Silvester: Wie schütze ich ängstliche Tiere?

Laut einer neuen Umfrage der Verbraucherzentrale Brandenburg spricht sich eine Mehrheit der Menschen in Deutschland dafür aus, privates Feuerwerk an Silvester zu unterbinden. Viele Menschen bewegt dabei auch die Sorge um die Tiere, die unter Böller-Lärm und grellen Lichtsignalen besonders zu leiden haben. Ob die Politik dieses Verbot endlich umsetzen wird, erscheint ungewiss. Daher sollten Tierhalter*innen vom schlechtesten Fall für die Tiere – dem fortgesetzten, nahezu uneingeschränkten Silvester-Feuerwerk – ausgehen und rechtzeitig Vorkehrungen treffen.  

Lesen Sie im Tierschutzblog, wie Sie der Angst des Haustieres vorbeugen und im Stressmoment richtig reagieren können. (Mit Checkliste zum Download für Hundehalter*innen)

Seit vielen Jahren machen Vereine und Verbände – darunter auch wir von der Welttierschutzgesellschaft – auf die verheerenden Auswirkungen von Feuerwerken an Silvester auf die Tier- und Umwelt aufmerksam. Eine 2019 von uns durchgeführte Online-Umfrage unter mehr als 600 Tierhalter*innenin Deutschland bestätigte: Silvester ist wahrlich kein Fest für Tiere.

Mit der richtigen Vorbereitung können Tierhalter*innen ihre Hunde, Katzen, Kleintiere sowie die Wildtiere im Umkreis aber vor Angst, Stress und lebensgefährlichen Folgen bewahren:

  • Kaufen und zünden Sie selbst keine Böller, Raketen, etc.
  • Fügen Sie dem Halsband Ihres Tieres für den Notfall einen Adressanhänger mit Telefonnummer an.
  • Je nach Wohngebiet beginnt die Knallerei früher und kann sich noch bis Tage nach dem Jahreswechsel ziehen. Für Hundehalter*innen gilt deshalb, dass die Tiere bereits in den Tagen rund um Silvester immer an der Leine und nur in ihnen bekannten Gebieten ausgeführt werden sollten.
  • Auch Freigängerkatzen sollten rechtzeitig (1-2 Tage vor und 1-2 Tage nach Silvester) im Haus belassen werden. Richten Sie Ihrem Tier zu Hause eine Ruhezone oder Rückzugsmöglichkeiten in möglichst abgedunkelten, ruhig gelegenen Zimmern ein. Das Tier sollte diese Räume selbstverständlich bereits kennen und sich dort wohlfühlen.
  • Am Silvesterabend lassen Sie am besten die Musik oder den Fernseher im Zimmer leise laufen, um für eine gewohnte und beruhigende Geräuschkulisse zu sorgen.
  • Schließen Sie die Rollläden und Vorhänge, um die grellen Lichteffekte zu vermeiden.
  • Halten Sie die Fenster geschlossen.
  • Sobald die ersten Feuerwerkskörper in die Luft gehen, lassen Sie Ihr Tier nicht mehr allein und nehmen Sie es auf keinen Fall mehr mit nach draußen.
  • Für Kleintier- und Vogelbesitzer*innen: Decken Sie den Käfig ab und stellen Sie ihn in einem möglichst ruhigen Zimmer auf, weit weg vom Fenster.

Offener Brief für ein böllerfreies Silvester

Als Welttiersschutzgesellschaft sind wir – neben 21 weiteren Organisationen – Mitglied im Bündnis #böllerciao, das sich für ein böllerfreies Silvester einsetzt. Gemeinsam in diesem breiten Bündnis fordern wir Bundesinnenministerin Nancy Faeser in einem offenen Brief dazu auf, die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV § 22 Abs. 1 Satz 1 & § 23 Abs. 2 Satz 2) zu überarbeiten und den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft zu beenden.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

das private Silvesterfeuerwerk ist in der heutigen Zeit der falsche Start in ein neues Jahr, denn die Unmengen an Böllern und Raketen sind nicht nur gefährlich und gesundheitsschädlich, sie verschmutzen auch unsere Umwelt. Wir möchten Sie deshalb dazu auffordern, die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) zu überarbeiten und den privaten Kauf und Gebrauch von Pyrotechnik zu Silvester dauerhaft zu beenden. Dafür müssen lediglich zwei Sätze in der Sprengstoffverordnung gestrichen werden.

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern führt dazu, dass wir immer wieder mit schlechter Luft ins neue Jahr starten: Am 1. Januar ist die Luft vielerorts mit Feinstaubwerten belastet, die die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte deutlich überschreiten.

Besonders schlimm trifft es Tiere, denn sie können die Geräusche nicht einordnen. Für Haus-, Wild- und sogenannte Nutztiere bedeutet die Knallerei Stress, Panik und häufig auch Todesangst. Und das nicht nur in der Silvesternacht, sondern auch an den Tagen rund um den Jahreswechsel. Jahr für Jahr entlaufen zahlreiche Haustiere, werden in ihrem Lebensraum aufgeschreckt, verletzen sich oder kommen zu Tode (…).

Auch für Familien mit kleinen Kindern, geflüchtete Menschen und viele andere, ist die fragwürdige Tradition mit Lärm und Angst verbunden. Silvester sollte eigentlich ein schönes Fest sein, aber kurz nach dem Jahreswechsel endet es leider oft mit überfüllten Notaufnahmen, erhöhter Brandgefahr und Verschmutzung durch Feuerwerksüberreste in der Stadt und der Natur. Einsatzkräfte im Gesundheitswesen, der Feuerwehr und der Müllentsorgung arbeiten deshalb immer wieder an der Belastungsgrenze.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin, bitte nehmen Sie sich endlich der Thematik an und stellen Sie jetzt die Weichen für einen Neustart. Damit setzen Sie ein wichtiges Zeichen für saubere Luft, den Umweltschutz sowie für die Gesundheit von Mensch und Tier! Eine Mehrheit der Bundesbürger:innen ist für ein Böllerverbot und steht dabei hinter Ihnen.

Wir fordern: Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz überarbeitet wird und sowohl § 22 Abs. 1 Satz 1 – „Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 dürfen dem Verbraucher im Jahr 2021 nicht und in anderen Jahren nur in der Zeit vom 29. bis 31. Dezember überlassen werden; ist einer der genannten Tage ein Sonntag, ist ein Überlassen bereits ab dem 28. Dezember zulässig“ – als auch § 23 Abs. 2 Satz 2 – „Am 31. Dezember und 1. Januar dürfen sie auch von Personen abgebrannt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben“ – gestrichen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Deutsche Umwelthilfe, Gewerkschaft der Polizei, Bundesärztekammer, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, TASSO, Jane Goodall Institut Deutschland, Deutscher Tierschutzbund, PETA Deutschland, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg, Bundesverband Tierschutz e.V., NaturFreunde Deutschlands, Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, Pro Wildlife e.V., Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V., Deutsche Tinnitus-Liga e.v., Bundesverband Bürohund e. V., Haustierregister FINDEFIX, Deutscher Naturschutzring (DNR) e. V., Retinologische Gesellschaft e. V., Welttierschutzgesellschaft e. V., Andreas Reuland (Augenarzt), Norbert Mülleneisen (Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Umweltmediziner)

Ganz besonders in Zeiten wie diesen – wo vielerorts echte Raketen und Bombenhagel akut Leben bedrohen – sollten auch Empathie und Mitgefühl dazu beitragen, private Feuerwerke im Sinne des Tier- und Umweltschutzes zu unterlassen. Wir hoffen auf Ihr Zutun und versichern: Indem Sie „spendet statt zu böllern“ können wir durch den WTG-Nothilfefonds wichtige Tierhilfe leisten – gerade dort, wo die Tiere uns gerade am dringendsten brauchen:

FÖrdermitglied werden

5 Euro
im Monat

sichern fünf Rindern die Versorgung im Katastrophenfall.

120 Euro

ermöglichen die Bereitstellung von Sachspenden wie Transportboxen sowie die tiermedizinische Akutversorgung.

Ob erfahrene oder ganz neue Hundehalter*innen – die Silvesternacht kann jedes Jahr aufs Neue zu einer Herausforderung für Hund und Halter*innen werden. Unsere Merkliste hilft, sich bestmöglich vorzubereiten:

Laden Sie die Grafik bitte gern herunter, vervielfachen Sie diese und teilen Sie sie, wo immer möglich: Unter Hundehalter*innen in Ihrem Bekanntenkreis, am schwarzen Brett im Supermarkt oder digital als Beitrag in einem sozialen Netzwerk.

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Es mag simpel klingen, ist aber einer der wichtigsten Faktoren: Ihr Verhalten überträgt sich häufig auf das Tier, weshalb auch Tierhalter*innen selbst Sicherheit signalisieren sollten. Gut gemeinte Beruhigungsversuche können helfen, aber auch das genaue Gegenteil verursachen und das Tier in zusätzlichen Stress versetzen.

Deshalb ist Vorbereitung das A und O für ein stressfreies Silvester mit Haustier: Tierhalter*innen sollten unbedingt schon in den Wochen vor Silvester testen, wie das Tier auf möglicherweise notwendige Beruhigungsversuche reagiert. Dazu misst man in einem Stressmoment seinen Puls, bei einem Hund am besten am Oberschenkel. Zeitgleich versucht man zum Beispiel durch Streicheln das Tier zu beruhigen. Wenn dies für das Tier entspannend wirkt, wird der Puls fünf Minuten später deutlich niedriger liegen. Ein solches Eingreifen kann dann auch in der Silvesternacht helfen. Steigt der Puls des Tieres bei dem Test aber, sind Beruhigungsversuche eher kontraproduktiv und sollten vermieden werden.

Rescue-Tropfen oder andere Mittel zur Beruhigung können sinnvoll sein, wenngleich bisher tiermedizinisch keine eindeutigen Wirkungsmechanismen belegt worden sind. Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die die Halter*innen dem Tier mit dem Verabreichen der Tropfen entgegenbringen, kann jedoch bereits mit einer Wirkung und entsprechenden Reaktion des Tieres verbunden sein.

Anders sieht es bei einer medikamentösen Behandlung aus, die bei besonders gestressten Tieren wie beispielsweise geräuschempfindlichen Hunden durchaus angebracht sein kann. Hier sollte jedoch immer ein*e Tierärzt*in, idealerweise mit Fachgebiet Verhaltensphysiologie, zu Rate gezogen werden. Denn die zur Verfügung stehenden Mittel müssen nicht nur unbedingt an den Zustand des Tieres angepasst sein, sie sind auch sehr unterschiedlich und teils herausfordernd in der Anwendung. So gibt es Mittel, die kurzfristig zu verabreichen sind, deren Gabe jedoch so schwierig ist, dass die erhofften Erfolge durch Fehler bei der Anwendung oftmals ausbleiben. Andere Mittel, wie Antidepressiva für besonders schwere Fälle, sollten dagegen über jeweils einen Monat ein- und wieder ausgeschlichen werden. Hier sollte die genaue Anwendung engmaschig vom Tierarzt begleitet werden. Daher empfiehlt es sich, sich schon früh genug, mindestens aber einen Monat vorher, tierärztlich beraten zu lassen.

  • Kaufen und zünden Sie selbst keine Böller, Raketen, etc.
  • An Silvester wird traditionell durch Bleigießen in die Zukunft geschaut? Dann lassen Sie aber auf keinen Fall das verunreinigte Wasser unbeaufsichtigt stehen. Dies ist hochgiftig für Tiere. Auch die Entsorgung ist wichtig, denn die Bleireste schaden auch der Umwelt.
  • Klären Sie Nachbar*innen auf, informieren Sie sie über die Ruhezonen Ihrer Tiere sowie die Ängste der und Gefahren für Wildtiere.
  • Halten Sie sich selbst in der Silvesternacht sowohl von Wäldern und Wiesen als auch von Ställen, Tierheimen und Tierparks fern.

Bitte schützen Sie die Tiere – vor, während und nach den Silvester-Feierlichkeiten. Mit unseren Tipps hoffen wir, Ihnen eine gute Hilfestellung geleistet zu haben und wünschen Ihnen und Ihren Tieren einen guten Rutsch in ein schönes neues Jahr.

++ Der Welttierschutzgesellschaft e.V. weist darauf hin, dass dieser Artikel mit größter Sorgfalt recherchiert und erstellt wurde. Die Inhalte und Links werden allerdings nicht stetig aktualisiert und beziehen sich grundsätzlich immer auf den Stand der Recherche zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Wenn Sie Anregungen oder Bemerkungen zum Artikel haben, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt via info@welttierschutz.org Kontakt auf. ++

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