Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Nutztiere in kleinbäuerlichen Strukturen als Rückgrat der Gesellschaft

© Worldwide Veterinary Services (WVS)

Weltweit gibt es 570 Millionen landwirtschaftliche Betriebe – 84 Prozent werden von Kleinbauern betrieben.1 Als integraler Bestandteil kleinbäuerlicher Strukturen wiederum gehören Nutztiere in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern zum Rückgrat der Gesellschaft. Esel und Pferde werden als Lasttiere eingesetzt, um Wasser von Brunnen zu holen oder Waren zu Märkten zu transportieren. Ziegen und Rinder werden als Milchlieferanten genutzt und deren Dünger für den Anbau von Gemüse verwendet. So gibt es beispielsweise im südostafrikanischen Malawi 50 Millionen Nutztiere, die in erster Linie zur Selbstversorgung dienen. Doch wie ergeht es den Tieren in diesen Ländern, in denen die Menschen selbst kaum das Nötigste zum Überleben haben? Wird der wichtige Beitrag der Tiere für eine nachhaltige Entwicklung von den entwicklungspolitischen Akteuren erkannt und das Wohlergehen der Tiere in der Entwicklungszusammenarbeit ausreichend berücksichtigt?

Die Welttierschutzstiftung möchte die deutschen Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt für das Thema Tierwohl von Nutztieren in kleinbäuerlichen Strukturen sensibilisieren. Wichtig dabei sind beispielsweise neben ausreichendem und ausgewogenem Futter auch bauliche Schutzmaßnahmen vor Witterungsbedingungen, eine tiermedizinische Versorgung sowie notwendiges Fachwissen der Halter im Umgang mit den Tieren, um unnötigem Tierleid vorzubeugen.

Auf diese Weise kann mithilfe verschiedener Tierschutzmaßnahmen für mehr Tierwohl gesorgt und die international anerkannten Fünf Freiheiten beim Umgang mit Tieren Wirklichkeit werden. Diese sind: Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung, Freiheit von Unbehagen, Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit, Freiheit von Angst und Leiden, Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens.

Tierschutz ist auch Armutsbekämpfung

Aber auch für die Kleinbauern selbst hat die Berücksichtigung solcher tierschutzrelevanten Aktivitäten positive Konsequenzen: Sie können die gesunden Tiere wie geplant einsetzen. Neben wirtschaftlichen Aspekten geht es aber auch um gesundheitliche Zusammenhänge, indem die Gefahr der Krankheitsübertragung von den Tieren auf die Menschen – z.B. von Tuberkulose oder Tollwut – verhindert wird.

Für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ist es daher ein wichtiger Schritt, ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit eines tiergerechten Umgangs mit Nutztieren weltweit zu schaffen. Denn: Tierschutz ist auch Armutsbekämpfung und somit Entwicklungsarbeit.

© Action for Protection of Wild Animals (APOWA)

Mit dem Programm „Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ sensibilisiert die Welttierschutzstiftung die deutschen Akteure der Entwicklungszusammenarbeit für das Thema Tierwohl. Der Fokus liegt dabei auf Nutztieren im kleinbäuerlichen Kontext.

Unsere Arbeit auf einen Blick

  • Wir wollen den aktuellen Stand zum Thema Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit beleuchten und mit den relevanten Akteuren in den Austausch treten.
  • Wir wollen einen lebhaften Austausch schaffen, der dazu beiträgt, die Entwicklungszusammenarbeit durch die gezielte Berücksichtigung des Tierwohls von Nutztieren nachhaltiger zu gestalten.
  • Wir wollen best practice Beispiele und verschiedene Lösungsansätze herausarbeiten, die als praktische Leitfäden für mehr Tierwohl in landwirtschaftlichen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden können.

1 Quelle: FAO 2016: The Number, Size, and Distribution of Farms, Smallholder Farms,and Family Farms Worldwide.

Ihre Ansprechpartnerin:

Katharina Tölle

Advocacy Program Manager
Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: kt@welttierschutz.org