert werden. So wurden im letzten Jahre viele der Kurse wie geplant durchgeführt – mit großer Resonanz.

Doch auch digital hat das Programm nicht an Interesse verloren – ganz im Gegenteil: Ende des Jahres 2021 wurde der 1.000 Download der Online-Lehrmaterialen verzeichnet. Das englischsprachige Schulungsmaterial beinhaltet Vorlesungen, Lehrfilme sowie Anleitungen für praktische Übungen zu verschiedenen tierschutzrelevanten Themen – und richtet sich an Lehrende für Tierschutz- und Tiergesundheitshemen ganz gleich, wo auf der Welt.

Und jetzt: Tierschutz in die Lehrpläne

Während die schwere Gratwanderung in Zeiten der Pandemie – zwischen virtueller Lehre und Schließungen der Institutionen – 2020 größere Ziele ins Stocken brachte, sind die Ziele 2021 fokussiert verfolgt worden. Die Akkreditierung, also die Aufnahme des Tierschutzes in die Lehrpläne der Universitäten und Colleges, ist seit Beginn des Programms eines der Hauptziele des Einsatzes in allen Projektländern. Denn eben dies ist grundlegend für eine nachhaltige Verankerung des Themas Tierschutz in der Lehre. Das letzte Jahr brachte dann wichtige Fortschritte und Erfolge:

  • Am Gambia College wurde das Tierschutzmodul für den Studiengang Certificate Course in Animal Health and Production akkreditiert.
  • In Simbabwe ist Tierschutz in das Curriculum der Lupane Universität für den Studiengang Animal Science aufgenommen worden.
  • In Liberia wurden im ersten Schritt die Lehrpläne an Universität und College überarbeitet – in Vorbereitung auf die Akkreditierung.
  • An der LUANAR Universität und dem College in Malawi sowie der Makerere Universität in Uganda wurden die Anträge auf Akkreditierung eingereicht.

Diese Erfolge sind insbesondere dem unermüdlichen Einsatz der lokalen Projektmanager*innen zu verdanken: Im Gespräch mit den Verantwortlichen in Behörden und Institutionen haben sie – in einigen Projektländern über Jahre hinweg – die Bedeutung für Tierschutz als fester Teil der Lehre untermauert. Wertvolle Unterstützung boten letztlich auch die Erkenntnisse, die im Rahmen des Qualitätsmanagements (Monitoring & Evaluation) gewonnen wurden: Zum Teil konnten deutliche Lücken zwischen den in der Praxis benötigten Kenntnissen und Fähigkeiten und den Inhalten an Universitäten und Colleges aufgezeigt werden. Diese Fakten waren für die Überprüfung und letztlich bei der Überarbeitung der Lehrpläne einiger unserer Projektländer entscheidend.

Weiterbildung von Lehrpersonal im Fokus

Damit Tierschutz aber nicht nur im Lehrplan steht, sondern auch von gut ausgebildeten Dozent*innen unterrichtet werden kann, müssen zudem fachliche und personelle Kapazitäten in den Institutionen geschaffen werden. 2021 konnten wir auch hier große Schritte gehen: In allen sieben Projektländern fanden Trainings für Lehrpersonal statt –  an der Makerere Universität in Uganda wurde zudem bereits die zweite Stelle eines spezialisierten Tierschutzdozenten besetzt.

Werdegänge wie der von Lawrence Banda aus Malawi zeigen, wohin sich das Programm und unser gemeinsames Bestreben, den Tierschutz fest in der Lehre zu verankern, entwickeln kann: Vor wenigen Jahren war er selbst noch Studierender der Tiermedizin. Heute ist er Tierschutzdozent an der Universität in Lilongwe (Malawi) und als junger Tierarzt und leidenschaftlicher Verfechter des Tierschutzes hoch motiviert, dazu beizutragen, den Tierschutzgedanken weiter zu verbreiten:

 

Vom Studierenden zum Dozenten

Lawrence Banda schloss im Jahr 2019 sein Studium an der Lilongwe University for Agriculture and Natural Resources (LUANAR) in Malawi ab – und gehört somit zu den ersten in Malawi ausgebildeten Tierärzt*innen überhaupt. Er arbeitete anschließend einige Monate lang bei einer lokalen gemeinnützigen Organisation, die sich dem Schutz der Wildtiere im Land widmet. Nach dieser Station wendete er sich der Lehre zu und unterrichtet mittlerweile als Mitarbeiter an der Universität, an der er zuvor sein Studium absolviert hat. Hier unterrichtet der Tierarzt angehende Tiermediziner*innen und Paravets in Tierschutzthemen.

  • Name: Lawrence Banda
  • Wohnort: Lilongwe, Malawi
  • Studienabschluss: Tiermedizin
  • Beruf: Tierschutzdozent an der LUANAR Universität

Was bedeuten Ihnen Tiere?
„Tiere sind Gefährten des Menschen. Auf sie kann man sich verlassen.“

Warum haben Sie sich damals für einen tierbezogenen Studiengang entschieden?
„Meine Entscheidung traf ich angesichts der Missstände, die hierzulande in Bezug auf den Tierschutz herrschen. Zum einen gibt es viel zu wenig Tierärzt*innen, zum anderen stellt beispielsweise der Transport von Tieren ein großes Problem dar: Hühner, Schweine und Ziegen werden kopfüber auf Fahrrädern oder Motorrädern angebunden und transportiert. Das ist oftmals mit Verletzungen verbunden, an denen die Tiere nicht selten qualvoll sterben.“

Wie hat die Teilnahme am Tierwohlkurs Ihr Engagement für den Tierschutz beeinflusst?„Der Kurs hat mir eingehend verdeutlicht, dass Tiere als fühlende Wesen wahrzunehmen sind. Insbesondere der Ansatz der Fünf Freiheiten hat sich nachhaltig in meinem Bewusstsein verfestigt.“

Was macht Ihnen an der Arbeit am meisten Spaß?
„Am meisten gefällt es mir, dass ich den Studierenden beibringen kann, wie sie sich gut um Tiere kümmern können. Dieses Wissen werden sie als Tierärzt*innen auch einmal an die Tierhalter*innen weitergeben – das ist eine sehr effektive Möglichkeit, um die Botschaft des Tierschutzes in der Bevölkerung zu verbreiten.“

Und was erhoffen Sie sich für die Tiergesundheit und den Tierschutz in Malawi in den nächsten Jahren?
 „Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass es mir und den nachrückenden Tierärzt*innen gelingen wird, den Tieren in Malawi ein Mindestmaß an tiermedizinischer Versorgung bieten zu können und den Tierhalter*innen Wissen und Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Tiere zu vermitteln.“

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, die Erfolge des Programmes zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bitte stellen Sie gemeinsam mit uns die nachhaltige Verankerung des Tierschutzes in unseren Projektländern des Programms TIERÄRZTE WELTWEIT sicher!

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