TIERÄRZTE WELTWEIT in Gambia

Botschafter für den Tierschutz

Gambia ist aus Tierschutzsicht eine echte Herausforderung. Im ganzen Land gibt es nur 15 Tierärzte. Um die medizinische Versorgung der 2 Millionen Nutztiere sowie unzähligen Hunden kümmern sich daher vorrangig Fachkräfte für Tiergesundheit, sogenannte Paravets – bislang allerdings ohne Tierschutzwissen. Im Rahmen des Programms TIERÄRZTE WELTWEIT wurde ein Lehrplan entwickelt, der die theoretische als auch praktische Ausbildung der künftigen Paravets um dieses wichtige Thema ergänzt.

Hintergrund: Gambia, Afrika

Hauptstadt: Banjul
Fläche: 11.295 km²
Einwohner: Ca. 2 Millionen
Amtssprache: Englisch
Rang 152 von 175 auf der Armutsrankingliste

Ca. 2 Mio. Nutztiere, davon:
Ca. 300.000 Rinder
Ca. 500.000 Ziegen und Schafe
Ca. 65.000 Esel und 22.000 Pferde
Ca. 15.000 Schweine
Ca. 1 Mio. Geflügel
Source: Lifestock Census 2016

Kaum Tierärzte im Land, keine universitäre Ausbildung für Tierärzte, zu wenig tiermedizinisches Fachpersonal

Wie es in Gambia um den Tierschutz steht

Bei Touristen als „smiling coast“ bekannt und beliebt, gehört das kleinste afrikanische Land doch zu den ärmsten Ländern der Welt. In den ländlichen Regionen Gambias ist ein Leben ohne Tiere für viele Menschen unvorstellbar: Esel und Pferde dienen als Arbeitstiere in der Landwirtschaft, Hunde bewachen die Häuser, Ziegen und Rinder liefern Nahrung.

Die extremen Umweltbedingungen wie Hitze, mageres Weideland und weite Wege zu den Wasserquellen sind jedoch eine starke Belastung für die Gesundheit der Tiere. Sie leiden an Unterernährung, Parasiten und Krankheiten. Eine so dringend benötigte medizinische Versorgung bleibt ihnen meist vorenthalten. In ganz Gambia gibt es keine universitäre Ausbildung für Tierärzte und die wenigen ansässigen Tiermediziner praktizieren fast ausschließlich in den moderneren Küstenregionen. Im ländlichen Raum übernehmen Paravets die tiermedizinische Versorgung und sprechen mit den Tierbesitzern auch über Themen wie Haltung und Fütterung. Und das trotz großer Wissenslücken, denn weder Tierschutzthemen noch praktische Übungen waren bislang Teil ihrer Ausbildung.

Ein Meilenstein für den Tierschutz in Gambia

Sowohl Landwirtschaftsstudenten der University of The Gambia als auch Studenten der Fächer Tiergesundheit und Landwirtschaft am Gambia College besuchen daher seit dem Wintersemester 2016 die Vorlesungen von Dr. Daffeh, der vor Ort als lokaler Koordinator des Programms TIERÄRZTE WELTWEIT tätig ist.

Der Kursplan umfasst neben grundlegendem Wissen rund um den Tierschutz, dem Bewerten des Gesundheitszustandes und der Auseinandersetzung mit nationalen Tierschutzgesetzen, Themen wie Wundbehandlung, Bakteriologie, Parasitologie und die relevantesten Krankheiten – auch mit Hilfe praktischer Einheiten.

Mittlerweile sind die Vorlesungen sogar fester Bestandteil des Lehrplans an beiden Instituten und stoßen bei den Studierenden auf reges Interesse: Die Warteliste ist entsprechend lang.

Praxis, Praxis, Praxis

Die praktischen Kurseinheiten werden gemeinsam mit dem langjährigen lokalen Partner Gambia Horse and Donkey Trust (GHDT) durchgeführt. Zusammen setzen wir uns für mehr Tierschutz und die Verbesserung der tiermedizinischen Versorgung in dem Land ein.

Auf dem Gelände der Eselklinik von GHDT, die nur fünf Kilometer von der Universität entfernt ist, haben die Studenten die Möglichkeit, die theoretischen Inhalte unter professioneller Anleitung in die Praxis zu übertragen. So gewinnen sie Geschick und Sicherheit bei allgemeinen tierärztlichen Untersuchungen, bei der differenzierten Diagnose von Krankheiten und der Behandlung von Notfällen. Da es nicht nur an Personal, sondern auch an der Verfügbarkeit von Medikamenten mangelt, lernen die Kursteilnehmer zudem, wie eine stressarme und tiergerechte Haltung die Gesundheit fördern kann.

Jeder Einzelne von ihnen trägt so zu mehr Tierwohl und Tierschutzbewusstsein in dem ostafrikanischen Land bei.

Volle Konzentration auf die Ausbildung

Unglücklicherweise führt die große Armut jedoch immer wieder zu Studienabbrüchen. Um sicherzustellen, dass besonders tierschutzaffine Studierende dieser Vorlesungen ihr Studium abschließen, werden seit Beginn des Studienjahres 2018/19 Stipendien vergeben. Für aktuell zehn junge Gambierinnen und Gambier werden seitdem die Studiengebühren sowie die Kosten für Mahlzeiten, Unterbringung und Lernmaterialien übernommen.

Mit der Teilnahme an dem Stipendienprogramm verpflichten sich die Studierenden, an Wochenenden und Feiertagen ehrenamtliche Tätigkeiten zu verrichten. So beraten sie unter anderem Tierbesitzer zur Verbesserung der Haltungsbedingungen und führen kostenfreie Entwurmungen und Impfungen durch. Neben guten Noten ist dies eine Voraussetzung, dass sie ihr Stipendium weiter erhalten.

Ihre Ansprechpartnerin für Fragen:

Karin Siegmund
Vorständin der Welttierschutzstiftung

Tel.: +49(0)30 – 9237226-0
E-Mail: ks@welttierschutz.org