Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Nutztiere in kleinbäuerlichen Strukturen als Rückgrat der Gesellschaft

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit: Esel und Pferde werden als Lasttiere eingesetzt
© Worldwide Veterinary Services (WVS)

Weltweit gibt es 570 Millionen landwirtschaftliche Betriebe – 84 Prozent werden von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern betrieben (Rota 2015). Als integraler Bestandteil kleinbäuerlicher Strukturen wiederum gehören Nutztiere in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern zum Rückgrat der Gesellschaft. Esel und Pferde werden als Lasttiere eingesetzt, um Wasser von Brunnen zu holen oder Waren zu Märkten zu transportieren. Ziegen und Rinder werden als Milchlieferantinnen genutzt und deren Dünger für den Anbau von Gemüse verwendet. So gibt es beispielsweise im südostafrikanischen Malawi 50 Millionen Nutztiere, die in erster Linie zur Selbstversorgung dienen. Doch wie ergeht es den Tieren in diesen Ländern, in denen die Menschen selbst kaum das Nötigste zum Überleben haben? Wird der wichtige Beitrag der Tiere für eine nachhaltige Entwicklung von den entwicklungspolitischen Akteur*innen erkannt und das Wohlergehen der Tiere in der Entwicklungszusammenarbeit ausreichend berücksichtigt?

Die Welttierschutzstiftung möchte die deutschen Akteur*innen in der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt für das Thema Tierwohl von Nutztieren in kleinbäuerlichen Strukturen sensibilisieren. Wichtig dabei sind beispielsweise neben ausreichendem und ausgewogenem Futter auch bauliche Schutzmaßnahmen vor Witterungsbedingungen, eine tiermedizinische Versorgung sowie notwendiges Fachwissen der Halter*innen im Umgang mit den Tieren, um unnötigem Tierleid vorzubeugen.

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit

Auf diese Weise kann mithilfe verschiedener Tierschutzmaßnahmen für mehr Tierwohl gesorgt und die international anerkannten Fünf Freiheiten beim Umgang mit Tieren Wirklichkeit werden. Diese sind: Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung, Freiheit von Unbehagen, Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit, Freiheit von Angst und Leiden, Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens.

Tierschutz ist auch Armutsbekämpfung

Aber auch für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern selbst hat die Berücksichtigung solcher tierschutzrelevanten Aktivitäten positive Konsequenzen: Sie können die gesunden Tiere wie geplant einsetzen. Neben wirtschaftlichen Aspekten geht es aber auch um gesundheitliche Zusammenhänge, indem die Gefahr der Krankheitsübertragung von den Tieren auf die Menschen – z.B. von Salmonellose oder Brucellose – verringert wird.

Für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit ist es daher ein wichtiger Schritt, ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit eines tiergerechten Umgangs mit Nutztieren weltweit zu schaffen. Denn: Tierschutz ist auch Armutsbekämpfung und somit Entwicklungsarbeit.

Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit
© Action for Protection of Wild Animals (APOWA)

Mit dem Programm „Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit“ sensibilisiert die Welttierschutzstiftung die deutschen Akteur*innen der Entwicklungszusammenarbeit für das Thema Tierwohl. Der Fokus liegt dabei auf Nutztieren im kleinbäuerlichen Kontext.

Unsere Arbeit auf einen Blick

  • Wir wollen den aktuellen Stand zum Thema Tierwohl in der Entwicklungszusammenarbeit beleuchten und mit den relevanten Akteur*innen in den Austausch treten.
  • Wir wollen einen lebhaften Austausch schaffen, der dazu beiträgt, die Entwicklungszusammenarbeit durch die gezielte Berücksichtigung des Tierwohls von Nutztieren nachhaltiger zu gestalten.
  • Wir wollen good practice Beispiele und verschiedene Lösungsansätze herausarbeiten, die als praktische Leitfäden für mehr Tierwohl in landwirtschaftlichen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit genutzt werden können.

 

»Zentrale Ergebnisse der NGO-Befragung in Deutschland 2019: Nutztiere in landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten

Quellen:
Rota, A. (2015): Smallholder Livestock Development. Scaling up note. Rome: IFAD.

 

 

Ihre Ansprechpartnerin:

Katharina Tölle

Advocacy Program Manager
Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: kt@welttierschutz.org